Maloja

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Maloja (lombardisch und rätoromanisch Malögia/?) ist ein Dorf am Malojapass zwischen dem Oberengadin und dem Bergell im Schweizer Kanton Graubünden.

Schnelle Fakten Karte ...
Maloja
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Maloja
Politische Gemeinde: Bregagliai2
Postleitzahl: 7516
Koordinaten: 773574 / 141401
Höhe: 1809 m ü. M.
Fläche: 81,10 km²
Einwohner: 310
Einwohnerdichte: 4 Einw. pro km²
Maloja mit Turm Belvedere und Piz Lagrev
Maloja mit Turm Belvedere und Piz Lagrev
Karte
Maloja (Schweiz)
Maloja (Schweiz)
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Es gehört politisch zur Gemeinde Bregaglia im Bergell, Teil der Region Maloja, geografisch aber zum Oberengadin. Die offizielle Sprache des Orts ist Italienisch und er zählt rund 300 Einwohner.

Geographie

Blick von oberhalb Salecina über Orden sopra in der Bildmitte nach Westen auf Val-Maroz-Gipfel, rechts im Bild der Gipfel des Lunghin
Weiler Isola am Silsersee

Die Gegend um Maloja ist geografisch, geologisch und botanisch eines der interessantesten Gebiete der Alpen. Umrahmt von hohen Bergen des Alpenhauptkammes zieht sich von Nordosten her eine Kette von Seen durch die Engadiner Hochebene bis zum Passort Maloja auf 1815 m Höhe. Direkt am Dorfrand von Maloja liegt der südlichste dieser Seen, der Silsersee.

Der in Maloja entspringende Fluss En/Inn gab der Landschaft Engiadina/Engadin womöglich ihren Namen; Näheres zur Etymologie von «Engadin» siehe im dortigen Artikel. Falls diese Herleitung des Namens zutrifft, könnte der Talname Engadin/Engiadina darauf hinweisen, dass auch der Oberlauf des Flusses Inn seit jeher so bezeichnet wurde. Auch wenn in der Vergangenheit vereinzelt die Auffassung vertreten wurde, dass der Inn in der Nähe der Etsch am Reschenpass entspringe, wird spätestens seit dem 16. Jahrhundert der Ursprung einheitlich im Bereich der Seen am Malojapass gesehen.

Zu Maloja zählen neben dem Kernort die Ortschaften bzw. Gehöfte Capolago, Creista, Mota d‘Orden und Pila. Ausserdem gehört auch der fast vier Kilometer entfernte Weiler Isola am Silsersee zu Maloja.

Verkehr und Wanderwege

Am Südausgang des Ortes führt die Strasse über den Malojapass 200 schroffe Höhenmeter hinunter ins Bergell, ein nach Südwesten ausgerichtetes Tal, dessen Strasse nach etwa 30 Kilometern in das nur noch 300 Meter hoch gelegene italienische Städtchen Chiavenna führt. Umgekehrt fährt man von Italien her über Chiavenna durch das Bergell den Malojapass hinauf. Mit dem Auto führt von Norden kommend eine der Routen über den Julierpass via Silvaplana.

Von Nordosten her kann Maloja mit der Rhätischen Bahn über den Albulapass (bis St. Moritz) erreicht werden, von dort anschliessend mit dem Postauto sowie dem Engadin Bus, ebenfalls regelmässig.

Nach Süden verbindet der Murettopass Maloja mit dem Valmalenco und Sondrio im Veltlin. Der Übergang verlor im 19. Jahrhundert an Bedeutung, spielte aber noch lange als Schmugglerpfad eine Rolle. Als Fussweg wird er heute von Wanderern und Mountainbikern begangen. Auf der anderen Talseite führt ein Wanderweg über den Pass Lunghin auf den Septimer und nach Bivio.

Name

Der Name Maloja geht auf die Bezeichnung Maloggia zurück, welche von Hirten aus dem südöstlich benachbarten Veltlin stammt, und bedeutet «Erlenwäldchen» (die alpine Art der Erle wird hier «Malös» oder «Marös» genannt[1]). 1244 ist für den Ort der Name Malongum beurkundet, 1275 Malodia.[2] 1947 wurde entschieden, statt Maloggia offiziell den Namen Maloja zu verwenden. Im italienischsprachigen Dorf ist der Name Maloggia neben Maloia jedoch weiterhin geläufig.

