Longevity

längere als die typische Lebensspanne, insbesondere beim Menschen From Wikipedia, the free encyclopedia

Longevity [ɫɔnˈdʒɛvəti] bedeutet Langlebigkeit. Der Begriff beinhaltet im deutschen Sprachgebrauch vor allem Erkenntnisse und Ratschläge zur Verlängerung der menschlichen Lebenszeit, wobei es das Ziel ist, den Alterungsprozess zu verlangsamen, altersbedingte Beschwerden zu vermeiden und vor allem die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren oder gar zu erhöhen. Quantität und Qualität der Lebensjahre sollen gesteigert werden.[2] Longevity wird teilweise noch umfassender aufgefasst, so beinhaltet der Begriff nicht nur Maßnahmen zur Verlängerung der Lebenszeit im Alter, sondern er umfasst die gesamte menschliche Lebensspanne und gibt Hinweise, um Gesundheit und Vitalität zu bewahren oder zu verbessern.[3]

Durchschnittliche Lebensdauer bei der Geburt in den DACH Ländern im Vergleich inklusive USA, China, Spanien und Japan[1]

Der Begriff „Longevity“ ist ein Kofferwort, das aus den lateinischen Begriffen „longus“ (lang) und „vita“ (Leben) besteht und aus dem Englischen in das Deutsche übernommen worden ist.[4]

Alterungsprozess

Der Alterungsprozess ist ein hochkomplexer und vielfach noch ungeklärter Vorgang, er ist Gegenstand vielfältiger Untersuchungen. Der Prozess wird beim gesunden Menschen durch zelluläre und molekulare Mechanismen hervorgerufen.[5] Diese Vorgänge unterliegen genetischen Gegebenheiten und biologischen Vorgängen.[6] Der Einfluss der Gene wird auf etwa 10–20 Prozent geschätzt. Im Vergleich zu den Genen spielen der individuelle Lebensstil und äußere Einflüsse eine viel entscheidendere Rolle beim Altern.[7] Wesentliche bekannte Mechanismen der Alterung sind:[5][8] Folgende 12 wichtige Bereiche für Kennzeichen des Alterns („hallmarks of aging“) werden von Autoren einer vielzitierten Studie zu dem Thema vorgeschlagen:[9]

  • DNA Schädigung und Mutation (genomische Instabilität),
  • ein Verschleiß der Schutzkappen an den Chromosomen (Telomere),
  • Veränderung des Epigenoms,
  • eine Anhäufung von geschädigten und nicht funktionsfähigen Proteinen (Verlust der Proteostase),
  • ein Rückgang beim Abbau von nicht benötigten oder kranken Zellbestandteilen (Beeinträchtigung der Autophagie bzw. deaktivierte Makroautophagie),
  • Gestörte Wahrnehmung von Nährstoffen auf der Ebene der Zellen (dereguliertes Nährstoffsensorik),
  • ein Nachlassen der Stoffwechselvorgänge in den Zellen (mitochondriale Fehlfunktionen),
  • Rückgang des Zellteilungsprozesses (zelluläre Seneszenz),
  • Erschöpfung der Stammzellen,
  • Veränderung der interzellulären Kommunikation,
  • Zunahme chronischer Entzündungen (Inflammaging),
  • Gestörte Darmflora (Dysbiose)

Der deutsch-amerikanischer Forscher Steve Horvath beschäftigt sich mit dem biologischen Alter, das nicht mit dem kalendarischen Alter identisch seien muss. Er hat eine epigenetische Uhr entwickelt, die auf der Extraktion von DNA-Methylierungsstellen beruht und die Werte über einen Algorithmus auswertet. Er behauptet, dass er damit das biologische Alter eines Menschen bestimmen kann.[10]

Biologischen und biochemische Vorgänge sind beeinflussbar, sie sind deshalb Gegenstand von Untersuchungen im Rahmen von Longevity. In der Literatur werden vor allem folgende Hinweise genannt, um ein langes erfülltes Leben zu erreichen.[2]

Einflussgrößen, die nicht-genetisch vorbestimmt sind

Ernährung und Lebensstil

Ernährung

Laut einer Studie auf Basis von Meta-Analysen und Daten der Global Burden of Disease durchschnittlich zu erwartende zusätzliche Lebensjahre für 20-Jährige in den USA, die von einer "typischen westlichen Diät" zu einer "optimierten Diät" wechseln (Veränderungen pro Lebensmittelklasse werden links in Gramm angezeigt)[11]

Eine ausgewogene Ernährung wird als ein Kernelement gewertet, um ein gesundes und langes Leben zu erreichen. Die Ernährung sollte reich an pflanzlichen Lebensmitteln und arm an hochverarbeiteten Produkten sein.[12] Insgesamt sollte die Kalorienzufuhr in Maßen erfolgen und ein körperliches Übergewicht vermieden werden.

Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten legen nahe, dass Ernährungsmuster der Mediterranen Ernährung mit einer Verringerung der Gesamt- und Ursachen-spezifischen Sterblichkeit verbunden ist, was die Gesundheitsspanne und Lebensdauer verlängert.[13][14][15] Die Forschung ist noch damit beschäftigt die wichtigsten vorteilhaften Komponenten der mediterranen Ernährung zu identifizieren.[16][17] Studien deuten darauf hin, dass Ernährungsumstellungen ein Faktor für nationale relative Anstiege der durchschnittlichen Lebensdauer.[18] Alkoholkonsum jeglicher Art auf einem Minimum zu beschränken, scheint in Studien ebenfalls mit längeren Lebensspannen verbunden zu sein.[19][20]

Ob eine spezielle Form des Fastens oder der Ernährung den Alterungsprozess beim Menschen verzögert, lässt sich nicht alleine aus kontrollierten Tierversuchen ableiten.[21][22][23]

