Leo XIV.

267. Papst der römisch-katholischen Kirche From Wikipedia, the free encyclopedia

Leo XIV. (bürgerlich Robert Francis Prevost OSA; Aussprache [ˈrɒbərt ˈfrænsɪs 'priːvoʊst]; * 14. September 1955 in Chicago, Illinois, Vereinigte Staaten) ist seit dem 8. Mai 2025 der 267. Bischof von Rom (Papst), Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Staatsoberhaupt des Staates der Vatikanstadt.

Papst Leo XIV. (2025)

Vor seiner Wahl zum Papst im Konklave 2025 war der Ordensgeistliche von 2001 bis 2013 Leiter (Generalprior) des Augustinerordens, von 2015 bis 2023 Bischof des Bistums Chiclayo im Nordwesten Perus und zuletzt Kurienkardinal. Im Januar 2023 wurde er von Papst Franziskus zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe, im September 2023 zum Kardinal erhoben.

Neben der Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten besitzt er seit 2015 auch die peruanische Staatsbürgerschaft, außerdem seit 2023 von Amts wegen die des Vatikans.

Leben und Werdegang

Familie

Das Elternhaus von Robert Francis Prevost in Dolton, Illinois (2025)

Prevost entstammt einer „urkatholischen“[1] Familie mit französischen, italienischen und kreolischen Wurzeln.[2][3][4] Sein Großvater väterlicherseits, Salvatore Giovanni Riggitano, stammte aus Italien und änderte nach seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1905 seinen Namen in John R. Prevost – er übernahm dabei den Geburtsnamen seiner Schwiegermutter, der Französin Jeanne Eugénie Prévost (1864–1939).[5]

Robert Francis Prevosts Vater, Louis Marius Prevost (1920–1997), war französischer und italienischer Abstammung und diente im Zweiten Weltkrieg in der U.S. Navy. Er nahm im Juni 1944 an der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie teil. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Pädagoge im Brookwood School District 167 und an der Mount Carmel Elementary School in Chicago.[6] Zuletzt war er Superintendent für Schulen in Chicago.[7]

Prevosts Mutter Mildred Martínez (1911–1990) hatte Louisiana-kreolische[8] sowie hispaniolische Vorfahren[9][10] und war Bibliothekarin.[11] Nach dem Studium des Bibliothekswesens absolvierte sie einen Master in Pädagogik. Zwei ihrer Schwestern waren Ordensfrauen.[12] Eine mögliche spanische und maltesische Herkunft ist unwahrscheinlich.[13] Prevost hat zwei ältere Brüder, Louis Martín[14] und John Joseph,[15] ein ehemaliger Rektor einer katholischen Schule.[16] Seine Eltern waren in der Pfarrei St. Mary of the Assumption in Chicago aktiv, wo er wie seine Brüder als Messdiener (Ministrant) tätig war.[17][18]

Ausbildung und Positionen im Augustinerorden (1955–2013)

Prevost besuchte bis zu seinem Highschool-Abschluss im Jahre 1973 ein katholisches High-School-Seminar, The Saint Augustine Seminary, in Michigan[19] und studierte an der Villanova University in Villanova bei Philadelphia zunächst Mathematik und Philosophie.[20]

Nach den Examina in beiden Fächern im Jahre 1977 trat er in die Ordensgemeinschaft der Augustiner ein und durchlief das Noviziat. Vorher hatte er auch einen Eintritt bei den Salesianern Don Boscos erwogen.[21] Dann studierte er bis 1982 Theologie an der Catholic Theological Union in Chicago (Master of Divinity), anschließend an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom („Angelicum“) Kirchenrecht. Am 29. August 1981 legte er das ewige Ordensgelübde (Profess) ab und empfing am 19. Juni 1982 in Rom im Augustinerkolleg von Santa Monica das Sakrament der Priesterweihe durch den belgischen Erzbischof Jean Jadot, damals Vizepräsident des Päpstlichen Rates für die Nichtchristen (heute Dikasterium für den Interreligiösen Dialog). 1987 wurde er mit einer kirchenrechtlichen Dissertation von der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom zum Dr. iur. can. promoviert.[22] Das Thema der Dissertation lautete „Die Rolle des örtlichen Priors im Orden des heiligen Augustinus“.[23][24]

Von 1985 bis 1987 arbeitete „Padre Roberto“ als Missionar[25][26][27] in der traditionell von Augustinern betreuten damaligen Territorialprälatur Chulucanas und heutigem Bistum Chulucanas in Peru. 1987 wurde er zum Leiter der Berufungspastoral und Missionsdirektor der Augustinerprovinz „Mutter des Guten Rates“ in Olympia Fields in Illinois gewählt. Von 1988 bis 1998 wirkte er als Leiter des gemeinsamen Ausbildungsprojekts für Augustiner-Aspiranten aus den Vikariaten Chulucanas, Iquitos und Apurímac im Erzbistum Trujillo, ebenfalls in Peru. Dort war er Prior seines Ordens (1988–1992), Ausbildungsleiter (1988–1998), Lehrer der Professen (1992–1998) und Provinzialoberer der Augustiner in Peru (1998–2001).

Die Kathedralbasilika St. Maria ist der Bischofssitz des Erzbistums Trujillo in Peru, in dem Prevost nahezu 10 Jahre wirkte. Die kunsthistorisch bedeutende Kirche wurde zwischen 1647 und 1666 erbaut.

