Malschwitz

Gemeinde im Landkreis Bautzen, Sachsen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Malschwitz, obersorbisch Malešecy/?, eine Gemeinde etwa sechs Kilometer nordöstlich von Bautzen in Sachsen. Es zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben.[2] Die Kerngemeinde Malschwitz und der Ortsteil Pließkowitz bildet er die Ortschaft Malschwitz. Als Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung hat sie gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.[3]

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Malschwitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Malschwitz hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 14′ N, 14° 31′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 93,27 km²
Einwohner: 4818 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02694
Vorwahlen: 035932, 03591 (Briesing, Doberschütz, Niedergurig)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 340
Gemeindegliederung: 23 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 26
02694 Malschwitz
Website: www.malschwitz.de
Bürgermeister: Matthias Seidel (CDU)
Lage der Gemeinde Malschwitz im Landkreis Bautzen
KarteBernsdorf
Karte
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Luftbild

Geografie und Verkehr

Die Gemeinde Malschwitz liegt nördlich der Talsperre Bautzen sowie im Süden des Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Landschaftsprägend ist die ausgedehnte Niederung der Flüsse Spree, Kleine Spree, Kotitzer Wasser und Löbauer Wasser. Hier befinden sich mehrere Teichgebiete mit Schilfbeständen. Beim Ortsteil Kleinbautzen kreuzt die A 4 das Gemeindegebiet. Diese ist über den Anschluss Bautzen-Ost (ca. 5 km) zu erreichen. Durch das Gemeindegebiet führt die B 156. Beim Ortsteil Lömischau mündet rechtsseitig das Löbauer Wasser in die Spree.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Malschwitz gehören folgende 23 Ortsteile:

Geschichte

Evangelische Kirche in Malschwitz

Der Ortsname ist sorbischer Herkunft und stammt von einem Personennamen Mališ oder Małyš ab (sorbisch mały = „klein“).[5] Bereits vor dem Jahr 1000 wurde ein Milzener Fürstengut und nach 1000 ein königliches Tafelgut um Kleinbautzen und Preititz erwähnt. Die erste nachweisbare Erwähnung des Ortes als Malswiz stammt von 1225. Um 1430 wird Malschwitz als Rittersitz genannt.

Am 12. April 1715 vernichtet ein Feuer die Fachwerkkirche, die Schule, das Rittergut und 14 Bauerngüter. Die neue Kirche wird 1716 in massiver Bauweise an selber Stelle erbaut. Der heutige Turm wird erst 1913 angebaut.

Während der Schlacht bei Bautzen ruhten die Franzosen am 21. Mai 1813 bei Malschwitz und wendeten sich dann gegen die Preußen bei Pließkowitz. Während Pließkowitz fast gänzlich niederbrannte, hatte Malschwitz nur geringe Schäden zu verzeichnen. Über die Schäden der Kriegsereignisse des „Budissinischen Kreises“ zwischen dem 16. und 28. Mai 1813 wird im Nachrichtenblatt Budissinische Nachrichten vom 2. Oktober 1813 von 53 Dörfern berichtet. In Malschwitz wurde lediglich ein „Unterthanen-Gebäude“ zerstört.[6] Dieses Gebäude stand allerdings im heutigen Ort Pließkowitz, gehörte damals aber zu Niedermalschwitz. Es war das Haus des Teichwächters Johann Zaunig.[7] Die Malschwitzer Kirche und die Kirchhofmauer wurden von einigen Kanonenkugeln getroffen. Die Kirche blieb ansonsten unversehrt. Die Franzosen drangen jedoch „in das Heiligtum ein“, stahlen einen silbernen Kelch und weitere Dinge, ruinierten die Sakristeitür und verbrannten den Zaun des Pfarrgartens.[8]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den 1880er Jahren für den Ort eine Bevölkerungszahl von 582 Einwohnern; davon waren 554 Sorben (95 %) und 28 Deutsche.[9] 1921 gründete sich in Malschwitz eine Einheit des Serbski Sokoł. Auch 1956 war laut Ernst Tschernik noch eine Mehrheit von 60,6 % der Bevölkerung sorbischsprachig.[10] Der Sprachwechsel hin zum Deutschen erfolgte weitgehend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bei Forschungsbohrungen wurde im Jahre 1998 das an der Erdoberfläche nicht sichtbare verdeckte Maar von Baruth bestätigt.[11] Gesichert gilt damit die „Baruther Vulkangruppe“ bestehend aus den Vulkanen bei Baruth und Guttau sowie den verdeckten Kratern (Maare) bei Baruth und Kleinsaubernitz. Entstanden sind diese im Tertiär vor 22 bis 27 Millionen Jahren.