Panoramabild, links beim „Kursaal Maloja“, heute Maloja Palace beginnend

Geschichte

Reformierte Kirche Maloja
Torre Belvedere
Camille de Renesse

Ab dem 15. Jahrhundert wurde Maloja von Stampa aus erschlossen. Die Fraktion auf der Engadiner Hochebene umfasst die ehemaligen Sommersässe der Bauern von Stampa.[2] Im ausgehenden 18. Jahrhundert erlitt die Bevölkerung der Gegend Auswirkungen der napoleonischen Kriege, als sich abwechselnd französisches und österreichisches Militär mit Besetzungen, Verwüstungen und Viehraub umtrieb.[1] Das Berghotel Kulm, das zugleich als Poststation diente, bestand bis 1880.[2] Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Graf Camille de Renesse die Vision, aus Maloja das «Monte Carlo der Alpen» zu machen. So wurde ein Ferienort für die gehobene Aristokratie geplant. Er liess von 1882 bis 1884 u. a. das Palace-Hotel erbauen, das noch bis Anfang 2008 als Erholungsheim für Kinder und Jugendliche genutzt wurde. Seit 2009 ist es wieder ein Schlosshotel.[3] 1882 bis 1884 entstanden zudem eine katholische Kirche und das (unvollendete) Familienschloss Belvedere. Um 1900 erlebte Maloja eine Blüte. Die beiden Weltkriege besiegelten das Schicksal des Ortes als Nobelkurort, nicht aber als touristische Destination. Zwischen 1882 und 1900 wurden auf der Malojaroute 16'594 Postreisende gezählt, zwischen 1930 und 1952 waren es 218'884. Der Ort besitzt eine eigene Primarschule.[2]

Der 1851 gebildete Bezirk Maloja umfasste die Kreise Bergell und Oberengadin bis zur Brücke Punt Ota ca. 5 Kilometer oberhalb von Zernez. Maloja war eine Fraktion der ehemaligen Gemeinde Stampa und seit 2010 Teil der Gemeinde Bregaglia.[2]

Kunst

Segantini

Segantinihaus in Maloja

Der heute bekannteste Maler der Region ist Giovanni Segantini, er gilt als der Engadiner Maler. Er verbrachte mit seiner Familie die letzten fünf Lebensjahre in Maloja.

Auf den Spuren dieses Malers können heute in und um Maloja verschiedene Ausflüge unternommen werden: ein Besuch der «Casa Segantini», des Ateliers Segantini (beide im Dorf selbst gelegen) sowie ein Spazierweg, der «Sentiero Segantini», der mit einzelnen Bildstationen auf einem Wanderweg ins Seitental Orden führt.

Giacometti

Einer seiner Meisterschüler war Giovanni Giacometti, der Vater von Alberto Giacometti, die beide aus Stampa im Bergell stammten.

Weitere Künstler

Säulen auf der Mauer

Die Künstlerin Elvezia Michel-Baldini, die in Borgonovo im Bergell lebte und wirkte, bezog das Leinen für ihre Kunstwebereien aus eigenem Flachsanbau im Weiler Pila am Fusse des Lunghin nahe Maloja.

Im Seitental Orden wurde 1997 eine Freiluft-Installation aus neun farbigen Säulen Culur von Gottfried Honegger eingeweiht. Sie ist im Gelände markant platziert und stellt flussaufwärts über die Orlegna hinweg einen Bezug zwischen der Rückhaltemauer und dem Grundstück der Stiftung Salecina her, die letzte bewohnte Liegenschaft im Seitental Orden an der Orlegna-Brücke auf dem Weg zum Fornogletscher.

