Leopold Haase

Kunsthändler, Verleger und Fotograf From Wikipedia, the free encyclopedia

Leopold Haase (geb. 14. Februar 1831 in Neustrelitz[1]; gest. 2. April 1901 in Steglitz) war ein jüdischer Kunsthändler, Verleger und Fotograf. Er betrieb Fotoateliers in Berlin, Köln und Breslau unter der Firma L. Haase & Co.

Familie

Leopold Haases Vater war der wohlhabende jüdische Kaufmann Ascher Falckheim Haase aus Strelitz, der zum Zeitpunkt seiner Geburt offenbar schon in die benachbarte Residenzstadt Neustrelitz übersiedelt war. Der Hof-Kommissionsrat Joseph Arnoldt, Inhaber des um 1837 begründeten, ersten Berliner Antiquitätengeschäfts „Magasin d’Antiques“, war Leopold Haases Onkel. Er lebte seit 1820 in Berlin.[2] Leopold Haases Halbbruder Nathan war Tabakhändler in Berlin.[3]

Lebensweg

Revers CdV L. Haase & Co.
Zeitungsanzeige des Foto-Ateliers L. Haase & Co. von 1865 – „Visiten-Karten-Brustbilder (nach Disdéri) eingeführt“
Zeitungsanzeige des Foto-Ateliers L. Haase & Co. von 1866

Ascher Falckheim Haase zog mit seiner Familie aus Mecklenburg-Strelitz ins preußische Berlin um. Die Familie bezog ein Haus in der Neuen Königsstraße 48 (heute: Hans-Beimler- bzw. Bernhard-Weiß-Straße, unweit des Alexanderplatzes). Leopold Haase kam im Jahr 1847, im Alter von 16 Jahren, nach Berlin. Über seine ersten Jahre in Berlin ist wenig bekannt. Der Archivar und Autor Ralf-Rüdiger Targiel vermutet, dass Leopold Haase entweder bei seinem Onkel Joseph Arnoldt oder vielleicht bei Asher & Comp., der Buchhandlung mit Antiquariat von Abraham Isaac Asher, Unter den Linden 20, eine Lehre zum Buch- und Kunsthändler absolvierte; jedenfalls bezeichnete Haase sich später als gelernten Buch- und Kunsthändler.[3]

Haase unternahm Reisen nach Dessau und Halle (Saale), wo er seine künftige Ehefrau Caroline Callm kennenlernte. Spätestens Anfang 1856 kehrte Leopold Haase nach Berlin zurück. Mit dem Erbe seiner inzwischen verstorbenen Eltern wollte er sich selbständig machen. Er zog in das Haus Leipziger Straße 50.[3]

Am 1. November 1856 eröffnete Leopold Haase eine Kunsthandlung, etwa ein Jahr später, zusammen mit dem Fotograf Johann Friedrich Ferdinand Schüler, unter der Firma L. Haase & Co. auch einen Kunstverlag. Der Photographische Kunstverlag von Leopold Haase und Ferdinand Schüler in der Friedrichstraße 178 gab fotografische Kunstreproduktionen heraus,[4] unter anderem von Gustav Schauer (1826–1902). Der Verlag veröffentlichte nicht nur eigene Aufnahmen, sondern kaufte auch Arbeiten anderer Fotografen auf. So erwarb die Firma L. Haase & Co. unter anderem Fotografien des Berliner Architekturfotografen Leopold Ahrendts (1825–1870) und gab 1857 das 40 Blatt umfassende Album Berlins Bauwerke. Photographien von Leopold Ahrendts heraus. Auch Fotografien des Dresdener Fotografen und Juristen Alexander Felix Oppenheim (1819–1898), die dieser in Spanien, Athen und Deutschland aufgenommen hatte, gehörten zu Leopold Haases Sortiment.[5]

Am 4. Oktober 1858 heirateten Sara Emilie Caroline Callm (geb. 1834 in Eisleben), Tochter des verstorbenen Gelbgießermeisters Heinrich Dankegott Callm aus Halle an der Saale und dessen Frau Johanne, geb. Tobias, und der Kunsthändler Leopold Haase in Berlin.[6][7]

Das Ehepaar bekam mehrere Kinder, darunter eine Tochter namens Margarete (verh. Schuhmacher). Seine jüngste Tochter hieß Rosa.[8]

Im Jahr 1858 beauftragte der Chirurg und Orthopäde Heimann Wolff Berend (1809–1873) Leopold Haase damit, etliche seiner Patienten für Berends systematische Sammlung von Patientenfotografien aufzunehmen.[9]

Als dritter Teilhaber neben Haase und Schüler trat der (um 1832 herum geborene) frühere Architekt Carl Emil Derhorst in das Unternehmen ein, Inhaber des 1855 gegründeten „Photographischen Instituts für Portraits und die Copierung von Gebäuden, Kupferstichen, Ölgemälden“.[10]

Dem photographischen Kunstverlag wurde ein Atelier für Porträtfotografie angegliedert, das in den 1860er Jahren zu den bedeutendsten in Berlin zählte.

