Kwitajny

Siedlung in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Kwitajny (deutsch Quittainen) ist ein Ort in der Gmina Pasłęk, Woiwodschaft Ermland-Masuren, im Norden Polens.

Blick auf Kwitajny im Jahre 2021
Die ehemalige Gutsanlage Quittainen in Kwitajny im Jahre 2014
Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Kwitajny
?
Kwitajny (Polen)
Kwitajny (Polen)
Kwitajny
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Elbląg
Gmina: Pasłęk
Geographische Lage: 54° 1′ N, 19° 48′ O
Einwohner: 167 (2021[1])
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NEB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 527: DzierzgońPasłękSuroweKalnikMorągOlsztyn
KroninZielno → Kwitajny
Eisenbahn: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Schließen

Geographische Lage

Der Ort liegt im ehemaligen Ostpreußen in der Landschaft Ermland-Masuren, etwa elf Kilometer südöstlich der ehemaligen Kreisstadt Pasłęk (Preußisch Holland), 29 Kilometer südöstlich der heutigen Kreismetropole Elbląg (Elbing) und 53 Kilometer nordwestlich der Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn (Allenstein) in einem fruchtbaren Tal, das von Hügeln, Wäldern und Hainen umgeben ist.

Westlich der Ortschaft fließt das Flüsschen Zalle (polnisch Sała).

Geschichte

Ortsgeschichte

Bis Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte das Gebiet zum Kreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen.

Die Ortschaften Groß und Klein Quittainen wurden am 8. April 1431 in einer Handfeste erwähnt, die der Elbinger Ordenskomtur Konrad von Beldersheim in Preußisch Holland beurkundet hatte.[2] Laut einer in Königsberg i. Pr. ausgestellten Handfeste war Groß und Klain Qittainen am 4. Dezember 1557 von Herzog Albrecht von Preußen zusammen mit zahlreichen anderen Gütern für treue Dienste Anton von Borke überlassen worden; in einer weiteren in Königsberg am 17. April 1573 ausgestellten Handfeste wurde der Familie Borke dieser Besitz durch Herzog Albrecht Friedrich von Preußen bestätigt. Im Zeitraum von 1681 bis 1695 war der kurfürstlich-brandenburgische Generalfeldmarschall Freiherr Georg von Derfflinger (* 1606; † 1695) Lehnsherr der Quittainenschen Güter. Nach dessen Ableben kamen die Güter an den kurfürstlich-brandenburgischen Generalfeldmarschall Johann Albrecht von Barfuß, der sie seinem Sohn Karl Friedrich Ludwig von Barfuß hinterließ; dieser stammte aus zweiter Ehe mit Eleonore von Dönhoff.

1710 wurde Quittainen von der in Ostpreußen ausgebrochenen Pest erfasst, die zahlreichen jungen und alten Menschen den Tod brachte.[3]

Karl Friedrich Ludwig von Barfuß ließ im Zeitraum 1714–1719 in der Mitte des Dorfes unweit des Schlosses eine neue Kirche im barocken Stil errichten. Diese wurde im zeitlichen Wechsel sowohl von der evangelisch-reformierten als auch von der evangelisch-lutherischen Gemeinde genutzt. Für den Neubau hatte er selbst ein Orgelwerk sowie die Turmuhr und die Glocke beschafft.[4]

Im Jahr 1785 wird Quittainen als ein adliges Gut mit einem gräflichen Schloss, Dorf und Vorwerk sowie einer Ziegelei am Flüsschen Zalle mit insgesamt 31 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.[5] Die Gerichtsfunktion wurde vom Stifts- und Armengericht Quittainen wahrgenommen.

Im 19. Jahrhundert verfügte Quittainen über eine eigene Poststation.[6]

Um 1920 waren Rittergut und Forst Quittainen Teil der gleichnamigen Herrschaft. Zur Herrschaft Quittainen gehörten außerdem noch das Dorf Schönau, das Gut Komthurhof, das Rittergut Lägs, das Rittergut Matzweissen, das Rittergut Amalienhof, das Rittergut Mäken, das Rittergut Skollmen sowie das Rittergut Nauten mit den beiden Rittergütern Kanditten und Einhöfen; als Besitzer der Herrschaft war die Graf von Dönhoffsche Familien- und Armenstiftung eingetragen, deren Kurator Stanislaus Graf von Dönhoff, Majoratsherr auf Skandau, war.[7]

Im Frühjahr 1945 wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Bald darauf wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit dem Kreis Preußisch Holland und Quittainen von der Sowjetunion gemäß dem Potsdamer Abkommen dem kommunistischen Regime der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Quittainen wurde in Kwitajny umbenannt. Soweit die deutschen Einwohner nicht vor Kriegsende geflohen oder bei Kriegshandlungen ums Leben gekommen waren, wurden sie in der Folgezeit größtenteils vertrieben und durften später nicht in ihren Besitz zurückkehren.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohnerzahl ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
JahrEinwohnerzahlAnmerkungen
178231 Feuerstellen (Haushaltungen), davon drei Feuerstellen auf dem abgebauten Vorwerk Amalienhof[5]
1818330adliges Dorf und Vorwerk im Besitz der Graf Dönhoffschen Stiftung[8]
1858285sämtlich Evangelische, auf einer Fläche von 4220 Morgen[9]
1864286am 3. Dezember[10]
1867322am 3. Dezember[11]
1871300am 1. Dezember, sämtlich Evangelische[11]
1910239am 1. Dezember[12][13]
1933422[14]
1939379[14]
Schließen

Amtsbezirk Quittainen (1874–1945)

