Literaturhaus

Institution, die sich um die Vermittlung von Literatur der Gegenwart bemüht und den Diskurs über Literatur fördert From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Literaturhaus ist eine Institution, die sich um die offene und kritische Vermittlung und Förderung von Literatur, von Lesen und Schreiben sowie von allem Wissen, das in Büchern veröffentlicht wird bemüht und den Diskurs über Literatur und Gesellschaft mitprägt. Vor allem Gegenwartsliteratur wird hier das ganze Jahr über in zeitgemäßen Veranstaltungsformaten präsentiert. Ein Literaturhaus ist in der jeweiligen Stadt ein zentraler Kulturort und agiert häufig auch überregional.

Das Literaturhaus in Hamburg
Das Literaturhaus in Klütz

Organisation

Das erste Literaturhaus wurde 1986 in Berlin eröffnet. Damit entstand das Konzept, für die Literaturszene einen festen Ort mit öffentlichen Veranstaltungen zu gestalten. Seitdem sind Literaturhäuser in Hamburg (1989), Frankfurt am Main, Wien und Salzburg (alle 1991) und vielen anderen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch in Italien, Skandinavien, Belgien etc. gegründet worden. Die meisten Neugründungen nennen sich selbst Literaturhaus und treten nach außen in Verbindung mit dem jeweiligen Städtenamen auf. Bereits vor 1986 gab es zum Beispiel das Literarische Colloquium Berlin, das als Stipendiaten- und Veranstaltungshaus am Wannsee eine besondere Position hat, sowie Literaturbüros, die sich stärker für die Belange von Autoren einsetzen. Funktional lassen sich einige dieser Einrichtungen inzwischen ebenfalls als Literaturhaus bezeichnen.

Ein Literaturhaus wird von öffentlichen oder privaten Trägern betrieben und ist oft als gemeinnütziger Verein oder Stiftung organisiert. Dieser Träger bietet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an. Auch wenn viele Literaturhäuser keine kommunalen Einrichtungen sind, erhalten die meisten Förderungen der öffentlichen Hand. Durch Vermietung und Verpachtung, Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge sowie Sponsoring erwirtschaften sie außerdem einen Teil des Budgets. Darüber hinaus werben sie weitere Gelder etwa von privaten Stiftungen oder projektbezogene Fördermittel ein.

Literaturhäuser haben eine eigene Spielstätte. Ein ganzes Gebäude oder Teile eines Hauskomplexes bilden das Literaturhaus. Die Eigentumsverhältnisse sind sehr unterschiedlich, einige Trägerorganisationen mieten das Gebäude, andere sind Eigentümer oder können den Ort mietfrei nutzen. Manche sind eng mit der lokalen Universität verbunden (z. B. Graz, Innsbruck, Klagenfurt). Literaturhäuser sind in der Regel ganzjährig bespielt, viele machen wie Theater eine Sommerpause. Hin und wieder bieten sie Veranstaltungen an anderen Orten an.

In einigen Literaturhäusern gibt es ein Café und/oder eine Buchhandlung. In vielen Fällen können die Räume des Literaturhauses für öffentliche oder private Zwecke gemietet werden. Es kann also sein, dass nicht alle Veranstaltungen, die in einem Literaturhaus stattfinden, auf den Trägerverein des Hauses zurückgehen. In manchen Literaturhäusern sind weitere literarische Akteure beheimatet, zum Beispiel eine Bibliothek oder andere Literaturvermittler. Das Literaturhaus in Wien führt beispielsweise eine umfangreiche Datenbank mit Registern der Buchtitel, Periodika, Zeitungsausschnitte und der Hochschularbeiten zur österreichischen Literatur.

Literaturhäuser sind regional in ihrer Stadt, ihrem Land verankert, strahlen aber durch Kooperationspartner und mit ihrem häufig internationalen und mehrsprachigen Programm oft weit über die Grenzen hinaus. So unterschiedlich Trägerschaft, Konzepte usw. von Literaturhäusern sein können, verantwortlich sind stets ein Literaturhaus-Programmleiter bzw. eine Literaturhaus-Programmleiterin und eine Geschäftsführung (manchmal vereint in einer Person). Darüber hinaus sind in den meisten Fälle weitere Teammitglieder festangestellt.

