Lembruch

Gemeinde im Landkreis Diepholz in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Lembruch ist eine Gemeinde im Landkreis Diepholz in Niedersachsen (Deutschland). Der Ort ist als Erholungsort staatlich anerkannt.[2]

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
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Lembruch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lembruch hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 52° 32′ N,  22′ O
Bundesland:Niedersachsen
Landkreis: Diepholz
Samtgemeinde: Altes Amt Lemförde
Höhe: 38 m ü. NHN
Fläche: 22,67 km²
Einwohner: 1265 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49459
Vorwahl: 05447
Kfz-Kennzeichen: DH, SY
Gemeindeschlüssel: 03 2 51 022
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 80,
49448 Lemförde
Website: www.lemfoerde.de
Bürgermeister: Michael Macke
Lage der Gemeinde Lembruch im Landkreis Diepholz
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Blick über den Dümmer nach Lembruch

Geografie

Lage

Lembruch liegt im Naturpark Dümmer direkt am Ostufer des Dümmers zwischen Osnabrück und Bremen. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde an, die ihren Verwaltungssitz in dem Flecken Lemförde hat.

Gemeindegliederung und Nachbargemeinden

Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus dem „Ort“ Lembruch selbst und dem Ortsteil Eickhöpen.

Angrenzende Nachbargemeinden von Lembruch sind Diepholz, Hüde (beide Landkreis Diepholz) und Damme (Landkreis Vechta).

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Gemeindegebiet von Lembruch gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.

Zentrales Gewässer ist der Dümmer (oder: Dümmer-See), an dessen Ufer ein Großteil der Gemeinde liegt. Mit einer Fläche von etwa 12–13,5 km² ist er der zweitgrößte See Niedersachsens. Die durchschnittliche Tiefe beträgt rund 1 m, die maximale etwa 1,5 m. Der See wird von der Hunte durchflossen, die zugleich Zu- und Abfluss bildet. Der Dümmer dient sowohl als Erholungsgebiet als auch als bedeutendes Vogelschutz- und Naturschutzgebiet.[3]

Weitere Gewässer im Gemeindegebiet sind die Grawiede, ein am Ostufer des Dümmers entstehendes Fließgewässer, der Wätering als kleiner Nebenabfluss des Sees, die Lohne im Ortsteil Eickhöpen zur Entwässerung des Diepholzer Bruchs sowie der Ompteda-Kanal als Teil des regionalen Gewässernetzes.

Das Ochsenmoor ist ein Feucht- und Moorgebiet in der Dümmerniederung bei Lembruch. Es umfasst überwiegend Niedermoore mit Seggenrieden und Röhrichten sowie stellenweise Bruchwälder und überstaute Flächen. Das Gebiet ist Bestandteil des FFH-Gebiets und des EU-Vogelschutzgebiets V39 „Dümmer“.[4]

Zum Moor- und Feuchtgebietsverbund rund um Lembruch/Naturpark Dümmer gehört auch das Oppenweher Moor, ein Hochmoor mit Übergangs- und Schwingrasenmooren. Die Feuchtgebiete bilden insgesamt ein vielfältiges Mosaik aus Binnengewässern, Röhrichten, Feuchtwiesen und Bruchwäldern, insbesondere am Ostufer des Dümmers bei Lembruch. Diese Landschaften erfüllen wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt und stellen bedeutende Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar.[5][6]

Lembruch liegt im Niederungsgebiet des Dümmerraums und ist hydrologisch durch einen hohen Grundwasserstand, entwässerte Moor- und Niedermoorböden sowie die Regulierung des Wasserhaushalts geprägt. Zu den Herausforderungen zählen die Sicherung des Hochwasserschutzes, der Umgang mit Nährstoffeinträgen und die Wasserstandsregulierung im Zusammenhang mit dem Dümmer insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels. Ökologisch stehen der Erhalt und die Wiederherstellung von Moor- und Feuchtlebensräumen sowie der Schutz der Biodiversität im Spannungsfeld von Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz.[7][8]

Untergrundverhältnisse

Lembruch liegt in der Norddeutschen Tiefebene in der Dümmerniederung und bildet eine Übergangszone zwischen Geest- und Moorlandschaft. Die geologischen Strukturen entstanden überwiegend während der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit). Die oberen 0–3 m bestehen aus weichen, setzungsempfindlichen Moorböden (Torf, Niedermoortorf), die durch Verlandung im Dümmergebiet entstanden. Darunter folgen bis ca. 15 m Feinsande, Schluff, tonige Ablagerungen und eiszeitliche Schmelzwassersedimente. In größeren Tiefen liegen Geschiebemergel, Geschiebelehm und einzelne Findlinge aus skandinavischen Gletscherablagerungen.[9][10][11] In Lembruch kommt sehr flacher, phreatischer Aquifer direkt unter Torf oder Schluff (häufig 0–3 m u. GOK in der Niederung) vor. Regionale Sand/Kies-Aquifere treten meist in etwa 5–30 m Tiefe auf (lokal variierend). Tiefere überregionale Aquifere können bis in mehrere 10er/100er Meter reichen.>[11][12]

Klima

In Lembruch herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.

