Lukoil

russischer Mineralölkonzern From Wikipedia, the free encyclopedia

Lukoil (eigene Schreibweise LUKOIL, russisch ЛУКОЙЛ) ist ein russischer Mineralölkonzern. Das heute international aufgestellte Unternehmen ist im RTS Index gelistet. In den Forbes Global 2000 der weltgrößten Unternehmen belegt Lukoil Platz 98 (Stand: GJ 2017). Das Unternehmen kam Anfang 2018 auf einen Börsenwert von über 60 Mrd. USD.[3]

Schnelle Fakten russisch ЛУКОЙЛ) ...
LUKoil (russisch ЛУКОЙЛ)
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Rechtsform PAO (Öffentliche Aktiengesellschaft)
ISIN US6778621044 (ADR)
Gründung 1991
Sitz Moskau, Russland Russland
Leitung
  • Vorstandsvorsitz: vakant
  • Vorsitzender des Aufsichtsrats: unklar
Mitarbeiterzahl 102,424 (2022)[1]
Umsatz 125,135 Mrd. US-Dollar (2022)[2]
Branche Öl und Gas
Website lukoil.com (englisch, russisch)
Stand: 31. Dezember 2022
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Eine Lukoil-Tankstelle in Tula
Eine Lukoil-Tankstelle in den USA

Zu den Kernaufgaben von Lukoil gehören die Förderung und Produktion von Erdöl und Erdgas sowie die Herstellung und Vermarktung von Mineralölprodukten. Die geografischen Schwerpunkte liegen in Westsibirien, der Timan-Petschora-Region und der Jamal-Region. Ende Oktober 2012 beantragte der Konzern eine Genehmigung für eine geologische Exploration in der Arktis (Fläche von rund 135.000 Quadratkilometern).[4]

Laut Wall Street Journal-Berichten Ende 2024 sollte Lukoil mit Rosneft Oil und Gazprom Neft fusionieren.[5]

Positionierung auf dem Markt

Lukoil förderte im Jahr 2014 pro Tag 2,31 Millionen Barrel Öl und Gas. Der Konzern verfügte zu diesem Zeitpunkt über ein Öläquivalent von 17,6 Milliarden Barrel. Damit lag er weltweit auf Platz zwei, nach ExxonMobil und vor BP. Bei den Rohölreserven übertraf er alle anderen an der Börse gehandelten Unternehmen der Welt. Sie betrugen 16 Milliarden Barrel; das waren 0,4 Prozent der weltweiten Ölreserven.

Auf dem Gelände der ehemaligen Raffinerie Lobau in Wien befindet sich seit Februar 2014 die Europa-Zentrale von Lukoil.[6][7]

Eigentumsverhältnisse

Im Sommer 2022 waren 54,49 % der Unternehmensaktien im Streubesitz. Der größte Anteilseigner ist der Oligarch Leonid Arnoldowitsch Fedun mit 9,32 % der Aktien,[8] hält einen Anteil 0,76 % und Goldman Sachs GQG Partners International Opportunities Fund 0,53 %.[9]

Kennzahlen

Bilanz

Angaben in Mio. Rubel

Aktiva

Weitere Informationen Aktiva ...
Aktiva2017201820192020
Umlaufvermögen 1.308.1141.478.4791.554.1871.276.460
Anlagevermögen 4.099.3114.600.6074.639.5844.782.725
Summe Aktiva 5.295.0155.732.3825.947.0506.025.626
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Passiva

Weitere Informationen Passiva ...
Passiva2017201820192020
Gesamtverschuldung 616.360535.047674.220659.711
Fremdkapital 1.804.6161.658.8561.973.6011.894.860
Eigenkapital 3.490.3994.073.5263.973.4494.130.766
Passiva 5.295.0155.732.3825.947.0506.025.626
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[10]

Umsatz

2021

Einen Großteil (ca. 49 %) seines Umsatzes erzielte der Konzern in der Schweiz mit 4.606.980 Mio. Rubel, gefolgt von verschiedenen Staaten mit ca. 1.110.340 Mio. Rubel (17 %). In Russland erzielte der Konzern 15 % oder 1.041.970 Mio. Des Weiteren wurden mit den USA (680.033 Mio.) und Singapur für 357.647 Mio. Rubel Geschäfte getätigt.

