M117
US-amerikanische ungelenkte Mehrzweck-Freifallbombe
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Die M117 ist eine Freifallbombe, die in den 1950er-Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelt wurde.
| M117 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | M117 |
| Typ: | Sprengbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | AAC & BuWeps |
| Entwicklung: | 1950er-Jahre |
| Indienststellung: | 1950er-Jahre |
| Einsatzzeit: | im Dienst |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 340–373 kg |
| Länge: | 2,06–2,16 m |
| Durchmesser: | 409 mm |
| Spannweite: | 0,48–0,57 m |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 171–175 kg Minol oder Tritonal |
| Zünder: | Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder |
| Waffenplattformen: | Bomber & Kampfflugzeuge |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Nach dem Zweiten Weltkrieg schritt die Entwicklung von Strahlflugzeugen in den USA schnell voran. Für die sich in Entwicklung befindenden strahlgetriebenen Bomber und Kampfflugzeuge wurden neue Fliegerbomben mit großer Sprengkraft benötigt, woraufhin die Einwicklung der M117 und M118 angestoßen wurde. Die Bomben wurde gemeinsam vom Air Armament Center (AAC) auf der Eglin Air Force Base und dem Bureau of Naval Weapons (BuWeps) entwickelt. Anfang der 1950er-Jahre wurden die ersten M117 an die United States Air Force (USAF), das Strategic Air Command (SAC) sowie die United States Navy (USN) ausgeliefert.[1][2][3]
Technik

Das Nominalgewicht der M117-Bombe beträgt 750 Pfund (340 kg). Tatsächlich liegt das Gewicht der Bombe zwischen 340 und 373 kg. Die M117-Bombe hat einen stromlinienförmigen Körper mit einer kurzen, ogiven Spitze. Der Bombenkörper besteht aus Stahl, hat einen Durchmesser von 409 mm und eine Länge von 1,17 m (ohne Heckteil). Der Bombenkörper ist dünnwandig, mit einer Wandstärke von 9,52 mm ausgeführt. Befüllt ist der Bombenkörper mit 175 kg Tritonal oder 171 kg Minol (TNT und Ammoniumnitrat). Dies entspricht etwa 50 % ihres Gesamtgewichts. Standardmäßig werden Heckteile aus geschweißten Blechen mit vier trapezförmigen Stabilisierungsflächen (Heckflossen) montiert. Anfänglich wurde das M131-Heckteil mit einer Länge von 0,96 m und 19,6 kg Gewicht verwendet. Dieses wurde später durch das 1,27 m lange MAU-103-Heckteil ersetzt. Weiter kann auch das BSU-93-Heckteil hinten am Bombenkörper montiert werden. Dieses hat ebenfalls vier Stabilisierungsflächen und verfügt zusätzlich über einen Ballonschirm, der sich nach dem Bombenabwurf entfaltet. Dieses Heckteil hat eine Länge von 1 m und wiegt 41 kg. Daneben kann auch der MAU-91-Snake Eye-Bremsmechanismus mit vier kreuzförmig ausklappenden Luftbremsen verwendet werden. Bezündert ist die M117-Bombe mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze und am Heck jeweils Vertiefungen einem Gewinde angebracht. Es können verschiedene Aufschlagzünder, Näherungszünder oder Verzögerungszünder verwendet werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Die ersten Bombenmodelle waren primär für die Verwendung mit elektromechanischen Zündern ausgelegt. Späteren Ausführungen können auch mit mechanischen Zündern ausgerüstet werden. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verwenden üblicherweise den elektromechanischen Aufschlagzünder M904 und die FMU-54 und M905-Verzögerungszünder. Weiter wird auch der FMU-113-Radar-Näherungszünder sowie der Mehrzweckzünder FMU-139 verwendet. Daneben kann an der Bombenspitze das knapp 1 m lange M1A1-Verlängerungsrohr an den Aufschlagzünder montiert werden. Mit diesem als Daisy Cutter bezeichneten Zünder explodieren die Bomben dicht über dem Boden und haben so eine optimale Flächenwirkung. Unter den Zündern kann in einer Vertiefung zusätzlich eine Verstärkerladung mit TNT oder Tetryl geladen werden. Der M117-Bombenkörper hatte anfänglich einen schwarzen oder grauen und aktuell einen olivgrünen Anstrich. Zwei gelbe Streifen an der Bombenspitze oder am Heck kennzeichneten die Befüllung mit Tritonal. Bei den M117-Bomben der ersten Serie befand sich am Bombenkörper eine Aufhängeöse mit einem Gewindering sowie einem Gegenstück für die Montage an die Außenlaststationen. Bei den Bomben der späteren Serie sind 356 mm-Bombenschlösser (14 inch) angebracht.[1][4][5][6][7][8]
