Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr
Krankenhaus in Oberösterreich
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr (bis 2019: „Krankenhaus Steyr“) ist ein großes Schwerpunktkrankenhaus der Oberösterreichischen Gesundheitsholding in der Statutarstadt Steyr – und einer der beiden Standorte des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums Kirchdorf Steyr. Der zweite Standort befindet sich in Kirchdorf an der Krems (Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf). Ein Teil der Gebäude in Steyr (Haus 5 (Altbau, Denkmallisteneintrag), Haus 13 (Hospiz), Listeneintrag) stehen unter Denkmalschutz.
| Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf Steyr | ||
|---|---|---|
| Trägerschaft | Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH | |
| Ort | Steyr | |
| Bundesland | Oberösterreich | |
| Staat | Österreich | |
| Koordinaten | 48° 2′ 41″ N, 14° 23′ 32″ O | |
| Leitung | Kollegiale Führung:
| |
| Betten | 593 (Stand 2025) | |
| Mitarbeiter | 2113 (Stand 2025) | |
| davon Ärzte | 347 (Stand 2025) | |
| Gründung | 1916 (am derzeitigen Standort)
bzw. 1849 (Gründung) | |
| Website | https://www.ooeg.at/pek | |
| Lage | ||
|
| ||
Geschichte
Das Krankenhaus Steyr geht auf das Jahr 1679 zurück, in dem die Stadt Steyr den Plauzenhof in Aichet als Pestlazarett ankaufte. Nach der Pestpandemie fungierte der Plauzenhof als Spital und Siechenhaus. Die Zustände scheinen zumindest schwierig gewesen zu sein, aufgrund der hohen Sterblichkeit wurde das Spital im Volksmund als "Platzenhof" (von "Platzen" = "Plärren", "Weinen") bezeichnet. 1849 erfolgte der Ausbau zum Spital mit 39 Betten, die Betreuung wurde in die Hände der Barmherzigen Schwestern vom Orden des heiligen Vinzenz von Paul (Wien-Gumpendorf) gelegt[1].
In den Folgejahren kam es zwischen der Stadt Steyr und den Ordensschwestern wiederholt zu Streitigkeiten, die schlussendlich über die Diskussion der Verortung und Finanzierung von Syphilispatienten in einer Kündigung des Vertrags im Frühjahr 1869 durch die Ordensschwestern gipfelten. Nach einer Einigung zogen die Ordensschwestern die Kündigung im Dezember 1869 wieder zurück und blieben rund 100 Jahre weiter am Klinikum tätig[1].
Mit Zunahme der Bevölkerung und entsprechender Inanspruchnahme des Krankenhauses fasste 1892 der Gemeinderat den Beschluss, um das Öffentlichkeitsrecht des städtischen Krankenhauses anzusuchen. Dieses wurde nach Zustimmung des Landtags und des k.u.k. Ministeriums für Inneres am 3. Februar 1894 gewährt[1].
Aus dem Jahr 1885 liegt ein Bericht über den Spitalsbetrieb vor. Demnach wurden in diesem Jahr 593 Kranke bei 16.783 Verpflegungstagen versorgt. Dies entspricht einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 28 Tagen. Verstorben waren 64 Patienten[1].
Um 1900 herrschte bereits ein ausgeprägter Platzmangel im alten St.-Anna-Spital. So waren ursprünglich nur 46 Betten vorgesehen (und genehmigt) gewesen, im Jahr 1905 lag der durchschnittliche Belag bei 92 Patienten pro Tag – an Spitzentagen verzeichnete man bis zu 120 stationäre Patienten. Der Unmut in der Steyrer Bevölkerung war groß. Der Primararzt und Billroth-Schüler Viktor Klotz, damaliger ärztlicher Leiter, initiierte mit viel Einsatz einen Neubau, der auch durch großzügige Spenden von Privatpersonen wie Bierbrauer Johann Haratzmüller und Therese Praschak wesentlich mitfinanziert wurde.