Am 28. Mai 1874 wurde Quittainen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg. Anfangs umfasste er drei Kommunen, um 1908 wurden es 20, von denen aufgrund struktureller Veränderungen jedoch nur sechs bis 1945 bestanden:[15]

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Name ...
Deutscher NamePolnischer NameAnmerkungen
QuittainenKwitajny
SchönauSurowe1928 nach Quittainen eingegliedert
SolainenZielno1928 nach Krönau (Amtsbezirk Grünhagen) eingemeindet
um 1908:
AmalienhofMalinowo1928 nach Lägs eingegliedert
EinhöfenSiedlisko1928 nach Nauten eingegliedert
GroßainenGrużajny1928 nach Nauten eingegliedert
Groß Thierbach (Dorf)Grądki
Groß Thierbach (Gut)1928 nach Groß Thierbach eingemeindet
KandittenKandyty1928 nach Nauten eingegliedert
Klein Thierbach1928 nach Groß Thierbach eingemeindet
KomthurhofKudyny1928 nach Krönau eingemeindet
LägsLeżnica
MäkenMajki
MatzweissenMaciejowizna1928 nach Lägs eingegliedert
MementoNowy Folwarknach Groß Thierbach eingemeindet
NautenNawty
PergusenPiergozy
SkollmenSkolimowo1928 nach Mäken eingegliedert
WeiningsWągniki1928 nach Pergusen eingegliedert
Schließen

Im Jahre 1945 bildeten nur noch die Dörfer Groß Thierbach, Lägs, Mäken, Nauten, Pergusen und Quittainen den Amgtsbezirk Quittainen.

Schloss Quittainen

Schloss Quittainen, Mai 2007

Das Schloss wurde im Auftrag von Christoph Graf zu Dohna-Schlodien nach Plänen von Jean de Bodt um 1700 erbaut, wobei von diesen Plänen nur ein Stockwerk des Hauptgebäudes und ein Seitenflügel realisiert wurden.[16]

Schloss und Gut Quittainen wechselten 1742 von der Familie Barfus an Philipp Otto Graf Dönhoff. Dieser erweiterte den Besitz durch Ankauf der Güter Schönau-Gehlfeldt, Nauten und Samrodt. In Quittainen ließ er das Schulhaus ausbauen.[4]

Das Schloss wurde bis 1944 von Christoph Graf Dönhoff (1906–1992) bewohnt, der Diplomat gewesen war. Seine Schwester, die später bekannte Publizistin Marion Gräfin Dönhoff, bewohnte das gegenüberliegende Rentamt. Sie leitete den Gutsbetrieb während der Kriegsjahre. Sie begann im Januar 1945 von hier aus ihre Flucht Richtung Westen. In einem Brief an die Gräfin berichtete eine Bewohnerin von Quittainen über das Schicksal der zurückgebliebenen Dorf- und Gutsbewohner: Zehn Männer, sechs Frauen und Kinder waren erschossen und vierzehn Einwohner in die Sowjetunion deportiert worden.[17]

Das Schlossgebäude wurde um 1985 renoviert und danach als Verwaltungs- und Wohngebäude genutzt. Das ehemalige Rentamt verfiel und ist nur noch als Ruine erhalten.

Religion

Die Gutskirche

Gutskirche

Die Gutskirche in Quittainen ist ein Bau aus der Zeit von 1714 bis 1781.[18] Es handelt sich um einen achteckigen gestreckten Ziegelbau mit einem Turm, der mit einer welschen Haube und Laterne abschließt.

Der Kircheninnenraum bildet ein längliches Oval und ist in gotischen Formen gehalten. An der Ostseite steht der Altar von 1876, darüber befindet sich die Kanzel. An der Westseite ist unter der Orgel der Gutsstand platziert. Die Glocken wurde 1786 und 1789 gegossen. Die letztere stiftete Philipp Otto Graf Dönhoff.

Kirchengemeinde

Evangelisch

Die Gutskirche wurde wechselseitig von der evangelisch-lutherischen und der evangelisch-reformierten Kirche genutzt. Im Jahre 1721 wurde die Kirchengemeinde Quittainen eigenständig, auch wenn sie bis 1945 mit der Kirchengemeinde in Groß Thierbach eine Vereinigte Kirchengemeinde bildete, deren Pfarrsitz Groß Thierbach war.[19] Das Kirchenpatronat oblag der Gräflich Dönhoffschen Familien- und Armenstiftung in Quittainen. Der Sprengel Quittainen der Vereinigten Kirchengemeinde umfasste lediglich das Gutsdorf Quittainen mit (im Jahre 1925) 253 Gemeindegliedern von 657 insgesamt. Groß Thierbach-Quittainen gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Preußisch Holland (Pasłęk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute in Kwitajny lebende evangelische Gemeindeglieder gehören zur St.-Georgs-Kirche Pasłęk, einer Filialkirche von Ostróda (Osterode) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholisch

In Quittainen gab es vor 1945 keine römisch-katholische Kirche. Die Kirchenglieder gehörten zur Pfarrei St. Josef in der Kreisstadt Preußisch Holland (Pasłęk) im Bistum Elbing.

Verkehr

Kwitajny liegt an der polnischen Woiwodschaftsstraße 527 (ehemalige deutsche Reichsstraße 133), die von Dzierzgoń (Christburg) über Pasłęk (Preußisch Holland) und Morąg (Mohrungen) bis nach Olsztyn (Allenstein) verläuft. Eine von Kronin (Krönau) über Zielno (Solainen) führende Nebenstraße endet in Kwitajny.

Eine direkte Anbindung an den Bahnverkehr besteht nicht, der nächstgelegene Bahnhof ist Pasłęk.

Literatur

Commons: Kwitajny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI