Limes Arabicus

römisch-byzantinische Grenzanlagen im historischen Syrien und Palästina From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Limes Arabicus oder Limes Orientalis, auch Limes Arabiae et Palaestinae, war eine ca. 1500 km lange Verteidigungslinie (Limes) des römischen Reichs. Sie verlief vom Norden Syriens bis zum Süden Palästinas, wo sie auch den Namen Limes Palaestinae trug. Sie bestand nicht – wie etwa der Hadrianswall – aus einer durchgehenden Befestigung, sondern aus einer Reihe von Festungsanlagen. Heute liegen diese auf dem Gebiet der modernen Staaten Jordanien, Syrien und Irak. Der Begriff Limes Arabicus ist eine moderne Bezeichnung, ein antiker Name für diesen Grenzabschnitt ist nicht bekannt.

Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 4. Jahrhundert n. Chr.
Kastell Qasr Bshir (Jordanien)
Kastell Dajaniya (Jordanien)

Bedeutung

Eingerichtet wurden Vorläufer des Limes Arabicus während der Eroberung Syriens durch Rom im 1. Jahrhundert v. Chr., ein systematischer Ausbau begann erst im 2. Jahrhundert n. Chr. Er markierte jahrhundertelang die Grenze der römischen Provinz Syria nach Osten. Östlich des Limes Arabicus residierten vielfach seminomadische Wüstenvölker. Der Limes Arabicus stellte damals die Grenze des Gebiets des ertragreichen Ackerbaus dar und damit auch die Grenze jenes Gebiets, das wirtschaftlich für Rom interessant war und Soldaten versorgen konnte. Heute liegt der Limes Arabicus zum großen Teil in reinem Wüstengebiet. Nach Norden schloss sich die mesopotamische Grenzzone zwischen dem römischen und dem parthisch-persischen Machtbereich an (der eigentliche Limes Orientalis). Hier wurden vor allem in der Spätantike zahlreiche Kastelle, Burgi und Wachtürme errichtet.

Geschichte

Den Anfang der syrischen Eroberungen markierte ein Feldzug des Feldherrn Pompeius im Jahr 64 v. Chr. In der Kaiserzeit wurde die Provinz Syria zu einer der wohlhabendsten des Imperiums, was Begehrlichkeiten auf Seiten von Nomaden, Parthern und Persern weckte und daher Verteidigungsanlagen erforderlich machte. Vor allem in der Spätantike, als die Römer in dieser Region den persischen Sassaniden und den von diesen abhängigen Araberverbänden (besonders den Lachmiden) sowie den Ghassaniden gegenüberstanden, wurde die Zahl der Befestigungen erhöht und die bestehenden Anlagen mehrmals verstärkt, insbesondere unter den Kaisern Anastasios I. und Justinian I. Erst mit der islamischen Expansion des 7. Jahrhunderts verlor der Limes Orientalis seine Bedeutung.

In dem römischen Gebiet westlich des Limes Arabicus befand sich die Dekapolis mit Städten wie Gadara und Gerasa. Die am Ufer des Euphrat gelegene Stadt Dura Europos eroberten die Römer vermutlich um 165 und gliederten sie um 200 endgültig in ihr Reich ein; 256/7 wurde die Stadt endgültig von den Sassaniden erobert und zerstört.

Verlauf

Es gab unterschiedlich große Befestigungsanlagen, wozu Legionärslager, Kastelle und einige hundert Wachtürme gehörten, die durch die teilweise bereits in flavischer Zeit angelegte Strata Diocletiana und ein sekundäres Wegenetz miteinander verbunden waren. In der Wüste waren dies zwölf Meter breite Erdstraßen. Die kleineren Lager wurden in Abständen von etwa 30 römischen Meilen (1 Meile entspricht etwa 1482 Metern) bevorzugt auf kleinen Hügeln eingerichtet.

