Königreich Irak

historischer Staat (1921-1958) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Haschemitische Königreich Irak (arabisch المملكة العراقية الهاشمية, DMG al-Mamlaka/Malika al-ʿIrāqiyya al-Hāschimiyya) war ein Staat im Nahen Osten, der von 1921 bis 1958 existierte. Es entstand nach dem Ersten Weltkrieg aus dem ehemaligen osmanischen Vilâyet Bagdad und weiteren Gebieten des zerfallenen Osmanischen Reiches und stand zunächst unter britischem Mandat. Erster König war Faisal I. aus der haschemitischen Dynastie, der 1921 inthronisiert wurde. 1932 erlangte der Irak die formelle Unabhängigkeit von Großbritannien und wurde Mitglied im Völkerbund. Die Monarchie war geprägt von politischen Spannungen, militärischen Eingriffen und wachsendem Nationalismus. Am 14. Juli 1958 wurde König Faisal II. während eines Militärputsches gestürzt und getötet. Mit der Ausrufung der Republik endete das Königreich Irak.

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Vorgeschichte

Krönung von König Faisal I. (1921–1933) im Rahmen der Gründung des Königreiches 1921

Die Vorgeschichte des Königreichs Irak ist eng mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg verknüpft. Seit dem 16. Jahrhundert hatten die osmanischen Sultane die Provinzen Bagdad, Basra und Mossul kontrolliert. Diese drei Vilâyets bildeten die territoriale Grundlage des späteren irakischen Staates.

Eine wesentliche politische und militärische Voraussetzung für die Neuordnung der Region war die Arabische Revolte, die im Juni 1916 unter Führung des Scherifen von Mekka, Hussein ibn Ali, gegen die osmanische Herrschaft begann. Ziel war die Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates. Die Revolte wurde durch Großbritannien unterstützt, das sich davon eine Schwächung des Osmanischen Reiches versprach. Zu den britischen Verbindungsoffizieren zählte T. E. Lawrence, der als Lawrence von Arabien internationale Bekanntheit erlangte. Militärisch erfasste der Aufstand zunächst den Hedschas, weitete sich jedoch nach Norden aus und trug 1918 zur Einnahme von Damaskus bei. Eine zentrale Rolle spielte dabei Faisal, der als militärischer Führer arabischer Einheiten hervortrat. Parallel dazu besetzten britische Truppen im Rahmen des Mesopotamien-Feldzuges ab 1914 schrittweise die osmanischen Provinzen an Euphrat und Tigris, 1917 fiel Bagdad. Mit dem Waffenstillstand von Moudros am 30. Oktober 1918 endete die osmanische Herrschaft in der Region endgültig. Die zukünftige politische Ordnung wurde jedoch bereits während des Krieges durch das geheime Sykes-Picot-Abkommen zwischen Großbritannien und Frankreich vorgezeichnet, das Einflusszonen im Nahen Osten vorsah. Neben strategischen und geopolitischen Erwägungen spielten auch wirtschaftliche Interessen eine bedeutende Rolle. Bereits vor dem Krieg war das Erdölvorkommen in Mesopotamien bekannt. Die 1912 gegründete Turkish Petroleum Company, an der unter anderem britische Kapitalinteressen beteiligt waren, sicherte sich Förderrechte in den osmanischen Provinzen. Nach Kriegsende bemühten sich britische Stellen, insbesondere im Hinblick auf die Versorgung der Royal Navy und die wachsende Bedeutung des Erdöls für Industrie und Militär, um die Kontrolle über die ölreichen Gebiete, insbesondere im Raum Mossul. Die Einbeziehung des Vilâyets Mossul in das spätere Mandatsgebiet stand daher auch im Zusammenhang mit der Sicherung potenzieller Erdölressourcen.

Auf der Sanremo-Konferenz im April 1920 erhielt Großbritannien das Mandat über Mesopotamien, das unter Aufsicht des Völkerbundes stand. Die britische Herrschaft stieß jedoch auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung. Im Sommer 1920 kam es zu einem landesweiten Aufstand gegen die Mandatsmacht, an dem sich schiitische und sunnitische Gruppen ebenso beteiligten wie kurdische Stämme. Um die Lage zu stabilisieren und eine indirekte Kontrolle zu etablieren, entschieden sich die Briten auf der Konferenz von Kairo unter maßgeblicher Fürsprache von Gertrude Bell, zur Einsetzung eines arabischen Monarchen. Die Wahl fiel auf den Haschimiten Faisal, der nach seiner kurzzeitigen Herrschaft in Syrien als Kompromisskandidat galt und nach einer Volksabstimmung am 23. August 1921 als Faisal I. zum König des Irak proklamiert wurde. Mit seiner Thronbesteigung entstand formal das Königreich Irak, das jedoch weiterhin unter starkem britischem Einfluss stand (Anglo-irakische Verträge) und dessen Grenzen und politische Struktur maßgeblich durch die Mandatsordnung geprägt waren.[2]

