Kvinesdal
Kommune in Agder in Norwegen
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Kvinesdal ist eine Kommune im norwegischen Fylke Agder. Die Kommune wird von der Kvina durchflossen und hat 6242 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026). Verwaltungssitz ist die Ortschaft Liknes.
| Wappen | Karte | |
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Kommunennummer: | 4227 | |
| Provinz (fylke): | Agder | |
| Verwaltungssitz: | Liknes | |
| Koordinaten: | 58° 20′ N, 7° 1′ O | |
| Fläche: | 963,21 km² | |
| Einwohner: | 6.242 (1. Jan. 2026)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 6 Einwohner je km² | |
| Sprachform: | neutral | |
| Webpräsenz: | ||
| Verkehr | ||
| Straße: | Europastraße 39 | |
| Bahnanschluss: | Sørlandsbanen | |
| Lage in der Provinz Agder | ||
Geografie

Die Kommune Kvinesdal liegt im Westen des südnorwegischen Fylkes Agder. Sie grenzt im Norden an die Kommune Bygland, im Nordosten an Åseral, im Osten an Hægebostad, im Südosten an Lyngdal, im Süden an Farsund, im Südwesten an Flekkefjord und im Westen an Sirdal.[2]
Die Kommune Kvinesdal erstreckt sich entlang eines gleichnamigen Tals, durch das in Nord-Süd-Richtung die Kvina fließt. In der Ortschaft Liknes kommt es zum Zusammenfluss mit der Litleåna. Einige Kilometer danach mündet die Kvina bei der Ortschaft Øye im Südwesten der Kommune in den Fedafjord. Etwas weiter südwestlich mündet in Feda auch die Fedaelva in diesen Fjord. In der Kommune befinden sich einige größere Seen, unter anderem das Øyulvsvatnet und das Homstølvatnet. Beide Seen werden von der Kvina durchflossen.[2] Die Gesamtfläche der Kommune beträgt 963,21 km², wobei Binnengewässer zusammen 76,86 km² ausmachen.[3]
Während sich im Norden der Kommune mehrere Berge mit Höhen von über 900 moh. befinden, fällt das Terrain in Richtung Süden ab. Allerdings hat das Kvinesdal auch im Süden steile Talseiten.[2][4] Die höchste Erhebung der Kommune Kvinesdal hat eine Höhe von 992,62 moh.[5] In den Berggebieten im Nordosten der Kommune wurde über längere Zeit Bergbau betrieben.[2]
Einwohner
Die dichteste Besiedlung liegt im Süden der Kommune vor. Dort befindet sich unter anderem die Ortschaft Liknes. Der Norden der Kommune, insbesondere die frühere Kommune Fjotland, ist hingegen nur sehr dünn besiedelt. Über Jahrzehnte hinweg wanderten viele Einwohner der Kommune nach Nordamerika aus. Dies führte unter anderem dazu, dass die Einwohnerzahl zwischen 1870 und 1970 nicht angestiegen war und jeweils bei rund 5300 Einwohnern lag. In den 1970er-Jahren kam es jedoch zu einer Trendumkehr und die Kommune erreichte im Laufe der 2020er-Jahre über 6000 Einwohner.[4]
In der Kommune liegen mehrere sogenannte Tettsteder, also mehrere Ansiedlungen, die für statistische Zwecke als eine städtische Siedlung gewertet werden. Diese sind Feda mit 457, Liknes mit 2613 und Øye mit 289 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2025).[6]
Die Einwohner der Kommune werden Kvindøl genannt.[7] Kvinesdal hat wie viele andere Kommunen der Provinz Agder weder Nynorsk noch Bokmål als offizielle Sprachform, sondern ist in dieser Frage neutral.[8]
| Jahr | Einwohnerzahl[9] | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Anzahl | Prozent | ||
| 1960 | 5369 | — | — |
| 1970 | 5366 | −3 | −0,1 % |