Im Erzbistum Trujillo war er Kirchengerichtsvikar (1989–1998) und Professor für Kirchenrecht, Patristik und Moral am Priesterseminar „San Carlos y San Marcelo“.[28]

1998 wurde Prevost zum Provinzialprior der Ordensprovinz in Chicago gewählt, das Amt trat er im März 1999 an. Im Jahr 2000 erlaubte er einem seit 1991 wegen Missbrauchsvorwürfen suspendierten Augustinerpater, unter Aufsicht in einem Kloster in Chicago zu wohnen. Dieser wurde 2002 nach Einführung strengerer Regeln zum Umgang mit des Missbrauchs Beschuldigten (Dallas Charter) umgesiedelt.[29]

Pater Robert Prevost als Generalprior der Augustiner (2012)

Von 2001 bis 2013 war Prevost Generaloberer des Augustinerordens mit Sitz in Rom. Prevost beherrscht die Sprachen Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch und liest Deutsch und Latein, die Lingua franca der römisch-katholischen Kirche.[1] Auch eine „normale Unterhaltung“ auf Deutsch sei mit ihm möglich, wie sich zwischen 2001 und 2013 gezeigt hat, als er in seiner Amtszeit als Ordensoberer mehrmals die österreichischen und deutschen Augustiner besuchte.[30] Nach Berichten italienischer Medien von Ende 2025 arbeitete er zu dieser Zeit an der weiteren Verbesserung seiner Deutschkenntnisse.[31] Während seines Aufenthalts in Peru erwarb Leo Grundkenntnisse in einer der Quechua-Sprachen.[32]

Prevost vertrat bei einer Ansprache im Jahr 2012 die Auffassung, dass die westlichen Massenmedien „außerordentlich effektiv“ darin seien, Sympathien für Lebensstile und Überzeugungen hervorzurufen, die der Botschaft der Bibel widersprächen. Als Beispiele nannte er den „homosexuellen Lebensstil“, Abtreibung und Sterbehilfe. Insbesondere lehnte er positive oder sympathisierende Darstellungen von Regenbogenfamilien in Film und Fernsehen ab.[33][34][35]

Zeit in Chiclayo (2014–2023)

Die Kathedrale Santa María in Chiclayo, Peru, Prevosts Bischofskirche als Oberhirte der Diözese Chiclayo von 2015 bis 2023 (2018)
Bischofswappen von Robert Francis Prevost

Am 3. November 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Titularbischof von Sufar und bestellte ihn zum Apostolischen Administrator von Chiclayo in Peru.[36] Die Amtseinführung als Administrator folgte vier Tage später. Der Apostolische Nuntius in Peru, Erzbischof James Patrick Green, spendete ihm am 12. Dezember desselben Jahres die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Altbischof von Chiclayo, Jesús Moliné Labarta, und der Erzbischof von Ayacucho oder Huamanga, Salvador Piñeiro García-Calderón. Am 26. September 2015 ernannte Papst Franziskus ihn zum Bischof von Chiclayo.[37] Da laut einem 1980 abgeschlossenen[38] Staatsvertrag zwischen dem Vatikan und Peru (Konkordat) nur peruanische Staatsbürger zu Bischöfen ernannt werden dürfen, erwarb er am 24. August 2015 die peruanische Staatsbürgerschaft.[39][40][41] Die Ernennung zum Bischof durch Franziskus war als Warnsignal des Vatikans an damals einflussreiche rechtskatholische Gruppen – wie z. B. Sodalitium Christianae Vitae – zu verstehen.[42]

Während seiner Zeit als Bischof gewann er einen Ruf als „Kämpfer gegen Armut, Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit“.[43] So kümmerte er sich beispielsweise um die Personen in den Armenvierteln, die vom Wetterphänomen El Niño betroffen waren.[44] Zudem unterstützte er Armenküchen und andere Wohltätigkeitszwecke. Außerdem setzte er sich für bessere Wohnverhältnisse an der Nordküste ein, da diese besonders von Überflutungen betroffen ist.[45] In der peruanischen Bischofskonferenz (Conferencia Episcopal Peruana) war er von 2018 bis 2023 einer ihrer Vizepräsidenten.[46] In derselben Amtszeit gehörte er der Kommission der Bischofskonferenz für die Sozialpastoral (Comisión Episcopal de Acción Social) an.[47]

2017 forderte Prevost den ehemaligen Staatspräsidenten von Peru, Alberto Fujimori, öffentlich auf, sich bei den Opfern des von ihm geführten Staatsterrorismus zu entschuldigen. Zudem traf er sich auch mit Opfern im Rahmen des Missbrauchsskandals um die Kongregation Sodalicio de Vida Cristiana und leitete die Informationen darüber an Papst Franziskus weiter, der die Kongregation daraufhin auflöste.[48][49]

Am 13. Juli 2019 berief ihn Papst Franziskus für fünf Jahre zum Mitglied der Kongregation für den Klerus[50] und am 21. November 2020 zum Mitglied der Kongregation für die Bischöfe.[51] Vom 15. April 2020 bis zum 26. Mai 2021 war er während der Sedisvakanz zusätzlich Apostolischer Administrator von Callao.[52]

2024 wurde bekannt, dass Prevost 2022 eine kanonische Voruntersuchung wegen Missbrauchsvorwürfen gegen zwei Priester der Diözese Chiclayo eingeleitet hatte. In Erklärungen gegenüber der linksliberalen peruanischen Zeitung La República sagte Prevost: „Wenn Sie Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Priester sind, melden Sie es.“ Laut Diözesanangaben wurden die Ergebnisse im Juli 2022 an das vatikanische Hauptamt für die Glaubens- und Sittenlehre (Dikasterium für die Glaubenslehre) weitergeleitet, das – wie die staatlichen Behörden Perus – eine unzureichende Beweislage attestierte. In der Nachrichtensendung vom 8. September 2024 warfen die mutmaßlichen Opfer Bischof Prevost Vertuschung vor.[53] Die peruanischen Investigativreporter Pedro Salinas und Paola Ugaz, die den Fall umfangreich recherchiert haben, sind der Auffassung, dass die Anschuldigungen gegen Prevost falsch seien. Im Gegenteil: Bei ihren Recherchen hätten sie in Prevost einen Verbündeten gefunden, der ihnen auch einen direkten Zugang zu Papst Franziskus eröffnet habe.[1]

