Lebesby
Kommune in Finnmark in Norwegen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Lebesby (nordsamisch Davvesiida[2]) ist eine Kommune im norwegischen Fylke Finnmark. Die Kommune hat 1249 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026). Verwaltungssitz ist die Ortschaft Kjøllefjord. Im Nordosten der Kommune liegt der nördlichste Punkt des norwegischen Festlandes, das Kap Kinnarodden.
| Wappen | Karte | |
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Kommunennummer: | 5624 | |
| Provinz (fylke): | Finnmark | |
| Verwaltungssitz: | Kjøllefjord | |
| Koordinaten: | 70° 55′ N, 27° 14′ O | |
| Fläche: | 3.460,50 km² | |
| Einwohner: | 1.249 (1. Jan. 2026)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 0,36 Einwohner je km² | |
| Sprachform: | Bokmål | |
| Webpräsenz: | ||
| Lage in der Provinz Finnmark | ||
Geografie

Die Kommune Lebesby liegt in Nordnorwegen an der Küste der Barentssee. Die Kommune umfasst das Gebiet westlich, südlich und östlich des Laksefjords, der sich aus dem Norden in das Land einschneidet. Sowohl der östliche als auch der westliche Teil der Kommune liegen auf einer Halbinsel. Im Osten grenzt Lebesby an die Kommune Gamvik, im Südosten und Süden an Tana, im Westen an Porsanger und im Nordwesten an Nordkapp.[3]
Die Grenze zu Gamvik im Osten verläuft durch das Hopseidet, eine schmalen Landenge. Sie verbindet die Nordkinnhalvøya, eine Halbinsel, mit dem Rest des Landes. Auf der Nordkinnhalvøya liegt mit Kjøllefjord die größte Ortschaft der Kommune.[3] Im Norden der Halbinsel liegt auf der Grenze zwischen Gamvik und Lebesby das Kap Kinnarodden (71° 8′ 1″ N). Es stellt den nördlichsten Punkt des norwegischen Festlandes dar. Das Terrain fällt dort etwa 234 Meter steil zur Barentssee hin ab.[4] Im Westen der Kommune befindet sich auf der Grenze zu Nordkapp der unter Naturschutz stehende Vogelfelsen Sværholtklubben.[5] Etwas westlich von Kjøllefjord befindet sich der nördlichste Birkenwald des Landes. Es handelt sich zudem um den nördlichsten Moorbirkenwald der Welt.[6]
In den Laksefjord münden mehrere Flüsse, die durch die Kommune fließen. Aus dem Adamsfjorddalen (nordsamisch Áttánleahki) fließt die Adamsfjordelva (Áttánjohka) aus dem Südosten auf den Fjord zu. Die Storelva (Stuorrajohka) fließt aus dem Südwesten kommend zum Fjord.[3]
Im Süden geht der nördliche Teil der Finnmarksvidda, ein Hochplateau, in das Areal der Kommune ein. Der Abschnitt wird auch als Laksefjordvidda (Lágesduottar) bezeichnet.[7] Die höchste Erhebung der Kommune Lebesby hat eine Höhe von 1066,31 moh.[8] Es handelt sich dabei um den Berg Rásttigáisá auf der Grenze zu Tana. Im Norden der Kommune werden vielerorts keine Höhen von über 500 moh. erreicht.[3]
Einwohner

Die Kommune Lebesby ist sehr dünn besiedelt. Die Bevölkerungsdichte liegt bei unter einem Einwohner pro Quadratkilometer.[9] Der Großteil der Einwohner lebt in der Ortschaft Kjøllefjord an der Westküste der Nordkinnhalvøya. Auch die restlichen Einwohner leben an der Küste des Laksefjords. Dort befinden sich kleinere Ortschaften wie Ifjord, Kunes, Veidnes und Lebesby. Die Gebirgsplateaus im Süden der Kommune sind hingegen vollständig unbewohnt. Bis in die 1950er-Jahre wuchs die Anzahl der Einwohner noch an, seitdem ist sie jedoch rückläufig.[10] Um die Geburtenrate zu steigern, führte die Kommune im Jahr 2024 Bonuszahlungen für Eltern aus Lebesby ein.[11][12][13]
Kjøllefjord ist der einzige sogenannte Tettsted, also die einzige Ansiedlung, die für statistische Zwecke als eine städtische Siedlung gewertet wird. Zum 1. Januar 2025 lebten dort 846 Einwohner.[14]
Offizielle Schriftsprache ist wie in vielen Kommunen in Finnmark Bokmål, die weiter verbreitete der beiden norwegischen Sprachformen.[15]
| Jahr | Einwohnerzahl[16] | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Anzahl | Prozent | ||
| 1960 | 2414 | — | — |
| 1970 | 2261 | −153 | −6,3 % |
| 1980 | 2015 | −246 | −10,9 % |
| 1990 | 1754 | −261 | −13,0 % |
| 2000 | 1463 | −291 | −16,6 % |
| 2010 | 1342 | −121 | −8,3 % |
| 2020 | 1290 | −52 | −3,9 % |
Geschichte