Im Zeitraum 2012–2021 fiel im Raum Diepholz/Lembruch im Durchschnitt 528 mm Niederschlag pro Jahr.[13]

Geschichte

Im 13. Jahrhundert befand sich in Lembruch eine südliche Grenzburg der Edelherren von Diepholz, bis diese dann im Zuge der Ausdehnung der Herrschaft nach Lemförde verlegt wurde. Zum Bau der Burg Lemförde soll Material der nicht mehr benötigten Burg Lembruch („Castrum Lewenbrock“) verwendet worden sein. Noch 1305 wird die Burg Lembruch genannt. Später sind alle Reste der Burg verschwunden.

Bis zum Tod von Graf Friedrich II. im Jahr 1585 fungierten die 1530 zu Grafen ernannten vormaligen Edelherren von Diepholz für die Einwohner Lembruchs als Obrigkeit. Die Grafschaft fiel nach Friedrichs Tod an die Herzöge zu Braunschweig Lüneburg bzw. das Fürstentum Calenberg, welches 1692 im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) aufging. Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 das Königreich Hannover gegründet, welchem Lembruch bis 1866 angehörte. Nach der Annexion des Königreichs durch das Königreich Preußen in demselben Jahr lag Lembruch in letztgenanntem Königreich. Dieses wurde 1871 Teil des neugegründeten Deutschen Reichs.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat aus Lembruch setzt sich aus 11 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen, die in einer Wählergemeinschaft organisiert sind.

(Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)[14]

Bürgermeister

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Reetgedecktes Fachwerkhaus (Wohn- und Wirtschaftshaus) mit Speicher an der Alten Dorfstraße

In der Liste der Baudenkmale in Lembruch sind acht Baudenkmale aufgeführt.

Museen

2003 wurde das Dümmer-Museum neu eröffnet. Es zeigt multimediale Dauerausstellungen zu den Themen „Landschaftsentwicklung“, „Tier- und Pflanzenwelt“ und „Steinzeitliche Siedlungsplätze“.

Kunst im öffentlichen Raum

  • Im Ortsbild von Lembruch gibt es zwei Kunst-Objekte des Bildhauers Karl-Heinz Friedrich, die ihren Platz vor der Kreissparkasse gefunden haben. Eines davon ist aus Bronze und trägt den Namen Fischotter.
  • Vor dem Dümmer-Museum ist die Bronze-Installation Segel von Inka Uzoma aufgestellt. An diesem Objekt endet der Skulpturenpfad „Die Sicht“.[15][16]
  • An den genannten Skulpturenpfad schließt sich der Pfad „See Sicht“ an, der in Hüde an der Südostecke des Dümmers endet.[17]

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr findet am letzten Augustwochenende die Großveranstaltung Der Dümmer brennt statt. Samstagabends ist das große Brillantfeuerwerk direkt über dem See.

Der örtliche Karnevalsverein nimmt einmal im Jahr an den Dammer Karnevalsumzügen teil.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ferienwohnungen des Marissa-Parks mit Sandstrand am Dümmer

Anfang der 1950er Jahre begann nach dem Abschluss der Deichbauarbeiten (1952) ein Tourismus-Boom. Bereits 1948 befanden sich an der Grawiedemündung das markante, reetgedeckte „Türmchen mit der Uhr“ und ein großer Bootssteg. 1957 folgte der Bau des großen Giebeldachhauses „Hotel Strandlust“ in einem auf die Region bezogenen „Heimatschutzstil“, der trotz vieler Umbauten noch heute erkennbar ist. Der alte Bootshafen erhielt 1966 einen Kran und wurde 1974 mit einer Spundwand ausgestattet. Mittlerweile ist aber der Bootshafen „Seeblick“ (gegenüber der Segelschule) deutlich größer. Wirtschaftlich hat wegen des Dümmers der Fremdenverkehr die größte Bedeutung, aber auch eine Bootswerft und eine Fisch-Großräucherei sind zu nennen.[18]

Einen starken Impuls erhielt die Touristikbranche durch den Bau des „Marissa-Parks“, einer neuen Siedlung mit 476 Ferienhäusern und -wohnungen im Süden des Lembrucher Dümmerufers. Der im Entstehen begriffene Ferienpark erstreckt sich auf dem Gelände des ehemaligen Schoddenhofs auf 18 Hektar. Die Anlage sollte 2021 fertiggestellt sein.[19]

Verkehr

Am Bahnhof Lembruch an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, der sich durch eine günstige Lage zum Naherholungsbereich Dümmersee ausgezeichnet hat, hielten bis 1984 Jahre planmäßig Personenzüge. Der Bahnhof ist heute ein reiner Betriebsbahnhof.[20] Östlich verläuft in unmittelbarer Nähe die Bundesstraße 51 (DiepholzOsnabrück).

Einzelnachweise

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