Louise Soult
französische Marschallgattin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Johanna Luisa Elisabeth „Louise“ Berg, Marschallin Soult, Herzogin von Dalmatien (* 26. Mai 1771 in Solingen; † 12. März 1852[1] in Saint-Amans-Soult) war die Ehefrau von Nicolas Jean-de-Dieu Soult, duc de Dalmatie, Marschall unter Napoleon Bonaparte.



Biographie
Jugend und Hochzeit
Luisa Berg war eine Tochter des Klingenkaufmanns und Solinger Bürgermeisters Johann Abraham Berg (1730–1786) und von dessen Frau Wilhelmina Sibylla Katharina Mumm (1746–1827). Sie hatte fünf Schwestern und zwei Brüder. Die Familie war evangelisch-reformiert.[1] Luisa Berg führte eine Zeitlang den Haushalt eines Onkels in Barmen.[2] Sie hatte eine Liaison mit einem französischen Emigranten namens Duffieux de la Grange Merlin, der angegeben hatte, in Solingen für sein Regiment Waffen einzukaufen, tatsächlich aber für die englische Armee warb. Mutmaßlich aus diesem Grunde hatte sie Kenntnisse in Französisch.[3]
Am 20. Januar 1796 rückten die französischen Revolutionstruppen unter General Jean-de-Dieu Soult in Solingen ein. Soult quartierte sich in einem Haus ein, das Luisa Bergs Mutter gehörte.[4] Eine Woche später erklärte ihre Mutter vor dem Stadtsyndikus, dass es zwischen ihrer Tochter und Duffieux kein gültiges Eheversprechen gebe und ihre Tochter General Soult heiraten werde.[5] Am 26. April heirateten Luisa Berg und der katholische General Soult in der evangelischen Stadtkirche, „eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Liebesheirat“.[6] Die Eheleute schlossen einen Ehevertrag, in dem sie unter anderem festhalten ließen, künftig in „Frieden, Freundschaft und Vernunft zusammen zu leben“ und „ihre Kinder zu lieben, zu erziehen“.[5]
Unter Napoleon
In den Jahren nach der Hochzeit begleitete Luisa, nun Louise, Soult während der Koalitionskriege ihren Mann auf Feldzügen und auf wechselnden Kommandostellen. Dabei führte sie bis 1802 ein Reisetagebuch, aus dem hervorgeht, dass sie sich möglichst oft in greifbarer Nähe zu Soult befand. Im Juni 1802 reisten die Eheleute in das für sie unbekannte Paris, auch um den für sie ebenso unbekannten Ersten Konsul Napoleon Bonaparte kennenzulernen. Dort kauften sie ein Stadthaus, später ein Palais, und ein Anwesen vor der Stadt in Marnes-la-Coquette, das sie „L’Étang“ („Teich“) nannten. Am 18. September 1802 wurde der Sohn Napoléon-Hector geboren, am 31. August 1804 die Tochter Joséphine Louise Hortense. Die Verwaltung der Immobilien sowie die Führung einer Heerschar von Dienstboten oblagen hauptsächlich Louise Soult. Ihre Kinder erzog sie katholisch, obwohl sie selbst protestantisch war.[7]
1804 wurde Louise Soult, nun „La maréchale Soult“, zur „dame pour compagnie“ („Gefolgsdame“) von Letizia Buonaparte, der Mutter Napoleons, ernannt. Auf dem Gemälde von Jacques-Louis David Die Krönung Napoleons ist sie im selben Jahr links neben der Mutter Napoleons sitzend zu sehen. Nach dem Tilsiter Frieden wurde Soult 1808 im napoleonischen Adel (noblesse impériale) zum „duc de Dalmatie“ ernannt, seine Frau wurde so die „duchesse de Dalmatie“. Sie kleidete sich nun in kostbaren Kleidern und Juwelen, und die Kosten dafür explodierten in einem Maße, dass ihr Mann sie per Brief zur Sparsamkeit ermahnte.[8] So erstand sie für 82.216,70 (heutiger Wert rund 20 Mio. Euro) Francs ein Reisenecessaire aus 45 vergoldeten Silberteilen.[9] Sie war aber auch Spott ausgesetzt, weil sie aus der deutschen Provinz kam, und fühlte sich wegen der vielen Trennungen von ihrem Mann oft einsam und litt unter Migräne.[10]
Kaiser Napoleon gewährte Louise Soult 1810 das Privileg „entrées particulières“, das beinhaltete, von ihm tagsüber persönlich empfangen zu werden und mit ihm zu speisen. Anlässlich der Geburt seines Sohnes Napoleon Franz Bonaparte schenkte er ihr eine mit Diamanten verzierte Opalkette. Während der Taufzeremonie durfte sie das Handtuch halten. Ihr hatte Soult es zu verdanken, dass Napoleon Gerüchten über seine vermeintlichen Machenschaften während des Spanienfeldzugs und seiner Zeit als Gouverneur von Andalusien keinen Glauben schenkte, obwohl Soult sich in der Tat kostbare spanische Kunstwerke angeeignet hatte. In diesem Zusammenhang gab es Versuche, Louise Soult zu erpressen.