Leon de Winter

niederländischer Schriftsteller und Filmemacher From Wikipedia, the free encyclopedia

Leon de Winter (* 26. Februar 1954[1] in ’s-Hertogenbosch) ist ein niederländischer Schriftsteller und Filmschaffender. Seit Mai 2025 ist er Kolumnist der Tageszeitung Die Welt.[2]

Leon de Winter (2013)

Leben

De Winter (1979)

Leon de Winter ist ein Sohn niederländischer orthodoxer Juden aus armen Verhältnissen, die den Holocaust in Verstecken überlebten, die ihnen zwei Jahre lang von einer Gruppe katholischer Priester und Nonnen zur Verfügung gestellt worden waren. Neun von zehn seiner Onkel und Tanten sind im Holocaust ermordet worden.[3]

De Winter lernte in der holländischen Schule sechs Jahre lang die deutsche Sprache.[3] Nach einer Ausbildung bei der Bavaria Filmakademie in München studierte De Winter an der Filmakademie Amsterdam, die er jedoch ein Jahr vor dem Abschlussexamen verließ. Bereits im Alter von 24 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman. Er lebt und arbeitet heute in Bloemendaal und Los Angeles. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen und Drehbücher, die er teilweise selbst realisierte. Der Himmel von Hollywood wurde von Sönke Wortmann verfilmt. De Winter ist regelmäßiger Gastautor der Achse des Guten.[4] An der Seite von Henryk M. Broder tritt er in der von Regisseur und Filmproduzenten Joachim Schroeder realisierten TV-Dokumentation Der ewige Antisemit auf.

De Winter ist mit der niederländischen Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder.[5] Ihre Tochter Solomonica de Winter (* 1997[6]) ist ebenfalls Schriftstellerin.[7]

Werk

Obwohl die Filmkunst Hintergrund seines Schaffens ist, ist De Winter hauptsächlich als Romanautor bekannt geworden. Daneben erlangte er in der Vergangenheit zunehmend Bekanntheit als Blogger und Autor von Meinungsartikeln mit dezidiert islamkritischen und pro-israelischen Standpunkten. Seine auf Niederländisch geschriebenen Romane zeigen bei aller Verschiedenheit sich häufig wiederholende Motive und weisen zum Teil starke autobiographische Züge auf: So sind De Winters Hauptfiguren, die häufig als Ich-Erzähler auftreten, durchweg männlich und jüdischer Herkunft und oft Niederländer. Alle setzen sich in unterschiedlicher Art und Weise mit ihrem Judentum auseinander; dies erreicht im Roman Zionoco absurd-komische Züge, in Sokolows Universum führt es die Handlung nach Israel und führt zum Plädoyer für den jüdischen Staat. Ebenso setzt sich De Winter häufig mit der Beziehung zu einem übermächtigen, unerreichbaren und ungeliebten Vater auseinander, beispielhaft im Roman Supertex. De Winter beleuchtet gerne das Spiel der Geschlechter und arbeitet oft mit den Problemen, die seinen Hauptfiguren aus dem Spannungsfeld von Ehe, Treue, Lust und Sex erwachsen. De Winters Romane zeigen eine sehr lebendige, häufig der Alltagssprache entnommene Wortwahl, die zum Beispiel im Roman Hoffmans Hunger auch drastische Ausdrücke gebraucht. Daneben verwendet er häufig jiddische Einsprengsel. Ulrich Greiner urteilte über den Roman Ein gutes Herz (2013): „Selten hat man ein derart spannendes, intelligentes und brisantes Buch gelesen.“[8] Mit Jessica Durlacher schrieb De Winter das Libretto für die Musicalproduktion Anne, die am 8. Mai 2014 im Theater Amsterdam Premiere hatte.[9] 2025 erschien nach längerer Pause der Roman Stadt der Hunde.[10]

Angriffe durch Theo van Gogh

Der als provokant bekannte Regisseur Theo van Gogh warf De Winter „Vermarktung seines Judentums“ vor und attackierte ihn seit 1984 heftig mit antisemitischen Äußerungen.

