Leysiel

Sperrwerk mit Siel und Schleuse in Ostfriesland, Niedersachsen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Leysiel ist ein Sperrwerkskomplex[1] nordwestlich von Greetsiel in der Gemeinde Krummhörn in Ostfriesland. Die Anlage war 1991 fertiggestellt worden und besteht aus einem Siel mit drei Öffnungen und einer größeren Schleuse.[2] Das Küstenschutzbauwerk wirkt als Sturmflutsperrwerk und liegt auf einer Leyhörn genannten Landzunge, die seit 1985 künstlich angelegt wurde. Der Komplex soll drei verschiedene Funktionen erfüllen:

  • eine tidefreie Zufahrt zum Fischerort Greetsiel ermöglichen,
  • die Entwässerung der tief liegenden, binnendeichs gelegenen Gebiete sichern und
  • dem Naturschutz dienen.
Leysiel aus der Luft
Karte der Krummhörn mit der Landzunge Leyhörn links oben. Im Inneren dieser Landzunge ist das Speicherbecken erkennbar, zudem das Fahrwasser zum Greetsieler Hafen und auch der von dort aus in nordöstlicher Richtung verlaufende Verbindungskanal zum Leybuchtsiel

Planung und Bau

Bis 1980 gab es verschiedentlich Pläne, die gesamte Leybucht einzudeichen. Die zuvor letzte große Landgewinnungsmaßnahme war der von 1947 bis 1950 eingedeichte Leybuchtpolder. Da die Leybucht jedoch ein Vogelrastgebiet von internationalem Rang ist und der Naturschutz im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung gewann, entschloss sich die niedersächsische Landesregierung 1980 endgültig, auf eine komplette Eindeichung der Leybucht zu verzichten.[3] Stattdessen wurde nun das Ziel verfolgt, die Zufahrt des zuvor immer wieder von Verschlickung bedrohten Greetsieler Hafens durch eine befestigte, nach Nordwesten ausgerichtete Zufahrt zu sichern. Dies geschah durch die Anlegung jener Landzunge, die beiderseits von Deichen geschützt und in ihrem Inneren größtenteils ein Gewässer ist. Die Landzunge beinhaltet ein Speicherbecken, das bei Sturmfluten als Aufnahmereserve für das Binnenwasser dient, wenn das Wasser nicht nach außen gesielt werden kann.

Schleuse und Siel

Das Leysiel umfasst eine Schleuse, um den derzeit 27 Greetsieler Krabbenkuttern die Aus- und Einfahrt in den Hafen zu sichern. Das Bauwerk der Seeschleuse ist insgesamt 120 Meter lang und hat eine lichte Durchfahrtsweite von 14 Metern.[2] Dies erlaubt die gleichzeitige Schleusung von bis zu acht Kuttern. Neben den Fischern wird der Greetsieler Hafen auch von Bootsausflüglern angefahren. Vom Hafen Greetsiel aus werden Kutterfahrten in das Naturschutzgebiet angeboten.

Die Schleusenkammer besitzt insgesamt fünf Stemmtorpaare mit hydraulischem Antrieb, um jederzeit die Schleuse in beiden Richtungen gegen höheren Wasserstand zu schließen oder auch mit kurzer Kammer zu schleusen. Besonderheit ist das seeseitige Tor mit größerer Höhe, dass gegen Sturmflutwasserstände schützen muss. Seeseitig wurde ein Schutzhafen von 170 m Länge und 100 m Breite angelegt, der einen 60 m langen Kai als Notanleger aufweist.[2]

Das Siel besteht aus drei zehn Meter breiten Durchlässen, die jeweils mit doppelten Hubtoren ausgestattet sind. Dies ist notwendig, da Küstenschutzbauwerke der ersten Deichlinie eine doppelte Deichsicherheit einhalten müssen. Zum Schutz der Tordichtungen gegen Frost sind im Bereich der Anschläge Luftsprudelanlagen angeordnet. Hinter dem Außenhafen beginnt das Außentief, das zur Wattrinne "Norderley" führt. Beidseits schützen das Tief rund 900 m lange Leitdämme vor Versandung.

Über Sperrwerk und Siel führt eine sturmflutfreie Brücke, die nur von zugelassenen Personen/Fahrzeugen überquert werden darf. Der Wander- und Fahrweg am Westufer endet dort, da das Befahren und Betreten des östlichen Deichabschnitts nicht gestattet ist.

Das Bauprojekt kostete rund 330 Millionen DM.[3]

Leybucht und Naturschutzgebiet

Mit der Anlegung der Leyhörn wurde zugleich ein neuer Deich am südöstlichen Rand der Leybucht gebaut. Dieser liegt nur unwesentlich vor dem früheren Hauptdeich, die vorgelagerten Salzwiesen wurden nur minimal berührt. Diese Maßnahme erlaubte es, einen Verbindungskanal, den Störtebekerkanal von Greetsiel zum 1929 angelegten Leybuchtsiel auf Norder Stadtgebiet zu graben. Das Leybuchtsiel entwässert das Norder Tief seitdem nicht mehr direkt in die Nordsee, sondern via Kanal und Speicherbecken über das Leysiel. Es wurde zudem umgebaut und mit einer offenen Durchfahrt versehen. Damit besteht nun eine Kanalverbindung zwischen Norden und Greetsiel. Erstmals seit Anlegung des Leybuchtsiels 1929 hat der kleine Norder Hafen damit wieder Zugang zum offenen Meer, wenn auch nur für Boote.[3]

Ein Teil der Landzunge Leyhörn ist als Naturschutzgebiet „Leyhörn“ ausgewiesen. Zudem wurden Ausgleichsflächen bereitgestellt.[2]

Ökologische Auswirkungen

Die Schleuse bildet eine direkte Verbindung zur Nordsee, sodass sich mit den Gezeiten, wie früher ohne die Landzunge, das Salzwasser mit dem Hafenwasser vermischt. In Kombination mit der Dürre und Hitze in Europa 2018 führte dies Ende Juli 2018 zu einem massiven Fischsterben im Hafenbecken.[4]

Commons: Leysiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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