Der spätantike Limesabschnitt begann in der nördlichsten Festung Singara (südlich des Dschabal Sindschar im heutigen Irak). Ab Sura, dem spätantiken Legionslager am Euphrat (25 km westlich Ar-Raqqa in Flussnähe beim Dorf al-Mansura), folgte der Limes Arabicus zeitweilig der Strata Diocletiana, die unter anderem über das Kleinkastell Tetrapyrgium (westlich der Straße vom Euphrat Richtung Resafa), Resafa, Palmyra und weitere Militärstationen zum Legionslager Oriza/Oresa (Tayyibe). Im weiteren südlichen Verlauf folgte unter anderem das Legionslager Bostra (im Hauran) sowie weitere Kleinkastelle, Wasserstellen und Wachttürme. Einige Kleinkastelle im heutigen Jordanien waren Qasr al-Hallabat (50 km östlich von Amman), Khirbat az-Zuna (42 km südlich von Amman), Praetorium Mobeni (15 km nördlich von el-Lejjun) sowie das südlich folgende Legionslager Betthorus (el-Lejjun, 20 km östlich von Kerak), das Kastell Dajaniya (etwa 45 km nördlich von Maʿan) und das Legionslager Odruh (22 km östlich des Wadi Musa). Endpunkt war das Kastell von Aila (Aqaba) am Roten Meer.

Forschungsgeschichte

Der Luftbildarchäologe Antoine Poidebard machte in den 1930er und 1940er Jahren zahlreiche Aufnahmen des Limes in Syrien.[1] 1938/39 beschäftigte sich Aurel Stein mit dem Limes Arabicus.[2] Von 1980 bis 1989 erforschte S. Thomas Parker einen Teilbereich des Limes Arabicus in Jordanien in seinem Limes Arabicus Project. Michaela Konrad beschäftigte sich mit der späten Phase im weiteren Umland von Resafa. Ein Überblicksbuch zum Limes in Jordanien und Israel publizierte 2018 Hans-Peter Kuhnen.

Literatur

  • Glen W. Bowersock: Limes Arabicus. In: Harvard Studies in Classical Philology. Band 80, 1976, S. 219–229.
  • S. Thomas Parker: Romans and Saracens. A History of the Arabian Frontier (= American Schools of Oriental Research Dissertation Series. 6). Eisenbrauns, Winona Lake 1986, ISBN 0-89757-106-1.[3]
  • S. Thomas Parker (Hrsg.): The Roman frontier in Central Jordan. Interim report on the Limes Arabicus project, 1980–1985 (= British Archaeological Reports. International Series Bd. 340). 2 Bände, British Archaeological Reports, Oxford 1987.[4]
  • Benjamin Isaac: The limits of empire. The Roman army in the East. Clarendon Press, Oxford 1990, ISBN 0-19-814891-7.
  • David Kennedy, Derrick Riley: Rome’s desert frontier from the air. Batsford, London 1990, ISBN 0-7134-6262-0.
  • Michael H. Dodgeon (Hrsg.): The Roman Eastern frontier and the Persian wars. Band 1: AD 226–363. A documentary history. Routledge, London 1991, ISBN 0-415-00342-3.
  • Hans-Peter Kuhnen: Limes VII. Südlicher Vorderer Orient. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 7, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01477-0, Sp. 220–223.
  • Michaela Konrad: Der spätrömische Limes in Syrien. Archäologische Untersuchungen an den Grenzkastellen von Sura, Tetrapyrgium, Cholle und in Resafa (= Resafa Bd. 5). Philipp von Zabern, Mainz 2001, ISBN 3-8053-2600-9.
  • Geoffrey Greatrex, Samuel Lieu (Hrsg.): The Roman Eastern frontier and the Persian wars. Band 2: AD 363–630. A narrative sourcebook. Routledge, London 2002, ISBN 0-415-14687-9.
  • S. Thomas Parker: The Roman Frontier in Central Jordan. Final Report on the Limes Arabicus Project, 1980–1989 (= Dumbarton Oaks Studies. Bd. 40). 2 Bände, Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington, D.C. 2006, ISBN 978-0-88402-298-5 (mit Beiträgen von John Wilson Betlyon, Robin M. Brown, Vincent A. Clark, Patricia Crawford, Bert de Vries, Victoria L. Godwin, Jennifer C. Groot, Janet Duncan Jones, Jennifer E. Jones, Frank L. Kouchy, Andrea Lain, Eric C. Lapp, Joann McDaniel, Robert Schick, Michael R. Toplyn).[5]
  • Hans-Peter Kuhnen: Wüstengrenze des Imperium Romanum. Der römische Limes in Israel und Jordanien. Nünnerich-Asmus, Mainz 2018, ISBN 978-396-176010-7.

Einzelnachweise und Anmerkungen

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