In einem Interview mit der Tageszeitung Welt äußerte De Winter, er habe sich einmal vorgenommen, „ein gutes Glas Wein auf die Nachricht vom Tode Theo van Goghs zu trinken“, bevor dieser dann tatsächlich von einem Islamisten ermordet wurde. Für ihn sei er von jeher „ein widerlicher Mensch gewesen“. Van Gogh habe in einem viel gelesenen Amsterdamer Studentenblatt geschrieben, De Winter und dessen Frau könnten erst miteinander schlafen, „wenn sie Stacheldraht um seinen Penis gewickelt hätte“. Er würde dann „auf dem Höhepunkt ‚Auschwitz! Auschwitz!‘ rufen“. Der Vater von De Winters Frau ist ein Auschwitz-Überlebender.[11] Van Gogh hatte bewusst verletzend und wahrheitswidrig behauptet, de Winter würde Stacheldraht von Konzentrationslagern sammeln.[3]

Meinungen zu Islam und Islamismus

In einem Interview im Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit Henryk M. Broder verteidigte De Winter den Einsatz nichtrechtsstaatlicher Mittel im Umgang mit islamistischen Terroristen, wie etwa die Folter der Häftlinge in Guantánamo. Im Sinne eines „neuen Totalitarismus“ äußerte er im Interview: „Nach dem linken Faschismus der Sowjets, nach dem rechten Faschismus der Nazis, ist der Islamismus der Faschismus des 21. Jahrhunderts.“[12] Den Irakkrieg begrüßte de Winter ausdrücklich.[13]

In einem Artikel in der Zeit sieht er in den Niederlanden fehlende Harmonie zwischen islamischen Vorstellungen von Respekt, Ehre und Scham und westlichen Werten: Gerade die zunehmende „Selbstbefreiung“ der Frauen nordafrikanischer Herkunft in den Niederlanden werde als Machtverlust und Bedrohung der Ehre ihrer männlichen Verwandten empfunden. De Winter findet es bemerkenswert, dass die meisten niederländischen Muslime den Mörder van Goghs nicht als frommen Muslim akzeptiert hätten, sondern ihn als Häretiker brandmarkten, sich somit durch Distanzierung jeder moralischen Verantwortung entledigen wollten.[14]

Kontroversen

Im August 2025 wurde de Winter vom 1. Jüdischen Kulturfestival in Osnabrück ausgeladen. Geplant war eine Lesung aus seinem Roman Stadt der Hunde; die Jüdische Gemeinde Osnabrück als Veranstalterin zog die Einladung jedoch wenige Tage vor Festivalbeginn zurück.[15] Anlass waren Äußerungen de Winters in einer Welt-Kolumne Anfang Mai 2025, in der er u. a. schrieb: „Auch ich bin überzeugt, dass die Migrationspolitik gescheitert ist, auch ich sehe, dass zu viele Migranten in Europa aus rückständigen Kulturen kommen, in denen Frauen Männern untergeordnet sind und Juden gehasst werden. Bin ich jetzt gesichert rechtsextrem?“; AfD-Äußerungen zur Migration bezeichnete er darin als „ziemlich harmlos“.[16] Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg, erklärte daraufhin, de Winters Positionen stünden „in deutlichem Gegensatz zu den Grundwerten der Jüdischen Gemeinde und dem, was wir mit unserem Festival erreichen wollen“.[17] De Winter bekräftigte seine Haltung Ende August 2025 in einer weiteren Welt-Kolumne und plädierte u. a. dafür, Männern bis 55 Jahren grundsätzlich kein Asyl in Europa zu gewähren; man solle ihnen allenfalls für einige Monate eine sichere Umgebung bieten, damit sie sich organisieren und ausbilden könnten, um anschließend „für Frieden und Freiheit“ in ihre Herkunftsländer zurückzukehren.[18]

Werke in deutscher Übersetzung (Auswahl)

Autograph

Romane

Artikel

Filmografie (Auswahl)

Drehbuch

  • 1992: Das Zeichen (De Johnsons) – Regie: Rudolf van den Berg
  • 1993: Hoffmans Hunger (Hoffman’s honger) – auch Regie
  • 2001: Der Himmel von Hollywood – Regie: Sönke Wortmann

Literarische Vorlage

  • 2003: Supertex – Eine Stunde im Paradies – Regie: Jan Schütte

Hörspiele

Quelle ARD Hörspieldatenbank:[21]

Auszeichnungen

Commons: Leon de Winter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI