DNA-Mismatch-Reparaturproteine

Proteine, die eine Fehlpaarung in DNA-Doppelsträngen erkennen und herausschneiden können From Wikipedia, the free encyclopedia

DNA-Mismatch-Reparaturproteine (auch: DNA-Basenfehlpaarungsreparatur-Proteine, MMR-Proteine) sind Proteine in nahezu allen Lebewesen, die eine Fehlpaarung in DNA-Doppelsträngen erkennen und herausschneiden können. Der Reparaturvorgang wird durch normale, auch in der Replikation benutzte Enzyme abgeschlossen. Die MMR-Proteine werden in zwei Gruppen MutS und MutL eingeteilt, die jeweils für Erkennung und Inzision der falschen Base verantwortlich sind. Die folgende Exzision wird von einer speziellen Exonuklease bewerkstelligt. Die Prozesse sind allgemein ein Teil der DNA-Reparatur.[1][2]

Beim Menschen sind fünf MutS-Homologe und drei MutL-Homologe bekannt.

Weitere Informationen Protein, Gen (HGNC) ...
ProteinGen
(HGNC)
UniProtLänge
(AA)
Bemerkungen
Msh2MSH2 P43246934 HNPCC1, HNPCC8, Muir-Torre-Syndrom, Anfälligkeit für Endometriumkarzinom
Msh3MSH3 P205851137 Anfälligkeit für Endometriumkarzinom
Msh4MSH4 O15457936 Spezifische Funktion bei Meiose in Eierstöcken und Hoden
Msh5MSH5 O43196834 Spezifische Funktion bei Meiose
Msh6MSH6 P527011360 HNPCC5, Anfälligkeit für Endometriumkarzinom
Mlh1MLH1 P40692756 HNPCC2, Turcot-Syndrom, Muir-Torre-Syndrom, Anfälligkeit für Endometriumkarzinom
Mlh3MLH3 Q9UHC11453 HNPCC7
PMS2PMS2 P54278862 HNPCC4, Turcot-Syndrom
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Heterozygote Mutationen in den codierenden Genen sind die Ursache für erbliche Darmkrebs-Anfälligkeit (Hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom, HNPCC). Biallele Mutationen führen zum bereits im Kindesalter auftretendem Mismatch-Reparatur-Defizienz-Syndrom.[3] Darüber hinaus finden sich dMMR-positive Tumoren auch bei Leberkrebs, Tumoren der ableitenden Harnwege (Urothelkarzinome) und Blasenkrebs, Magenkrebs sowie seltener auch bei Prostatakrebs und Gebärmutterkrebs und gelegentlich bei anderen soliden Tumoren.

Alle Tumoren mit einer dMMR-Signatur, in deren Zellen also eine MMR-Mutation nachweisbar ist, sind hochsensitiv auf eine Behandlung mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor, vor allem mit einem Programmed Cell Death Protein 1-Inhibitor, mit oder ohne begleitendem CTLA-4-Inhibitor. Selbst bei Metastasen findet sich eine hohe Rate guten und langanhaltenden Ansprechens, oft mit dauerhafter Remission, so dass die Immuncheckpoint-Blockade als erste Tumortherapie bei metastasierten dMMR-positiven Tumoren unabhängig von der Tumorlokalisation zugelassen wurde (tumor-agnostic approval). Als neoadjuvante Therapie bei dMMR-positivem Rektum-Karzinom kommt es häufig zur kompletten Tumor-Elimination. In einer weiteren Studie mit nicht-metastasierten dMMR-Tumoren verschiedener Lokalisationen konnte mit der Immuncheckpoint-Blockade in 84 von 103 Patienten eine komplette klinische Remission erreicht werden und 82 Patienten mussten daher nicht operiert werden noch eine Chemotherapie durchführen. In 92 % war auch nach zwei Jahren kein Rezidiv beobachtet worden.[4]

Einzelnachweise

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