Leland Knickerbocker

US-amerikanischer Eisenbahn- und Industriedesigner, Illustrator und Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Leland Adelbert Knickerbocker (* 18. März 1893 in Holley; † 25. Juni 1939 in Detroit) war ein US-amerikanischer Eisenbahn- und Industriedesigner, Illustrator und Bildhauer. Von ihm stammt unter anderem der Entwurf für das sogenannte „Warbonnet“-Farbschema – den wohl bekanntesten Eisenbahnanstrich Nordamerikas. Knickerbocker entwarf ihn 1937 für die Personenzug-Diesellokomotiven der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway. Dort blieb das Design regulär bis 1971 im Einsatz und wurde sogar Ende der 1980er Jahre wiederbelebt.

Selbstporträt Knickerbockers (1924)
Das außerordentlich berühmte „Warbonnet“-Farbschema der Personenzug-Diesellokomotiven der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway – hier zieht in den 1950er Jahren eine EMD F7 den „San Francisco Chief“ – gilt als Knickerbockers Meisterstück.
Das von Knickerbocker entworfene „Citrus“-Farbschema kam bei der Seaboard Air Line Railroad von 1939 bis 1954 zum Einsatz (hier eine EMD E4)
Das von Knickerbocker 1936 entworfene Farbschema für die „Rocky Mountain Rocket“ der Chicago, Rock Island and Pacific Railroad (hier eine EMD E6 Anfang der 1940er Jahre)

Leben

Herkunft und Privatleben

Er kam 1893 in Holley, einem etwa 35 Kilometer westnordwestlich der Großstadt Rochester gelegenen Dorf im US-Bundesstaat New York, als Sohn von Adelbert Brigham Knickerbocker (1852–1916) und Charity Fowler Knickerbocker (1857–1942) zur Welt. Am 17. Oktober 1916 heiratete er Julia Belle Bailey (1890–1964); das Paar hatte mit Yvette (1919–2005) eine gemeinsame Tochter.[1]

Im Sommer 1939 starb er im Alter von nur 46 Jahren und wurde auf dem West Webster Cemetery in Webster (New York) beigesetzt.[2]

Berufliche Karriere

Knickerbocker fand seinen Einstieg ins Berufsleben als Künstler in New York City, wo er unter anderem Bücher illustrierte und bildhauerisch tätig war.[3] Etwa um 1930 erhielt er eine Anstellung in der Art and Color Section der General Motors Electro-Motive Division (EMD) in Detroit (Michigan); sein dortiger Abteilungsleiter war Harley Earl. Zwar arbeitete Knickerbocker somit nun in der Eisenbahnsparte von General Motors (GM); es ist allerdings – insbesondere aufgrund von Earls Tätigkeitsschwerpunkt – davon auszugehen, dass er zu dieser Zeit auch am Design verschiedener GM-Automobilmodelle beteiligt war. Genauere Informationen hierzu liegen jedoch nicht vor.

Mit der Inbetriebnahme des M-10000 durch die Union Pacific Railroad und des Zephyr durch die Chicago, Burlington and Quincy Railroad wurde 1934 in den Vereinigten Staaten eine neue Ära der Personenzüge eingeläutet: Die neuen dieselgetriebenen Stromlinienlokomotiven waren nicht nur schnell, sondern auch komfortabel ausgestattet, glänzend und elegant und hoben sich so deutlich von ihren „groben und grimmigen“[4] Vorgängern ab. EMD hatte bislang hauptsächlich die Antriebsmaschinen für die Züge geliefert, stieg nun aber auch selbst in die Produktion von Stromlinienlokomotiven ein und Knickerbocker war entscheidend in der Ausarbeitung des Außendesigns der frühen Modelle der EMD E-Serie beteiligt und zeichnete hierbei unter anderem für die Farbgebung verantwortlich.[5] Im Juni 1936 lieferte er das ab 1938 verwendete Farbdesign für den Zug „Capitol Limited“ der Baltimore and Ohio Railroad[3] und im Oktober gleichen Jahres entwickelte er das Farbschema für die „Rocky Mountain Rocket“ der Chicago, Rock Island and Pacific Railroad, das am 19. September 1937 debütierte.[3]

Für die Lokomotiven des neuen Zuges „Super Chief“ – der nach dem „Chief“ das neue Flaggschiff der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway werden sollte – entwarf Knickerbocker in der Folge das „Warbonnet“-Farbschema; es tauchte das erste Mal in einer von ihm auf den 17. Februar 1937 datierten Zeichnung auf.[3] Die Eisenbahngesellschaft orientierte sich bei der Namenswahl der beiden Züge an den Indianern Nordamerikas und wollte diese Thematik sowohl im Interieur als auch äußerlich aufgegriffen wissen.[4] Knickerbocker entschied sich daher für ein Design, das an die Kriegshaube (en.: warbonnet), die traditionelle federgeschmückte Kopfbedeckung der Männer einiger indigener Stämme, angelehnt war: Die Nase der Lokomotiven wurde mit leuchtend roter Farbe bestrichen, die an eine Haube erinnern sollte, sich zungenförmig bis hinter die Führerstandstür zog und von dort als schmaler Streifen am unteren Rand der Lokomotive bis zu deren hinterem Ende fortgesetzt wurde. Vom silbrigen Glanz der restlichen Lokomotive und der anschließenden Reisezugwagen – hervorgerufen durch Paneele rostfreien Stahls[6] beziehungsweise aluminiumhaltige Farbe – wurde das Rot durch zwei dünne gelbe und schwarze Linien abgegrenzt und auf diese Weise gleichzeitig akzentuiert. Auf der Nase platzierte er in gelber Farbe ineinander liegend ein Kreuz und einen Kreis (ein indigenes Symbol), in dessen Zentrum der Schriftzug „Santa Fe“ aufgemalt war. Darüber hinaus befand sich zu beiden Seiten der Lokomotiven etwa auf der Hälfte ihrer Länge in Kombination mit dem „Santa Fe“-Firmenlogo ein in Fahrtrichtung orientierter roter Indianerkopf mit scheinbar durch den Fahrtwind nach hinten wehender Kriegshaube.[4]