Sehenswürdigkeiten

Chiesa bianca
Das Schweizerhaus in Maloja

Viele Sehenswürdigkeiten und Baudenkmäler in Maloja stammen aus der Gründerzeit:

  • Chiesa Bianca: um 1885 als erste anglikanische Kirche eröffnet, von 1890–1967 katholisches Gotteshaus, seither profaniert und durch den Verein «Freundeskreis Chiesa Bianca Maloja» im Sommer für kulturelle Anlässe genutzt.[4]
  • ehemalige anglikanische Kirche, erbaut 1888–1889, heute die Reformierte Kirche Maloja
  • Hotel Palace, heute das Maloja Palace
  • Hotel Maloja Kulm
  • Hotel Schweizerhaus[5]
  • Segantini-Haus[6][7]
  • Haus Perico-Baldini erbaut um 1672[8]
  • Villa La Motta (1906), Architekt Ottavio Ganzoni[9]
  • Torre Belvedere–Maloja[10]
  • Die Gletschermühlen von Maloja[11]
  • Der Verein Pro Castellis hat das Hauptwerk Maloja Kulm (A 7678) der Sperrstelle Maloja als Museum «Museo Fortezza Maloja» der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[12]

Meteorologisches Phänomen: Die «Maloja-Schlange»

Ein Beispiel des meteorologischen Herbstphänomens in Maloja: die «Maloja-Schlange»

Meist an herbstlichen Morgen formiert sich eine Nebel«schlange», wenn das Kondensationsniveau tief genug liegt, um auf der Höhe von Maloja aufsteigende, feuchte Luft in Wolken oder Nebel zu verwandeln. Es handelt sich dabei um ein Naturschauspiel, bei dem oberhalb der «Schlange» bereits strahlender Sonnenschein sein kann (siehe Foto rechts). Die Besonderheit der Schlange ist, dass sie nicht ruhig im Tal liegt, sondern nach Westen über den Malojapass hinunterkriecht. Je nach Wind und Wetterlage kann das Phänomen auch schnell wieder vorbei sein. Hierüber gibt es auch einen Film des deutschen Bergfilmers Arnold Fanck: Das Wolkenphänomen von Maloja (1924).

Geologie

Die Gegend um Maloja weist zahlreiche geologische Besonderheiten auf. So finden sich in der Nähe des Lägh da Cavloc im Fornotal (Tal des Fornogletschers) Grüngesteine, die sich ursprünglich im Ozean zwischen der afrikanischen Kontinentalplatte und der europäischen Kontinentalplatte gebildet haben. Im Laufe der Verschiebungen haben sich diese Gesteine umgebildet (Gesteinsmetamorphose), im Fornotal ist ein Ergebnis etwa der berühmte Andalusit-Schiefer.

Andalusitschiefer gehört zu denjenigen Gesteinen, die durch Kontaktmetamorphose zustande kommen, auch Thermometamorphose genannt, weil sich der Vorgang bei ansteigenden Temperaturen abspielt. Wichtig ist darüber hinaus gleich bleibend niedriger Druck. Dabei wird Korn für Korn das Ausgangsgestein verändert (Rekristallisation). Falls noch einige Stellen porös waren, verschwinden sie jetzt. Kontaktmetamorphose heisst dieser Vorgang deshalb, weil die Einzelkörner untereinander in unmittelbarem Kontakt geraten. Erkennbar sind Produkte solcher Prozesse daran, dass nach aussen neue Minerale sprossen, die fleckenartig, garbenartig oder knotenartig sein können. Im Fornotal gibt es viele solcher Funde zu machen.

Wasser

Lägh da Cavloc bei Maloja, im Hintergrund die Pizzi dei Rossi im Fornotal, links davon der Murettopass.
Lägh da Bitabergh bei Maloja

Für ein Bergdorf, und erst recht für ein Passdorf, hat das Wasser für Maloja eine ungewöhnlich grosse Bedeutung:

  • Es liegt am westlichen Ende des Silsersees, der als Reservoir für die Trinkwasseraufbereitung der Gemeinde dient.
  • Oberhalb des Dorfs entspringt im Südwesten des Lunghinsees (Lägh dal Lunghin) der Inn, einer der grossen Flüsse des europäischen Kontinents, der in einem Wasserfall am Osthang des Piz Lunghin herunterkommt (nahe dem Weiler Pila).
  • Das Gletscherflüsschen «Orlegna» im Süden von Maloja hat geografisch nichts mit dem Inn zu tun (s. u. zur Wasserscheide), sondern biegt, obwohl nur einen Kilometer vom Beginn des Flusslaufs des Inn entfernt gelegen, nach Südwesten Richtung Italien abbiegt. An dieser Stelle wurde Mitte der 1980er Jahre eine Hochwasserrückhaltesperre gebaut, die ausschliesslich dazu dient, Hochwasser oder Geschiebe zurückzuhalten. Das bei Orden meist begehbare Flussbett, das heute das Rückhaltebecken ausmacht, und vor allem die Schutzmauer, ist den Dörfern im Bergell schon sehr zugutegekommen, denn 1987 wurden sie dadurch von den Folgen eines gefährlich starken Hochwassers verschont.
  • Im Süden von Maloja sind zwei kleinere Seen, der Lägh da Cavloc (Cavlocciosee) und der Lägh da Bitabergh (Bitabergasee), beides beliebte Ausflugsziele.

