Lieferando

From Wikipedia, the free encyclopedia

Lieferando ist eine Onlineplattform zum Bestellen von Essen, Lebensmitteln und Haushaltswaren in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin gehört zu Just Eat Takeaway, einem in den Niederlanden registrierten Technologiekonzern.

Logo

Unter der Marke Lieferando stellt das Unternehmen Handelspartnern aus Gastronomie, Lebensmittel- und Einzelhandel eine Plattform mit verschiedenen Services für ihr digitales Bestellgeschäft bereit und ermöglicht Endkonsumenten die Online-Bestellung. Darüber hinaus bietet es einen optionalen Logistikdienst für Restaurants und Händler ohne eigene Auslieferung.

Geschichte

Lieferando wurde 2009 von Christoph Gerber, Kai Hansen und Jörg Gerbig in Berlin gegründet.[1] 2014 wurde Lieferando von Takeaway.com akquiriert, einem niederländischen Unternehmen mit Sitz in Amsterdam.[2] Ende 2019 fusionierte Takeaway.com mit dem britischen Unternehmen Just Eat zu Just Eat Takeaway[3].

In Deutschland und Österreich wurde die Marke Lieferando beibehalten, in der Schweiz ist das Unternehmen unter dem Namen Just Eat aktiv.

Managing Director von Just Eat Takeaway Deutschland ist seit Juli 2024 Lennard Neubauer, der davor als Director Strategy und Operations vom COO und CCO bei Just Eat Takeaway in London tätig war.[4]

Unternehmen

Deutschland

Die Kunden von Lieferando bestellen über die App oder Website Essen, Lebensmittel und Haushaltswaren von ausgewählten Restaurants und Handelspartnern auf der Plattform.

Ursprünglich als Bestellservice für Restaurantessen gestartet, hat Lieferando sein Angebot in den vergangenen Jahren diversifiziert. Seit 2023 können Kunden auf der Plattform neben Restaurants auch zwischen unterschiedlichen Lebensmittel- und Einzelhändlern wählen. Dazu zählen unter anderem MediaMarkt (Telekommunikation, Computer, Fotografie, HiFi und Elektrogeräte), Rewe Group (Lebensmittel) sowie Apotheken.[5] In Deutschland nutzen laut Lieferando rund 45.000 Partnerunternehmen den Marktplatz für ihren Onlinevertrieb und -marketing.[6]

Daten des Konsumentenpanels Foxintelligence zufolge ist Lieferando 2025 in diesem Marktsegment mit rund 80 Prozent „klarer Marktführer“, gefolgt von Uber Eats und der Doordash-Tochter Wolt.[7] Beim Statistikportal statista belegt Lieferando in einer Umfrage unter Konsumenten in Deutschland zu Online-Lieferservices im Jahr 2024 den Spitzenplatz im Ranking.[8] Einem Report von similarweb zufolge[9] belegte Lieferando in der Kategorie „Restaurants und Lieferung (in Deutschland)“ im August 2025 mit rund 10,6 Millionen Besuchern der Webseite den ersten Platz. Die Analyse-Webseite „Sensor Tower“ hat für das gesamte erste Quartal 2025 sogar mehr als über 11 Millionen tatsächliche Besucher gemessen.[10]

Hinter der Marke Lieferando stehen in Deutschland zwei Tochterunternehmen von Just Eat Takeway: Die yd.yourdelivery GmbH mit Sitz in Berlin betreibt den Bestellmarktplatz zur Vermittlung zwischen Gastronomen, Einzelhändlern und Endkonsumenten. Sie verdient durch eine Umsatzbeteiligung sowie Gebühren an den vermittelten Bestellungen. Daneben gibt es die Schwestergesellschaft für Logistik Takeaway Express B.V. & Co. KG. Diese erhält Lieferaufträge von Yourdelivery und wird für die Auslieferung bezahlt.

Österreich

Die Kunden von Lieferando bestellen über die App oder Website Essen und Getränke von ausgewählten Restaurants auf der Plattform. Hinter der Marke Lieferando steht in Österreich Takeaway.com European Operations B.V.