Moderater Konsum von Kaffee[24][25][26] und Olivenöl ist in Studien mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden.[27] Spermidin kommt in bestimmten Nahrungsmitteln vor, wie etwa Pilzen und Hülsenfrüchten, insbesondere Erbsen. Studien deuten darauf hin, dass Spermidin die Lebensdauer verlängern könnte.[28][29][30][31][32][33][34]

Die Auswirkungen von Flavanolen wie Anthocyaninen sind Subjekt der Forschung.[35] Das Nahrungsergänzungsmittel Q10 ist laut einer Übersichtsarbeit mit einer verringerten Sterblichkeit verbunden.[36][37]

Bewegung

Der Nutzen von regelmäßiger Bewegung geht über Gewichtsmanagement und Muskelaufbau hinaus, da körperliche Aktivität eine Vielzahl von positiven Effekten auf unseren gesamten Organismus hat. Bewegung setzt zudem Endorphine frei, die das emotionale Wohlbefinden steigern und Stress, Angstzustände sowie Depressionen reduzieren. Ziel sollte eine moderate, nicht-einseitige Aktivität sein, die regelmäßiges Konditions- und Krafttraining beinhaltet.[38]

Schlaf

Ausreichender Schlaf ist ein fundamentaler Prozess, der die Regeneration von Körper und Geist ermöglicht. Er unterstützt die Reparatur und Erneuerung von Zellen, die Stärkung des Immunsystems und die Konsolidierung von Gedächtnis und Lernen. Ein chronischer Schlafmangel hingegen wurde in Verbindung gebracht mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und neurodegenerative Störungen.

Psychisches Wohlbefinden

Psychisches Wohlbefinden, emotionale Stabilität, die Fähigkeit Stress zu managen, positives Denken und die Pflege von sozialen Kontakten tragen zur Langlebigkeit und zu einem erfüllten Leben bei. Ein aktiver Lebensstil, geistige Herausforderungen und soziale Interaktionen sind nicht nur in den früheren Lebensjahren essentiell, sondern spielen auch in der zweiten Lebenshälfte eine zentrale Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Umweltfaktoren

Im Zusammenhang mit Longevity wird oft von der sogenannten blauen Zonen gesprochen. Dies sind Regionen, in denen Menschen statistisch gesehen ganz besonders alt werden, wie z. B. die italienische Insel Sardinien, die griechische Insel Ikaria, das japanische Okinawa und die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Es ist allerdings umstritten, ob diese statistisch signifikante Besonderheit auf Umwelteinflüsse oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist.[39]

Schlechte Luftqualität aufgrund von Schadstoffen erhöht das Risiko einer ernsthaften Erkrankung. Eine Exposition gegenüber schädlichen Chemikalien oder Schwermetallen kann ebenfalls zu schweren Gesundheitsproblemen führen und die Lebenserwartung erheblich verkürzen.[40] Andererseits kann der regelmäßige Aufenthalt in der frischen Luft vor allem bei Sonnenschein sowie die Nähe zu Natur und grünen Bereichen zu einer besseren körperlichen und geistigen Gesundheit führen und insgesamt das Wohlbefinden steigern.

Von Bedeutung sind ebenfalls der Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung und die Beachtung einer angemessenen Hygiene sowohl bei einem selbst als auch im persönlichen Umfeld.

Arzneistoffe und Nahrungsergänzungsmittel

Derzeit sind keine Medikamente oder Behandlungen bekannt, die nachweislich die Lebensspanne von Menschen verlängern können. Klinische Studien sind aufgrund der Lebensspanne von Menschen schwierig durchzuführen. Bei Versuchstieren wie Würmern, Fliegen und Mäusen ist es jedoch bereits möglich, durch verschiedene Eingriffe die Lebensspanne zu verlängern und die Gesundheit zu verbessern. Das Angebot an Mitteln, Ratgebern und Veranstaltungen ist ein rasch wachsendes Geschäft.[41] Eine ganze Reihe von Wirkstoffen befinden sich in der Untersuchung, wie zum Beispiel:[42]

  • Rapamycin ist ursprünglich ein Immunsuppressivum, das die Organabstoßung nach Transplantationen vermindern soll. Es enthält einen mTOR-Inhibitor und aktiviert damit den Prozess der Autophagie, was den Zellwachstums- und Alterungsprozess günstig beeinflusst. Tierversuche waren bisher vielversprechend.
  • Metformin wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt und hemmt u. a. die Neubildung von Glukose in der Leber. Es wird auch gegen Adipositas verwendet. Es ist ein seit Jahren eingesetztes Medikament. Es hat sich gezeigt, dass mit Metformin gefütterte Mäuse länger leben. Eine klinische Studie bei Menschen ist geplant.
  • Senolytika sind Wirkstoffe, die die Zellseneszenz positiv beeinflussen können. Studien an Tieren waren bisher vielversprechend. Fisetin etwa ist ein Flavonoid, das in Früchten und Gemüsen vorkommt. Es soll die Zellseneszenz positiv beeinflussen. Auch Quercetin, das in geringer Dosis etwa in Zwiebeln enthalten ist, wird untersucht.[43][44][45][46][47][48]

Ein weiterer Forschungsbereich untersucht die Rolle der Gefäßfunktion und der Mikrozirkulation im Alterungsprozess. Veränderungen der endothelialen Funktion, der Regulation des Blutflusses und der mikrovaskulären Perfusion werden mit verschiedenen altersassoziierten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Eine beeinträchtigte Mikrozirkulation kann die Versorgung von Geweben mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinflussen und wird daher als ein möglicher Faktor für funktionelle Veränderungen im Alter diskutiert.[49][50]

Siehe auch

Einzelnachweise

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