Königsstadt

historischer Stadtteil Berlins From Wikipedia, the free encyclopedia

Königsstadt (auch Königsviertel, Königsvorstadt, Georgenvorstadt) ist ein historischer Stadtteil, der zum Teil im Berliner Ortsteil Mitte liegt und sich jenseits der Bezirksgrenze in die Ortsteile Prenzlauer Berg und Friedrichshain erstreckt. Der Name Königsstadt wurde 1873 amtlich eingeführt.

Die Königsstadt 1831–1920

Geographie

Königsstadt im Nordosten des historischen Berlins (Karte von 1789)
Bebauter Teil der Königsstadt, 1875
Alte Georgenkirche der Georgenvorstadt/Königsstadt

Die Königsstadt grenzt im Westen an die Spandauer und Rosenthaler Vorstadt im Verlauf der ehemaligen Prenzlauer Straße und der Prenzlauer Allee. Die nördliche Grenze bildet die Ringbahn. Im Osten grenzt die Königsstadt an die Stralauer Vorstadt etwa im Verlauf Landsberger Allee, der ehemaligen Landsberger Straße, der Kurzen Straße und entlang der südlichen Gebäudekante des Polizeipräsidiums. Im Süden bildet die Stadtbahn die kurze Grenze zwischen Alt-Berlin und der Königsstadt.

Die Grenze zur Stralauer Vorstadt verlief um 1800 entlang der Contrescarpe (Alexanderstraße), Sandgasse (Jacobystraße), Kurzen Straße (sie existiert nicht mehr), Baumgasse (später: Elisabethstraße, existiert nicht mehr) bis zum früheren Standort der Palisadenbewehrung (nunmehr: Palisadenstraße). Die Grenze im Westen zur Spandauer Vorstadt zog sich entlang der Prenzlauer Straße bis zum Prenzlauer Tor der Berliner Zollmauer (in Höhe der Tor- und Mollstraße). Im Nordosten reichte die Königsstadt anfänglich bis zum Bernauer Tor (später: Neues Königstor, seit 1910: Platz am Königstor) der Zollmauer. Die Berliner Zollmauer führte meist so um das Weichbild, dass die Friedhöfe entsprechend dem Preußischen Landrecht außerhalb blieben (ALR II 11 § 184), hier lag sie am Süd- und Ostrand des Begräbnisplatzes der Marienkloster- und Nikolaigemeinde.

Das fächerförmige Straßenmuster der Königsstadt wurde bestimmt von den Fernhandelsstraßen, die nach Prenzlau (Prenzlauer Straße und Prenzlauer Allee) sowie Altlandsberg (Landsberger Straße, jene nicht mehr existente westliche Verlängerung der Landsberger Allee) führten. Zwischen beiden lag die Straße nach Bernau (Bernauer Straße, später: Neue Königsstraße, heute Bernhard-Weiß-Straße und Otto-Braun-Straße, fortgesetzt in der Greifswalder Straße). Alle drei Ausfallstraßen begannen auf dem Platz vor dem Königstor, dem früheren Ochsenmarkt und seit 1805: Alexanderplatz.

Im Jahr 1831 wurden große vorgelagerte Flächen jenseits der Zollmauer nach Berlin eingemeindet. Die Königsstadt erstreckte sich seitdem zur neuen Berliner Stadtgrenze zu Weißensee und Wilhelmsberg bei Hohenschönhausen. Auf dieser Gebietserweiterung entstanden unter anderem die erste kommunale Parkanlage Berlins, der Volkspark Friedrichshain, das Bötzowviertel und das Winsviertel.