Zeit im Vatikan

Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe (2023–2025)

Erzbischöfliches Wappen von Robert Francis Prevost
Robert Kardinal Prevost (2023)
Kardinalswappen von Robert Francis Prevost (2023–2025)[54]
Die Kirche Santa Monica degli Agostiniani, Kardinal Prevosts Titelkirche in Rom und der Ort seiner Priesterweihe im Jahr 1982

Am 30. Januar 2023 ernannte ihn Papst Franziskus zum Erzbischof ad personam und zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe; zu seinen Amtspflichten gehörte auch die Überwachung der Durchsetzung der Richtlinien zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs in den Diözesen.[55] Er war damit an den Bischofsernennungen weltweit beteiligt.[56] Zugleich bestellte ihn Papst Franziskus am 12. April 2023 zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika.[57] Damit folgte er in beiden Ämtern auf Kardinal Marc Ouellet, der altersbedingt zurückgetreten war.[58]

Prevost gilt als pragmatischer Diplomat. So verhandelte er beispielsweise an der Seite von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zwischen den deutschen Bischöfen und dem Vatikan, als der Synodale Weg im Jahr 2023 auf Kritik stieß.[56]

Kardinal Prevost begrüßte das in der neuen Kurienverfassung festgelegte Verfahren, dass nun auch Laien an der Auswahl von Bischöfen mitwirken können. Ihm zufolge bedeutete das dennoch nicht, dass die „Ortskirche ihren Hirten wählen muss, als ob die Berufung zum Bischof das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung, eines fast ‚politischen‘ Prozesses wäre“.[59] 2023 äußerte er sich bei der Weltsynode zur Synodalität mit Bezug auf die Frauenordination skeptisch und meinte, dass sie „nicht unbedingt ein Problem löst, sondern vielleicht ein neues Problem schafft“.[60]

2024 sagte Prevost in einem Interview, er habe im Zuge der Weltsynode gelernt, wie viele verschiedene Sichtweisen es auf die Rolle des Bischofs gebe. Der Grundsatz sei jedoch seiner Meinung nach, dieser solle kein „kleiner Fürst sein, der in seinem Königreich sitzt“ (little prince sitting in his kingdom), sondern sei „authentisch dazu berufen, bescheiden zu sein; den Menschen, denen er dient, nahe zu sein, mit ihnen zu gehen, mit ihnen zu leiden“.[61] Prevost gilt als Unterstützer des synodalen Prinzips, und in seiner ersten Ansprache als Papst bekräftigte er, dass „wir euch allen Brüdern und Schwestern (…) eine synodale Kirche sein wollen, eine Kirche, die unterwegs ist“.[62]

Nach der Veröffentlichung der Deklaration Fiducia supplicans des Dikasteriums für die Glaubenslehre, die die Segnung von nicht kirchlich verheirateten Paaren erlaubt, betonte Prevost die Rolle der nationalen Bischofskonferenzen. Diese müssten seiner Meinung nach angesichts der kulturellen Unterschiede über die lehrmäßige Autorität verfügen, solche Richtlinien in ihrem lokalen Kontext auszulegen und anzuwenden.[63]

Prevost kritisierte auf X mehrmals die Regierung Trump, insbesondere Präsident Donald Trump und den 2019 zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten JD Vance.[64][65] In einigen seiner Beiträge zeigte er Sympathien mit Flüchtlingen sowie mit George Floyd.[66][67]

Er sprach sich, ähnlich wie Papst Franziskus, wiederholt für entschiedenes Handeln gegen den menschengemachten Klimawandel aus (siehe auch Laudato si’).[68] Er rief die Kirche dazu auf, größere Anstrengungen gegen die Zerstörung der Erde zu unternehmen. Die Beherrschung der Welt dürfe nicht „tyrannisch“ werden.[69][70]

In der Vollversammlung der Kardinäle (Konsistorium) vom 30. September 2023 nahm ihn Papst Franziskus als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Santa Monica in das Kardinalskollegium auf.[71] Die Besitzergreifung seiner Titeldiakonie, der Klosterkirche des Augustinerkollegs, fand am 28. Januar des folgenden Jahres statt. Am 6. Februar 2025 erhob ihn der Papst zum Kardinalbischof des suburbikarischen Bistums Albano.[72]

Kardinalswappen

Das Kardinalswappen von Prevost ist vom Wappenschild her identisch mit den Wappen, derer sich Prevost als Bischof und Erzbischof bedient hatte und nahezu identisch mit seinem Wappen als Papst. Allerdings ist der untere rechte Sektor hier weiß unterlegt und das Banner, auf dem sein Wahlspruch steht, ist gelb. Zudem befindet sich hinter dem Wappenschild ein Kardinalshut (Galero) mit zweimal 15 roten Fiocchi (Quasten), der auf seine Kardinalswürde hinweist.[73]

Wahlspruch

Der bischöfliche Wahlspruch ist einer Predigt des heiligen Augustinus (Enarrationes in Psalmos 127,3) entnommen: nos multi in illo uno unum,[74] sinngemäß: „In jenem einen (Christus) sind wir vielen eins“ oder „In dem einen Christus sind wir eins“.[75] Dieses Augustinuszitat wurde zu in illo uno unum, sinngemäß: „In jenem einen (Christus) eins“, verkürzt.[54]

