Luby

Stadt in Tschechien From Wikipedia, the free encyclopedia

Luby (deutsch Schönbach) ist eine Stadt im Okres Cheb im Karlovarský kraj in Tschechien. Die Stadt gehört zum Musikwinkel und ist ein Zentrum des Geigenbaus. Historisch gehörte es altböhmischen Elbogener Kreis.

Schnelle Fakten Basisdaten, Verkehr ...
Luby
Wappen von Luby
Luby (Tschechien)
Luby (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Cheb
Fläche: 3069,3991[1] ha
Geographische Lage: 50° 15′ N, 12° 24′ O
Höhe: 518 m n.m.
Einwohner: 2.194 (1. Jan. 2023)[2]
Postleitzahl: 351 37
Kfz-Kennzeichen: K (alte CH)
Verkehr
Bahnanschluss: Tršnice–Luby
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimir Vorm (Stand: 2022)
Adresse: Nám. 5.května 164
351 37 Luby
Gemeindenummer: 554634
Website: www.mestoluby.cz
Lage von Luby im Bezirk Cheb
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Geographie

Typische Landschaft in der Umgebung der Stadt, aufgenommen 2009 vom Aussichtsturm in Horní Luby (Ober Schönbach)

Luby liegt im böhmischen Teil des Vogtlandes, an der Grenze zu Sachsen. Die Straße von Wernitzgrün nach Luby ist seit August 2008 auch im Bereich der Staatsgrenze wieder für Kraftfahrzeuge geöffnet.

Gemeindegliederung

Die Stadt Luby besteht aus den Ortsteilen Dolní Luby (Unterschönbach), Horní Luby (Oberschönbach), Luby (Schönbach) und Opatov (Absroth).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Luby, Flusárna (Flußhäuser), Horní Luby, Luby, Luby II, Opatov, Výspa (Dürrengrün) und Zálubí (Egetten).[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralgemeinden Dolní Luby, Horní Luby, Luby, Luby II, Opatov u Lubů und Výspa.[5]

Nachbarorte

Markneukirchen, Bad Brambach Kraslice (Graslitz)
Plesná (Fleißen) Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Krajková (Gossengrün)
Nový Kostel (Neukirchen)

Geschichte

Rathaus
Stadtkirche neben dem Rathaus
Straße zum Stadtzentrum
Schulgebäude
1927 enthülltes Denkmal für die Zunft der Instrumentenmacher der Stadt

Im Mittelalter galt Schönbach als Zentrum des Schönbacher Ländchens (vergleiche auch Ascher Ländchen). Als Besitzer waren das Kloster Waldsassen und die Familie von Sparneck mit dem Burggrafen von Eger Rüdiger von Sparneck bekannt.

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts ist in Oberschönbach (Horní Luby) der Abbau von Quecksilbererzen, insbesondere von Zinnober, belegt. Schönbach wurde am 9. Januar 1319 durch König Ludwig IV. zur Stadt erhoben, erhielt einen Wochenmarkt und wurde mit dem Stadtrecht nach dem Vorbild von Eger ausgestattet.[6] Unter dem Zisterzienser-Abt Franz Kübel wurde es zusammen mit dem umgebenden Schönbacher Ländchen 1348 vom Kloster Waldsassen dem Burggrafen Rüdiger von Sparneck verkauft.

Vor allem um das 16. Jahrhundert galt die Lagerstätte als bedeutendste Mitteleuropas. Im Jahr 1536 arbeiteten über 200 Bergleute in mehreren Gruben, die Jahresproduktion betrug 13,5 Tonnen Zinnober. Während des Dreißigjährigen Krieges kam der Bergbau vollständig zum Erliegen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Gerichtsbezirk Wildstein im Bezirk Eger. 1897 wurde Schönbach in einer Publikation als „Österreichs Cremona“ bezeichnet. 1929 waren im Instrumentenbau rund 1500 Einwohner beschäftigt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt Schönbach 4770 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 4269 und am 22. Mai 1947 2176 Einwohner.

Aufgrund des Münchner Abkommens von 1938 wurde der Ort dem Deutschen Reich angegliedert und gehörte zum Landkreis Eger, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Als Adolf Hitler am 3. Oktober 1938 von seiner Fahrt durchs annektierte Sudetenland heimkehrte, benutzten er und sein Konvoi den aufgelösten Grenzübergang Schönbach/Wernitzgrün.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die überwiegend deutschböhmische Bevölkerung vertrieben. 1600 Schönbacher siedelten sich in Bubenreuth bei Erlangen an,[7] das seither als ein weiteres Zentrum des Geigenbaus neben Mittenwald in Oberbayern und Markneukirchen im vogtländischen Musikwinkel gilt.

In Luby wurden weiterhin Musikinstrumente hergestellt. 1968 wurde ein neues Werk hierfür fertiggestellt. Auch nach der Samtenen Revolution gab es in Luby Instrumentenbauer. Im Juni 2005 wurde die 1873 gegründete Geigenbauschule geschlossen und nach Cheb verlegt. Im Rathaus von Luby wurde 2019 eine Ausstellung mit historischen Musikinstrumenten eröffnet, die zum Museum Cheb gehört.[8]

Einwohnerentwicklung

Bis 1945 war Schönbach überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
18470960in 112 Häusern[9]
18692640
18802967
18903639
19004180deutsche Einwohner[10]
19104890
19214511davon 4421 Deutsche[11]
19304770[12]
19394268[12]
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Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr19501961 11970 21980 21991 22001 22011 2
Einwohner2244225225512644250924782197
1 
Luby mit Dolní Luby, Horní Luby und Opatov
2 
Luby mit Dolní Luby, Horní Luby, Opatov und Výspa

Söhne und Töchter der Stadt

Patenschaft und Partnerschaft

1956 übernahmen Heppenheim (Bergstraße) und Bubenreuth die Patenschaft. 2016 wurde dies von Bubenreuth, auch aufgrund der gemeinsamen musikalischen Geschichte, um eine Gemeindepartnerschaft erweitert.[13]

Literatur

  • Rafael Engl: Österreichs Cremona: Ein kurzgefasster Überblick über die Entstehung, Weiter-Entwicklung, sowie über die gegenwärtige Bedeutung der Musikinstrumenten-Industrie in der Stadt Schönbach bei Eger in Böhmen. 1897, Digitalisat.
  • Karl Mädler: „Die Musikinstrumenten-Industrie in Schönbach“, in: Unser Egerland, Heft 6–7, 1916, S. 53–56.
  • Sonja Neudörfer: Tradiertes Erfahrungswissen und arbeitsteilige Produktionsnetzwerke: der Schönbacher Geigenbau im 19. und 20. Jahrhundert. Shaker, 2007, ISBN 978-3-8322-6285-3.
  • Sonja Petersen: „Von Schachtelmachern, Stegschnitzern und Wirbeldrehern. Rationalisierung des Geigenbaus im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Technikgeschichte, Bd. 80 (2013) H. 2, S. 115–139, PDF
  • Jiří Pátek (Hrsg.): Aus der Geschichte des Egerländer Geigenbaus, Odborná houslařská škola / Integrovaná střední škola - Houslařská škola, Cheb 2014, ISBN 978-80-260-7712-1.

Einzelnachweise

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