Die M117-Bombe wurde auch als Gefechtskopf für die Präzisionsbomben BOLT-117 und GBU-1 Paveway I verwendet.[9]
Varianten
- M117: 1. Serienversion befüllt mit 175 kg Tritonal und M132-Heckteil. Für die Verwendung mit elektromechanischen Zündern.[10]
- M117A1: 2. Serienversion mit MAU-103-Heckteil, 356 mm-Bombenschloss (14 inch) und für die Verwendung mit verschiedenen Zündern.[11]
- M117A1E1, M117A1E2, M117A1E3, M117A2, M117A3: Versionen befüllt mit 171 kg Minol. Können mit verschiedenen Zündern und Heckteilen ausgerüstet werden.[12]
- M117D: Version mit Magnetzünder zur Verwendung als Seemine.[2]
- M117R: Version mit dem MAU-91-Snake Eye-Bremsmechanismus.[1]
- MC-1: Diese Version verwendete den M117-Bombenkörper der neben Sprengstoff mit 99,7 kg flüssigem Sarin befüllt war.[13]
Einsatz & Wirkung

Die M117-Bombe kann von einer Vielzahl von Kampfflugzeuge und Bombern abgeworfen werden. Die Bombe kann gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden. Dabei wird sie entweder als ungebremste (englisch Low Drag (LD)) oder als gebremste (englisch High Drag (HD)) Bombe abgeworfen. Im ersten Fall sind am Bombenheck vier Stabilisierungsflächen montiert und die Bombe wird aus mittlerer und großer Flughöhe abgeworfen. Für den Abwurf aus dem Tiefflug wird am Bombenheck der MAU-91 oder BSU-93-Bremsmechanismus angebracht. Durch diese wird der Fall der Bombe abgebremst, so dass sich bei deren Detonation das Flugzeug nicht mehr im Gefahrenbereich befindet. Die M117 kann aus einer Flughöhe von maximal 18.288 m sowie bei einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 1.111 km/h abgeworfen werden.[1][14][15]
Der Aufbau der M117 ist auf eine große Sprengwirkung sowie auf das Erzeugen einer starken Detonationswelle ausgelegt. Im englischen Sprachgebrauch werden solche Bomben als „Demolition Bomb“ und „High-Capacity Bomb“ bezeichnet. Die M117 wird überwiegend mit Aufschlagzündern eingesetzt. Der Explosionskrater (Bombentrichter) ist dabei relativ flach ausgebildet oder fehlt gänzlich und auch die Splitterwirkung der Bombe ist verhältnismäßig gering. Für das Eindringen in den Erdboden oder in Betonbauten ist die dünnwandige M117 nur bedingt geeignet. Der Sicherheitsabstand zu einer explodierenden M117-Bombe beträgt für ungeschützte Truppen 830 m.[1][2][16]
Verbreitung und Status
Von den Streitkräften der Vereinigten Staaten wurde die M117 erstmals während des Koreakriegs und in großem Umfang während des Vietnamkriegs eingesetzt. Ab den späten 1960er-Jahren wurde das Bombenmodell durch die Mehrzweckbomben Mark 82 und Mark 83 ersetzt. Als einziges Trägerflugzeug verblieb die Boeing B-52 „Stratofortress“. Dieser Bombertyp warf während des Zweiten Golfkriegs rund 44.600 M117-Bomben auf irakische Ziele ab. Bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten wurden die letztem M117 im Juni 2015 ausgesondert. Die M117 wurde in verschiedene Staaten wie Deutschland, Japan, Schweden, Italien, Iran, Südkorea sowie Israel exportiert und befindet sich vereinzelt noch im Einsatz.[1][17][18]
Literatur
- Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag, 2005, ISBN 978-3-613-02525-7.
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
Weblinks
- M117 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- M117 bei Open Source Munitions Portal (englisch)
- M117 General Purpose Bomb bei Historical Marker Database (englisch)
- Abwurf von M117-Bomben aus einer B-52 „Stratofortress“ Film bei YouTube