[11] 1812 wurde in Spanien ein nichtehelicher Sohn ihres Mannes geboren, dessen Existenz Soult im Jahr darauf seiner Frau beichtete. Die Mutter des Kindes versuchte, die Marschallin mit Drohungen von Enthüllungen zu größeren Zahlungen zu bringen, doch diese ging vor Gericht, das gegen die Mutter des Kindes entschied. Soult bedankte sich bei seiner Frau: „Ich bitte Dich, liebe Louise, als Zeugnis meiner tiefen Dankbarkeit und meiner Bewunderung mir gegenüber diese Erinnerungsnotiz anzunehmen.“[12] Soult und später sein Sohn protegierten diesen Sohn Alfredo, der in der französischen Verwaltung Karriere machte.[13] Im Juli 1813 reiste Louise Soult nach Dresden, um dem Kaiser ihr Missfallen darüber auszudrücken, das ihr Mann erneut nach Südfrankreich und Spanien versetzt werden sollte. Bonaparte soll ihr geantwortet haben: „Madame, ich habe Sie nicht rufen lassen, um mir Ihre Ausfälle anzuhören. […] Denken Sie darüber nach, dass Frauen zu gehorchen haben …“[14] Dennoch zeigte er sich beeindruckt: „Soult ist sehr ehrgeizig, aber seine Frau leitet ihn.“[15]

Im Exil
Während der Ersten Restauration (1814) schlug sich Soult auf die Seite der Royalisten, unterstützte aber während der Herrschaft der Hundert Tage (1815) erneut Bonaparte und diente ihm als Stabschef in der Schlacht bei Waterloo. Zu Beginn der Zweiten Restauration (1815–1830) wurde Soult ins Exil geschickt.[16] Er zog zu seiner Schwiegermutter nach Barmen, wo er in der Folge unter ständiger Aufsicht der preußischen Polizei stand. Im Februar 1815 folgte ihm seine Frau; es gingen Gerüchte um, sie habe „einen Sack Gold“ dabei gehabt. Dennoch befand sich das Paar in finanziellen Schwierigkeiten, und Louise Soult verkaufte einen großen Teil ihres Schmucks.[17] 1816 bezogen die Soults ein Haus in Düsseldorf. Dort gebar Louise Soult 1817 eine weitere Tochter, Marie Louise Caroline Leonie, die im selben Jahr starb; sie wurde auf dem Golzheimer Friedhof bestattet. Mitte 1817 und erneut 1818 kehrte Louise Soult nach Paris zurück, weil ihre Kinder dort Schulen besuchten. Vor Ort versuchte sie auch, die Rückkehr ihres Mannes nach Frankreich zu bewirken. Am 26. Mai 1819 erhielt sie die Nachricht, dass dem Gesuch stattgegeben wurde.[18]
Zurück in Frankreich und letzte Jahre
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich führte Soult unter König Louis-Philippe drei Ministerien (Oktober 1832–Juli 1834, Mai 1839–März 1840 und Oktober 1840–September 1847) und war zumeist Kriegsminister sowie Präsident des Kronrats; er war für die französische Eroberung Algeriens in den 1840er Jahren verantwortlich. 1848, nach dem Sturz Louis-Philippes, bekannte sich Soult zu den Republikanern.[16] Von 1826 bis 1826 ließen die Soults in Saint-Amans ein großes Anwesen erbauen, das Schloss Soult-Berg. Über das persönliche Leben von Louise Soult in diesen Jahren ist wenig bekannt, das Haus der Soults in Paris diente aber als gesellschaftlicher Anziehungspunkt.[19]
Louise Soult starb am 12. März 1852 im Alter von 80 Jahren in Saint-Amans, rund fünf Monate nach ihrem Mann. Die Eheleute waren 55 Jahre verheiratet gewesen. Bevor Louise Soult starb, konvertierte sie zum Katholizismus. Zwar hatte sie bei ihrer Heirat ihrer Mutter versprechen müssen, nie zu konvertieren, aber nun wolle sie sich sicher sein, in den gleichen Himmel wie den ihres Mannes und ihrer Kinder zu gelangen.[20] In ihrer bergischen Heimat wurde ihre Konversion als „schändlichen Skandal“ angesehen, ihr Bruder Carl Reinhard Berg zeigte sich empört: „Die arme Frau war verrathen und verkauft und ist wahrscheinlich katholisch geworden, ohne es zu wissen.“[21] Louise Soult wurde neben ihrem Mann im Mausoleum neben der Kirche Église Notre-Dame in Saint-Amans bestattet.[22]
1927 nannte der Heimatforscher Otto Schell Louise Berg in seinem Buch Bergische Frauen die „wohl bedeutendste Frau Solingens“.[23]
Diverses
Das Grab von Wilhelmine Sibilla Catharina Mumm Berg, Louise Berg Mutter, befindet sich auf dem Unterbarmer Friedhof.Wilhelmine Sibilla Catharina Mumm Berg (1746-1827) – Find a Grave Gedenkstätte. In: de.findagrave.com. 17. Januar 2017, abgerufen am 28. Januar 2026.
Im Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf wird ein Kleid von Louise Berg aufbewahrt.[24]
Literatur
- Axel Fuesers/Albrecht Graf Finck von Finckenstein: Napoleons Marschall Soult und Louise Berg. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-897-6.