Im Jahr 1864 wurde die Kommune Tana von Lebesby abgespalten. Lebesby verblieb nach der Ausgemeindung mit 592 Einwohnern. Tana hatte bei seiner Gründung 1388 Einwohner.[17]
In der Kommune Lebesby wurde in den 1920er-Jahren ein sensationeller Schatzfund in einem Acker gemacht: Der Fund besteht aus einem großen und fünf kleineren Gold-Spiralringen, einem flachen Goldring und einem geflochtenen Silberarmband.[18] Er wurde bislang auf die Zeit 500–600 n. Chr. datiert und west-europäischen Ursprungs zugeordnet. Inzwischen wird diese Datierung auf Grund des geflochtenen Silber-Armbandes angezweifelt, das typisch für die Wikingerzeit in West-Skandinavien ist.[19]
In Oksevåg auf der Nordkinnhalvøya befand sich eine Walfangstation, die bis 1903 in Betrieb war.[10] Im Jahr 1944 wurde Lebesby wie die gesamte Finnmark von den deutschen Besatzern zerstört. Hintergrund war der Rückzug der Deutschen aus der Finnmark und der Befehl, die Kriegstaktik der verbrannten Erde anzuwenden. Die Ortschaften mussten nach dem Krieg wiederaufgebaut werden.[20]
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Durch den Süden der Kommune führt in Ost-West-Richtung der Fylkesvei 98. Von ihm zweigt im Osten des Laksefjords der Fylkesvei 888 ab. Dieser führt zunächst entlang der Küste und später weiter im Landesinneren Richtung Norden in die Ortschaft Mehamn, die in der Nachbarkommune Gamvik liegt. In der Kommune Gamvik zweigt wiederum der Fylkesvei 894 ab, der nach Kjøllefjord im Westen der Nordkinnhalvøya führt.[3] Wird im Winter der Fylkesvei 888 gesperrt, so wird auf eine Fährverbindung umgestellt.[10]
Der Hafen von Kjøllefjord wird von der Hurtigruten angelaufen. Kjøllefjord befindet sich auf der Route zwischen den Häfen in Honningsvåg und Mehamn.[21] Dort liegen mit dem Flughafen Honningsvåg Valan und dem Flughafen Mehamn die beiden nächstgelegenen Flughäfen.[3]
Wirtschaft
Die lokale Wirtschaft wird von der Fischerei und Fischverarbeitung in Kjøllefjord geprägt. Gefangen werden vor allem Kabeljaue. Neben der Küstenfischerei ist auch die Fischzucht von Bedeutung. In Lebesby befinden sich zudem für die Rentierhaltung genutzte Weideflächen.[10] In der Kommune befinden sich mehrere Wasserkraftwerke. Das größte ist das Kraftwerk Adamselv. Es nutzt eine Fallhöhe von rund 200 Metern aus und ist seit 1973 in Betrieb. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 lag die durchschnittliche Jahresproduktion bei 196,4 GWh.[22] Südlich von Kjøllefjord liegt der Windpark Kjøllefjord mit 17 Windturbinen. Der Windpark wurde im Jahr 2006 von Statkraft in Betrieb genommen und hat eine Jahresproduktion von rund 119 GWh.[23]
Im Jahr 2021 arbeiteten von rund 590 Arbeitstätigen etwa 480 in Lebesby selbst. Jeweils über 20 Personen pendelten in die Kommunen Alta und Gamvik.[24]
Kirchen
In der Kommune befinden sich zwei Kirchen. Die Kjøllefjord kirke wurde im Jahr 1951 mit Hilfe von Spendengeldern aus Dänemark fertiggestellt. Die alte Kirche war zuvor durch die deutschen Besatzer niedergebrannt worden. Die Kirche hat 300 Sitzplätze.[25] In der Ortschaft Lebesby befindet sich die Lebesby kirke aus dem Jahr 1962. Die Holzkirche hat 170 Sitzplätze. Die Vorgängerkirche stammte aus dem Jahr 1880 und war ebenfalls im Jahr 1944 von den Deutschen zerstört worden.[26]
Name und Wappen

Das seit 1988 offizielle Wappen der Kommune zeigt ist in Gold und Schwarz durch Stufengiebelschnitt geteilt. Es soll die Felsformation Finnkirka auf der Nordkinnhalvøya darstellen.[10]
Lebesby wurde im Jahr 1668 als Lybersby und 30 Jahre später als Lybesbye erwähnt. Im Jahr 1558 fand es noch als Daveby i Laxefierden Erwähnung. Beim norwegischen Namen handelt es sich vermutlich um eine Übersetzung des samischen Namens *Læibessiida. Der heutige samische Name ist Davvesiida und setzt sich aus den Bestandteilen „davvi“ (deutsch „Nord-“ oder „äußerst“) und „siida“ (deutsch „Wohnort“) zusammen. Der damalige samische Name ging auf „læibes“ (deutsch „Erle“) zurück.[27]
Persönlichkeiten
- Einar Wøhni (1920–1987), Agronom, Beamter und Politiker
- Sigurd Kvammen Rafaelsen (* 1985), Politiker und früherer Bürgermeister der Kommune
Weblinks
- Lebesby im Store norske leksikon (norwegisch)
- Fakten über Lebesby beim Statistisk sentralbyrå (norwegisch)
