Madelon Vriesendorp
niederländische Künstlerin
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Madelon Vriesendorp (geboren 12. März 1945 in Bilthoven)[1] ist eine niederländische Künstlerin, die sich in vielen ihrer Gemälde und Grafiken humorvoll mit zeitgenössischer Architektur beschäftigt.[2] 1975 gründete sie mit Rem Koolhaas, Zoe und Elia Zenghelis das Architekturbüro Office for Metropolitan Architecture (OMA).
Leben und Werk
Vriesendorp besuchte ab 1964 die Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und arbeitete anschließend an der Restaurierung alter Fresken, als Designerin von Bühnenkostümen und Schmuck und als Illustratorin von Büchern. 1969 nahm sie an Kursen der St. Martin’s School of Art in London teil und stellte ihre Arbeiten unter anderem in der Serpentine Gallery aus.[3]
1972 zog sie mit Ehemann Rem Koolhaas nach Ithaca und schließlich nach New York City, wo das Ehepaar 1975 zusammen mit Zoe und Ilias Zenghelis das Office for Metropolitan Architecture (OMA) gründete.[3]
Viele Jahre erstellte Vriesendorp für die Veröffentlichungen des OMA Grafiken und Illustrationen. Ihr Gemälde Flagrant Délit (etwa „auf frischer Tat“) wurde als Titelbild für die Erstausgabe des Buches Delirious New York verwendet. Dessen Text wurde von Rem Koolhaas verfasst und 1978 veröffentlicht.[4][5] Flagrant Delit zeigt auf dem Titelbild das Empire State Building und das Chrysler Building in New York City nach dem Beischlaf im Bett, während auf dem Nachttisch der Arm der Freiheitsstatue leuchtet. Dabei wurde dem Empire State Building der maskuline Part und dem verspielteren Chrysler Building der feminine Part zugewiesen. Koolhaas schlug vor, das Rockefeller Center als Verweis auf die Moderne in die Handlung einzubeziehen. Es kommt zur Tür des Schlafzimmers herein und ertappt die beiden anderen Gebäude in flagranti.[6] Beide Gebäude wurden in den 1930er Jahren in New York City gebaut und konkurrierten darum, welches Gebäude das höhere werden würde.[7]
Ihr größtes Kunstwerk war ein 1987 erstelltes Wandgemälde auf dem Bühnenturm des Nederlands Dans Theater in Den Haag, doch 2015 wurden der Turm und mit ihm das Wandgemälde abgerissen.[8][9]
Vriesendorps Werke wurden im Guggenheim Museum New York, in der New Yorker Max Protetch Gallery, im Centre Pompidou, im Stedelijk Museum, im Aedes Architekturforum und der Gallery Ma in Tokio ausgestellt.[3] Vriesendorp pflegt eine verspielte und surrealistische Bildsprache.[9] Ihre Werke wurden in verschiedene öffentliche Kunstsammlungen übernommen, darunter vom Museum of Modern Art (MoMA) in New York,[10] vom Frac Centre-Val de Loire in Orléans,[4] vom Canadian Center for Architecture (CCA) und vom Deutschen Architekturmuseum (DAM).[11]
Madelon Vriesendorp lebt in London und hat mit Rem Koolhaas zwei Kinder: Charlie Koolhaas, eine Fotokünstlerin, und Tomas Koolhaas, ein Filmemacher. Vriesendorp und Koolhaas ließen sich 2012 scheiden.[2][12]
Ehrungen und Auszeichnungen
Die Welt von Madelon Vriesendorp: Gemälde/Postkarten/Objekte/Spiele war eine von Shumon Basar und Stephan Trüby kuratierte Retrospektive über die 40-jährige Karriere der Künstlerin. Sie wurde 2008 in der Architectural Association School of Architecture in London eröffnet, wanderte anschließend zum Aedes Architekturforum nach Berlin, zur Architekturbiennale Venedig und schließlich zum Schweizerischen Architekturmuseum nach Basel. Sie wurde von einem reich bebilderten Katalog begleitet, der Beiträge von Beatriz Colomina, Douglas Coupland, Hubert Damisch, Teri Wehn-Damisch, Zaha Hadid, Charles Jencks, Charlie Koolhaas, Hans Ulrich Obrist, Brett Steele und Fenna Haakma Wagenaar enthält.[13][9] Anlässlich der Retrospektive bezeichnete der Schweizer Kurator Hans Ulrich Obrist Vriesendorp als ein „fast unbekanntes Künstlergenie“.[14]
2009 wurde Vriesendorp als Ehrenmitglied in das Royal Institute of British Architects (RIBA) aufgenommen, „für die allgemeine Förderung der Architektur und für die Förderung und Erleichterung des Wissenserwerbs in verschiedenen damit verbundenen Künsten und Wissenschaften“. 2017 überreichte ihr die Architectural Association School of Architecture (AA) ein Ehrendiplom „in Anerkennung ihres außergewöhnlichen Beitrags zur Darstellung von Architektur“.[11]
2018 wurde sie mit dem Ada-Louise-Huxtable-Preis der Architectural Review für ihre Beiträge zur Architektur ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede für den Preis sprach sie über die „Frauen, die aus dem Drehbuch gestrichen wurden“, denn viele Jahre lang wurden Vriesendorps Beiträge zum OMA nicht angemessen gewürdigt.[2][15] Die Soane Medal wurde Vriesendorp 2025 verliehen für ihr fantasievolles visuelles Erzählen und ihren nachhaltigen Einfluss auf die Architekturkultur.[9]
Literatur
- Rem Koolhaas: Delirious New York: A Retroactive Manifesto for Manhattan. Covertitel der Erstausgabe gestaltet von Madelon Vriesendorp. Oxford University Press, 1978. Spätere Veröffentlichungen desselben Textes haben andere Covertitel.
- Shumon Basar, Stephan Trüby (Hrsg.): The World of Madelon Vriesendorp, Architectural Association Publications, London 2008.
Weblinks
- Internetauftritt von Madlon Vriesendorp
- Madelon Vriesendorp, Flagrant Délit (1975) und Freud Unlimited (1976), Canadian Centre for Architecture (digitized items)
- The World of Madelon Vriesendorp - Aedes Architecture Forum, Berlin 2008
- »Die Welt der Madelon Vriesendorp« Gemälde, Postkarten, Objekte, Spiele 1967 - Heute | S AM Schweizerisches Architekturmuseum
- Point 101: Madelon Vriesendorp
- Eleanor Young considers the pain and pleasure of misrepresentation, RIBA
- Dutch artist and OMA co-founder Madelon Vriesendorp wins 2025 Soane Medal for Architecture auf YouTube, 13. Oktober 2025, abgerufen am 28. März 2026 (englisch; Laufzeit: 3:09).