Mitgliedschaften in Dikasterien der römischen Kurie

Von 2023 bis zu seiner Wahl zum Papst 2025 war er Mitglied der folgenden Zentralbehörden (Dikasterien) der römischen Kirche:[76][77]

Pontifikat (seit 2025)

Leo XIV. nach seiner Wahl am 8. Mai 2025 auf der Benediktionsloggia des Petersdoms

Wahl

Konklave und Amtsbeginn

Am 8. Mai 2025 wurde Prevost am zweiten Tag des Konklaves 2025 – des ersten Konklaves, an dem er als Kardinal teilnahm – im vierten Wahlgang zum Papst gewählt. Er nahm den Papstnamen Leo XIV. an. Etwa eine Stunde nach der Wahl verkündete Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti den neuen Papst der Öffentlichkeit auf der Benediktionsloggia des Petersdoms.[80] Leo XIV. erschien danach auf dem Balkon, um die auf dem Petersplatz versammelte Menge zu begrüßen, seine erste Ansprache zu halten und den nach einer Papstwahl üblichen Segen Urbi et orbi zu spenden.[81][82][83] Dabei trug er das Rochett, die päpstliche Sommermozzetta aus rotem Seidenkamelott und die Stola, die im Raum der Tränen bereitgelegen hatten.[84] Sein Vorgänger hatte seinerzeit sowohl das Rochett als auch die hermelinverbrämte Wintermozzetta aus rotem Samt abgelehnt[85] und die Kopie der Stola der vier Evangelisten, die für Benedikt XV. angefertigt worden war,[1] erst zur Segenshandlung umgelegt.[86] Während Franziskus die Menschenmenge profan begrüßt hatte (Fratelli e sorelle, buona sera – „Brüder und Schwestern, guten Abend“),[87] begrüßte Leo XIV. die versammelten Gläubigen auf Italienisch mit den Worten «La pace sia con tutti voi» („Der Friede sei mit euch allen“). Der neue Pontifex rief in seiner ersten Ansprache zum Brückenbauen und Frieden auf.[88] Darin steckt auch ein Vorsatz, bedeutet doch der päpstliche Titel Pontifex maximus „oberster Brückenbauer“. Zudem ist er seit seiner Wahl zum Papst von Amts wegen Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung. Papst Franziskus hatte das Amt im Juni 2022 durch die Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium auf den römischen Pontifex übertragen.[89]

Am Tag nach seiner Wahl feierte er seine erste päpstliche heilige Messe in der Sixtinischen Kapelle.[90] Er bat dabei die Kardinäle um Unterstützung, warnte im Allgemeinen vor Glaubensverlust[91] und dem Streben nach Macht und Vergnügen.[92] Bei seiner Amtseinführung am 5. Sonntag der Osterzeit Cantate, 18. Mai 2025, erhielt Leo XIV. das Pallium und den Fischerring als Zeichen des Petrusdienstes. Er verzichtete, wie alle seine Vorgänger seit Johannes Paul I., auf die traditionelle Krönungsmesse und die anschließende Krönung mit der päpstlichen Tiara.[93][94]

Leo XIV. ist der erste Staatsbürger der USA und durch seine zweite Staatsbürgerschaft zugleich der erste Peruaner, der das Papstamt bekleidet. Er ist auch der erste Papst, der dem Augustinerorden angehört.[95]

Leo XIV. übernahm den Vatikanstaat in einer finanziell schwierigen Lage; so hinterließ ihm sein Vorgänger eine Verschuldung von rund zwei Milliarden Euro.[96][97]

Bewertungen der Papstwahl

Das Votum zugunsten von Prevost gilt als Kompromiss zwischen dem konservativen und dem liberaleren Lager.[56] Obwohl seine Wahl in der medialen Berichterstattung als eher unwahrscheinlich galt, sagten vereinzelte Stimmen aus Politik und Wissenschaft das Gegenteil voraus. So hoben der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon,[98] die italienischen Sozial- und Netzwerkforscher Giuseppe Soda, Alessandro Iorio und Leonardo Rizzo von der Università Bocconi[99] sowie Moritz Brocke vom Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg[100] Prevosts polyglotte Fähigkeiten und die Kombination aus administrativer Kurialerfahrung als „Personalchef“ der Bischöfe weltweit und pastoraler Erfahrung als Missionar und Ortsbischof in Südamerika hervor und prognostizierten damit korrekt seine Papstwahl. Am Vortag dieser Wahl schrieb die Neue Zürcher Zeitung bei einer Kurzvorstellung der sogenannten Papabili, er gelte als „pragmatischer Mann der Mitte und als Vermittler zwischen den Welten des amerikanischen Katholizismus“.[101] Aufgrund seiner Herkunft, seiner US- und peruanischen Staatsbürgerschaft sowie seiner Wirkungsgebiete in Seelsorge, geistlicher Ausbildung und kirchlicher Administration in den Vereinigten Staaten, Peru und Rom wird er als Kosmopolit[102] beziehungsweise als Weltbürger[64] bezeichnet. Obwohl Prevost in den meisten Listen von „Papabili“ enthalten war, gehörte er zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung eher zu den Randfiguren unter ihnen, denen nur geringe Außenseiterchancen eingeräumt wurden, insbesondere wegen seiner Herkunft aus den USA, deren Image zu Beginn der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump weltweit gelitten hatte. Jedoch beschrieb Evelyn Finger auf Zeit Online Leo XIV. als „so weit ‚links‘, […] so liberal, dass bis zuletzt kaum ein Vatikanist glaubte, das Kardinalskollegium könnte sich auf einen wie ihn einigen“.[103] Matthias Rüb konstatierte in der FAZ: „Leo bricht mit dem Traditionsbrecher Franziskus, indem er zu alten Traditionen zurückkehrt, ohne jedoch den Bruch mit seinem unmittelbaren Amtsvorgänger zu suchen.“[104] Dieser „kirchenpolitische Mittelweg“ kommt auch in seiner Kleidungswahl zum Ausdruck: Er blieb bislang bei den schwarzen Schuhen seines Vorgängers (im Gegensatz zu den traditionellen roten), trägt aber bei feierlichen Privataudienzen wieder die rote Mozetta mit Chorhemd über der weißen Soutane, die Franziskus gemieden hatte.[105]

Namenswahl

Prevost wählte den päpstlichen Namen Leo zu Ehren von Leo XIII. (1810–1903) aufgrund dessen Soziallehre und Schriften.

