Lüdersen

Ortsteil von Springe From Wikipedia, the free encyclopedia

Lüdersen ist eine Ortschaft in der Stadt Springe in Niedersachsen. Sie trägt den Beinamen „Bergdorf“.

Schnelle Fakten Stadt Springe ...
Lüdersen
Stadt Springe
Wappen von Lüdersen
Koordinaten: 52° 15′ N,  40′ O
Höhe: 101 (87–152) m ü. NHN
Fläche: 5,27 km²[1]
Einwohner: 999 (1. Jan. 2025)[2]
Bevölkerungsdichte: 190 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31832
Vorwahl: 05045
Lüdersen (Niedersachsen)
Lüdersen (Niedersachsen)
Lage von Lüdersen in Niedersachsen
St. Marienkirche
St. Marienkirche
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Geografie

Lüdersen liegt im Nordosten des Stadtgebietes von Springe. Während die Dörfer der heutigen Region Hannover zumeist in Bachtälern entstanden, ist das am Osthang des Süllbergs gelegene Lüdersen das einzige Bergdorf. An mehreren Stellen bietet sich daher ein reizvoller Ausblick auf die historische Landschaft des Calenberger Landes bis nach Hannover. An Tagen mit guter Fernsicht, kann man den höchsten Berg des Harzes, den Brocken, klar sehen. Der Ort liegt innerhalb der Calenberger Lössbörde mit fruchtbaren Ackerböden.

Lüdersen ist Teil der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen.

Geschichte

Erste menschliche Spuren im Gebiet um Lüdersen stammen aus der Jungsteinzeit.

Der Ort Lüdersen wurde erstmals als Luidgereshem in einer nicht mehr erhaltenen Urkunde des Bischofs Milo von Minden (969–996) erwähnt. Die Namensendung „-hem“ = „heim“ lässt darauf schließen, dass der Ort wahrscheinlich bereits im 5. bis 7. Jahrhundert existierte. Der Name änderte sich im Laufe der Zeit in Ludershusen (1252), Ludersen (1424) und in das heutige Lüdersen.

Im 11. Jahrhundert gehörte Lüdersen zum Herzogtum Sachsen. Innerhalb des Herzogtums gehörte das Gebiet zum Teil Engern.

12. bis 18. Jahrhundert

Nach der Verhängung der Reichsacht über Heinrich den Löwen im Jahr 1180, stritten sich die Welfen und die Bischöfe von Minden und Hildesheim um das Land westlich von Hannover. Das Gebiet wurde in der Folgezeit von den Grafen Hallermund beherrscht. Ab 1292 wurde das Gebiet wieder von den Welfen beherrscht.

Anfang des 14. Jahrhunderts häufte das von den Grafen Hallermund gegründete Zisterzienserkloster Loccum gezielt Landbesitz in Lüdersen, da sich in Lüdersen auch in der Zeit einer beginnenden landwirtschaftlichen Krisenzeit Landausbau noch lohnte. Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg und Göttingen als Patronatsherr überwies seinerzeit sein Recht samt seinen Besitzungen in Lüdersen an das Zisterzienserkloster Loccum. Die Eingliederung fand um 1380 statt.

Die Verwaltung erfolgte durch einen vor Ort lebenden Klosterbruder. Anderer wesentlicher Landeigentümer war das Kloster Fischbeck. Die Grundherren legten kein Salland mehr an, sondern forderten von den Bauern nur noch Abgaben und relativ wenige Dienste. In dieser Zeit begann sich das Meierrecht in der Gegend durchzusetzen. Die Bauern wurden dazu aus der Leibeigenschaft entlassen.

Das Kloster Loccum hatte 1363 die Güter zu Lüdersen, Gestorf und Hüpede an die von Berkensen auf Wiederkauf verkauft. Im Jahre 1417 löste es die auf Wiederkauf verkauften Güter zu Lüdersen, Gestorf und Hüpede gegen den Widerstand der von Berkensen wieder ein.

In dieser Zeit wurden viele Dörfer im Calenberger Land aufgegeben. So zum Beispiel auch das ursprünglich zwischen Lüdersen und Holtensen gelegene Dorf Weningreder (Wenningrode). Das Dorf wurde erstmals 1269 und letztmals 1346 erwähnt. Bei Holtensen erinnert die Flurbezeichnung Wenningröder Feld noch an die Wüstung. Weitere aufgegebene Kleindörfer in der näheren Umgebung waren Stamsdorf und Disber.

Im Verlauf der Hildesheimer Stiftsfehde brannte Lüdersen im Jahre 1520 ab. Die Kirche blieb verschont.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wütete in den Jahren 1625/1626 die Pest im Calenberger Land. 1689 hatte Lüdersen 195 Einwohner. Es bestanden 35 bewirtschaftete Hofstellen (inkl. der Küsterei).

Seit dem 19. Jahrhundert

Lüdersen gehörte zur 1816 neu gegründeten Landdrostei Hannover im Königreich Hannover. Die Landdrosteien wurden als Mittelbehörden im Königreich gebildet.

Die Grundherrschaft des Klosters Loccum über das Land der Bauern endete um 1850 durch eine Ablösung. Lüdersen wurde 1852 im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform Bestandteil des Amtes Calenberg. 1866 wurde Lüdersen durch die Annexion des Königreich Hannover Teil der preußischen Provinz Hannover. 1885 wurde Lüdersen Teil des neu gebildeten Kreises Springe.

Lüdersen gehörte 1945 zur britischen Besatzungszone. Am 1. März 1974 gab im Rahmen einer Gemeindereform die bis dahin selbständige Gemeinde Lüdersen ihre Selbständigkeit auf und wurde ein Stadtteil der Stadt Springe.[3] Da der Landkreis Springe gleichzeitig aufgelöst wurde, wurde Lüdersen ein Teil des Landkreises Hannover. Seit 2001 gehört Lüdersen zur Region Hannover.

Einwohnerentwicklung

  • 1689: 0195 Einwohner
  • 1861: 0408 Einwohner
  • 1910: 0428 Einwohner
  • 1925: 0391 Einwohner
  • 1933: 0373 Einwohner
  • 1939: 0379 Einwohner
  • 1961: 0882 Einwohner[3]
  • 1964: 0850 Einwohner
  • 1970: 1130 Einwohner[3]
  • 2003: 1014 Einwohner
  • 2004: 1015 Einwohner
  • 2006: 0988 Einwohner
  • 2007: 0990 Einwohner
  • 2008: 0983 Einwohner
  • 2009: 0986 Einwohner
  • 2011: 0970 Einwohner
  • 2013: 0969 Einwohner
  • 2014: 0991 Einwohner
  • 2015: 1001 Einwohner
  • 2017: 1012 Einwohner
  • 2019: 999 Einwohner
  • 2022: 1016 Einwohner

Politik

Am 13. Januar 1946 wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters, Friedrich Baumecker, der SPD-Ortsverein Lüdersen gegründet. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in dem vorwiegend bäuerlich geprägten Dorf keine Grundlage für die SPD. Am 1. Juni 1972 wurde der Ortsverband der CDU gegründet.

Ortsbürgermeister

Ortsbürgermeisterin ist Ursel Postrach (SPD).

Wappen

Das Wappen wurde am 15. Januar 1949 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „In Gold über grünem Dreiberg ein rotbewehrter, springender, schwarzer Wolf.“

Die drei Berge sind der Süllberg, der Wolfsberg und der Vörier Berg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler

Sankt-Marien-Kirche

Das älteste Gebäude Lüdersens ist die unter Denkmalschutz stehende St.-Marien-Kirche. Der Turm wurde entweder um die Jahre 1060 oder 1100 als Wehrturm mit Hocheingang erbaut.[4]

Um 1250 (vermutlich 1252) wurde der ältere Teil des Kirchenschiffes gebaut. Die Kirche liegt außerhalb des Kerndorfes aus wahrscheinlich vorchristlicher Zeit. Erst im späten Mittelalter wuchs das Dorf um die Kirche herum. Gemäß einer Urkunde aus dem Jahre 1302 gehörte die Lüderser Kirche zu diesem Zeitpunkt zum Archidiakonat Pattensen. Der an das Kloster Loccum zu errichtende Korn-Zins wurde auf dem Boden des Leichenhauses gelagert.

1497 wurde die Kirche um den 8 m langen Chor erweitert. In den 1540er Jahren setzte sich die Reformation in Lüdersen durch. 1588 wurden Lüdersen und Bennigsen zu einer Pfarre verschmolzen.

Im Jahr 1744 erhielt die Kirche eine erste Glocke. Die zweite Glocke kam 60 Jahre später hinzu. 1787 wurde der noch heute genutzte Taufengel in der St.-Marien-Kirche erstmals erwähnt. Die Kirche erhielt 1812 eine erste Orgel. 1871/72 wurde die Kirche im neugotischen Stil renoviert. Im Rahmen weiterer Umbaumaßnahmen verschwand das Leichenhaus; der Eingang wurde verlagert.

Bunker

Atombunker Lüdersen

1966 wurde der atombombensichere Fernmeldebunker der Bundeswehr am Rand des Süllbergs errichtet. Er war bis zum Jahr 1996 in Betrieb.[5] Im Januar 2008 erwarb die Firma Sapiensis aus Hannover die ehemalige „Grundnetzschalt- und Vermittlungsstelle (GSVBw 21)“ mit ihrem unterirdisch gelegenen Atombunker Lüdersen am Rand des Süllbergs. Der Verein Vorbei e. V. hat der unter Denkmalschutz stehenden Anlage ein virtuelles Museum gewidmet.[5]

Sonstige

Lüdersen wurde 1998 Kreissieger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden.

Vereine

Im Jahre 1973 wurde die Dorfgemeinschaftshalle (heute: Bergdorfhalle) errichtet. Im selben Jahr wurde die „Sportgemeinschaft Lüdersen“ gegründet.

Die Bergbühne Lüdersen wurde im Jahre 1978 gegründet. Im Rahmen des 25-jährigen Vereinsbestehens der Bergbühne fanden 2003 in Lüdersen und Springe die „Niedersächsischen Amateurtheatertage“ statt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Es gibt folgende regelmäßige Veranstaltungen:

  • Osterfeuer
  • Aufstellen des Maibaumes
  • Sommertheater der Bergbühne
  • Dreiakter-Aufführungen der Bergbühne im Herbst
  • Laternenumzug des DRK-Ortsvereins und der Freiwilligen Feuerwehr

In Lüdersen gibt es eine regelmäßig erscheinende Zeitung, die Bergpost, mit Informationen zum aktuellen Geschehen im Ort.

Wirtschaft und Infrastruktur

Lüdersen liegt an der Kreisstraße 227 (Streckenführung: Abzweig der L 389 zwischen Hiddestorf und Linderte bis Bennigsen). Die Bundesstraßen 3 und 217 führen wenige Kilometer an Lüdersen vorbei.

Die 1872 fertiggestellte Bahnstrecke Hannover–Altenbeken führt direkt am Dorf vorbei. Eine Haltestelle der S-Bahn Hannover liegt im etwa einen Kilometer entfernten Nachbarort Bennigsen. Dorthin besteht Busanschluss. Dadurch besteht Anschluss nach Hannover, zum Flughafen Hannover, nach Springe, Hameln, Bad Pyrmont und Paderborn. Die Organisation Pro Bahn fordert die Einrichtung einer S-Bahn-Haltestelle in Lüdersen.

Der Ort ist mit dem Bus von Hannover aus zu erreichen. Ebenso besteht an Schultagen eine Busverbindung nach Springe.

Im Jahr 1906 wurde der Dorfkern an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Die Versorgung erfolgte über die 1899 eingerichtete Straßenbahn-Endhaltestelle in Pattensen. Lüdersen wurde 1936 an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Bis dahin erfolgte die Wasserversorgung über öffentliche und private Brunnen. 1964 wurde in Lüdersen mit dem Bau der Abwasserkanalisation begonnen und eine eigene Kläranlage errichtet.

2003 wurden erste Maßnahmen aus dem Dorferneuerungsprogramm angefangen (u. a. Erneuerung des Schulhofes und des Dorfplatzes, Errichtung des Brunnens „Am Heinsood“).

Persönlichkeiten

Literatur

  • Carl-Hans Hauptmeyer: Calenberg – Geschichte und Gesellschaft einer niedersächsischen Landschaft. Hannover 1999, ISBN 978-3-7716-1437-9.
  • Gernot Schultz: Lüdersen, ein Dorf im Calenberger Land – einst und jetzt. Springe 2005.
  • Susanne Frank: Die Blühinsel am Deisterrand. Hrsg. v. Region Hannover, Springe 2013, ISBN 978-3-86674-181-2.
Commons: Lüdersen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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