| 1980 | 5609 | +243 | +4,5 % |
| 1990 | 5666 | +57 | +1,0 % |
| 2000 | 5554 | −112 | −2,0 % |
| 2010 | 5776 | +222 | +4,0 % |
| 2020 | 5987 | +211 | +3,7 % |
Geschichte
Ein- und Ausgemeindungen
Die Kommune Kvinesdal entstand, als im Jahr 1838 in Folge der Formannskapslovene die kommunale Selbstverwaltung in Norwegen eingeführt wurde. Im Jahr 1841 wurde die Kommune Fjotland eingemeindet. Fjotland brachte 980 Einwohner in die Kommune Kvinesdal, die bis dahin 3226 Einwohner hatte, ein. Siebzehn Jahre später, im Jahr 1858, wurde Fjotland mit da 1044 Einwohnern wieder von Kvinesdal abgespalten. Zum 1. Januar 1900 wurde Kvinesdal schließlich weiter unterteilt und in die Kommunen Liknes mit 2937 und Feda mit 1090 Einwohnern aufgespalten. Die Kommune Liknes wurde im Jahr 1917 in Kvinesdal umbenannt. Zum 1. Januar 1963 wurden schließlich alle drei Kommunen – Kvinesdal, Fjotland und Feda – wieder fusioniert. Vor den Eingemeindungen hatte Kvinesdal 3218 Einwohner, wozu 1244 Einwohner von Fjotland und 576 Einwohner von Feda hinzukamen.[10][4] Bis zum 31. Dezember 2019 gehörte Kvinesdal dem damaligen Fylke Vest-Agder an. Dieses ging im Zuge der Regionalreform in Norwegen in das zum 1. Januar 2020 neu geschaffene Fylke Agder über.[11]
Auswanderungswelle
Zum Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Auswanderungswelle aus Kvinesdal und den Nachbarkommunen. Im Zuge dessen emigrierten bis in die 1970er-Jahre viele Einwohner in die USA. Ein Auswanderungsmuseum (Utvandrermuseum) erinnert heute an die Geschichte der Auswanderung. Dort wird auch das Auswanderungsfestival (Utvandrerfestivalen) veranstaltet. In Liknes wurde ein Auswanderermonument errichtet.[12][4]
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs übernahm die Wehrmacht die Kontrolle über den Bergbau in der Ortschaft Knaben. Das dort geförderte seltene Molybdänit wurde für die Rüstungsindustrie benötigt, da Molybdän zur Härtung von Stahl eingesetzt werden kann. Die Gruben waren deshalb essenziell für die Deutschen, weshalb sie im Jahr 1943 zwei Mal von den Alliierten bombardiert wurden. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude besteht mittlerweile ein Museum.[4][13]
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Schienenverkehr
Die Sørlandsbanen verläuft auf ihrem Weg zwischen Oslo und Stavanger durch Kvinesdal. Im Osten der Kommune führt die Strecke durch den Kvinesheitunnel. Innerhalb von Kvinesdal befindet sich die Haltepunkt Storekvina. Der Bahnhof in Storekvina wurde 1943 eröffnet und später zum Haltepunkt degradiert. Der Abstand zum Osloer Hauptbahnhof beträgt rund 450 Kilometer.[14] Mit der Sandvatn stasjon gab es einen weiteren Bahnhof in der Kommune. Dort halten jedoch keine Personenzüge mehr.[15]
Straßenverkehr
Durch des Süden von Kvinesdal führt die Europastraße 39 (E39). Sie stellt in Richtung Osten unter anderem die Verbindung nach Kristiansand her und in Richtung Westen nach Flekkefjord. Innerhalb von Kvinesdal führt die E39 bei Feda von Osten nach Westen zunächst durch den Teistedalstunnel, dann über die Fedafjorden bru, die den Fedafjord überspannt, und weiter durch den Fedaheitunnel. Bei Feda mündet der Fylkesvei 465 in die E39. Der Fylkesvei führt weitgehend parallel zur Kvina in den Norden der Kommune.[2]