2016

Lukoil wickelte den Großteil (81,9 %) des Umsatzes auf dem internationalen Markt ab. Dabei erzielte das Unternehmen 65 % des Umsatzes mit der Raffination und Verteilung von Erdöl. 2016 verkaufte das Unternehmen 63,1 Mt raffiniertes Erdöl und 119,3 Mt Erdölprodukte und 2016 betrieb die Unternehmensgruppe ein Netz von 5309 Tankstellen weltweit. Gefolgt von der Exploration und Produktion von Kohlenwasserstoffen mit einem Anteil von 29,9 %, sowie der Produktion von Rohöl (2016 belief sich die Produktion auf 676,3 Millionen Barrel) und Erdgas (Produktion 20,3 Milliarden m³);

Minimalen Anteil am Umsatz hat die Produktion von elektrischem Strom mit 1,4 % und die Herstellung von chemischen Produkten (1,4 %). So wurden im Jahr 2016 1,3 Mio. Tonnen hergestellt.

Weitere 2,3 % Umsatz generierte das Unternehmen mit sonstigen Tätigkeiten.[11]

Geschichte

Gründung und Wachstum

Am 25. November 1991 wurde auf Anordnung des Ministerrates der Sowjetunion der staatliche Ölkonzern LangepasUraiKogalymneft (LUKOIL) (ЛангепасУрайКогалымнефть (ЛУКОЙЛ)) aus mehreren kleineren Erdölförder- und -verarbeitungsbetrieben geschaffen. Benannt wurde er nach den drei westsibirischen Städten Langepas, Urai und Kogalym, in deren Gebiet die drei damaligen Haupt- und auch heute noch wichtigen Fördergebiete des Konzerns lagen und liegen. 1993 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter dem nunmehr alleinigen Namen Lukoil und 1994 begann die Privatisierung.

Das Management strebte 2007 ein Joint-Venture mit Gazprom-Neft an, bei welchem Gazprom-Neft eine 51-Prozent-Mehrheit innehat.[12] Bis 2010 befand sich ein Anteil von 20 Prozent bei ConocoPhillips, der in diesem Jahr reduziert werden sollte.[13]

Der Umsatz im Jahr 2013 betrug 141,5 Milliarden Dollar.[14]

Am 8. November 2016 gab Lukoil bekannt, dass es seit seiner Gründung im Jahre 1991 inzwischen 2 Milliarden Tonnen Erdöl gefördert hat. Die Förderung der ersten Milliarde dauerte 15 Jahre (1991 bis 2006) und die der zweiten Milliarde 10 Jahre.[15]

Der Vorstand von Lukoil drückte Anfang März 2022, eine Woche nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, öffentlich »seine Besorgnis über die anhaltenden tragischen Ereignisse in der Ukraine und sein tiefes Mitgefühl für alle von dieser Tragödie Betroffenen aus«. Lukoil war damit das erste große russische Unternehmen, das sich kritisch äußerte und das Ende des Krieges forderte.[16][17]

Lukoil gab am 22. August 2022 die Übernahme des Fußballvereins Spartak Moskau samt dem Stadion bekannt.[18]

Merkwürdige Todesfälle

Im Mai 2022 starb der Lukoil-Manager Alexander Subbotin, angeblich bei einer okkulten Behandlung gegen Alkoholsucht.[19]

Am 1. September 2022 starb der Vorstandsvorsitzende Rawil Maganow bei einem Sturz aus dem sechsten Stock des Moskauer Zentralkrankenhauses.[20][21]

Sein Nachfolger Wladimir Nekrassow starb nach Angaben des Unternehmens am 24. Oktober 2023 an einer „akuten Herzinsuffizienz“.[22]

Im Jahr 2024 wurde der Vize-Präsident von Lukoil in seinem Büro tot aufgefunden.[23]