"Es besteht nur ein Operationsraum, in dem alle Eingriffe gemacht werden müssen, gleichviel, ob es sich um schwere eitrige und zur Übertragung geneigte Prozesse handelt, oder um alle jene vielen, deren höchstes Ziel die Heilung ohne Eiterung ist. Wenn man bedenkt, daß ein einziger mikroskopisch kleiner Eitererreger, der im Operationsraum von der vorigen Operation zurückgeblieben, und das ist auch bei der allerminutiösesten Reinlichkeit nicht sicher hintanzuhalten, in die bei der folgenden Operation eröffnete Bauchhöhle gelangt, den unabwendbaren Tod zur Folge haben kann, so wird jeder es begreiflich finden, daß der Arzt immer nur im äußersten Falle und unter einem schweren Gewissenskampfe zu solchen Operationen schreitet, die Heilung ohne Eiterung verlangen. Und wie leicht wäre dem abzuhelfen durch Beistellung von zwei getrennten Operationsräumen, einer für Operationen an Eiterungsprozessen und einer für alle übrigen. Weiters ist das Operationszimmer mit Gas beleuchtet. An der Gasflamme verbrennen die von der Narkose aufsteigenden Chlordämpfe zu Salpetersäuredämpfen, diese ausgesprochen giftigen Gase reizen die Lungen der Patienten, Schwestern und Ärzte aufs ärgste und es ist vorgekommen, daß Kranke mit absolut gutem Wundverlaufe an schweren und sogar das Leben gefährdenden Lungenkrankheiten infolge des Einatmens der scharfen Dämpfe litten; daß Schwestern und Ärzte jedesmal, wenn bei Licht operiert werden muß, Lungenkatarrhe bekommen und mitunter monatelang an diesen laborieren, soll nur kurz nebenbei erwähnt werden. Daß diesem Übelstande etwa durch Siemensbrenner oder Ventilation abzuhelfen sein würde, haben mehrfache Versuche als unmöglich erwiesen, da der Raum zu klein und zu nieder dafür ist. Dagegen wäre durch Einführung des luftdicht geschlossenen elektrischen Glühlichts sogleich radikale Hilfe geschaffen. Endlich fehlt im Krankenhaus ein Röntgenapparat, der heute nicht mehr entbehrt werden kann. Wenn es sich um Sitz eines Fremdkörpers, um Art und Richtung eines Knochenbruches. um Verletzungen innerer Organe durch Knochensplitter oder endlich um innere Erkrankungen selbst handelt, deren Diagnose durch die Radiographie erleichtert und gestützt werden soll, so ist ein Röntgenapparat absolut nötig." (Auszug aus dem öffentlichen Aufruf im Jahr 1907 von Prim. Dr. Viktor Klotz und Hedwig Werndl, einen Spitalsneubau in Steyr zu finanzieren[1])
Erst 1913 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, der Kriegsbeginn verzögerte die Arbeiten zusätzlich. Am 18. September 1916 wurde das Krankenhaus am heutigen Standort in der Sierninger Straße 170 eröffnet, das alte St.-Anna-Spital wurde in der Folge als Infektionsabteilung verwendet. Die alte und neue Anstalt wurden zusammen als allgemeines öffentliches Krankenhaus betrieben. In den 1920er Jahren war das "allgemeine öffentliche Krankenhaus Steyr" wie viele andere Krankenanstalten vor finanzielle und andere Probleme (z. B. Platzmangel) gestellt.[2] Die Barmherzigen Schwestern und die Stadt Steyr waren in ständiger Diskussion über die Finanzierung, wie in zahlreichen Schriftstücken überliefert ist.[1]
1929 verkaufte die Stadt Steyr das Krankenhaus aus finanziellen Gründen an das Land Oberösterreich (um Schulden gegenüber dem Land abzubauen bzw. die Finanzierung in die Verantwortung des Landes zu geben), mit Beginn des Jahres 1930 wurde das Krankenhaus somit zur Landeskrankenanstalt. Das Personal des Krankenhauses bestand zu dieser Zeit aus: 1 Primararzt, 1 Sekundararzt, 2 Assistenzärzten, 1 Verwalter, 1 Verwaltungsbeamter, 1 Beamter der Verwaltungshilfsdienstes, 2 Kanzleikräften, 1 Torwart – und dem Plege- und Hauspersonal, dessen Zahlen in der Literatur leider nicht angegeben sind.[1]
In den Zeiten der Wirtschaftskrise wurde Steyr stark getroffen, Armut und Massenarbeitslosigkeit prägten das Stadtbild. In den Jahren 1933/1934 begann eine sogenannte "Ausspeisungsaktion", bei der bis zu 700 Einwohner täglich zu einer kostenlosen Mahlzeit kamen.[1]
