Lesgier
ethnische Gruppe des Kaukasus
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Die Lesgier oder Lesginen (lesgisch Лезгияр Lesgijar, lesgisch Леккзияр Leksijar, älter lesgisch Лекьер Leq'er) sind eines der indigenen Völker des Kaukasus und leben historisch in Süd-Dagestan und Nord-Aserbaidschan.

Das Volk wohnt im Gebiet des Flusses Samur. Diese Region wird auch Lesgistan genannt. Das Volk der Lesgier hat nach Schätzungen etwa 800.000 Angehörige, von denen ungefähr die Hälfte in der russischen Teilrepublik Dagestan lebt, die andere Hälfte in Aserbaidschan. Nach der Volkszählung in Russland 2010 lebten 385.240 Lesgier in Dagestan[1] in ganz Russland 473.722.[2]
Etymologie
Die Selbstbezeichnung der Leksier im engeren Sinne lautet lesgisch лезгияр / лезги (lesgijar oder lesgi), lesgisch леккзияр / леккзи (leksijar oder leksi) oder auch älter лекьер / лекь ( oder –manchmal auch lekk(er) umschrieben, der dritte Laut ist ein stimmloser uvularer Plosiv, der ejektiv gesprochen wird[3]). Die übrigen lesgischen Ethnien haben aufgrund ihrer zumeist seit dem Spätmittelalter, bei den Udinen seit der Spätantike getrennten historischen Entwicklungen andere traditionelle Selbstbezeichnungen.
Der Name ist sehr alt, wie schon historische Fremdbezeichnungen in Quellen, wie bei Strabon (XI.5.1) altgriechisch Λῆγαι Légai, lateinisch Legae, armenisch Լեկք Lekk', georgisch ლეკ(ნ)ი lek’(n)i, arabisch اللاكزي al-Lākzi, auch persisch ähnlich, belegen. Weitere Fremdbezeichnungen sind russisch Лезгины Lesginy oder englisch Lezgins. Er ist im engeren Sinne die Bezeichnung der eigentlichen Lesgier, im weiteren Sinne manchmal die Sammelbezeichnung für die autochthonen lesgischen Ethnien im südlichen Dagestan und des nördlichen Aserbaidschan, die das Becken des Flusses Samur vom östlichen Großen Kaukasus bis zum Kaspischen Meer bewohnen[4]. Der Name „Lek“ lebt heute im Namen der Lesgier fort, die im südlichen Dagestan und im nördlichen Aserbaidschan leben[5].
Sprache
Die lesgische Sprache gehört zur Gruppe der lesgischen Sprachen innerhalb der nordostkaukasischen Sprachfamilie.
Geschichte

Im 8. Jahrhundert konvertierten die Lesgier zum Islam (Sunniten, schafiitische Rechtsschule). Später gerieten sie unter den Einfluss des Königreichs Georgien. Im 16. Jahrhundert wurden sie von den Osmanen, später von den Persern beherrscht, die sich in der Vorherrschaft über das Khanat Schirwan und Khanat Quba abwechselten, die die südlichen Lesgier beherrschten. Hadschi Davud führte im 18. Jahrhundert einen langjährigen Aufstand gegen die persische Besatzung an.
Anfang des 19. Jahrhunderts geriet ihr Gebiet unter russische Oberhoheit. Die Grenze entlang des Samur war eine innerrussische bzw. innersowjetische Verwaltungsgrenze. Seit der Unabhängigkeit Aserbaidschans leben die Lesgier in zwei Staaten. Während sie in Dagestan kulturelle Autonomie genießen, sind die aserbaidschanischen Lesgier einem Assimilationsdruck durch die Regierung ausgesetzt.
Kultur
Prominente Lesgier
- Suleiman Abusaidowitsch Kerimow (* 1966) – russischer Unternehmer, Milliardär, Oligarch und Politiker
Literarische Darstellungen
- Friedrich Bodenstedt: Ada, die Lesghierin. Ein Gedicht. Berlin 1853 (Digitalisat in den Digitalen Sammlungen der BSB)
- Arthur de Gobineau: Die Tänzerin von Schemacha. Novelle. Deutsch [sowie mit einem Vorwort] von Rudolf Schlösser[11]. Philipp Reclam Junior, Leipzig o. J. [1904] (Digitalisat im Internet Archive)
Siehe auch
Weblinks
- Die Lesginen, Laken und Nogaier Reportage des Radiosenders „Stimme Russlands“