Entwicklung im Jahr 2025

Weil die USA-Regierung unter Donald Trump Sanktionen gegen Lukoil verhängt hat, befindet sich das Unternehmen im Herbst 2025 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Es muss seine Bilanzen durch den Verkauf ausländischer Töchter, deren Wert mit 14 Milliarden US-Dollar beziffert wird, bis zum 21. November verbessern, was aber nun nicht funktioniert. Ein interessierter Käufer aus der Schweiz war Gunvor, der aber nun abgesprungen ist. Die US-Regierung wirft dem Händler große Nähe zum Kreml und zur Politik Putins vor, mit dem der Krieg gegen die Ukraine unterstützt wird. Wenn ein Verkauf nicht zustande kommt, soll das Lukoil-Kapital den Ländern zur Verfügung gestellt werden, in denen es erarbeitet wird und wo es gelagert ist.[23]

Lukoil-Ölproduktion nach Region in Millionen Tonnen

Im Jahr 2015 stieg die Erdölproduktion um 3,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahr und erreichte mit 100,7 Millionen Tonnen (736 Millionen Barrel) die bisher größte Menge in der Firmengeschichte. 2016 sank die Fördermenge deutlich auf 91,99 Millionen Tonnen. Der Grund dürfte der Rückgang von 3,17 Millionen Tonnen in West-Sibirien sein, jedoch vor allem ein massiver Rückgang der Internationalen Förderung bzw. des irakischen „compensation oil“. Dazu kommt eine verspätete Reaktion auf die OPEC-Maßnahmen zur Senkung des Preises, welche alle russischen Ölförderer betrafen.

Weitere Informationen Region ...
Region20122013201420152016
Westsibirien49,2148,2146,8444,2141,04
Ural13,6514,0914,6915,1315,36
Wolga3,836,056,947,057,23
Timan-Petschora-Ölfeld15,6315,2315,9517,3317,72
Andere in Russland1,901,901,911,901,84
International5,625,3310,8815,088,82
Quelle[24] (Erdölproduktion in Millionen Tonnen pro Jahr)
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Die Ölförderung des Unternehmens stieg von 2004 bis 2009 um über 10 Prozent. 2011 jedoch sank die Fördermenge des Unternehmens, v. a. in Russland spürbar. Die internationale Förderung sank ebenfalls, macht aber nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion aus. Lukoil zufolge liegt der Rückgang 2011 einerseits an der Erschöpfung einiger Felder in Sibirien, andererseits daran, dass die modernsten Fördertechnologien an vielen Förderanlagen installiert werden, während dieser Zeit dann dort nicht gefördert wird. Die Förderrate hatte sich laut Lukoil in der zweiten Jahreshälfte 2011 in West-Sibirien wieder erholt.

Lukoil hat in den 2010er und 2020er Jahren viele neue kleine Felder für die Erdöl- sowie Erdgasproduktion erschlossen.

Ursprünglich sollte Lukoil gemeinsam mit dem norwegischen Konzern Statoil das irakische West Qurna-Ölfeld, eines der weltweit größten Erdölfelder, erschließen und langfristig die Produktion massiv erhöhen. Statoil verkaufte seine 18,75 Prozent Anteile jedoch und LUKOil sicherte sich diese, womit das Unternehmen 75 Prozent der Anteile besitzt und das irakische staatliche Ölunternehmen 25 Prozent. Wegen der Größe des Feldes ist es in mehrere Projekte aufgeteilt. LUKoil hat Anteile an der „Phase II“. Dieser Teil des Feldes produzierte im Januar 2017 etwas über 400.000 Barrel Erdöl täglich.[25]

Mittels eines ehrgeizigen irakischen Planes rückte im Mai 2018 das West Qurna-2-Ölfeld wieder in das Interesse der Medien. Die staatliche Basra Oil Company mit ihren 25 Prozent sowie Lukoil mit 75 Prozent der Anteile wollen bis zum Jahr 2025 die Produktion auf 800.000 Barrel täglich verdoppeln. In einem ersten Schritt jedoch soll die Förderung bis 2020 zunächst auf 480.000 Barrel täglich gesteigert werden.[26] Im Jahr 2015 erhielt Lukoil 10,558 Millionen Tonnen „compensation oil“ für die Investitionen zur Erschließung des Feldes. In der Phase II konnten über 20 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr 2015 gefördert werden. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2016 sanken die Lieferungen auf 4,477 Millionen Tonnen.[27] Die Allianz, die nur noch aus Lukoil bestand, sollte 1,15 US-Dollar je produziertem Barrel erhalten sowie eine Entschädigung für die enorm hohen Kosten der Erschließung sowie den Bau der Infrastruktur.[28]

Ausländische Produktion soll zukünftig eine wesentlich größere Rolle spielen, so gab es Verhandlungen mit dem Iran, ebenso wie mit zahlreichen anderen ölreichen Staaten. Die Erdgasförderung wurde ebenfalls gesteigert, auch hier finden große Teile im Ausland wie z. B. Usbekistan statt. Beim Erdöl setzt die Konzernleitung ebenfalls auf ehemalige Sowjetrepubliken, etwa Aserbaidschan und Kasachstan.

