Lisette Model

US-amerikanische Fotografin From Wikipedia, the free encyclopedia

Lisette Model (* 10. November 1901 in Wien als Elise Amelie Felicie Stern, 1903 änderte die Familie den Namen auf Seybert; † 30. März 1983 in New York) war eine US-amerikanische Fotografin. Sie war Mitglied der Photo League in New York und gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts.

Leben und Werk

Lisette Model studierte ab 1920 neben Harmonielehre und Kontrapunkt bei Arnold Schönberg sowie Gesang bei Marie Gutheil-Schoder. Nach dem Tod ihres Vaters verließ sie 1926 mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester Olga Wien und pendelte zwischen Paris und Nizza in Südfrankreich. In Paris setzte sie ihre Gesangsausbildung fort, wandte sich jedoch um 1933 völlig von der Musik ab und widmete sich der Fotografie.

Bei einer Reise nach Nizza lernte sie ihren Mann, den Maler Evsa Model, kennen. In Nizza produzierte sie 1934 eine ironische Bilderserie über die Nobelurlauber an der Promenade des Anglais, die 1935 mit einem sozialkritischen Kommentar in der Zeitschrift Regards, einem Organ der kommunistischen Partei, veröffentlicht wurde. Damit gelang ihr der Durchbruch im Bereich der Straßenfotografie. 1937 war sie Schülerin bei der surrealistischen Fotografin Florence Henri.

1938 emigrierte sie mit ihrem Mann in die Vereinigten Staaten. Dort bekam sie Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Alexei Brodowitsch, dem Art Director von Harper’s Bazaar, für das sie auch Aufträge übernahm, und den Fotografen Ansel Adams und Berenice Abbott.

In New York trat sie in die linksgerichtete Photo League ein, eine Vereinigung, die sich für sozialkritische Fotografie einsetzte. In der Galerie der Photo League wurde im Frühling 1941 Models erste Einzelausstellung gezeigt. Dadurch und dank einer begeisterten Kritik ihrer Freundin, der Kulturkritikerin Elizabeth McCausland, wurde Model schlagartig bekannt.[1]

Model fotografierte in New Yorker Hotels, Bars und Nachtlokalen der Lower East Side und Badende in Coney Island. Außerdem entstanden die formalistischen Arbeiten Schaufenster-Spiegelungen und Laufende Beine.

Um das FBI während der McCarthy-Ära von ihrer Bilderserie in Regards abzulenken, datierte sie die Fotoserie über die Promenade des Anglais auf 1937 um. Viele Magazine und Zeitschriften beendeten damals die Zusammenarbeit mit ihr. Die Photo League wurde aufgelöst, da sie als „subversiv“ galt. Model fotografierte nun nur noch in als unpolitisch geltenden Jazzclubs[1] und begann 1952 eine Fotoserie über Jazz. Zu den von ihr porträtierten Persönlichkeiten gehören Frank Sinatra, Georges Simenon und Valeska Gert, sowie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald.

Um Geld zu verdienen[1], unterrichtete sie 1949 Fotografie an der California School of Fine Arts (1961 umbenannt in San Francisco Art Institute) und ab 1951 bis zu ihrem Tod an der New School for Social Research in New York City. Ihre bekanntesten Schüler waren Diane Arbus und Bruce Weber; weiter zu nennen sind Larry Fink, Bruce Gilden und Shelly Rusten. Model gilt mit ihrem unbarmherzigen Realismus als eine der einflussreichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie selbst gab einmal an, keine Vorbilder zu haben: „Ich habe mir nie Fotografien angesehen, ich habe mir nie Gemälde angesehen, ich habe mir überhaupt nie etwas angesehen.“[1]

Lisette Model starb 1983 in einem New Yorker Krankenhaus.

Straßenschild des Lisette-Model-Platzes in der Wiener Josefstadt

Im Jahr 2016 wurde im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt der Lisette-Model-Platz nach ihr benannt.

Ausstellungen

1940 wurden Models Fotos im Rahmen einer Gruppenausstellung im Museum of Modern Art gezeigt, Einzelausstellungen erfolgten 1941, 1943 und 1946 in der Galerie der Photo League in New York, im Art Institute of Chicago und dem Museum The Californian Palace of the Legion of Honor in San Francisco. 2025 widmet die Albertina (Wien) der gebürtigen Österreicherin eine große Personale.[1][2]

Literatur

  • Literatur von und über Lisette Model im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Lisette Model bei photography-now.com
  • Lisette Model: Biographie der Fotografin und die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur. In: cosmopolis.ch. 19. März 2001, archiviert vom Original am 1. Januar 2013;.
  • Eintrag zu Lisette Model im METROMOD Archiv von Helene Roth

Einzelnachweise

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