Das alte St.-Anna-Spital wurde 1934 den Barmherzigen Schwestern vom Orden des heiligen Vinzenz von Paul (Wien-Gumpendorf) verkauft. Diese errichteten im ehemaligen alten Krankenhaus ein Waisenhaus und eine Schule, die als "Bildungsgemeinschaft St. Anna, Volks- und Mittelschule" noch heute existiert.[3]
Ab 1935 wurden sukzessive neue Abteilungen und Stationen gegründet und Zubauten errichtet, so etwa ein neuer Infektionspavillon.[4]
Mit Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und den folgenden 2. Weltkrieg kam es zu zahlreichen Veränderungen. Initial gab es den schlussendlich nicht erfolgreichen Versuch, die rund 30 geistlichen Schwestern zu ersetzen, unter anderem durch die Übernahme der Pflegeleitung durch die Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes. In den Folgejahren wurde zunächst intensiv über einen Neubau des Krankenhauses diskutiert (und sogar Pläne gezeichnet), infolge der einsetzenden Luftangriffe der Alliierten wurde jedoch der Bau von Luftschutzstollen wichtiger. Diese wurden hinter dem Krankenhaus von Häftlingen des KZ Mauthausen in den Hang an der Kegelprielstraße getrieben, nach dem Krieg als Erdkeller verwendet und sind heute im Rahmen einer Freiraumausstellung teilweise zugänglich[5]. Das Krankenhaus selbst wurde aus Luftschutzmaßnahmen schwarz gestrichen.
Die Nachkriegsjahre zeichneten sich durch umfassende Bautätigkeiten und Etablierung zahlreicher Abteilungen aus. So wurde 1949 die Kinderheilkunde eröffnet, 1951 eine unfallchirurgische Abteilung, 1953 ein Neubau für drei Abteilungen für Innere Medizin eröffnet und 1954 die HNO Abteilung gegründet. Als neues Fach wurde 1965 die Abteilung für Anästhesiologie etabliert.[1]
Am 6. Mai 1968 beendeten die Barmherzigen Schwestern vom Orden des heiligen Vinzenz von Paul (Wien-Gumpendorf) nach fast 120-jähriger Tätigkeit ihre Arbeit im Krankenhaus. Vorangegangen waren ein österreichweit zunehmender Mangel an Nachwuchs im Orden. Zudem benötigte der Orden seine Schwestern für die ordenseigenen Krankenhäuser.[1]
1972 eröffnete die chirurgische Intensivstation mit 6 Betten, 1977 bekam das Krankenhaus einen Betriebskindergarten, der bis heute existiert und inzwischen der größte Kindergarten im Stadtgebiet Steyr ist. Die erste Dialysestation wurde 1982 etabliert, 1990 folgte dann der große Neubau des "Haus 2", der den Zentral-OP, die anästhesiologische Intensivstation, Zentralsterilisation, sowie die Bettenstationen der Chirurgie, Urologie, Augenheilkunde und HNO beherbergte.[1]
Der Dienstpostenplan 1992 beschrieb inzwischen 145 Ärzte, 338 diplomiertes Krankenpflegepersonal, 100 medizinisch-technisches Personal, 107 Sanitätshilfsdienste, 3 Pharmazeuten, 61 Verwaltungspersonal, 37 Ärzteschreibkräfte, 264 Werkstätten-, Reinigungs- und Hilfspersonal, sowie 14 weiteres Personal. Zusätzlich 136 Krankenpflegeschüler, 60 MTF-Schüler und 84 PTA-Schüler. Im Jahr 1990 wurden 23.404 Patienten stationär aufgenommen, das entsprach 247.763 Pflegetagen bzw. einer durchschnittlichen Liegedauer von 10,6 Tagen.[1]
Im Jahr 2006 wurden die Neubauten "Haus 1" (heute Medizinische Notaufnahme und Akutstation, Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie, Urologie, Operative Sonderklasse, OP-Haus 1) und "Haus 11" (Verwaltung, Apotheke, Direktionen) sowie das Parkhaus eröffnet.[6]
Im Oktober 2018 beschloss der Aufsichtsrat der Landes-Spitalsholding Gespag die Krankenhäuser Steyr und Kirchdorf an der Krems mit 1. Jänner 2020 zum Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf Steyr mit zwei Standorten zu verschmelzen.[7]
Das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf Steyr ist Universitäts-Lehrkrankenhaus aller großen Medizinischen Universitäten Österreichs (Medizinische Universität Graz, Medizinische Universität Wien, Medizinische Universität Innsbruck, Medizinische Fakultät der Universität Linz, Paracelsus Medizinische Privatuniversität).