Leo ist das lateinische Wort für „Löwe“. In seiner ersten Ansprache an das Kardinalskollegium verwies der neu gewählte Papst insbesondere auf den letzten Amtsinhaber dieses Namens, Leo XIII., und dessen Sozialenzyklika Rerum Novarum aus dem Jahr 1891.[106][107] Leo XIII. galt als „Arbeiterpapst“, der sich während der industriellen Revolution für faire Löhne, Arbeiterrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzte und somit als Begründer der katholischen Soziallehre gilt.[108] Leo XIV. erklärte, dass die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre als Antwort auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz anbiete, denn diese stellten neue Herausforderungen für die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit dar. Damit wolle er eine Linie fortsetzen, die Papst Franziskus mit seiner Option für die Armen begonnen hatte.[109] Ähnlich habe sich Leo XIV. bereits beim gemeinsamen Essen nach Abschluss des Konklaves geäußert, wie der chilenische Kardinal Fernando Chomalí berichtete.[110]

Eine weitere Inspiration war Papst Leo der Große, der als bedeutender Lehrer des Glaubens und Verteidiger der kirchlichen Einheit im 5. Jahrhundert gilt. Seine Reliquien ließ Leo XIV. in sein Brustkreuz (Pektorale) einsetzen.[111]

Eine dritte Deutung sieht in der Namenswahl Leos den Bezug zu Bruder Leo, einem engen Weggefährten und Nachfolger von Franz von Assisi, auf den sich Papst Franziskus bei seiner Namenswahl bezogen hatte.[112][113]

Der offizielle Name des Papstes ist die lateinische bzw. latinisierte Namensform.

Bei Leo – was auf Latein „Löwe“ bedeutet – finden sich zwei Übersetzungsschemata:

  • Beibehaltung von Leo, z. B. im Englischen und Deutschen.
  • Übersetzung von „Löwe“: z. B. Leone (italienisch) oder Léon (französisch).

Wappen

Papstwappen von Leo XIV.[114]

Das Papstwappen ist weitgehend an Prevosts Wappen als Bischof und später Kardinal angelehnt. So hat er als Papst beispielsweise einige heraldische Elemente und den Wahlspruch in illo uno unum (deutsch „in dem, der eins ist, sind wir eins“, wörtlich „in jenem Einen eins“) übernommen.[115] Das Wappen stelle, so der Journalist José García, eine Vereinigung von marianischen und augustinischen Elementen dar und solle die Einheit der Kirche symbolisieren.[116]

Der Wappenschild ist schräglinks blau silber geteilt. In Feld 1 befindet sich eine silberne Lilie. Diese weist auf Reinheit und Unschuld hin und wird deswegen mit der Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht. Feld 2 zeigt ein vom Liebespfeil durchbohrtes brennendes Herz auf einem Buch – das Heiligenattribut des heiligen Augustinus und Symbol des Augustinerordens, dem der Papst angehört. Es spielt auf die Bekehrung des heiligen Augustinus an. Wie bei den Wappen der letzten beiden Päpste ist das Oberwappen die Mitra; die gekreuzten goldenen und silbernen Schlüssel, die von einer roten Kordel zusammengehalten werden, sind Symbol der päpstlichen Autorität.[114][117] Leo XIV. setzt die Neuerung von Papst Franziskus fort: Das Papstwappen besitzt einen Wahlspruch, der mit dem des Kardinalswappens identisch ist. Auch Leo greift zudem auf die Grundform des Wappens Benedikts XVI. zurück, das anstelle der Papstkrone oder Dreifachkrone (Tiara) erstmals eine bischöfliche Mitra zeigt, die an die Symbolik der Tiara erinnert. Sie ist silbern und trägt drei goldene Bänder (die drei Gewalten des Weiheamts, der Jurisdiktion und des Lehramts), die vertikal im Zentrum miteinander verbunden sind, um so ihre Einheit in derselben Person aufzuzeigen.

Soziale Netzwerke

Papst Leo XIV. wenige Tage nach seiner Wahl im Mai 2025

Am 13. Mai 2025 wurden die offiziellen sozialen Netzwerke des Papstes nach dem Tod von Franziskus wieder aktiviert. Leo XIV. setzte damit die Linie seiner Vorgänger in Bezug auf soziale Netzwerke fort.[118][119] Auf X ist er mit einem Konto namens @Pontifex vertreten, das in den neun Sprachen Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Polnisch, Arabisch und Lateinisch verfügbar ist. Er ist ebenfalls auf der Social-Media-Plattform Instagram präsent, auf der ein offizielles Profil mit der Bezeichnung „@Pontifex – Pope Leo XIV“ existiert.[120][121]

Lebensweise

Leo XIV. bewohnt wieder die Papstwohnung im obersten Stockwerk des Apostolischen Palastes, während Franziskus in einer Wohnung im vatikanischen Gästehaus Domus Sanctae Marthae lebte.[122] Am 15. März 2026 wurde sein Einzug in den Apostolischen Palast bekanntgegeben; zuvor hatte Leo übergangsweise im Palazzo del Sant’Ufficio gelebt, wo er bereits als Kardinalpräfekt gewohnt hatte.[123]

