Lovro Toman

österreichischer Politiker und Jurist slowenischer Herkunft From Wikipedia, the free encyclopedia

Lovro Toman (* 10. August 1827 in Kamna Gorica, Gemeinde Radovljica (deutsch Steinbüchel in der Oberkrain bei Radmannsdorf); † 15. August 1870 in Rodaun (heute Liesing (Wien)); Pseudonym: Zoridan Kamnogorski) war ein österreichischer Jurist, Politiker und politischer Dichter slowenischer Herkunft.[1]

Lovro Toman 1867

Leben und Wirken

Lovro Toman (auch Lorenz Thoman oder Thomann) wurde als jüngstes von neun Kindern Sohn der Eheleute Helena (geborene Hribar) und Janez Toman, eines wohlhabenden Besitzers einer Hammerschmiede, geboren. Nach der Grundschulzeit in seinem Heimatort absolvierte er die weiterführenden Schulen von 1839 bis 1847 in Laibach/Ljubljana. Anschließend begann er an der Universität Wien das Jurastudium, wechselte aber nach Schließung der Universität im Mai 1848 an die Universität Graz, wo er am 27. Juli 1852 zum Dr. jur. promoviert wurde. Danach war an Gerichten in Kranj und Graz sowie in Staatsämtern in Ljubljana tätig. 1856 eröffnete er eine Anwaltskanzlei in Radmannsdorf (Radovljica) und begann politisch aktiv zu werden. Zwischen 1861 und 1870 war er Abgeordneter im Krainer Landtag und im österreichischen Reichsrat, wo er sich vor allem für die nationalen Rechte der Slowenen einsetzte. Zusammen mit Janez Bleiweis und Ethbin Heinrich Costa gehörte er der Führung der slowenischen konservativen Richtung an.

Toman war schriftstellerisch und publizistisch tätig sowie Mitbegründer und von 1865 bis 1868 erster Vorsitzender des slowenischen Kulturvereins Slovenska Matica.[2]

Privates

Toman lernte 1850 die Dichterin und Komponistin Josipina Urbančič, genannt Turnograjska kennen. Das Paar heiratete 1853 und lebte bis zum frühen Tod von Josipina in Graz. Lovro Toman kehrte in seine Heimat zurück und lebte abwechselnd in Kamna Gorica und auf Schloss Thurn bei Preddvor. Im Jahr 1863 ging Toman seine zweite Ehe mit Luiza Altmann (1842 bis 1937) ein. 1865 zog das Ehepaar nach Ljubljana um.[2]

Lovro Toman starb 1870 nach einer schweren Erkrankung in Rodaun bei Wien. Er wurde im Familiengrab in Kamna Gorica bestattet.[3]

Würdigung

Lovro Toman wird in der wissenschaftlichen und politischen Wahrnehmung als ein bedeutender Wegbereiter für die Entwicklung des slowenischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert erinnert. So war er noch als Student maßgeblich beteiligt am ersten öffentlichen Hissen einer slowenischen Fahne in den Farben der heutigen Trikolore in Ljubljana am 7. April 1848.[4] Als Abgeordneter im Krainer Landtag setzte er sich gemeinsam mit J. Bleiweis 1861 mit Erfolg dafür ein, dass alle Debatten und Protokolle zweisprachig auf Deutsch und Slowenisch geführt werden sollten. Toman hatte durch sein 1861 veröffentlichtes Gedicht mit dem Titel "Mar i bor" Anteil an der Verbreitung des vom Dichter Stanko Vraz in den 1830er Jahren erdachten slawischen Kunstnamens Maribor für das damalige Marburg an der Drau.[5]

Gedächtnis

In Maribor erinnert die Tomanova ulica an Lovro Toman.

Einzelnachweise

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