Geschichte

Bis 1920

Die Georgenvorstadt entwickelte sich ab etwa 1650 um das Georgenhospital, das seit dem 13. Jahrhundert vor der Stadtmauer zwischen den Fernstraßen nach Bernau und Alt-Landsberg bestand. Westlich davon entstanden Schützenplätze mehrerer Regimenter. Am Georgenkirchhof stand in dieser Zeit auch eine kleine Hinrichtungsstätte Rabenstein. Ab 1680 entstand in diesem Gebiet eine umfangreichere planmäßige Bebauung auf Anordnung von Kurfürst Friedrich Wilhelm.[1] Ab etwa 1701 wurde sie als Königsvorstadt bezeichnet, nach der Umbenennung des Georgentores in Königstor. 1705 wurde erstmals eine hölzerne Bestesigung um das Gebiet (etwa entlang der jetzigen Mollstraße) gezogen.[2] 1831 wurde der Umfang der Königsstadt noch einmal erheblich nach Norden bis vor Weißensee und nach Osten erweitert. In den folgenden Jahren wurde dieses Gebiet intensiv bebaut.

Seit 1920

Historische Stadtteile von Berlin (Stand 1920) innerhalb des heutigen Ortsteils Mitte.[3] Die Grenzen variierten im Lauf der Zeit.
IAlt-Berlin
II Alt-Kölln (Spreeinsel)
IIIFriedrichswerder
IVDorotheenstadt
V Friedrichstadt
XILuisenstadt
XII Neu-Kölln
XIIIStralauer Vorstadt
XIV Königsstadt
XV Spandauer Vorstadt
XVI Rosenthaler Vorstadt
XVII Oranienburger Vorstadt
XVIIIFriedrich-Wilhelm-Stadt
Die Stadtteile VI–X und XIX–XXI sowie große Teile der Stadtteile V, XI, XIII, XIV, XVI und XVII liegen außerhalb des heutigen Ortsteils Mitte.

Bei der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde die Verwaltungsstruktur in diesem Gebiet grundlegend geändert, der älteste südliche Teil kam zu Mitte, ein kleiner nordöstlicher Teil zu Friedrichshain und der nördliche Teil zu Bezirk Prenzlauer Berg. [4]

Die Königsstadt erlitt schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg. Die Ruine der Georgenkirche wurde bereits 1949 gesprengt. Wegen des anschließend teils neuen Zuschnitts der Straßen und der starken Bebauung mit moderner Architektur, die nicht den traditionellen Berliner Blockstrukturen folgt, ist die einstige städtebauliche Einheit des historischen Kerns der Königsstadt nordöstlich des Alexanderplatzes nicht mehr zu erkennen.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl des Stadtteils Königsviertel (so der amtliche Name der Königsstadt seit 1873) stieg von 41.713 im Jahr 1867 bis auf 197.518 im Jahr 1910.[5]

Bezeichnung für Gebäude

Das Königstädtische Gymnasium in der Elisabethstraße bestand von 1876 bis 1945.

Obwohl nicht in der Königsstadt gelegen, trägt die ehemalige Brauerei Königstadt diesen Namen.[6] Das großflächige Gelände der alten Brauerei beherbergt eine Genossenschaft mit kleinteiligen Gewerbeeinrichtungen. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz.[7]

In den Jahren 1913/1914 erhielt das Königstädtische Lyzeum in der Greifswalder Straße 25 einen Neubau nach Plänen von Ludwig Hoffmann.[8] Heute dient das Gebäude der Kurt-Schwitters-Schule, einer integrierten Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe.

Die Bezeichnung Königsstadt (auch: Königstadt) tragen folgende Bauwerke und Einrichtungen im Namen:

  • Gewerbehof der ehemaligen Königsstadtbrauerei in der Saarbrücker Straße,
  • das verklinkerte Bürogebäude der Königstadt-Terrassen an der Schönhauser Allee von den Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann,
  • das Königstadt-Carrée, das an der Ecke Moll-/Otto-Braun-Straße errichtet wurde,
  • das Jugendhaus Königstadt in der Saarbrücker Straße.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Literatur

  • Friedrich Nicolai, Karlheinz Gerlach (Hrsg.): Beschreibung der königlichen Residenzstadt Berlin, darunter Die Königsvorstadt, sonst auch Königsstadt. S. 75 ff., Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1987, ISBN 3-379-00195-3.
  • Jan Feustel: Spaziergänge in Friedrichshain. Haude und Spener, Berlin 1994, ISBN 3-7759-0357-7.
Commons: Königsstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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