Ladenpassage

überdeckter Durchgang durch einen Gebäudekomplex mit Läden From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Passage, Ladenpassage (Anhören/?) oder Einkaufspassage (frz.: ‚passage‘ = Durchgang) wird ein glasüberdachter Verbindungsgang zwischen belebten Straßen bezeichnet, der beidseitig von Reihen einzelner Läden gesäumt ist. Der Durchgang wird dabei von symmetrischen Fassaden eingerahmt und ist ausschließlich Fußgängern vorbehalten, die Läden sind in der Regel der Luxuswarenindustrie zuzuordnen. Der Bautyp entstand Anfang des 19. Jahrhunderts und findet ab 1820 größere Verbreitung. Er verlor seine Bedeutung nach dem Ersten Weltkrieg.[1]

Die Passage Jouffroy in Paris

Ab etwa 1973 kam es zu einer Renaissance der Ladenpassage in der Postmodernen Architektur, die sich typologisch jedoch teilweise von der des 19. Jahrhunderts unterscheidet.[2]

Geschichte

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Passage zu einem eigenständigen Bautyp, einer Vorstufe der Warenhäuser und modernen Einkaufszentren. In einer kulturhistorischen Arbeit beschreibt Walter Benjamin die Entstehung der ersten Ladenpassagen in Paris:

„Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht in den anderthalb Jahrzehnten nach 1822. Die erste Bedingung ihres Aufkommens ist die Hochkonjunktur des Textilhandels. […] Sie sind die Vorläufer der Warenhäuser. […] In ihrer Ausstattung tritt die Kunst in den Dienst des Kaufmanns. Die Zeitgenossen werden nicht müde, sie zu bewundern. […] Die Passagen sind der Schauplatz der ersten Gasbeleuchtung. Die zweite Bedingung des Entstehens der Passagen bilden die Anfänge des Eisenbaus.“[3]

Die innerstädtischen Ladenpassagen verloren im 20. Jahrhundert durch die Konkurrenz zunächst der aufkommenden Warenhäuser und später der Einkaufszentren autogerechter Städte an Bedeutung. Erst ab etwa 1973 wurden im Rahmen der Bemühungen zur Revitalisierung der Innenstädte und des Aufkommens der postmodernen Architektur wieder vermehrt innerstädtische Einkaufszentren gebaut, die an die Formen der Einkaufspassagen des 19. Jahrhunderts anknüpfen, nicht jedoch lückenlos anschließen.[2]

Ladenpassagen des 19. Jahrhunderts

Passage des Panoramas, Paris
Die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand
Die Macca-Villacrosse-Pasagen in Bukarest

Ladenpassagen der Postmoderne

Calwer-Passage, Stuttgart (1975–78)
Wilhelm-Arcade, Wiesbaden (1981–82)

Siehe auch

Literatur

  • Johann Friedrich Geist: Passagen, Ein Bautyp des 19. Jahrhunderts. 4. Auflage. München 1979.
  • Heidi Kief-Niederwöhrmeier, Hartmut Niederwöhrmeier: Neue Glaspassagen, Lage Gestalt Konstruktion, Bauten 1975–1985. 2. Auflage. Leinfelden-Echterdingen 1987.
Commons: Ladenpassagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Ladenpassage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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