Piet Heinkade 61

1019 GM Amsterdam

Niederlande[11]

Beschäftigungsmodell von Lieferando

Lieferando betraut Takeaway Express mit der Auslieferung. In 2021 wurden die Fahrer direkt angestellt[12], wodurch sie mit festen Arbeitsverträgen und Stundenlöhnen, einer Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Versicherung und Sozialabgaben des Arbeitgebers besser abgesichert sein sollten als selbstständige Fahrer.

Im Juli 2025 hat Lieferando als „einer der letzten Verbliebenden im Lieferdienst-Markt“[13] angekündigt, sein Logistiknetzwerk in mehreren Städten um zusätzliche Lieferunternehmen zu erweitern. Grund hierfür seien die gestiegenen Anforderungen von Gastronomen sowie der intensivierte Wettbewerb. Infolge der Auftragsverlagerung kündigte Takeaway Express eine Reduktion seiner Flotte um bundesweit 20 Prozent an. Ab Ende 2025 solle dies zur Entlassung von bis zu 2.000 Fahrern führen.[14] Im November 2025 hat Lieferando diese Zahl mit Verweis auf die Nicht-Nachbesetzung offener Stellen auf 1.500 Stellen reduziert.[15]

Lieferando-Deutschlandchef Lennard Neubauer kommentierte die Entscheidung gegenüber der Deutschen Presse Agentur dpa damit, dass sich die Wettbewerbslandschaft und der Markt „immer rasanter und tiefgreifender“ änderten und die Kunden zuverlässigen Service und kurze Bestellzeiten erwarteten.[16] Takeaway Express wird in den meisten Städten unverändert einziger Lieferpartner bleiben und nichts an seinem Beschäftigungsmodell ändern.[17]

Kritik

Im Jahr 2021 kritisierte die Gewerkschaft „Nahrung, Genuss, Gaststätten“ (NGG) die Arbeitsbedingungen bei Lieferando, insbesondere den „Anreiz zur Akkordarbeit“ sowie einen oft mangelhaften Arbeitsschutz.[18]

Gleichzeitig setzte das Bewertungsportal Fairworks im Germany Rating 2021 mit den Kriterien „Fair Pay, Fair Conditions, Fair Contracts, Fair Management, and Fair Representation“ Lieferando mit 7 von 10 Punkten auf den zweiten Rang.[19]

Zudem zitiert die FAZ den NGG-Referatsleiter Mark Baumeister damit, dass Lieferando „im Vergleich“ tatsächlich besser als Mitbewerber sei. „Denn für die Essenslieferungen setzten viele Anbieter Subunternehmen mit weit schlechteren Konditionen für die Fahrer ein.“[20]

2023 recherchierte das ARD-Format „Vollbild“, dass Lieferando automatisiert seine Mitarbeiter tracke.[21] Die Initiative Digitalcourage hat Lieferando im selben Jahr wegen der „unzulässigen Totalkontrolle“ der „Rider“ einen Big-Brother-Award verliehen.[22]

Lieferando weist die Vorwürfe zurück: „Wir betreiben einen GPS-basierten Logistikdienst mit integrierter Google Maps Navigation, und die Fahrer-App entspricht geltenden Datenschutzbestimmungen. Orte und Zeiten sind unerlässlich, damit der Service ordnungsgemäß funktioniert. (…) Die Daten werden (…) nicht für unerlaubte Leistungs- oder Verhaltenskontrolle genutzt.“[23]

Es kam bereits häufiger zu Streiks, so auch im August 2025 als die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zur Arbeitsniederlegung aufgerufen hatte. Den Warnstreik begründet die Gewerkschaft damit, dass sich Lieferandos Mutterkonzern Just Eat Takeaway weigere, mit der NGG in Verhandlungen über einen Tarifvertrag einzutreten. Diesen Vorwurf weist ein Sprecher des zum niederländischen Konzern Just Eat Takeaway gehörenden Anbieters für Essenslieferungen zurück: „Lieferando-Mitarbeiter in Deutschland werden (…) nach den Tarifen für die Systemgastronomie bezahlt und erhalten durchschnittlich mehr als 14 Euro in der Stunde und damit mehr als Servicekräfte in der Gastronomie.“[24] Diese Behauptung des Unternehmenssprechers bezieht das dispositive Trinkgeld der Kunden in den durchschnittlichen Stundenlohn mit ein.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI