Luigi Garzi
italienischer Maler
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Luigi Garzi (* 28. Juni 1638 in Rom; † 2. April 1721 ebenda) war ein italienischer Maler des Barock und des frühen Rokoko. Er war vornehmlich in Rom tätig und gilt als wichtiges Bindeglied zwischen der Malerei des 17. und des 18. Jahrhunderts.[1]

Leben
Luigi Garzi wurde am 28. Juni 1638 in der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom getauft. Sein Vater Stefano stammte aus Pistoia und war der Sohn des Florentiner Goldschmieds Zanobi. Seine Mutter Caterina Carretti stammte aus Pisa. Die Eltern hatten im August 1637 in Rom geheiratet. Seit 1644 wohnte Garzi im Haus des flämischen Malers Vincent Adriaenssen, genannt Manciola, und dessen Bruder Antonio in der Via Paolina, der heutigen Via del Babuino. Als Adriaenssen 1646 auf Empfehlung Nicolas Poussins nach Paris reiste, um im Auftrag von Chantelou mehrere Bilder für die neue Galerie des Louvre zu malen, überließ er sein Haus dem Antwerpener Landschaftsmaler Salomon Backlé, genannt Boccali. Luigi Garzi war dessen Schüler bis 1658.[1][2]
Vermutlich auf Empfehlung seiner beiden flämischen Lehrer begann Luigi Garzi um 1650 eine Ausbildung bei Andrea Sacchi. Dieser teilte sein Haus an Sant'Andrea delle Fratte mit italienischen und flämischen Malern und nahm Künstler wie Poussin sowie Schüler wie Agostino Scilla, Carlo Maratta, Giacinto Gimignani und Filippo Lauri in sein Atelier auf. Sacchi führte Garzi in die Malerei von Raffael, Domenichino, Annibale Carracci, Giovanni Lanfranco und Mattia Preti ein. Die klassizistischen Strömungen beider Traditionen – der italienischen wie der flämischen – blieben prägende Bezugspunkte für sein Schaffen. Bis zu dessen Tod im Jahr 1675 pflegte Garzi Kontakt zu Vincent Adriaenssen, der ab 1662 erneut in der Via del Babuino wohnte.[1]

Im Mai 1664 gewann Luigi Garzi den zweiten Preis des Malerei-Wettbewerbs der Accademia di San Luca für die Zeichnung Das Opfer des Numa Pompilius, sein erstes überliefertes Werk. Er ist im Jahr 1666 erstmals als Maler im Kirchenbuch von San Lorenzo in Lucina verzeichnet. Am 25. Juli 1669 heiratete er die Römerin Caterina Flaminia Corsini. Am 31. August 1670 wurde er gemeinsam mit Abraham Brueghel zum Accademico di San Luca gewählt. In der Folge übernahm Luigi Garzi verschiedene Ämter der Akademie, darunter die des Verwalters, Beraters und Malereilehrers sowie des Schätzers. 1682 wurde er schließlich zum Principe gewählt.[1]
Um 1679 trat Luigi Garzi der Arciconfraternita di San Maria della Pietà in Campo Santo bei, deren Mitglieder überwiegend aus Deutschland und Flandern stammten. Er wohnte zeitweise in der Via del Gambero und zwischen 1687 und 1692 in der Via Condotti. Im Jahr 1682 erwarb er ein Haus im Rione Ripa für 180 Scudi; 1709 folgte ein Landgut bei der Porta San Lorenzo.[1]
In den 1690er Jahren hielt sich Luigi Garzi wiederholt in Neapel auf. Unter anderem führte er auf Anregung des Vizekönigs Luigi de la Cerda, Herzog von Medinaceli, Gemälde für die Galerien des Palazzo Cellamare und des Palazzo Reale aus. Ende 1700 kehrte er nach Rom zurück. Luigi Garzi starb am 2. April 1721 in Rom und wurde in der Kirche San Lorenzo in Lucina beigesetzt. Sein Sohn Mario Garzi, geboren 1672 und gestorben 1714, war ebenfalls Maler und wurde von ihm ausgebildet.[1]
Werk

Seine ersten bedeutenden öffentlichen Aufträge erhielt er zwischen 1674 und 1679: Für Santa Marta malte er die Drei Marien am Grabe, für Santa Croce in Gerusalemme die Darstellung Papst Silvester und Kaiser Konstantin und für Santa Maria ad Martyres einen David, der in der Cappella dei Virtuosi dokumentiert ist – deren Kongregation er angehörte. Diese Werke verraten mit ihren ausgeprägten Lichtkontrasten den Einfluss Lanfrancos. Im Jahr 1671 arbeitete er gemeinsam mit Maratti, Lazzaro Baldi und Niccolò Berrettoni an dem Zyklus des Heiligen Filippo Benizi im Konvent San Marcello al Corso. Seine Gemälde orientieren sich am von Sacchi zwischen 1640 und 1650 im Lateranbaptisterium vorgegebenen Schema der Historienmalerei. Von besonderer Bedeutung war seine Beteiligung an der Neudekoration der Seitenschiffgewölbe und des Chorumgangs von San Carlo al Corso zwischen 1678 und 1681 unter der Leitung von Giacinto Brandi. Am 6. September 1682 vollendete er gemeinsam mit Filippo Lauri die Ausmalung des Piano nobile im Palazzo Cenci mit der Darstellung Apollos auf dem Sonnenwagen.[1]
Das Bild Heiliger Gregor von Nazianz wurde zwischen 1686 und 1687 für die Kirche Santa Maria della Concezione in Campo Marzio geschaffen. Am 19. Oktober 1686 vollendete Garzi gemeinsam mit Carlo Fontana, Maratti und Daniele Seiter die Dekoration der von Kardinal Alderano erneuerten Cappella Cybo in Santa Maria del Popolo. Mit seinem Gottvater in der Glorie, der sich auf die Fresken Lanfrancos in San Carlo ai Catinari bezieht, zählt Garzi zu den bedeutendsten Kuppeldekorateuren. Er zählte zu den gefragtesten Künstlern Roms und beeinflusste spätere Künstler des 18. Jahrhunderts wie Sebastiano Conca und Corrado Giaquinto.
In Neapel schuf er zwischen 1695 und 1697 in der Kirche San Caterina a Formiello Gewölbefresken, die das Radwunder der heiligen Katharina, ihre mystische Vermählung und ihre Ekstase darstellen. Auf der Innenfassade malte er das signierte und datierte Wunder der heiligen Katharina von Siena. Die Malereien dieser Kirche stehen in engem Zusammenhang mit dem Gewölbefresko der Heiligen Katharina in der Glorie in San Caterina a Magnanapoli in Rom. Sie zeigen eine einheitlich helle Farbgebung, die ganz dem Stil des 18. Jahrhunderts entspricht, und greifen Gedanken Marattis auf.[1]
Zwischen 1704 und 1707 entstanden das Altarbild Madonna mit Kind und dem heiligen Gerontius für den Dom in Cagli, die Glorie des heiligen Franziskus für San Maria dell’Orto sowie die gemeinsam mit Luigi Calandrucci ausgeführten Fresken der Tribuna in San Paolo alla Regola in Rom. 1710 malte er das Hauptaltarbild für die Kirche Santi Venanzio e Ansano dei Camerinesi. 1712 vollendete er die Kuppeldekoration der Cappella Sacripanti in der Kirche Sant’Ignazio mit der Darstellung der Glorie des heiligen Joseph. 1715 malte er schließlich das Altarbild für das Oratorium Santa Maria in Traspontina. Zudem beteiligte er sich an der Freskendekoration des Chors der Kartäuser in der Kirche Santa Maria degli Angeli. Im Jahr 1718 malte er unter Papst Clemens XI. den von Lanfranco beeinflussten Joel im Zyklus der Propheten im Mittelschiff von San Giovanni in Laterano. Sein letztes bekanntes Werk war das im Jahr 1720 entstandene Fresko mit dem Heiligen Franziskus in der Glorie in der römischen Kirche Sacre Stimmate.[1]
Luigi Garzi arbeitete, wie es damals üblich war, mit anderen Spezialisten zusammen, darunter die Architekturmaler Antonio Viviani, Viviano Codazzi und Pietro Francesco Garoli, der Blumenmaler Karel van Vogelaer sowie der Landschaftsmaler Jan Frans van Bloemen. Bemerkenswert sind auch seine miniaturhaften Landschaften, die auf Poussin und Giovanni Francesco Romanelli verweisen und auch in Gemälden religiösen Charakters anzutreffen sind. Garzis Erfolg bezeugen seine zahlreichen Werke in den bedeutendsten Privatsammlungen seiner Zeit, darunter jene der Familien Albani, Ottoboni, Costaguti und Imperiali.[1]
Literatur
- De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Berlin, seit 2009.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 5: Dyck – Gémignani. Paris, 2006.
- Garzi, Luigi. In: Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 13: Gaab–Gibus. E. A. Seemann, Leipzig 1920.
- Lione Pascoli: Vite de' pittori, scultori, ed architetti moderni. Bd. 1, Rom 1730.
- Filippo Titi: Descrizione delle pitture, sculture e architetture esposte in Roma. Rom 1763.
- Giovan Battista Hoogewerff: Bescheiden in Italië omtrent Nederlandsche kunstenaars en geleerden. Bd. 2, Den Haag 1913.
- Didier Bodart: In: Bulletin de l'Institut Historique Belge de Rome. Brüssel/Rom 1967.
- Valentino Martinelli, Adriano Marabottini (Hrsg.): Lione Pascoli, Vite de' pittori…. Perugia 1992.
- Giancarlo Sestieri: Repertorio della pittura romana della fine del Seicento e del Settecento. Bd. 1, Turin 1994.
- Elena Fumagalli: Palazzo Borghese. Committenze e decorazione privata. Rom 1994.
- Sandra Loire (Hrsg.): La collection Lemme. Tableaux romains des XVIIe et XVIIIe siècles. Paris 1998.