2016 sank die Förderung von Lukoil auf 92,0 Millionen Tonnen, darunter 83,177 Millionen Tonnen aus russischen Ölfeldern. Laut Firmenangaben waren es 2015 noch 100,7 Millionen Tonnen gewesen. Die Erdgasproduktion stieg 2016 dagegen leicht auf 20,3 Milliarden Kubikmeter.

Ölraffinerien und petrochemische Anlagen

Lukoil Neftochim im bulgarischen Burgas ist die größte Raffinerie Südosteuropas

Lukoil besitzt sieben ölverarbeitende Unternehmen, darunter jeweils ein Werk in Rumänien, Bulgarien, Italien sowie in den Niederlanden mit einer Gesamtkapazität von 82,1 Millionen Jahrestonnen (Stand: Ende 2016). Es hält 49 % Anteil des ISAB Raffinerie-Komplexes in Sizilien sowie 45 % der Anteile der TRN-Raffinerie in den Niederlanden:[29]

Weitere Informationen Staat, Name ...
StaatNameOrtGebautv. Lukoil erworbenKapazität, mln tpa
RusslandRusslandLukoil-NischegorodnefteorgsintesKstowo1958200015,0
RusslandRusslandLukoil-PermnefteorgsintesPerm1958199112,0
RusslandRusslandLukoil-WolgogradneftepererabotkaWolgograd1957199109,9
RusslandRusslandLukoil-UchtaneftepererabotkaUchta1934200003,7
UkraineUkraineLukoil-Odesski NPSOdessa1937199903,6
BulgarienLUKOIL Neftochim BurgasBurgas1964199907,5
RumänienPetrotel-LukoilPloiești1904199802,4
ItalienItalienISABPriolo Gargallo19752008*16,0*
NiederlandeNiederlandeTRNVlissingen19732009*07,9*
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* – 49 % und 45 % der Anteile

Lukoil Neftechim betreibt mehrere petrochemische Werke in Budjonnowsk (Stawrolen), Saratow (Saratoworgsintes) und Kalusch (Karpatneftechim).

Beteiligungen

Seit Dezember 2018 ist Lukoil mit 5 % an der Ghasha-Konzession (auch Hail & Ghasha sour gas fields) in Japan[30][31] im Persischen Golf westlich von Abu Dhabi vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beteiligt, dem weltweit größten Offshore-Projekt zur Sauergas-Förderung; es investierte zunächst 190 Mio. US-Dollar als Unterzeichnungsgebühr und soll mit seinem Anteil jährlich etwa 300.000 Tonnen Öl und 730 Mio. Kubikmeter Gas produzieren.[32]

Im Oktober 2025 verhängten die USA Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft, die Lukoil dazu zwingen seine internationalen Beteiligungen zu verkaufen. Im November 2025 unterbreitete Gunvor ein Angebot über 22 Milliarden US-Dollar zur Übernahme der internationalen Vermögenswerte von Lukoil, darunter Ölraffinerien in Rumänien und Bulgarien, Tankstellen in Europa und den USA sowie Öl- und Gasförderung im Nahen Osten, Zentralasien und Afrika. Das Angebot wurde jedoch zurückgezogen, nachdem die USA erklärten, sie würden einen solchen Deal blockieren.[33]

Am 4. November 2025 erklärte Lukoil, dass es aufgrund "höherer Gewalt" erwägt seine 75%ige Beteiligung am irakischen Ölfeld "West Qurna 2", einem der größten Erdölfelder der Welt, zu verkaufen. Der Irak stellte daraufhin umgehend sämtliche Zahlungen an Lukoil ein. Das Ölfeld produzierte zu dem Zeitpunkt rund 480.000 Barrel pro Tag.[34]

Commons: LUKOIL – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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