Zu seinem Privatsekretär ernannte er Edgard Iván Rimaycuna Inga, einen aus Peru stammenden Priester, den er 2006 als Priesterseminaristen in Rom kennengelernt und 2015 als Pfarrvikar an die Kathedrale von Chiclayo geholt hatte.[124] 2017 war Rimaycuna nach Rom gezogen, um am Päpstlichen Bibelinstitut seine Ausbildung fortzusetzen; nachdem 2023 auch Prevost als Erzbischof nach Rom gekommen war, machte er Rimaycuna zu seinem Mitarbeiter im Dikasterium für die Bischöfe.[125][126] Der Privatsekretär übt eine protokollarisch unbedeutende, faktisch aber oft sehr einflussreiche Position aus.[127] Im September 2025 ernannte er den italienischen Pfarrvikar Marco Billeri zu seinem zweiten Sekretär.[128] In engem, beinahe täglichem Kontakt steht Leo auch − und stand er sein Leben lang − mit seinem älteren Bruder John Prevost, dem inzwischen pensionierten Direktor einer katholischen Schule.[129][130] Familiär, aber weniger eng ist der Kontakt zu seinem ältesten Bruder Louis, der in Interviews erzählte, man habe Rob schon als Kind damit geneckt, er werde eines Tages Papst werden, wenn er wieder einmal das Bügelbrett der Mutter in einen Altar verwandelt und davor „Messe gelesen“ habe.[131] Louis Prevost ist bekennender Anhänger des Präsidenten Donald Trump und dessen MAGA-Bewegung und wurde von ihm bereits ins Oval Office und auf den Landsitz Mar-a-Lago eingeladen, wie die New York Times und andere Medien berichteten.[132] Leo − der laut Louis „wesentlich liberaler“ sei − hat dies nicht öffentlich kommentiert.[133]

Ab dem 6. Juli 2025 verbrachte Papst Leo einige Wochen in Castel Gandolfo. Der dort liegende Renaissance-Palast ist die traditionelle Sommerresidenz der Päpste, die von seinem Amtsvorgänger Franziskus nicht genutzt wurde; während seines gesamten Pontifikats besuchte dieser den Sommerpalast nur dreimal und verbrachte keine Nacht dort.[134][135] Die Residenz gehört seit dem 16. Jahrhundert dem Heiligen Stuhl[136] und Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI. hielten sich häufig dort auf. Durch den Verzicht von Franziskus, den Sommer in Castel Gandolfo zu verbringen, brachen dort die Zahlen an Pilgern und Besuchern ein. Die Stadt erhofft sich von der sommerlichen Anwesenheit des Papstes eine Steigerung der Besucherzahlen, da sie vor allem vom Tourismus lebt. Diesem ist förderlich, dass Papst Franziskus den Palazzo Pontifico 2016 in ein für die Öffentlichkeit zugängliches Museum umwandeln ließ.[137][138]

Villa Barberini in Castel Gandolfo

Leo XIV. kündigte an, das Museum bestehen zu lassen und das inzwischen museal aufbereitete Papst-Appartement im Palast nicht zu beziehen. Stattdessen bewohnt er die Villa Barberini,[139] die sich in den weitläufigen Gärten der Sommerresidenz befindet und zuvor dem Kardinalstaatssekretär zur Verfügung stand.[140] Auch das gelegentliche Zelebrieren von Heiligen Messen in der Pfarrkirche sowie das traditionelle sonntägliche Angelus aus dem Palastfenster von Castel Gandolfo, das bei früheren Päpsten üblich gewesen war, nahm er wieder auf.[141][142] Am 9. Juli 2025 empfing er in der Villa Barberini den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.[143] Am 12. Juli 2025 gab er im Innenhof des Palastes eine erste Generalaudienz für mehrere hundert Frauen und Männer aus katholischen Ordensgemeinschaften, die in Rom ihre Generalkapitel abhielten,[144] der eine weitere für Ordensleute folgte. Im August 2025 hielt sich Leo XIV. zu Ferragosto erneut für einige Tage in Castel Gandolfo auf und feierte an Mariä Himmelfahrt eine Messe in der Ortskirche. Am 5. September 2025 eröffnete er in Castel Gandolfo feierlich das Mustergut Borgo Laudato Sì, das sein Vorgänger als ökosoziales Projekt hatte einrichten lassen.[145] Seit September 2025 verbringt er regelmäßig seinen „freien Tag“ von Montagabend bis Dienstagabend auf dem Landsitz.[146] Nach eigener Aussage beschäftigt er sich dort mit „ein wenig Sport, ein wenig Lektüre, ein wenig Arbeit“.[147] Vor seiner Abreise von dort beantwortet er regelmäßig Fragen von Journalisten, die vor dem Tor warten.[148] Der informelle Stil dieser „Türschwellen-Interviews“ sowie das Risiko, sich unnötige Statements zu aktuellen tagespolitischen Fragen entlocken zu lassen, wird teilweise auch kritisiert.[149]