Die 1939 vom Deutschen Roten Kreuz etablierte Schwesterschule ist bis heute erhalten und fungiert heute als "Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Steyr"[8] der Oberösterreichischen Gesundheitsholding. 1983 wurden am Standort die "Schule für den physikalischen Dienst" und die "Schule für medizinisch-chemische Labordiagnostik" eröffnet, diese wurden zwischenzeitlich zur Fachhochschule Gesundheitsberufe OÖ und ermöglichen in Steyr die Studienrichtungen Biomedizinische Analytik, Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie sowie Radiologietechnologie[9].
- Haus 1 mit Eingangsbereich
- Innenansicht des Parkhauses
Persönlichkeiten
Ärzte
- Primarius Viktor Klotz (1854–1927), Leiter des St. Anna-Spitals von 1892 bis 1916, Gründervater des heutigen Krankenhauses
- Primarius Hofrat Josef Ender (1915–1980), Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie in den Jahren 1955–1979, Erfinder des nach ihm benannten Ender-Nagels
Architektur

Das Hauptgebäude wurde 1913 bis 1916 nach Plänen des Wiener Architekten Hans Schimitzek im Heimatstil errichtet. Es ist ein dominanter dreigeschoßiger, stark gegliederter Bau auf unregelmäßiger Grundfläche. In der Gesamterscheinung den Heimatstil vertretend. Die Dachlandschaft ist durch Mansard- und Krüppelwalmdächer geprägt. Symmetrischer Aufbau, zehnachsiger Mittelteil mit zweigeschoßigem mittig situiertem Giebel. Das erste Giebelgeschoß fünf-, das zweite Giebelgeschoß dreiachsig. Im ersten Obergeschoß drei große segmentbogige Öffnungen zu einer großen Terrasse. Diese weist nach Süden hin drei Rundbogenöffnungen auf, zur mittleren Öffnung führt eine Treppenanlage. Seitlich je eine rundbogige Öffnung, die ursprünglich der Zu- und Abfahrt dienten. Das Dach wird durch einen polygonalen Uhrturm akzentuiert. Seitlich schließt an den Mittelteil ein leicht zurückversetzter einachsiger Bauteil mit Terrasse im ersten Obergeschoß und Balkon im darüber liegenden Geschoß an. Es folgt ein weiterer vierachsiger Bauteil mit zweigeschoßigem Giebel. Schlichtes Kordongesims zwischen Erd- und erstem Obergeschoß. Der Giebel vier- bzw. dreiachsig. Im unteren Giebelgeschoß mittig situierter kleiner Balkon. An der jeweils äußeren Gebäudekante dieser Bauteile befindet sich ein viergeschoßiger polygonaler Eckturm mit abschließender Haube. Zwei jeweils achtachsige zurückversetzte Baukörper schließen das Hauptgebäude ab. Bei diesen beiden Eckgebäuden im Dachbereich jeweils eine mittig situierte gerundet ausgeführte Dachgaupe.
Beim Eingang ins „Haus 2“ befindet sich links ein bei Bauarbeiten am Gelände aufgefundener sekundär angebrachter rotmarmorner Wandbrunnen aus der Renaissancezeit.
Im Patientenpark beim „Haus 1“ (Westseite) befindet sich eine gotische Bildsäule mit der Jahreszahl 1509, das sogenannte Urlaubskreuz. Die Säule stand zuvor am Platz des 2006 eröffneten Parkhauses und wurde 2008 im Patientenpark neu aufgestellt.[10]
- Eine der beiden großen Dachgaupen
- Wandbrunnen bei Haus 2
- Lichtsäule im Patientenpark
Literatur
- 100 Jahre LKH Steyr. Sonderausgabe OÖN vom 15. September 2016 (Online).



