Maldonit
Mineral aus der Gruppe der Sulfide
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Maldonit, veraltet auch als Wismuthgold bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Au2Bi und damit eine legierungsähnliche Verbindung aus Gold und Bismut im Stoffmengenverhältnis 2 : 1.
| Maldonit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Mdo[1] |
| Andere Namen |
Wismuthgold |
| Chemische Formel | Au2Bi |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/A’.02 II/A.03-040[2] 2.AA.40 01.01.03.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse; Symbol | hexakisoktaedrisch; 4/m32/m |
| Raumgruppe | Fd3m (Nr. 227)[3] |
| Gitterparameter | a = 7,98 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 8[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 1,5 bis 2 (VHN100 = 147–264 kg/mm2)[4] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 15,46; berechnet: 15,70[4] |
| Spaltbarkeit | deutlich nach {001} und {110}[4] |
| Bruch; Tenazität | muschelig; spröde,[5] aber formbar und biegsam[4] |
| Farbe | silbergrau mit rosa Schimmer, angelaufen kupferrot bis schwarz[4] |
| Strichfarbe | nicht definiert |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz[4] |
Maldonit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form körniger bis derber Massen oder dünner Überzüge gefunden werden. Häufig findet er sich in polierten Dünnschliffen auch zerfallen in eine überwiegend grobe myrmekitischen (wurmförmigen) Verwachsung von Gold und Bismut, in denen Maldonitkörner oder von Maldonit umrandete Goldkörner eingeklemmt sind.[4] Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig und auf frischen Oberflächen von silbergrauer Farbe mit rosafarbener Tönung und einem metallischen Glanz. Mit der Zeit laufen die Oberflächen jedoch oxidierend an und werden kupferrot bis schwarz.
Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde das Mineral zuerst 1869 von Georg Ulrich im Nuggety Reef bei Maldon im australischen Bundesstaat Victoria. Ulrich benannte das Mineral nach dessen Typlokalität als Maldonit (alternativ aber auch als Wismuthgold) und veröffentlichte seine Erstbeschreibung 1870 in seinem Werk Contributions to the Mineralogy of Victoria.
Da der Maldonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Maldonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[6] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Maldonit lautet „Mdo“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[7]
Klassifikation
In der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Maldonit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Legierungen (und legierungsartige Verbindungen) von Metallen mit den Halbmetallen As, Sb, Bi“, wo er zusammen mit Allargentum, Arsenargentit, Dyskrasit und der als bismuthaltige Varietät von Silber diskreditierte Chilenitsowie die inzwischen als Gemenge diskreditierten Animikit und Huntilith die „Huntilith-Dyskrasit-Gruppe“ mit der Systemnummer II/A’.02 bildete.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/A.03-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“, wo Maldonit zusammen mit Bezsmertnovit und Bilibinskit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/A.03 bildet.[2]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Maldonit in die Abteilung der „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Verbindungen von Halbmetallen mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.AA.40 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Maldonit die System- und Mineralnummer 01.01.03.01. Dies entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung der „Elemente“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.01.03 innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ zu finden ist.
Chemismus
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Maldonit (Au2Bi) besteht das Mineral aus Gold (Au) und Bismut (Bi) im Stoffmengenverhältnis von 2 : 1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 65,34 Gew.-% Au und 34,66 Gew.-% Bi.[9]
Bei natürlichen Mineralbildungen von Maldonit kann diese Zusammensetzung je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang schwanken. So ergaben die Analysen der Mineralproben aus dessen Typlokalität eine leicht abweichende Zusammensetzung von 65,12 Gew.-% Au und 34,88 Gew.-% Bi, was mit der empirischen Formel Au1,99Bi0,99 korrespondiert. Die Elektronenstrahlmikroanalyse von chemisch ähnlichem Material aus der 2004 geschlossenen Goldmine bei Salsigne[10] im französischen Département Aude (Okzitanien) wich mit einer Zusammensetzung von 63,80 Gew.-% Au und 36,80 Gew.-% Bi (empirische Formel: Au1,94Bi1,06) etwas stärker von der theoretischen Idealzusammensetzung ab.[4]
Die Verbindung Au2Bi lässt sich durch Zusammenschmelzen der entsprechenden Gold- und Bismut-Anteile leicht synthetisch herstellen.[5]
Kristallstruktur
Maldonit kristallisiert in der kubischen Raumgruppe Fd3m (Raumgruppen-Nr. 227) mit dem Gitterparameter a = 7,98 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Bildung und Fundorte

Maldonit bildet sich unter hydrothermalen Bedingungen bei Temperaturen unter 373 °C in Gold-Quarz-Adern und Skarnen. Als Begleitminerale können neben gediegen Gold und Bismut sowie Quarz unter anderem noch Apatit, Arsenopyrit, Bismuthinit, Calcit, Chalkopyrit, Cubanit, Joséit, Löllingit, Pyrit, Pyrrhotin, Scheelit und Siderit auftreten.[4]
Als seltene Mineralbildung konnte Maldonit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 120 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025). Außer an seiner Typlokalität im Nuggety Reef trat das Mineral im Bundesstaat Victoria noch im nahe gelegenen Parkins Reef und in der Eaglehawk Mine bei Maldon auf. Weitere bekannte Fundorte in Australien sind Burraga, Kingsgate und Cobar in New South Wales, Chillagoe und Mount Biggenden in Queensland, Bannister, Paterson Orogen und Marvel Loch in Western Australia sowie Moina und Rosebery auf Tasmanien.
In Deutschland fand sich Maldonit bisher nur an einer unbenannten Seifenlagerstätte in Niederbayern und in der ehemaligen, aber aufgelassenen Schachtpinge Güttingloch bei Oberviechtach im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf. Vorkommen in Österreich und der Schweiz sind bisher nicht bekannt.[11]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Iran, Italien, Japan, Kanada, Mali, Marokko, Mauretanien, Namibia, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden (Ädelfors[12]), Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, der Ukraine, Usbekistan, und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Idaho, Kalifornien, North Carolina).[11]
Auch in Mineralproben aus dem Escanaba-Tal (englisch Escanaba Trough) am südlichen Gorda-Rücken, einem Teil des Juan-de-Fuca-Rücken-Komplexes, der wiederum Teil des Ostpazifischen Rückens ist.[11]
Siehe auch
Literatur
- George H. F. Ulrich: Contributions to the Mineralogy of Victoria. John Ferres, Melbourne 1870, S. 4, Maldonite or bismuthic gold (englisch, online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 19. November 2025]).
- T. Jurriaanse: The crystal structure of Au2Bi. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 90, 1935, S. 322–329 (englisch, Digitalisat ( vom 8. Juli 2024 im Internet Archive) [PDF; 687 kB; abgerufen am 19. November 2025]).
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 415 (Erstausgabe: 1891).
Weblinks
- Maldonit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Maldonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
- David Barthelmy: Maldonite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).
- IMA Database of Mineral Properties – Maldonite. In: rruff.info. RRUFF Project (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Maldonite. In: rruff.net. (englisch).