Friedrich Wilhelm von Preußen – der spätere Kaiser Friedrich III. – und Victoria von England. Fotografie von L. Haase & Co., Berlin, 1859

Spätestens 1859 gewann die Firma L. Haase & Co. das preußische Königshaus als Kunde ihres Foto-Ateliers. Am 18. April 1860 erhielten alle drei Inhaber des Unternehmens – Leopold Haase, Johann Friedrich Ferdinand Schüler und Carl Emil Derhorst – den Titel „Königlicher Hofphotograph“ verliehen.[11] Sie bezeichneten sich als „Königl. Hof-Photographen und Hof-Photographen Ihrer Königl. Hoheit der Frau Kronprinzessin von Preußen“.[12]

1862 eröffnet L. Haase & Co. eine Filiale in Breslau in der Tauentzienstraße 10; 1864 folgt eine weitere Filiale in Köln in der Königin-Augusta-Halle, Hohe Straße 39.

Im Mai 1864 schied der Hofphotograph Emil Derhorst aus der Firma L. Haase & Co. aus.[13]

Wahrscheinlich als erstes Berliner Fotoatelier bot L. Haase & Co. Porträtfotos im Visitformat an,[10] das rasch sehr populär wurde. In der Breslauer Filiale wurden ab Anfang März 1865 Porträtfotografien im Carte-de-visite-Format angeboten.[14]

Leopold Haase erlernte bei Joseph Albert (1825–1886) dessen 1868 veröffentlichtes, verbessertes Lichtdruckverfahren, die Albertotypie.[15] Ab Herbst 1869 setzte das Berliner Atelier von L. Haase & Co. das Albert’sche Lichtdruckverfahren ein.

Zum aktuellen Zeitgeschehen erschienen bei L. Haase & Co eine Reihe von Mappenwerken, zum Beispiel über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871.[16]

Am 21. Januar 1872 erhielt Leopold Haase den Königlichen Kronen-Orden IV. Klasse.[17]

1874 zog das Berliner Atelier von L. Haase & Co. in die Straße Unter den Linden 62/63.[4]

1877 verkaufte die Firma L. Haase & Co. ihre Breslauer Filiale und 1879 auch ihre Filiale in Köln.[18]

Der Teilhaber Johann Friedrich Ferdinand Schüler schied Ende der 1870er Jahre aus dem Unternehmen L. Haase & Co. aus.[19]

1884 trat der Fotografenmeister Bernhard Otto Fricke als Teilhaber in das Unternehmen L. Haase & Co. ein, im April 1886 übernahm er es ganz. Er verlegte seinen Hauptsitz 1890 nach Frankfurt an der Oder. Leopold Haase zog sich aus dem Geschäftsleben zurück und lebte als Rentier mit seiner Frau Caroline und seiner jüngsten Tochter Rosa im Haus Alt-Moabit 91/92. Seine letzte Adresse war die Wrangelstr. 5 in Steglitz bei Berlin. Leopold Haase verstarb dort am 2. April 1901 im Alter von 70 Jahren. Begraben wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.[20]

Die Firma L. Haase & Co. erlosch erst im Februar 1961. Seit dem 21. Februar 1961 hieß das Fotounternehmen, dass noch bis 1999 mit Sitz in Frankfurt (Oder) weiter bestand[21], nicht mehr L. Haase & Co., sondern Foto-Fricke.[22]

Literatur

  • Ralf-Rüdiger Targiel: Frankfurt (Oder) im Spiegel der Fotografien von L. Haase & Co./Foto-Fricke (= Historische Schriftenreihe des Stadtarchivs Frankfurt/Oder. Band 9). Sutton-Verlag, München 2012, ISBN 978-3-95400-008-1.
  • Berliner Regionalmuseen / Museumspädagogischer Dienst Berlin (Hrsg.): Im Blick: Berlin. Aus den fotografischen Sammlungen der Berliner Regionalmuseen. Museumspädagogischer Dienst Berlin. Berlin 2003, ISBN 3-930929-18-X, S. 73.
Commons: Leopold Haase (1831-1901) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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