Linde Waber

österreichische Graphikerin und Malerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Linde Waber (* 24. Mai 1940 in Zwettl, Niederösterreich) ist eine österreichische Grafikerin und Malerin.

Linde Waber (2015)
Gemälde in Block C3/C4 im Wohnpark Alt-Erlaa

Leben und Ausbildung

Waber studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse für Grafik bei Prof. Maximilian Melcher und Prof. Christian Martin, wo sie 1964 mit dem Diplom als akademische Malerin und Grafikerin abschloss. 1967 heiratete sie den ungarisch-österreichischen Naringologen (HNO) Dr. István Szikszay († 2001). Aus der Ehe stammen ihre zwei Kinder: Philip (* 1974) und Anna (* 1977).[1] Im Zuge des engen Familienbundes sind auch ihre vier Enkelkinder Clara (* 2006), Luis (* 2009), Theo (* 2011), Valerie (* 2013) zu nennen.

1961 erhielt sie den Oskar-Kokoschka-Preis der Stadt Salzburg.[2][3]

Werk und Technik

Waber begann ihre künstlerische Laufbahn mit Farbholzschnitten. 1970 verbrachte sie ein prägendes Jahr in Japan, wo sie bei Tetsuo Yoneda den japanischen Farbholzschnitt (Kyoto-Ukioe-Technik) studierte. Dies prägte maßgebliche ihre Handschrift, dann auch kleine Auflagen per Hand abgezogen (Ukiyo-e- die Welt der schönen Dinge). Die Osaka-Geige ist ein Schlüsselwerk gewesen.

Die Farbholzschnitte wurden immer größer und entwickelten sich zu einer eigenen Handschrift und Technik. Dann Ausstellung 1971–1974 im MAK wo diese neuen Arbeiten gezeigt wurden. Mit der Geburt des ersten Kindes änderten sich die Umstände und Linde Waber ihre bevorzugte Technik Zeichnung.

Ihr Werk ist geprägt von zeichnerischen Werkserien mit konzeptuellem Charakter: Seit 1982 entstehen die Atelierzeichnungen, bei denen sie weltweit in über 390 Ateliers (Stand von 29. Juli 2025) von Künstlerinnen und Künstlern vor Ort zeichnete. Diese Arbeiten reflektieren die Arbeitsumgebung und Atmosphäre ihrer Gastgeberinnen und Gastgeber. Seit 1988 fertigt sie zudem täglich eine Zeichnung im Format 35 × 35 cm auf Japanpapier an – ihre Tageszeichnungen, ein visuelles Tagebuch, das persönliche Eindrücke, Begegnungen und politische oder künstlerische Beobachtungen festhält.

Stilistische Merkmale

Waber wird als „Kleinkraftwerk[4]“ beschrieben – eine künstlerisch hochaktive, vernetzte Persönlichkeit. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine spontane, offene Komposition und sensible Linienführung aus. In ihrer Kunst spiegelt sich die Verbindung von Alltag, sozialem Austausch und künstlerischer Reflexion wider. Die Atelier- und Tageszeichnungen bilden ein zentrales Element ihres Werks, in dem zwischenmenschliche Beziehungen, kreative Räume und das dokumentarische Festhalten des Moments ineinandergreifen.

Freundschaften, Feste und Wegbegleiter

Ein besonderes Merkmal von Wabers Schaffen ist die enge Verbindung von Kunst und Leben. Ihre Atelier- und Tageszeichnungen basieren auf persönlichen Begegnungen und symbolisieren ein dichtes Netzwerk von Freundschaften, künstlerischen Partnerschaften und kulturellen Dialogen. Feste, insbesondere ihre Jubiläumsveranstaltungen zu (halb)runden Geburtstagen[4][5], inszeniert sie als interdisziplinäre Gesamtkunstwerke mit bildender Kunst, Musik und Literatur. Dabei entstehen zahlreiche gemeinsame Publikationen, in denen Zeichnung und Text gleichwertig nebeneinanderstehen. Für Waber ist Kunst immer auch eine soziale Praxis – geprägt von Austausch, Offenheit und geteiltem Erleben.

Mitgliedschaften und Netzwerke

Linde Waber ist aktives Mitglied mehrerer Kunstvereinigungen, darunter das Künstlerhaus Wien sowie die IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen.

Auszeichnungen und Ehrungen

Linde Waber wurde im Laufe ihrer künstlerischen Laufbahn vielfach ausgezeichnet. Bereits 1961 erhielt sie den Oskar-Kokoschka-Fonds-Preis[6] der Stadt Salzburg, der ihr persönlich von Oskar Kokoschka überreicht wurde. In den folgenden Jahren wurde sie mehrfach für ihre grafischen Arbeiten geehrt, unter anderem mit dem Österreichischen Grafikpreis in Krems (1970) sowie erneut im Jahr 1976, als sie dort den Ersten Preis erhielt. 1974 wurde ihr der Förderungspreis des Landes Niederösterreich zuerkannt, gefolgt vom renommierten Theodor-Körner-Preis im Jahr 1976.

International wurde ihr Werk ebenfalls gewürdigt: 1978 erhielt sie beim Metropolitan Museum in Tokio den Sonderpreis für Ausländer in der Kategorie Tuschemalerei. 1983 wurde ihr die Große Goldene Ehrenmedaille der Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs verliehen.

Im Jahr 2002 ehrte sie der Bundespräsident mit dem Berufstitel Professorin. Ein Jahr später wurde sie bei der 4. Egyptian International Print Triennale in Kairo mit dem Jurypreis ausgezeichnet. Für ihr umfassendes künstlerisches Lebenswerk verlieh ihr die Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs im Jahr 2010 den Goldenen Lorbeer, gefolgt vom Ehrenzeichen ihrer Heimatgemeinde Zwettl im Jahr 2014.

2015 wurde ihr das Große Ehrenzeichen[6] für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich verliehen. Im Jahr 2021 zeichnete sie die Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs mit der ersten Goldenen Wand aus – eine besondere Ehrung für herausragende Leistungen im Bereich der bildenden Kunst.

Publikationen

  • mit Rainer Pichler. Vorstadt. Graphik : Linde Waber / Text : Rainer Pichler. Eigenverlag, Wien 1975
  • mit Friederike Mayröcker, Umbra. Der Schatten. Zu Arbeiten von Linde Waber. Hora Verlag, Wien 1989, ISBN 3-213-00028-0.
  • mit Bodo Hell (Text, Fotos): An der Wien. Holzschnitte, GaussPlatz11-Verlag, Wien 1997.
  • mit Bodo Hell (Prosa), Hil de Gard: Ma(h)lzeit. Bildband, Edition Thurnhof, Horn 1997, ISBN 3-900678-24-3.
  • mit Hil de Gard (Redaktion): Genius loci. Atelierzeichnungen Hausbesuche. 1982 - 2003. mit literarischen Beiträgen von allen im Katalogbuch vorkommenden Schriftstellern, Partituren der Komponisten, Statements der Künstlerinnen und Künstler, Ausstellung, Künstlerhaus Wien, Wien 2003, ISBN 3-85476-095-7.
  • mit Renald Deppe, Bodo Hell, Brigitta Höpler: Linde tröstet Schubert. Waber retrospektiv und Weggefährten. Ausstellung, Leopold Museum, Mandelbaum-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85476-332-1.

Audio

Commons: Linde Waber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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