Internationales

Auslandsreisen

Friedenspolitik

Leo XIV. verurteilte die russische Invasion der Ukraine als „eine echte Invasion, die imperialistischer Natur ist und bei der Russland versucht, aus Machtgründen Territorium zu erobern“.[150] Er forderte in einer seiner ersten großen Reden als Papst einen Waffenstillstand im Gaza-Krieg.[151][152][153] Leo XIV. bezeichnete den Frieden als zentrales Thema seines Pontifikats und rief dazu auf, „nie wieder Krieg“ zu führen und sich für einen echten, dauerhaften Frieden einzusetzen.[154][155] Er betonte, dass Frieden im Inneren beginne: „Nur ein friedvolles Herz kann Frieden verbreiten, in der Familie, in der Gesellschaft und in den internationalen Beziehungen.“[156][157] Gewaltlosigkeit soll die Methode und den Stil aller Entscheidungen, Beziehungen und Handlungen bestimmen. Um den Frieden zu bewahren, ist es unerlässlich, Institutionen des Friedens zu schaffen – sowohl auf politischer Ebene als auch in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft.[158] Nachdem am 17. Juli 2025 die einzige katholische Pfarrei in Gaza von einer Granate getroffen worden war, wiederholte Leo am Folgetag in einem Telefonat mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu seine Forderung nach einem Waffenstillstand und der Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Beendigung des Kriegs.[159]

Im Mai 2025 gab die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bekannt, der Vatikan stehe für Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zur Verfügung.[160] Leo XIV. sagte dazu, dass der Vatikan bereitstehe, „damit sich die Feinde begegnen und einander in die Augen schauen können, damit den Völkern die Hoffnung zurückgegeben wird und ihnen die Würde wiedergegeben wird, die sie verdienen, die Würde des Friedens“.[161] Während eines Telefonates im Juni 2025 forderte er Wladimir Putin zu einer Friedensgeste im Krieg gegenüber der Ukraine auf.[162] Im September 2025 sagte er, dass Päpste zwar zum Frieden aufrufen, ihn aber nicht aushandeln könnten.[163] Im Dezember 2025 wurde die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag 2026 veröffentlicht.[164]

Positionen, die sich von seinem Vorgänger abhoben, bezog Leo XIV. auch durch Begegnungen mit zuvor gemiedenen Politikern: Er empfing 2025 den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Castel Gandolfo und im Vatikan den Botschafter der Republik China (Taiwan) beim Heiligen Stuhl, Anthony Ho.[165]

Am 4. Januar 2026, einen Tag nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch US-Streitkräfte, rief Leo XIV. beim Angelusgebet dazu auf, „die Unabhängigkeit Venezuelas zu wahren und die Menschenrechte zu achten“. Er verfolge die Lage in Venezuela „mit großer Sorge“.[166] Das Wohl des venezolanischen Volkes müsse an die erste Stelle gesetzt werden.[167]

Klimapolitik

Aus Anlass des von der Weltkirche ausgerufenen Gebetstages zur Bewahrung der Schöpfung beklagte Leo XIV. in einem Schreiben, dass „unsere Erde in verschiedenen Teilen der Welt mittlerweile im Verfall begriffen“ sei und die „ökologischen Verwüstungen“ nicht ausreichend Beachtung fänden.[104] Damit knüpft er an das klima- und umweltpolitische Engagement von Papst Franziskus an. Zum 10. Jahrestag der von Franziskus erlassenen Enzyklika Laudato Si’ rief er zu entschlossenem Klimaschutz auf und verurteilte „jene, die immer noch die Fakten leugnen oder verzerren“. Ebenfalls 2025 erklärte er, wer den Klimawandel leugne, der leugne „nicht nur die Wissenschaft, sondern die Verantwortung vor Gott“.[168]

Soziallehre

Bereits vor seiner Amtseinführung traf sich Papst Leo XIV. am 17. Mai 2025 in der Sala Clementina mit Mitgliedern der vatikanischen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice und hob in seiner Ansprache die Bedeutung der Soziallehre der Kirche als Weg der Reflexion und des Dialogs hervor. Der Papst fokussierte in seiner Kernbotschaft auf das Verständnis des Lehramts als offener, gemeinsamer Erkenntnisweg.[169] Zudem betonte er die Notwendigkeit des kritischen Denkens im Umgang mit der digitalen Revolution und forderte in dieser historischen Zeit großer sozialer Umwälzungen die Weiterentwicklung der Soziallehre der Kirche durch Zuhören und Dialog.[170][171]

Armut und soziale Gerechtigkeit

In seinem ersten Medieninterview im September 2025 kritisierte Leo XIV. den Anstieg von Firmenvorstandsgehältern und die dadurch „sich ständig erweiternde Lücke zwischen dem Einkommensniveau der arbeitenden Klasse und dem Geld, das die Reichsten erhalten“. Besonders kritisierte er in diesem Zusammenhang Elon Musk.[172] Mit seinem ersten offiziellen Schreiben Dilexi te legte er im Oktober 2025 eine Schrift vor, „in der er an die heftige Kapitalismuskritik seines Vorgängers anknüpft“.[173] Zudem bezeichnete er in einer späteren Ansprache Wucher als eine „sehr schwere Sünde“.[174]

Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe

Leo XIV. ist wie seine Vorgänger ein Gegner des Schwangerschaftsabbruchs. In seiner Neujahrsansprache 2026 an Diplomaten sagte er, eine Abtreibung verweigere die „Annahme des Geschenks des Lebens“, und beklagte, dass öffentliche Mittel „für die Vernichtung von Leben verwendet werden, statt in die Unterstützung von Müttern und Familien investiert zu werden“. Ebenso nannte er es eine Aufgabe der Gesellschaft und der Staaten, Palliativmedizin zu fördern statt „falsche Formen des Mitgefühls wie die Sterbehilfe“.[175]

