Lichte
Ortsteil der Stadt Neuhaus am Rennweg
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Lichte (auch: Lichte (Thüringen) / kurz Lichte (Thür.)) ist ein Ortsteil[2] mit Ortsteilverfassung der Stadt Neuhaus am Rennweg im Landkreis Sonneberg gemäß der Thüringer Kommunalordnung. Lichte war zuvor bis zum 31. Dezember 2018 eine Gemeinde und gehörte zur Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig.
Lichte Stadt Neuhaus am Rennweg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 32′ N, 11° 12′ O |
| Höhe: | 580 m |
| Fläche: | 19,35 km² |
| Einwohner: | ca. 1500[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 78 Einwohner/km² |
| Postleitzahl: | 98724 |
| Vorwahl: | 036701 |
Elisabeth-Kirche zu Wallendorf (Lichte) | |


Details
Die kommunalen Interessen nimmt ein Ortsteilbürgermeister auf dem Weg des Ehrenamtes wahr. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst den gesamten Ort Lichte mit den vier ehemaligen Lichtener Ortsteilen und den zugehörigen Wohnplätzen sowie Ansiedlungen (Siehe Ortsgliederung). Der Ortsteilbürgermeister hat seine Sprechstunde im ehemaligen Rathaus in Wallendorf.
Der Ortsteil besteht aus den vier Gemarkungen Bock und Teich, Lichte, Geiersthal und Wallendorf. Die Gemarkung Lichte hat eine Fläche von 5,586 km².[3]
Ortsgliederung
Die Gemeinde Lichte bestand aus vier Ortsteilen mit zugehörigen Wohnplätzen und gehört seit 1. Januar 2019 zu der Stadt Neuhaus am Rennweg.
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weitere Ortsteile der Stadt Neuhaus am Rennweg
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OrtBgm Ortsteilbürgermeister gemäß Wahl 2024 | |
Geografie
Lichte liegt im Thüringer Schiefergebirge nahe den Städten Coburg, Ilmenau, Saalfeld und Sonneberg. Der gesamte Ort und die umliegenden Berge sind Teil des Naturparks Thüringer Wald. Der Rennsteig und die ehemalige innerdeutsche Grenze verlaufen nur wenig südlich.
Der Ort erstreckt sich weit in den Tälern der Lichte und der Piesau. Beide Flüsse und die Gebirgsbäche der umliegenden Täler speisen eine der größten Trinkwassertalsperren Deutschlands, die Talsperre Leibis-Lichte mit der Vorsperre Deesbach, gelegen unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Lichte (Geiersthal).
Piesau und Lichte formten in Jahrmillionen tief eingeschnittene Täler mit steil abfallenden Berghängen. Vor allem im Unterlauf der Lichte betragen die Unterschiede zwischen Talsohle und Höhenzug bis zu 200 Meter, was für Mittelgebirgsregionen als durchaus beachtlich gilt.
Die Gebirgsbäche in der Umgebung gelten als die goldreichsten Deutschlands.
Berge
| Bezeichnung | Höhe NN | Richtung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Spitzberg | 694 m | Coordinate n. n. | Hausberg von Wallendorf (Lichte) |
| Rauhhügel | 801,9 m | NO (⊙) | Aussichtsturm, Sendemast |
| Mutzenberg | 770,0 m | NO (⊙) | Nadelwald |
| Petersberg | 646,0 m | NO (⊙) | mit Schutzhütte |
| Kirchberg | 685,6 m | SO | Aufstieg Wallendorf, Kirchsteig |
| Mittelberg | 803,6 m | SSO (⊙) | |
| Apelsberg | 785,3 m | SW (⊙) | |
| Rückersbiel | 755,6 m | W (⊙) | Nadelwald |
| Hahnberg | 685,3 m | W (⊙) | Weidefläche |
| Sauhügel | 721,7 m | W (⊙) | |
| Geiersbachkopf | 717,6 m | W | Quellgebiet Geiersbach, Nebenfluss Lichte |
Geschichte
Lichte wurde erstmals 1414 im Erbteilungsvertrag der Grafen von Orlamünde urkundlich erwähnt.[4.1] Der Ort bestand 1726 aus weit auseinanderliegenden Einzelansiedlungen mit elf Häusern.[4.2] Die Gemeinde gehörte zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, ab 1850 zum Verwaltungsbezirk Landratsamt Königsee und führte bis 1950 die Bezeichnung Lichte bei Wallendorf (kurz: Lichte b/W). Bis 1920 trennte der Grenzfluss Lichte die im Westen liegende Gemeinde von der östlichen Nachbargemeinde Wallendorf, die zum Sachsen-Meiningischen Kreis Saalfeld gehörte.
