Lichte

Ortsteil der Stadt Neuhaus am Rennweg From Wikipedia, the free encyclopedia

Lichte ist eine Ortschaft in Thüringen, die seit 1. Januar 2019, mit Status „Ortsteil“[2], zum Stadtgebiet der Stadt Neuhaus am Rennweg im Landkreis Sonneberg gehört. Der ehemals selbständige Ort, mit eigenem Bürgermeisteramt und Schule, gehörte bis zum 31. Dezember 2018 zur „Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig“. Die Kommunal-Interessen nimmt seither ein Ortsbürgermeister auf dem Weg des Ehrenamtes wahr.

Schnelle Fakten Stadt Neuhaus am Rennweg ...
Lichte
Wappen von Lichte
Koordinaten: 50° 32′ N, 11° 12′ O
Höhe: 580 m
Fläche: 19,35 km²
Einwohner: ca. 1500[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner/km²
Postleitzahl: 98724
Vorwahl: 036701
Elisabeth-Kirche zu Wallendorf (Lichte)
Elisabeth-Kirche zu Wallendorf (Lichte)
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Wallendorfer Porzellanmanufaktur, 2006
Talsperre Leibis-Lichte (102,5 m)

Geografie

Lichte liegt im Thüringer Schiefergebirge nahe den Städten Coburg, Ilmenau, Saalfeld und Sonneberg. Der gesamte Ort und die umliegenden Berge sind Teil des Naturparks Thüringer Wald. Der Rennsteig und die ehemalige innerdeutsche Grenze verlaufen nur wenig südlich.

Lichte erstreckt sich weit in den Tälern der Lichte und der Piesau. Beide Flüsse und die Gebirgsbäche der umliegenden Täler speisen eine der größten Trinkwassertalsperren Deutschlands, die Talsperre Leibis-Lichte mit der Vorsperre Deesbach, gelegen unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Lichte (Geiersthal).

Piesau und Lichte formten in Jahrtausenden tief eingeschnittene Täler mit steil abfallenden Berghängen. Vor allem im Unterlauf der Lichte betragen die Unterschiede zwischen Talsohle und Höhenzug bis zu 200 Meter, was für Mittelgebirgsregionen als durchaus beachtlich gilt.

Die Gebirgsbäche in der Umgebung gelten als die goldreichsten Deutschlands.

Berge

Weitere Informationen Bezeichnung, Höhe NN ...
Berge nahe der Gemeinde Lichte
Bezeichnung Höhe NN Richtung Besonderheit
Spitzer Berg 790,3 m NNO () Nadelwald
Rauhhügel 801,9 m NO () Aussichtsturm, Sendemast
Mutzenberg 770,0 m NO () Nadelwald
Petersberg 646,0 m NO () mit Schutzhütte
Kirchberg 685,6 m SO Aufstieg Wallendorf, Kirchsteig
Mittelberg 803,6 m SSO ()
Apelsberg 785,3 m SW ()
Rückersbiel 755,6 m W () Nadelwald
Hahnberg 685,3 m W () Weidefläche
Sauhügel 721,7 m W ()
Geiersbachkopf 717,6 m W Quellgebiet Geiersbach, Nebenfluss Lichte
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Ortsgliederung

„Lichte“ bestand aus vier Ortsteilen mit zugehörigen Wohnplätzen (auch Teilortsteilen). Der ehemals selbständige Ort gehört seit 1. Januar 2019 zur Stadt „Stadt Neuhaus am Rennweg“. Die Kommunal-Interessen nimmt seither ein Ortsbürgermeister auf dem Weg des Ehrenamtes wahr.

Lichte mit zugehörigen Ortsteilen und Wohnplätzen
  • Lichte (Holger Koch)  OrtBgm

weiter Ortschaften (zu Neuhaus am Rennweg)

OrtBgm 
Berufung Ortsbürgermeister gemäß Wahl Stadtrat Neuhaus am Rennweg 2024.

Geschichte

Der Ort wurde erstmals 1414 im Erbteilungsvertrag der Grafen von Orlamünde urkundlich erwähnt.[3.1]

Lichte bestand 1726 aus weit auseinanderliegenden Einzelansiedlungen mit elf Häusern.[3.2] Bereits 1764 wurde im Nachbarort Wallendorf Porzellan hergestellt, die Wallendorfer Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas. Wallendorfer Porzellan erlangte schnell Zuspruch weit über die damaligen Landesgrenzen hinaus. So wurde bereits 1822 durch Johann Heinrich Leder in Lichte eine weitere Porzellanmanufaktur, die heutige Lichte Porzellan GmbH, gegründet. Obwohl das neue Unternehmen im Wettbewerb zu Wallendorf stand, gelang rasch die Erschließung eigener Märkte, die bis heute gehalten werden konnten, obwohl auch hier die beiden Weltkriege und die Abschottung zu DDR-Zeiten kaum förderlich waren.

Bis 1920 war die Lichte ein Grenzfluss: der Osten mit Wallendorf gehörte zum Sachsen-Meiningischen Kreis Saalfeld, während der Westen mit Lichte zum Schwarzburg-Rudolstädtischen Landratsamt Königsee (Schwarzburg-Rudolstädter Oberherrschaft) zählte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten Arbeitskräfte aus Polen in Wallendorf Zwangsarbeit verrichten, woran vier Gräber auf dem dortigen Friedhof erinnern. An zwei Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald im April 1945, die im Finsteren Grund am Eisenbahnviadukt gefunden wurden, erinnert eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Lichte.[4]

Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bock und Teich, Geiersthal und Wallendorf eingegliedert.

Von 1922 bis 1952 gehörte die Gemeinde Lichte zum Landkreis Saalfeld, zwischen 1952 und 1994 zum Kreis Neuhaus und zwischen 1994 und 2018 zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zum 1. Januar 2019 wurde die Gemeinde Lichte als Ortsteil in die Stadt Neuhaus am Rennweg eingegliedert und wechselte hierdurch vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in den Landkreis Sonneberg.

Politik

Gemeinderat und Ortsteilrat

Der Rat der Gemeinde Lichte bestand aus zwölf Ratsfrauen und -herren einschließlich des Bürgermeisters, der erste Ortsteilrat besteht aus 9 Mitgliedern.

Weitere Informationen Wahljahr, CDU ...
Gemeinderat 2009 und 2014, Ortsteilrat 2019
Wahljahr CDU Bürgerinitiative (BI) Summe
20095712 Mandate
2014[5] 7512 Mandate
2019[6] 99 Mandate
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Bürgermeister (Lichte)

  • n. n.
  • Franz Kuhn
  • ......... Wenzel
  • Walter Pnappe
  • Jürgen Rosenbaum (.... – 2016)
  • Holger Koch, (seit 2016[7])

Landtagswahl 2014

Lichte fiel durch die landesweit geringste Wahlbeteiligung aller Thüringer Gemeinden auf. Von 1369 Wahlberechtigten gingen 392 (28,6 %) zur Wahl. Sie gaben 379 gültige Zweitstimmen ab. Bemerkenswert war der hohe Stimmenanteil der AfD mit 24,4 %.

Wappen

Wappen der Gemeinde Lichte
„In Grün mit goldenem Winkelschildfuß ein silberner Leuchter mit goldener Flamme und ständerförmig angeordneten Strahlen im Schildhaupt, beseitet von vier silbernen Ahornblättern.“
„In Grün mit goldenem Winkelschildfuß ein silberner Leuchter mit goldener Flamme und ständerförmig angeordneten Strahlen im Schildhaupt, beseitet von vier silbernen Ahornblättern.“
Blasonierung:Grundform-Gestaltung: Halbrunder Schild (spanische/portugiesische/flämische Form)
  • Grundfarbe: grün – in Anlehnung an die Lage von Lichte, in Thüringen, dem „grünen Herzen Deutschlands“.
  • Schildfuß: goldener Kompakt-Keil, Keilspitze Mitte Schildfuß – Symbol für das bis 100 m tiefe Lichtetel, wobei goldfarben für klare Wasser von Lichte-Fluss und Kleiner-Lichte stehen, die letztlich Namensgeber der Gesamtansiedlung wurden.
  • Hauptmotiv: weißer Leuchter feinem Porzellans mit goldener Flamme – Symbol für jahrhundertelange Tradition der Manufaktur feinem Porzellans im Tal von Piesau-Fluss und Lichte-Fluss.
  • Wappen-Ort: Wappenfigur/Hauptmotiv (Leuchter), flankiert von vier Weiß-Porzellan-Ahornblättern – Symbol sowohl für die vier Ortsteile Bock und Teich, Geiersthal, Oberlichte und Wallendorf, als auch an Teilhabe, Herstellung und Veredlung feinem Porzellans.
  • Schildhaupt: von goldener Flamme (Leuchter) ständerförmig ausgehende Strahlen im Schildhaupt – Symbol für Weltoffenheit und Export feinem Porzellans in alle Welt.
  • Dekor: Gerhard Nussmann (Steinheid TH).
  • Urheber: Bildhauer Gottfried Stöhr (Lichte TH) 1995, nach historischer Siegelmarke (4 × 4 cm) der Gemeinde Lichte / Wallendorf (1850–1923).
    Motivgeber
Wappenbegründung: Das Wappen von Lichte[8] greift ein älteres Siegelmotiv auf, führt damit eine örtliche Darstellungstradition fort und steht für die jahrhundertelange Tradition der Porzellanherstellung im Tal der Piesau und Lichte. Die Ahornblätter symbolisieren die vier Ortsteile und eine für die Gemeindefluren charakteristische Baumart. Sie verweisen gemeinsam mit der Schildfarbe Grün auf die Lage der Gemeinde im Thüringer Wald, dem „grünen Herzen Deutschlands“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Piesau-Viadukt Lichte[9], Wahrzeichen von Lichte
  • Heimatmuseum Lichte (Ortsteil Geiersthal)
  • Kirche zu Wallendorf – erbaut 1733 im Stil des Bauernbarocks
  • Piesau-Viadukt im Bereich der Hammerwiesen zu Lichte, zehn Gewölbebögen, L = 258 m, H = 34 m – überspannt das Tal, die Bundesstraße 281 und die Piesau im Bereich der Hammerwiesen am ehemaligen Lipfertshammer
  • Finstergrund-Viadukt[9] über die Kleine Lichte, Ortsausgang Lichte (Waschdorf)
  • Zeichen- und Modellierschule, Gründung 1862 (Ortsteil Geiersthal in der Ferienanlage Lichte-Geiersthal neben dem Waldhotel Feldbachtal)
  • Schwimmbad in Geiersthal

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Neuhaus am Rennweg[10]

Denkmale der Gefallenen der Weltkriege

  • in Lichte (Ascherbach/Waschdorf)
  • in Lichte (Bock-und-Teich), B 281 Saalfelder Str., Einmündung Piesauer Str.
  • in Lichte (Geiersthal) am Dürrer Berg
  • in Lichte (Wallendorf) am Kirchweg

Denkmale Zweiter Weltkrieg

  • Friedhof zu Lichte (Wallendorf): Einzelgräber zur Erinnerung an vier polnische Zwangsarbeiter
  • Friedhof zu Lichte (Dorst): Gedenktafel an zwei Opfer des Todesmarsches im April 1945 aus dem KZ Buchenwald (Fundort Finstern Grund unter dem Eisenbahnviadukt).[4]

Wiederkehrende Veranstaltungen

Lichte (Wallendorf), Porzellanprinzessin mit 3.000 Kaffee- und Teekannen (2010)
  • Porzellanmarkt, am letzten Wochenende im Juli mit Krönung der Porzellanprinzessin
  • Porzellanweihnacht am 1. Advent
  • Lichtner Kirmes – geht auf eine Genehmigung des Landesfürsten (1825) zurück, vor Michaeli (29. September) Jahrmärkte halten zu dürfen (Thür.St.Archiv Rudolstadt: A/XVII,C.1.Nr.49; F/LXXII, Nr.21)

Persönlichkeiten

Gedenkstein zu Ehren C.M. Hutschenreuthers

In Lichte geborene Persönlichkeiten

  • Carolus Magnus Hutschenreuther (1794–1845), Gründer „C. M. Hutschenreuther AG“ Hohenberg, später „Hutschenreuther AG“ Selb
  • Alois Eckardt (1845–1906), Öl- und Porzellanmaler
  • Wilhelm Ulbrich (1846–1922), Modelleur, Plattenporzellanmaler, Journalist und Heimatdichte
  • Gebrüder Heinz (Perlenheinz), Heinrich Heinz ( …–….) & Luis Heinz (10. Januar 1869 – 12. Februar 1937), Gründer & Eigentümer „Perlenfabrikation Heinz“ Lichte (Geiersthal)
  • Gebrüder Scherf, Louis Scherf (1870–1955) & Albert Scherf (1876–1953) Porzellanplattenmaler, Goldmedaille auf Weltausstellung 1904 in St. Louis[11]
  • Hugo Meisel (1887–1966), Porzellangestalter und Museumsdirektor in der DDR
  • Albert Brödel (1897–1944), Lehrer, Heimatdichter und Chronist
  • Arno Häckel, Porzellanplattenmaler, Dekorgestalter und Obermaler „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
  • Hildegard Heinert (geb. Häckel), Porzellanmalerin und Heimatdichterin, Mitglied Zirkel Schreibender Arbeiter

Persönlichkeiten mit Verbindung zu Lichte

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Lichtes ist (typisch für das Thüringer Schiefergebirge) von Tourismus, Glas-, Porzellan- und Holzindustrie geprägt.

Verkehr

Der Ort liegt an der B 281 (Saalfeld/SaaleEisfeld), deren Anstieg auf den Rennsteig (850 m ü. NHN) hier beginnt. Weitere Straßen führen nach Oberweißbach und Gräfenthal. 1899 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss zur Frankenwaldbahn bei Probstzella und 1913 nach Neuhaus am Rennweg. Die Bahnstrecke Probstzella–Neuhaus am Rennweg ist im durch Lichte führenden Abschnitt Probstzella–Ernstthal seit 1998 außer Betrieb und seit Juni 2006 endgültig stillgelegt. Im Ort liegen die Bahnhöfe Lichte (Ost) und Lichte (Thür.). Die größten Bauwerke der Eisenbahnstrecke durch das Lichtetal sind das Piesau-Viadukt in Lichte (Wallendorf) und das Viadukt Finsterer Grund am Ortsausgang Lichte (Waschdorf) Richtung Ernstthal.

Ansässige Unternehmen

Bildungseinrichtungen

In Lichte gibt es einen Regelschulstandort, dessen Schulbezirk bisher die Orte Lichte und Piesau sowie die im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, zur Stadt Saalfeld gehörenden Ortsteile Schmiedefeld und Reichmannsdorf umfasst. Die Regelschule in Lichte ist die einzige Schule im Landkreis Sonneberg, an der Schülerlotsen ausgebildet werden und zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit an der B281 im Einsatz sind.

Einzelnachweise

Literatur

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