Knickerbockers „Warbonnet“-Farbschema entwickelte sich rasch zum ikonischen Design der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway und blieb fast 34 Jahre für unterschiedliche Personenzüge und Lokomotivmodelle des Unternehmens im Einsatz, bis dieses am 30. April 1971 seinen Personenverkehrsgeschäft einstellte.[4] Die ungebrochene Beliebtheit der Farbgebung veranlasste den Firmenchef Mike Haverty dazu, das Design 18 Jahre später im Güterverkehr wieder einzuführen.[7][8] Er argumentierte dabei folgendermaßen: „Ich glaube, dass die Wiederbelebung des Warbonnet ein Weg ist, unseren Kunden und der Industrie zu veranschaulichen, dass wir hochklassigen Transport anbieten. Gleichzeitig wird das Warbonnet unseren Mitarbeitern eine Art Stolz hinsichtlich ihres Erbes vermitteln.“[7] So wurden im Juni 1989 – ziemlich genau 50 Jahre nach Knickerbockers Tod – zunächst zwei EMD FP45-Lokomotiven und in den darauffolgenden sechs Jahren alle neuen Santa-Fe-Lokomotiven (EMD GP60, GE C44-9W GE C40-9W, B40-8W, EMD GP60 und EMD SD75M) entsprechend angestrichen. Nach der 1995 erfolgten Fusion mit der Burlington Northern Railroad zur BNSF Railway setzte diese das Schema noch kurzzeitig fort. Es wurde allerdings nicht mehr farbgetreu verwendet, teilweise fehlerhaft aufgemalt und alsbald aufgegeben.[4]

Wenige Monate vor seinem Tod war Knickerbocker mit einem im Dezember 1938 eingereichten Patent auch entscheidend an der Gestaltung der EMD E4 beteiligt, deren 13 Exemplare (A-Einheiten) an die Seaboard Air Line Railroad (SAL) ausgeliefert wurden.[5] Bezug nehmend auf die zahlreichen Plantagen mit Zitruspflanzen entlang des SAL-Streckennetzes, entschied er sich für einen Anstrich in grün, gelb und orange.[3] Dieses sogenannte „Citrus“-Farbschema kam bei der SAL bis 1954 zum Einsatz.

Bewertung der Arbeit

„Das Warbonnet half, Santa Fe berühmt zu machen. Über die Jahre trugen Hunderte von Santa-Fe-Passagierdiesel[-lokomotiven] das Farbschema: Es wurde in Santa-Fe-Werbematerialien und -Modellen und sogar in Spielfilmen vielfach reproduziert. Tausende Jungs wuchsen auf mit einem Spielzeugeisenbahnset, das eine Warbonnet-Diesel von Santa Fe beinhaltete, weithin als das beste je für eine Diesellokomotive entwickelte Farbschema erachtet.“

Steve Glischinski, 2008[5]

Das von Knickerbocker entworfene „Warbonnet“-Farbschema für die Personenzüge der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway gilt gemeinhin als der bekannteste Eisenbahnanstrich zumindest der Vereinigten Staaten und mutmaßlich ganz Nordamerikas. Zahlreiche Fachautoren haben sich im Laufe der Jahrzehnte entsprechend geäußert. Brian Solomon, der als Autor, Eisenbahnfotograf und Herausgeber von Eisenbahn-Fachzeitschriften tätig ist, bezeichnete es im Jahr 2003 als „legendär“ und führte aus, dass diese „unverwechselbare [Farb-]Mischung [...] sinnbildlich [wurde] für die moderne Santa Fe und [...] unbestritten eines der meist wiedererkannten Eisenbahnfarbschemata in Nordamerika“ sei.[9] In einem 2018 erschienenen Artikel in der Special-Interest-Zeitschrift Railfan & Railroad lobte Steve Schmollinger die 1937 erfolgte Entscheidung für Knickerbockers Farbvorschlag als „Marketing-Geniestreich“ und ergänzte, dass dieser damit eines der „am einfachsten erkennbaren Schemata der Geschichte“ geschaffen habe.[7] Ähnlich argumentierte im Jahr 2025 auch der Autor Adam Burns. Auf seiner Website american-rails.com hob er hervor, dass kein Farbschema während des Beginns der Ära der Diesel- und Stromlinienlokomotiven in den 1930er Jahren „derart legendär“[4] gewesen sei und das „Warbonnet“-Farbschema „wohl der schönste und am besten in Erinnerung gebliebene Anstrich [gewesen sei, der] jemals eine Lokomotive geziert“ habe.[4]

Einzelnachweise

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