Wasser wird im Spätherbst in hohem Masse auch für die Kunstschneeproduktion (Beschneiung) verwendet. Hierbei wird Wasser der Gemeinde Stampa/Maloja mit einem Systemtrenner getrennt. Auf diese Weise kann das Wasser ab der Beschneiungsleitung zurückfliessen.[13]

Europäischer Wasserscheidepunkt am Lunghinpass

Die dreifache Wasserscheide am Pass Lunghin
Gletschertopf bei Maloja

Am Pass Lunghin bei Maloja befindet sich ein Wasserscheidepunkt – er ist Schnittpunkt dreier wichtiger Flusssysteme Europas:

Tourismus

  • Infostelle Maloja[14]
Der Engadiner Skimarathon kurz nach dem Start in Maloja

Sport

Maloja ist ein Wander-, Touren- und Klettergebiet ersten Rangs. Ausdauer wird durch landschaftlich eindrucksvolle Ausblicke belohnt. Auf einem gut gepflegten Rundweg durch ein Naturschutzreservat lassen sich die Rückzugsspuren der Gletscher der letzten Eiszeit bestaunen, es gibt hier so viele Gletschertöpfe wie sonst nirgends in Europa.

Der Silsersee bietet im Sommer beste Surf- und Segelbedingungen.

Im Winter ist Maloja Ausgangspunkt zahlreicher Loipen und der traditionelle Startort des Engadin Skimarathon, der u. a. über den gefrorenen Silsersee führt, das Ziel ist nach 42 km S-chanf. Der Skilift am Piz Aela befördert alpine Skifahrer auf knapp 2000 m Höhe, der Berg verwandelt sich nach Schneefällen in ein Pulverschneeparadies auch für Snowboarder.

Bildungsarbeit

Vor Ort in Maloja ist in der Dauerausstellung «Landschaftsgeschichte Maloja» Wissenswertes über die Folgen der Kontinentalkollision vor 90 Millionen Jahren für die Geologie und Geomorphologie der Gegend zu erfahren. Die Ausstellung wurde gestaltet von der Assoziation Pro Natura und ist im Torre Belvedere am Dorfrand oberhalb des Beginns der Passstrasse zu sehen.

Über die Schweiz hinaus bekannt ist das Ferien- und Bildungszentrum Salecina.

Persönlichkeiten

  • Gottardo Guido Segantini (* 25. Mai 1882 in Pusiano; † 16. Juni 1974 in Maloja), Giovanni Segantinis Sohn, Künstler, Landschaftsmaler und Graveur. Bruder von Mario Segantini[15]
  • Mario Segantini (* 31. März 1885 in Mailand; † Februar 1916 in Maloja), Künstler, Bildhauer, Maler und Radierer. Sohn von Giovanni und Bruder von Gottardo[16]
  • Vico Rigassi (1905–1983), Sportjournalist am Radio, offizieller Sprecher der Radweltmeisterschaften

Bilder

Bach Orlegna in Nähe der Stiftung Salecina am Beginn des Val Forno

Literatur

  • Adolf Collenberg: Maloja. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 7. Dezember 2016.
  • Peter Heitzmann: Granitmassiv im Gneisgebirge. In: Berge. Das internationale Magazin der Bergwelt. Nr. 29, April 1988 (Themenschwerpunkt Bergell), S. 46–49, ISSN 0947-5958
  • Malojastrasse: Oberengadin–Bergell, St. Moritz–Maloja–Castasegna. Bern: Generaldirektion der Post-, Telegraphen- und Telephonverwaltung, Ausgaben von 1946, 1950, 1960 (Band 21 der Reihe «Schweizerische Alpenposten», seit 1932).
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 527–529.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.
Commons: Maloja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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