Bereits 1764 wurde in Wallendorf Porzellan hergestellt, die Wallendorfer Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas. Wallendorfer Porzellan erlangte schnell Zuspruch weit über die damaligen Landesgrenzen hinaus. So wurde bereits 1822 durch Johann Heinrich Leder, unterstützt von der Fürstlich Schwarzburgischen Landesregierung, in Lichte eine weitere Porzellanmanufaktur, die spätere Lichte Porzellan GmbH, gegründet. Obwohl das neue Unternehmen im Wettbewerb zu Wallendorf stand, gelang rasch die Erschließung eigener Märkte, die lange gehalten werden konnten, obwohl auch hier die beiden Weltkriege und die Abschottung zu DDR-Zeiten kaum förderlich waren. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Arbeitskräfte aus Polen in Wallendorf Zwangsarbeit verrichten, woran vier Namen auf einem Grabstein auf dem dortigen Friedhof erinnern. An zwei Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald im April 1945, die im Finsteren Grund am Eisenbahnviadukt gefunden wurden, erinnert eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Lichte.[5]
Nach der Eröffnung des neuen Schulhauses 1926 baute die evangelische Kirchgemeinde Lichte den bis dahin schon für Gottesdienste genutzten alten Schulsaal komplett für kirchliche Zwecke aus. Ein zusätzlicher Glockenturm mit einem neuen Geläut aus drei Bronzeglocken wurde 1930 errichtet. Im Jahr 1991 musste das baufällige Gebäude mit dem Betsaal abgebrochen werden. Ein Neubau wurde am 10. Mai 2014 als Gemeindehaus eingeweiht.[6]
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bock und Teich, Geiersthal und Wallendorf nach Lichte eingegliedert. Die neue Gemeinde hatte den Namen der einwohnerstärksten Gemeinde. Am 18. Juni 1994 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Lichte-Piesau-Schmiedefeld gegründet, die nach dem Beitritt von Reichmannsdorf Ende 2004 in Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig umbenannt wurde. Zuvor hatten die Gemeinden jeweils eine eigene Gemeindeverwaltung. Von 1922 bis 1952 gehörte die Gemeinde Lichte zum Landkreis Saalfeld, zwischen 1952 und 1994 zum Kreis Neuhaus und zwischen 1994 und 2018 zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zum 1. Januar 2019 wurde die Gemeinde Lichte als Ortsteil in die Stadt Neuhaus am Rennweg eingegliedert und wechselte hierdurch vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in den Landkreis Sonneberg.
Einwohnerentwicklung
Politik
Gemeinderat und Ortsteilrat
Der Rat der Gemeinde Lichte bestand aus zwölf Ratsfrauen und -herren einschließlich des Bürgermeisters, der erste Ortsteilrat besteht aus 9 Mitgliedern.
Bürgermeister (Lichte)
Landtagswahl 2014
Lichte fiel durch die landesweit geringste Wahlbeteiligung aller Thüringer Gemeinden auf. Von 1369 Wahlberechtigten gingen 392 (28,6 %) zur Wahl. Sie gaben 379 gültige Zweitstimmen ab. Bemerkenswert war der hohe Stimmenanteil der AfD mit 24,4 %.
Wappen
| Wappen der Gemeinde Lichte | |
Blasonierung: „Grundform-Gestaltung: Halbrunder Schild (spanische/portugiesische/flämische Form)
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| Wappenbegründung: Das Wappen von Lichte[14] greift ein älteres Siegelmotiv auf, führt damit eine örtliche Darstellungstradition fort und steht für die jahrhundertelange Tradition der Porzellanherstellung im Tal der Piesau und Lichte. Die Ahornblätter symbolisieren die vier Ortsteile und eine für die Gemeindefluren charakteristische Baumart. Sie verweisen gemeinsam mit der Schildfarbe Grün auf die Lage der Gemeinde im Thüringer Wald, dem „grünen Herzen Deutschlands“. |
Kultur und Sehenswürdigkeiten

- Heimatmuseum Lichte (Ortsteil Geiersthal)
- Kirche zu Wallendorf – erbaut 1733 im Stil des Bauernbarocks
- Piesau-Viadukt im Bereich der Hammerwiesen zu Lichte, zehn Gewölbebögen, L = 258 m, H = 34 m – überspannt das Tal, die Bundesstraße 281 und die Piesau im Bereich der Hammerwiesen am ehemaligen Lipfertshammer
- Finstergrund-Viadukt[15] über die Kleine Lichte, Ortsausgang Lichte (Waschdorf)
- Zeichen- und Modellierschule, Gründung 1862 (Ortsteil Geiersthal in der Ferienanlage Lichte-Geiersthal neben dem Waldhotel Feldbachtal)
→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Neuhaus am Rennweg[16]
Denkmale der Gefallenen der Weltkriege
