Malanggan

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Malanggan, auch Malangan oder Malagan geschrieben, bezeichnet eine Kunst- und Ritualtradition des nördlichen Neuirlands (früher Neu-Mecklenburg) und der vorgelagerten Inseln, die mit Bestattungs- und Gedenkzeremonien verbunden ist. Es handelt sich dabei um große traditionelle Kulturereignisse mehrerer ethnolinguistischer Gruppen. Die Inseln liegen im Südwestpazifik und sind Teil der heutigen Republik Papua-Neuguinea.

Malanggan-Kunst aus dem Holz von Alstonia scholaris für Totenerinnerungsfeste auf der Insel Neuirland im Museum der Universität Tübingen

Zeremonien

Malanggan-Zeremonien sind in unregelmäßigen Abständen stattfindende große Ereignisse, die nach monatelangen oder auch jahrelangen Vorbereitungen abgehalten werden und mehrere Tage lang andauern können. Obwohl die Malanggan-Zeremonien immer zu Ehren einer oder mehrerer verstorbener Personen stattfinden, sind sie nicht lediglich Trauerriten, sondern umfassen auch andere kulturelle Aspekte. So werden zum Beispiel Schulden zurückgezahlt oder Schuldanerkenntnisse gemacht. Ferner werden Streitfragen gelöst und es erfolgen Bekanntmachungen.

Malanggan-Kunst

Die Malanggan-Tradition umfasst hauptsächlich geschnitzte und bemalte Holzskulpturen sowie Objekte aus Fasern und Ton, die durch eine außergewöhnliche visuelle und konzeptionelle Komplexität gekennzeichnet sind. Die Figuren zeigen häufig stark stilisierte Gesichter mit betonten Brauen, tief liegenden Augen, massiven Nasen und gezähnten Kiefern; dreidimensionale Arbeiten sind oft mit Tierformen, durchbrochenen Flächen und stäbchenartigen Konstruktionen kombiniert.[1] Die Werke entstehen im Zusammenhang mit rituellen Gedenkzeremonien und sind von Beginn an als vergängliche Objekte gedacht. Obwohl sie im Zentrum der Rituale stehen und eine eindrucksvolle visuelle Präsenz entfalten, sind sie nicht für dauerhaften Erhalt bestimmt, sondern werden nach Abschluss der Zeremonien zerstört oder dem Verfall überlassen.

Malanggan-Kunstwerke dienen als vorübergehende Träger der Lebenskraft der geehrten Verstorbenen. Durch ihre rituelle Vernichtung wird diese Lebenskraft freigesetzt und der Übergang sozialer Rollen und Positionen ermöglicht. Mit dem Verschwinden der materiellen Objekte wandeln sich die Malanggan in Erinnerungsbilder, die ausschließlich im Gedächtnis weiterbestehen. Ihre Bedeutung liegt somit weniger in der dauerhaften materiellen Existenz als in ihrer Funktion als Auslöser von Erinnerung und Wissen, das innerhalb der Gemeinschaft weitergetragen wird.[2][3][4]

Malanggan gilt als eine der wenigen bis in die Gegenwart fortbestehenden Kunsttraditionen Papua-Neuguineas, auch wenn das traditionelle Handwerk der Schnitzer heute kaum noch ausgeübt wird und die Objekte daher häufig erhalten bleiben. Ebenso werden die früher bei den Zeremonien verwendeten Reibhölzer (Lounuat), die als Stimmen der Geister galten, nicht mehr hergestellt.

Seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gelangten zahlreiche Malanggan-Objekte durch europäische Reisende und Forscher in westliche Sammlungen, sodass sich ein Großteil dieses kulturellen Erbes heute in ethnografischen Museen weltweit befindet, darunter auch im Ethnologischen Museum Berlin.

In den Jahren von 1907 bis 1909 erforschte die Deutsche Marine-Expedition unter anderem die Malanggan-Kultur. Die Ergebnisse der Expedition wurden in einer Anzahl von Berichten veröffentlicht.

Literatur

  • Karl-Heinz Kohl: Malanggan. Abbild und doppelter Tod. In: Deuflhard, P., V. M. Lepper, und C. Markschies (Hrsg.): Räume - Bilder - Kulturen. (= Forschungsberichte: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 36). de Gruyter, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-035993-0, S. 169–188.
  • Augustin Krämer: Die Málanggane von Tombára. Georg Müller, München 1925.
  • Michael Gunn: Ritual Arts of Oceania: New Ireland. Skira, Mailand 1997, ISBN 88-8118-207-6.
  • Michael Gunn, Philippe Feltier: New Ireland: Art of the South Pacific. Continents Editions, Mailand 2006, ISBN 88-7439-369-5.

Einzelnachweise

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