Programm

Literaturhäuser veranstalten Lesungen mit bekannten Autoren oder zur Nachwuchsförderung, organisieren Kinder- und Jugendprogramme, Film- und Hörspielabende, Ausstellungen und Workshops, Literaturfeste und Symposien, Vorträge und Podiumsdiskussionen und stellen Literaturübersetzer vor. Viele Literaturhäuser präsentierten ihr Programm in Reihen und setzen regelmäßig Programmschwerpunkte, zum Beispiel zu aktuellen Themen, zur Literatur aus bestimmten Ländern oder Sprachgebieten.

Literaturhäuser verstehen ihre Aufgabe darin, den Stimmen der Literatur in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und zu zivilgesellschaftlichen Diskursen beizutragen. Hier begegnen sich Schreibende und Lesende im Gespräch über Texte und über zentrale Fragen der Gegenwart. Sie veranstalten für ihr Publikum vor allem Lesungen mit Autoren und Autorinnen. Zu Gast sind deutschsprachige wie internationale Autoren, bereits etablierte, aber auch noch unbekannte. In der Regel sind die Lesungen als Kombination aus Vorlesen und Gespräch konzipiert. Ebenso gibt es Vorträge, Diskussionen und andere Literaturformate.

Außerdem fördern Literaturhäuser den literarischen Nachwuchs, sowohl den schreibenden als auch den lesenden. Literatuhäuser organisieren auch Programme für Kinder- und Jugendliche, planen Ausstellungen und Workshops, Literaturfestivals und Symposien. Neben Einzelveranstaltungen präsentieren viele Literaturhäuser ihr Programm in Reihen und setzen regelmäßig Schwerpunkte, zum Beispiel zu aktuellen Themen, zur Literatur aus bestimmten Ländern oder Sprachgebieten. Sie sind in ihren Programmentscheidungen unabhängig. Zugleich arbeiten sie eng mit Verlagen und Buchhandlungen zusammen.

Netzwerk

Das Netzwerk der Literaturhäuser e.V. vereinigt 17 Literaturhäuser aus dem deutschen Sprachraum: dreizehn aus Deutschland (Literaturhaus Frankfurt am Main, Hamburg, München, Köln, Stuttgart, Rostock, Leipzig, Wiesbaden, Halle, Heilbronn, Kiel sowie das Literarische Zentrum Göttingen und das Literarische Colloquium Berlin), zwei österreichische Literaturhäuser (Salzburg, Wien) und zwei Schweizer (Zürich, Basel). Das Netzwerk der Litereraturhäuser hat eine eigene Geschäftsführung mit Sitz in Hamburg. Die überregionale Zusammenarbeit begann Ende der 1990er zunächst formlos, seit 2008 ist das Netzwerk als gemeinnütziger Verein organisiert. Arte ist Medienpartner des Netzwerks. Ziel ist neben dem kollegialen Austausch die Möglichkeit, Projekte mit größerer Reichweite umzusetzen und gemeinsam die Aufmerksamkeit für die Literatur zu vervielfachen.

Seit 2002 vergeben die Programmleitungen der Literaturhäuser auf der Leipziger Buchmesse den Preis der Literaturhäuser für außerordentliche Text- und Präsentationsqualitäten an deutschsprachige Autoren. Seit 2022 wird der Preis im jährlichen Wechsel mit dem Preis der Jungen Literaturhäuser, der 2021 erstmals ausgelobt wurde, verliehen. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert.

Partner

Viele Literaturhäuser arbeiten mit Partnern zusammen. Oft sind es Kooperationspartner aus dem Bereich der Kultur und der Medien, manchmal auch aus der Wirtschaft. Die Literaturhäuser sind einerseits eng verbunden mit Partnern, die ihre Arbeit finanziell ermöglichen, andererseits bestehen viele Kooperationen auf Programmebene. Das Netzwerk der Literaturhäuser unterhält etwa seit Jahren eine Medienpartnerschaft mit dem deutsch-französischen TV-Kultursender ARTE.

Liste der Literaturhäuser

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz gibt es Literaturhäuser in vielen größeren Städten

in Deutschland:

in Österreich:

in der Schweiz:

in Liechtenstein:

  • Literaturhaus Liechtenstein

in den nordischen Ländern:

in anderen europäischen Ländern:

Wiktionary: Literaturhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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