Denkmale Zweiter Weltkrieg
- Friedhof Wallendorf: Grab zur Erinnerung an vier polnische Zwangsarbeiter
- Friedhof Lichte: Gedenktafel an zwei Opfer des Todesmarsches im April 1945 aus dem KZ Buchenwald (Fundort Finstern Grund unter dem Eisenbahnviadukt).[5]
Wiederkehrende Veranstaltungen

- Porzellanmarkt, am letzten Wochenende im Juli mit Krönung der Porzellanprinzessin endete Mitte der 2010er Jahre.[17]
- Porzellanweihnacht am 1. Advent
- Lichtner Kirmes – geht auf eine Genehmigung des Landesfürsten (1825) zurück, vor Michaeli (29. September) Jahrmärkte halten zu dürfen (Thür.St.Archiv Rudolstadt: A/XVII,C.1.Nr.49; F/LXXII, Nr.21)
Persönlichkeiten
In Lichte geborene Persönlichkeiten
- Carolus Magnus Hutschenreuther (1794–1845), Gründer „C. M. Hutschenreuther AG“ Hohenberg, später „Hutschenreuther AG“ Selb
- Alois Eckardt (1845–1906), Öl- und Porzellanmaler
- Wilhelm Ulbrich (1846–1922), Modelleur, Plattenporzellanmaler, Journalist und Heimatdichte
- Gebrüder Heinz (Perlenheinz), Heinrich Heinz ( …–….) & Louis Heinz (16. Januar 1869 – 12. Februar 1937), Gründer & Eigentümer „Perlenfabrikation Heinz“ Geiersthal (Lichte)
- Gebrüder Scherf, Louis Scherf (1870–1955) & Albert Scherf (1876–1953) Porzellanplattenmaler, Goldmedaille auf Weltausstellung 1904 in St. Louis[18]
- Hugo Meisel (1887–1966), Porzellangestalter und Museumsdirektor in der DDR
- Wilhelm Dietrich (1889–1961), Kunstmaler und Keramikhandwerker, von 1926 bis 1945 Leiter der Cadiner Werkstätten
- Albert Brödel (1897–1944), Lehrer, Heimatdichter und Chronist
- Arno Häckel, Porzellanplattenmaler, Dekorgestalter und Obermaler „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
- Hildegard Heinert (geb. Häckel), Porzellanmalerin und Heimatdichterin, Mitglied Zirkel Schreibender Arbeiter
Persönlichkeiten mit Verbindung zu Lichte
- Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734), Generalfeldmarschall, 1704 Besitzer „Rittergut zu Lichte (Wallendorf)“
- Peter Hohmann (1663–1732), Edler von Hohenthal 1709 Besitzer „Rittergut zu Lichte (Wallendorf)“
- Johann Wolfgang Hammann (1713–1785), Mitbegründer der „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
- Gotthelf Greiner (1732–1797), Miterfinder des Porzellans, Mitbegründer „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
- Johann Heinrich Leder (????–????), 1822 Gründer Fabrik Lichte Porzellan Oberlichte
- Gebrüder Georg Christoph und Pilipp Jakob Heubach, ab 1840 Innhaber Lichte Porzellan
- Heinz Schaubach (1886–1970), Inhaber „Wallendorfer Porzellanmanufaktur“ und „Schaubach Kunst Unterweißbach“
- Gottfried Stöhr (1932–2016), bildender Künstler und Designer „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Wirtschaft Lichtes ist (typisch für das Thüringer Schiefergebirge) von Tourismus, Glas-, Porzellan- und Holzindustrie geprägt.
Verkehr
Der Ort liegt an der B 281 (Saalfeld/Saale–Eisfeld), deren Anstieg auf den Rennsteig (850 m ü. NHN) hier beginnt. Weitere Straßen führen nach Oberweißbach und Gräfenthal. 1899 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss zur Frankenwaldbahn bei Probstzella und 1913 nach Neuhaus am Rennweg. Die Bahnstrecke Probstzella–Neuhaus am Rennweg ist im durch Lichte führenden Abschnitt Probstzella–Ernstthal seit 1998 außer Betrieb und seit Juni 2006 endgültig stillgelegt. Im Ort liegen die Bahnhöfe Lichte (Thür) Ost und Lichte (Thür). Die größten Bauwerke der Eisenbahnstrecke durch das Lichtetal sind das Piesau-Viadukt in Bock und Teich sowie das Viadukt Finsterer Grund am Ortsausgang von Waschdorf Richtung Ernstthal.
Ansässige Unternehmen
- Wallendorfer Porzellanmanufaktur, gegründet 1764 eine der ältesten Manufakturen des Thüringer Porzellans, 2019 insolvent
- Lichte Porzellan (GmbH), gegründet 1822, 2014 insolvent
Bildungseinrichtungen
In Lichte gibt es einen Regelschulstandort, dessen Schulbezirk die Ortsteile Lichte und Piesau sowie die im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, zur Stadt Saalfeld gehörenden Ortsteile Schmiedefeld und Reichmannsdorf umfasst. Die Regelschule in Lichte ist die einzige Schule im Landkreis Sonneberg, an der Schülerlotsen ausgebildet werden und zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit an der B 281 im Einsatz sind.