Entwicklung

Unabhängigkeit

Das Königreich Irak wurde am 3. Oktober 1932 nach dem formalen Ende des britischen Völkerbundmandates von Großbritannien unabhängig. Es trat dem Völkerbund schließlich selbst bei. Dennoch behielt Großbritannien, wie im Vertrag von 1930 festgeschrieben, weiterhin seine wichtige politische, militärische und wirtschaftliche Rolle bei.[3] Nach der Erlangung der Unabhängigkeit erhob die irakische Regierung territoriale Ansprüche auf Kuwait, das unter der Verwaltung des Vereinigten Königreiches stand.[4]

Faisal umriss das Hauptproblem des irakischen Staates in einem internen Memo als die Zerrissenheit des Landes in separatistische Kurden, eine seit der osmanischen Zeit bevorzugte sunnitische Elite und eine marginalisierte schiitische Mehrheit. Ebenso identifizierte der König die weit verbreiteten tribalen Strukturen der Gesellschaft als Hindernis zu einer einheitlichen nationalen Identität. Faisal selbst dachte, dass die Grenze nur durch eine langwierige Anwendung von materieller und justizieller Macht zu überwinden seien.[5] In den 1930er-Jahren gelang es der Regierung die Zahl der in säkular-staatlichen Schulen ausgebildeten Schulabgänger von 800 auf 14.000 zu erhöhen. Dabei gelang es das Schulsystem auch für Angehörige der schiitischen Bevölkerungsgruppe zu öffnen.[6]

Politische Instabilität und Putschversuche

König Ghazi I. (1933–1939)

Die staatliche Macht des Königreichs war durch den Einfluss tribaler Herrschaftsstrukturen eingeschränkt. 1933 standen 15.000 Bewaffneten in Militär und Polizei rund 100.000 Gewehre in Besitz von Stammesangehörigen entgegen. Ebenso kontrollierten Stämme rund neun Zehntel des ruralen Landbesitzes.[7] Im Jahr 1933 wurde Ghazi I. zum König gekrönt. Viele Iraker stellten sich gegen den großen Einfluss der Briten, darunter auch das Militär und Politiker wie Raschid Ali al-Gailani. Dennoch gab es auch Befürworter einer vorübergehenden Präsenz der Briten wie Nuri as-Said.[8] 1936 kam es bereits zum ersten Militärputsch in Bagdad, dem bis 1941 vier weitere folgten.[8] Der Anführer der Putschisten, General Bakr Sidqi, wurde zwar ermordet, doch das Militär etablierte sich als Machtapparat und blieb eine nicht zu unterschätzende Konstante der Instabilität im Irak.[9]

1939 starb König Ghazi I. bei einem Autounfall. Arabisch-irakische Nationalisten forderten den Abzug der Briten, was diese jedoch ignorierten.

Zweiter Weltkrieg

siehe auch: Militärputsch im Irak 1941

König Faisal II. (1939–1958)

Im Zweiten Weltkrieg war der Irak, dessen Regierung den Briten traditionell freundlich gesinnt war, auf der Seite der Alliierten. Doch im April 1941 kam es erneut zu einem Putsch von Offizieren, wobei der probritische Premierminister Nuri as-Said abgesetzt wurde und Raschid Ali al-Gailani das Amt übernahm. Die Monarchie wurde beibehalten und die im Vertrag von 1930 festgeschriebenen Rechte der Briten wurden weitgehend eingeschränkt. Dies führte zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen der irakischen Armee und den Briten.[10] Der Militärputsch wurde vom nationalsozialistischen Deutschland gutgeheißen und materiell unterstützt, Hauptfigur war dabei der Agent Fritz Grobba. Die neue Regierung war den Achsenmächten zugetan.[10] Sie stand unter der Leitung des Raschid Ali al-Gailani, als sogenannte „Regierung der Nationalen Verteidigung“. Nach wenigen Wochen wurde seine Putschregierung von britischen Truppen gestürzt und an ihre Stelle wieder eine probritische Regierung unter Nuri as-Said eingesetzt.[11]