In der Ortschaft Kvinlog kreuzt der Fylkesvei 42 in den Fylkesvei 465. Der Fylkesvei 42 durchquert Südnorwegen in Ost-West-Richtung von Arendal bis Egersund. Die Straße stellt unter anderem eine Verbindung zu den beiden Nachbarkommunen Hægebostad, Lyngdal und Sirdal dar.[2]
Wirtschaft

Für die Landwirtschaft ist insbesondere die Haltung von Rindern und Schafen typisch. Vor allem im Abschnitt zwischen Liknes und der Mündung der Kvina in den Fedafjord befinden sich gut für die Landwirtschaft geeignete Böden. Im Bereich der Industrie ist hauptsächlich die Eisen- und Metallindustrie von größerer Bedeutung.[4] Das französische Metallurgie-Unternehmen Eramet betreibt ein Schmelzwerk in Kvinesdal.[16] Bis 1973 wurde in Knaben, einer Ortschaft im Norden der Kommune, Bergbau betrieben. Die dortigen Gruben waren zu ihren Hochzeiten der größte Molybdänit-Förderer in Europa. Im Jahr 2007 wurde wieder mit den Abbau von geringeren Mengen begonnen.[4]
In der Kommune befinden sich mehrere Wasserkraftwerke. Das mit Abstand größte Kraftwerk in der Kommune ist das Kraftwerk Solhom. Es ist seit 1974 in Betrieb und hatte zwischen 1991 und 2020 eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 730 GWh. Es nutzt eine Fallhöhe von etwa 215 Metern aus.[17] Weitere Wasserkraftwerke in der Kommune sind unter anderem die Kraftwerke Rafoss, Dvergfossen und Høylandsfoss mit einer jährlichen Durchschnittsproduktion von jeweils über 30 GWh. Sowohl das Rafoss- als auch das Dvergfossen-Kraftwerk wurden im Jahr 2021 in Betrieb genommen.[18][19]
Im Jahr 2021 arbeiteten von rund 2910 Arbeitstätigen nur rund 1660 in Kvinesdal selbst. Etwa 450 Personen pendelten in die Nachbarkommune Flekkefjord und etwa 150 Personen nach Lyngdal.[20]
Religion

In der Kommune befinden sich mehrere Kirchen. Die Kvinesdal kirke ist eine Holzkirche in Liknes aus dem Jahr 1837. Die Kirche ersetzte eine alte Kirche aus dem Jahr 1623. Sie hat einen achteckigen Grundriss und 350 Sitzplätze. Das Kirchgebäude wurde nach Plänen des Architekten Hans Ditlev Franciscus von Linstow errichtet.[21] Auch die Feda kirke und die Fjotland kyrkje wurden nach Standardentwürfen von ihm gebaut. Die Kirche in Feda hat einen kreuzförmigen Grundriss und 250 Sitzplätze. Sie wurde im Zeitraum von 1800 bis 1802 errichtet.[22] Die Fjotland kyrkje wurde 1836 fertiggestellt und hat ebenfalls 250 Sitzplätze.[23]
In der Region ist die Pfingstbewegung stark vertreten. In der Kommune liegt das Sarons dal, ein Zentrum der Missionsstiftung Ingen Utelatt (ehemals Troens Bevis).[4]
Name und Wappen
Das seit 1985 offizielle Wappen der Kommune zeigt eine silberne Deichsel auf blauem Hintergrund. Die Deichsel soll die Landschaft der Kommune symbolisieren. Die beiden oberen Arme stellen die Kvina und die Litleåna mit ihren Tälern dar, die bei Liknes aufeinandertreffen.[4]
Der Name Kvinesdal stammt vom altnorwegischen Hvínisdalr, gebildet aus dem Namen des Fjords Hvínir – heutzutage dem Fedafjord – zu hvína: „kreischen“ oder „quietschen“, und dalr, was „Tal“ bedeutet. Kvina ist heute der Name des Flusses, der durch Kvinesdal fließt und in den Fedafjord mündet.[4][24]
Persönlichkeiten
- Elisabeth Fedde (1850–1921), lutherische Diakonisse, lange Zeit in den USA
Weblinks
- Kvinesdal im Store norske leksikon (norwegisch)
- Fakten über Kvinesdal beim Statistisk sentralbyrå (norwegisch)