Kirche

Sexueller Missbrauch

Im September 2025 sprach er in einer Ansprache an junge Bischöfe darüber, dass klerikaler sexueller Missbrauch sofort bestraft werden müsse. Zudem intervenierte er in einem Fall in der Diözese Latina-Terracina-Sezze-Priverno, wo er einen Ständigen Diakon aus dem Klerikerstand entließ, nachdem dieser des sexuellen Missbrauchs an fünf Kindern beschuldigt worden war, begangen zwischen 2018 und 2023.[176] Andererseits hatte er den Geistlichen Richard McGrath, der an der Providence Catholic High School in New Lenox gearbeitet und mindestens einen Schutzbefohlenen missbraucht hatte, nicht aus seinem Amt entfernt,[177] obwohl die Ansprüche des Opfers anerkannt worden waren.[178] Auch in weiteren Fällen sexuellen Missbrauchs war der spätere Papst nicht eingeschritten.[177]

LGBT

Im September 2025 sprach Leo XIV. davon, dass man zwar alle in der Kirche willkommen heißen müsse, er wolle aber die Lehre der Kirche im Bezug auf die LGBT-Gemeinschaft nicht verändern, um „die Polarisierung in der Kirche nicht weiter zu verstärken“.[179] Zudem kritisierte er bezüglich der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, dass einige Gemeinden dazu Handreichungen ausgäben, die eine Ritualisierung darstellten, die „aber nicht im Sinne der Kirche, auch nicht im Sinne seines Vorgängers Franziskus“ sei.[180] Leos Aussagen wurden von der Initiative OutInChurch kritisiert; sie seien „rückwärtsgewandt“, eine Reform der katholischen Sexuallehre „überfällig“.[181] Dahingegen empfindet der Priester und LGBTQ-Aktivist James Martin, dass „Leos Wunsch, dass Menschen einander kennenlernen und respektieren, […] für Betroffene sehr hoffnungsvoll“ sei.[182]

Katholischer Traditionalismus

Leo XIV. möchte laut Kommentatoren eine Aussöhnung mit der traditionalistischen Minderheit innerhalb der Kirche erreichen. So erlaubte er beispielsweise im September 2025 die Feier der Alten Messe durch Raymond Leo Kardinal Burke im Petersdom[183] oder traf mit dem Thema vertraute Bischöfe und Kardinäle,[184] wie etwa den traditionalistischen Bischof Fernando Areas Rifan.[185]

Exorzismus

Auf dem 15. Treffen der International Association of Exorcists im September 2025 in Sacrofano bei Rom bekräftigte Leo XIV., dass das Amt des Exorzisten in der Katholischen Kirche „äußerst notwendig“ sei, und rief die rund 300 anwesenden Priester und Exorzisten auf, „die Gläubigen, die wahrlich von dem Bösen besessen sind“, mit Gebeten und der Anrufung Jesu zu begleiten, sodass der Herr den Satan besiegen möge.[186][187]

Ökumene

Leo XIV. möchte sich vermehrt für den ökumenischen Dialog einsetzen.[188] So veranstaltete er beispielsweise eine Gedenk-Vigil mit 24 ökumenischen Vertretern im Andenken an die Märtyrer der christlichen Kirchen.[189] Bei einem Besuch des britischen Königs Charles III. und seiner Ehefrau Camilla im Vatikan im Oktober 2025 verliehen sich die beiden Staatsoberhäupter gegenseitig Ehrentitel: Leo XIV. wurde päpstlicher Konfrater der St.-Georgs-Kapelle und Charles III. wurde königlicher Konfrater der Basilika St. Paul vor den Mauern. Dies wurde als Zeichen der Annäherung zwischen Katholiken und Anglikanern gedeutet.[190] Das gemeinsame Gebet in der Sixtinischen Kapelle war das erste derartige seit der Reformation in England.[191]

Bei seiner ersten außeritalienischen Auslandsreise, die in die Türkei und in den Libanon führte, sprach er sich am 30. November 2025 nach einem Gottesdienst in der Georgskathedrale in Istanbul zusammen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., für weitere Schritte zur Einheit der beiden Kirchen aus.[192] Das im Vorfeld veröffentlichte apostolische Schreiben In unitate fidei sprach eine ähnliche Thematik an.[193]

Ehrungen und Auszeichnungen

2014 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Villanova University verliehen.[194]

Am 11. Februar 2025 verlieh der Großmeister des Malteserordens Fra’ John Dunlap Prevost die Insignien des Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Ordens.[195]

Bei seinem Staatsbesuch im Oktober 2025 ernannte König Charles III. Papst Leo XIV. zum Ehren-Großkreuzritter des Order of the Bath.[196]

Ende 2025 ernannte die Enciclopedia Treccani Papst Leo zur „Person des Jahres 2025“.[197]

Schriften

Apostolische Schreiben

In Form eines Motu Proprio:

  • Coniuncta cura (29. September 2025, über die Finanzinvestitionsaktivität des Heiligen Stuhls)
  • Immota manet (11. November 2025, über den Mittelsektor der Diözese Rom)
  • Apostolisches Schreiben in Form eines Motu Proprio (19. November 2025, über die Zusammensetzung und die Präsidentschaftsführung der Päpstlichen Kommission für den Vatikanstaat)
  • Allgemeine Ordnung der Römischen Kurie (23. November 2025)
  • Personalordnung der Römischen Kurie (23. November 2025)

In Form einer Exhortatio:

  • Dilexi te („Ich habe dich geliebt“, 9. Oktober 2025)

Reguläre Apostolische Schreiben:

Bücher

  • The Office and Authority of the Local Prior in the Order of Saint Augustine. The Catholic University of America Press, 2025.
    • Die Rolle des örtlichen Priors im Orden des heiligen Augustinus. Päpstliche Universität Heiliger Thomas von Aquin, Rom 1987.
  • Rule and Constitutions of the Order of Saint Augustine. Villanova University, 2002.[198]

Literatur

Siehe auch

Commons: Leo XIV. – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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