Eingemeindungen

Im Jahr 1936 wurde die Gemeinde Pließkowitz eingemeindet. Im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1994 wurden die Gemeinden Baruth, Kleinbautzen, Malschwitz und Niedergurig zur neuen Gemeinde Malschwitz zusammengelegt. Zum 1. Januar 2013 erfolgte der Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Guttau (bis 1995 Gemeinden Neudorf/Halbendorf, Kleinsaubernitz und Guttau).

Politik

Gemeinderatswahl 2024
Wahlbeteiligung: 77,2 % (2019: 73,5 %)
 %
40
30
20
10
0
34,8 %
33,5 %
17,5 %
4,6 %
3,8 %
3,7 %
2,1 %
FW M/Pc
FW Gd
BSV 90f
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
−10
+14,3 %p
−0,6 %p
−5,6 %p
+4,6 %p
−3,5 %p
+0,1 %p
−9,3 %p
FW M/P
FW G
BSV 90
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2014: Freie Wählerschaft Malschwitz/Pließkowitz
d Freie Wählerschaft Guttau
f Baruther SV 90 e. V.
Gemeinderat ab 2024
1
3
1
1
6
6
1 3 1 1 6 6 
Insgesamt 18 Sitze
  • Linke: 1
  • FW M/P: 3
  • FW G: 1
  • BSV: 1
  • CDU: 6
  • AfD: 6

Gemeinderat

Die Kommunalwahlen der vergangenen Jahre ergaben folgende Stimm- bzw. Sitzverteilungen:

Weitere Informationen Parteien und Wählergemeinschaften, % ...
Parteien und Wählergemeinschaften 2024[12] 2019[13] 2014[14]
% Sitze % Sitze % Sitze
Alternative für Deutschland (AfD) 34,8 6 20,5 1
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 33,5 6 34,1 7 50,4 10
Freie Wählergemeinschaft Malschwitz/Pließkowitz 17,5 3 23,1 4 20,4 4
Freie Wählerschaft Guttau 4,6 1
Die Linke (Linke) 3,8 1 7,3 1 7,7 1
Baruther Sportverein 90 e. V. (BSV 90) 3,7 1 3,6 0 5,8 1
Freie Demokratische Partei (FDP) 2,1 11,4 2 10,6 2
gesamt 100,0 18 100,0 15 100,0 18
Wahlbeteiligung 77,2 % 73,5 % 60,2 %
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Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 15 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2008 Matthias Seidel (CDU).

Weitere Informationen Wahl, Bürgermeister ...
letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2022 Matthias Seidel CDU 70,1
2015 67,2
2008 51,8
2001 Günter Sodan Sodan 61,2
1994 50,7
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Partnergemeinden

Partnergemeinden von Malschwitz sind Desná in Tschechien, Gromadka in Polen und Sióagárd in Ungarn. Eine enge Freundschaft verbindet seit 1990 Guttau mit Guttau in der Gemeinde Grömitz, Ost-Holstein.

Sehenswürdigkeiten

Wasserturm in Baruth (Malschwitz)
  • Talsperre Bautzen, Infozentrum an der Staumauer in Niedergurig
  • Herrenhäuser in Preititz, Kleinbautzen und Guttau
  • Altes Schloss Malschwitz (Oberhof)
  • Schloss Malschwitz (Niederhof)
  • Historisches Rittergut in Niedergurig
  • Arnošt-Bart-Haus in Briesing
  • Landschaftsschutzgebiet Spree und Kleine Spree
  • Kriegsopfergedenkstätte in Halbendorf/Spree
  • Infozentrum „Haus der Tausend Teiche“ in Wartha
  • Kirche Malschwitz
  • Rieseneiche von Niedergurig (ziert das Gemeindewappen)
  • Lutherdenkmal auf dem Gottlobsberg bei Niedergurig
  • Technisches Denkmal „Altes Basaltwerk“ in Baruth[15]
  • Geologischer Lehrpfad in Baruth, Vulkanismus
  • Historischer Dorfanger in Brösa
  • Bergbaumuseum „Olba“, alte Bäckerei Kleinsaubernitz
  • Alte Brennerei mit Storchennest in Guttau, jetzt Feuerwehr
  • Olbasee beim Ortsteil Kleinsaubernitz
  • Elchgehege im Heidewald bei Wartha
  • Schulmuseum K.A. Kocor in Wartha
  • Teufelsstein (mutmaßliches Sonnenheiligtum)
  • Wasserturm in Baruth

Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Malschwitz aufgeführt.

Naturschutz

Bildung

Oberschule der Gemeinde Malschwitz

Die Gemeinde Malschwitz verfügt über zwei Grundschulen (in Baruth und Guttau) und eine Oberschule.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Cornelius Gurlitt: Malschwitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 31. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 147.
  • Trudla Malinkowa/Weldon Mersiovsky (Hrsg.): Malschwitz. Malešecy. A Wendish Village in Lusatia. Serbin 2018, ISBN 978-1-944891-52-7.

Einzelnachweise

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