Nachkriegszeit

Am 22. März 1945 gründete der Irak mit anderen arabischen Staaten die Arabische Liga und am 21. November wurde der Irak Mitglied der Vereinten Nationen. Gemeinsam mit syrischen, jordanischen, libanesischen und ägyptischen Truppen wandte sich das Königreich Irak 1948 im Krieg um Israels Unabhängigkeit, die am 14. Mai 1948 erklärt worden war, gegen die Gründung des Staates Israel und griffen es gemeinsam an. Sie wurden jedoch 1949 besiegt. Der Irak blieb aber dennoch weiterhin prowestlich. So unterzeichnete die irakische Regierung mit der Türkei, dem Iran, dem Vereinigten Königreich und Pakistan 1955 den Bagdad-Pakt zur Gründung der Central Treaty Organization. Als 1958 die prosowjetischen Staaten Syrien und Ägypten die Vereinigte Arabische Republik gründeten, wurde vom Irak gemeinsam mit Jordanien am 14. Februar desselben Jahres die Arabische Föderation als prowestliches Gegenbündnis gegründet.

Ende der Monarchie

Die Arabische Föderation hielt nicht lange, da am 14. Juli 1958 die Armee abermals putschte. Dieser Putsch hatte dieses Mal größere Folgen.[10] Die Offiziere unter Abd al-Karim Qasim stürzten die Regierung unter Nuri as-Said sowie König Faisal II.[8] Der König wurde getötet. Der Kronprinz Abdulilah und der Premierminister Nuri Essaid wurden von einer wütenden Meute in Bagdad einige Tage später aufgegriffen, umgebracht und ihre nackten Leichen durch die Straßen gezerrt. Die haschemitische Dynastie im Irak wurde fast ausgerottet und es wurde die Republik Irak ausgerufen. Die neue Regierung trat aus dem Bagdad-Pakt aus und näherte sich der Sowjetunion an.

Bevölkerung

Die Bevölkerung bestand vor allem aus sunnitischen und schiitischen Arabern. Daneben lebten, insbesondere im Norden des Irak, sunnitische Kurden, christliche Aramäer (die Assyrer), Turkmenen und Juden. Diese ethnische und religiöse Vielfalt mit viel Konfliktpotential war ein weiterer Faktor der Instabilität im Irak. Gegen Christen gab es in der Bevölkerung Ressentiments, die 1933 beim Massaker von Semile zu ihrem Höhepunkt gipfelten (viele christliche Aramäer/Assyrer wurden ermordet und vertrieben), und bis heute andauern. In den Jahren nach dem offenen Ausbruch des Israelisch-Arabischen Konflikts 1948 wurden über 300.000 und damit fast alle Juden aus dem Irak vertrieben.

Politik

1924 fand eine konstituierende Versammlung statt. Das Königreich Irak war ab 1925 eine konstitutionelle Monarchie. Die ersten freien Parlamentswahlen fanden im Frühjahr 1925 statt.[9] Die Regierungen wechselten sich allerdings häufig ab, insbesondere ab 1945. Am häufigsten war der probritische Nuri as-Said Ministerpräsident. Sein Gegenspieler war der nationalistische Raschid Ali al-Gailani. Ministerposten wurden hauptsächlich unter den 40 einflussreichsten Familien vergeben.[10] 1952 wurde Nuri as-Said erneut gestürzt, welcher nach seiner erneuten Machtübernahme 1954 die Parteien aufgelöst hatte.

Wirtschaft

Der Irak, insbesondere der Süden des Landes, war und ist eine erdölreiche Region. Dies war einer der Gründe, aus denen heraus die Briten einen großen wirtschaftlichen Einfluss im Land behalten wollten. Gemeinsam mit Frankreich, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden wurden die Rechte des Landes am Erdöl in der Iraq Petroleum Company (IPC) untereinander aufgeteilt (jedes dieser vier Länder erhielt 23,75 Prozent).

Die IPC verfügte damit über ein Öl-Monopol im Irak. An die Regierung im Irak wurden zwar Abgaben gezahlt, doch diese waren lediglich ein kleiner Bruchteil des Unternehmensgewinns. Fünf Prozent der Erdölrechte gingen an ein privates Unternehmen des armenischen Millionärs Calouste Gulbenkian.

Siehe auch

Literatur

  • Bernd Philipp Schröder: Deutschland und der Mittlere Osten im Zweiten Weltkrieg. (= Studien und Dokumente zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Band 16). Musterschmidt, Göttingen 1975, ISBN 3-7881-1416-9.[12]

Einzelnachweise

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