Mamasani
Schahrestan im Iran
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Die Region Mamasani (persisch ممسنی) befindet sich im südwestlichen Zagros-Gebirges in Iran. Sie ist zudem ein Verwaltungsbezirk (Schahrestan) der Provinz Fars. Mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 600 mm pro Jahr zählt das Gebiet zu den wasserreichsten Regionen der Provinz. Während in den Ebenen das Kulturland dominiert, bietet die umliegende Berglandschaft ausgedehnte Weideflächen. Die Bevölkerung gehört zur ethnischen Gruppe der Luren, die sich in verschiedene Stämme unterteilen – darunter auch die namensgebenden Mamasani. Ein kleiner Teil der Bevölkerung pflegt bis heute eine nomadische Lebensweise.







Die Region Mamasani ist nachweislich seit etwa 6000 v. Chr. besiedelt und blickt auf eine bedeutende Geschichte zurück. Während der Achämenidenzeit verlief vermutlich die berühmte Königsstrasse durch die Ebenen der Gegend, welche die Residenzstädte Susa in Chuzestan und Persepolis in der Flussebene des Kur miteinander verband. Auch zur Zeit der Sassaniden war die Region ein fester und strategisch wichtiger Bestandteil des Reiches.
Die reiche Vergangenheit spiegelt sich in zahlreichen Fundstätten wider: In den letzten Jahren wurden die neolithische Siedlung Tol-e Nurabad sowie die kupferzeitliche Stätte Tol-e Spid intensiv erforscht. Darüber hinaus beherbergt das Gebiet einzigartige Monumente, darunter das elamische Felsrelief von Kurangun, das post-achämenidische Felsgrab von Dau-e Dokhtar aus der früh-hellenistischen Epoche sowie die Ruine eines sassanidischen Turms bei Dum-e Mil.
Geographie
Die Region Mamasani befindet sich im Herzen des südwestlichen Zagros-Gebirges. Sie ist zudem eine Verwaltungsbezirk der iranischen Provinz Fars, wobei in der Vergangenheit die Grenzen des Bezirks weniger strikt definiert waren. Das Gebiet lag zwischen der Stadt Basht im Nordwesten und Ardakan-e Fars im Osten mit den Zentren Fahlian, Qaleh Sefid und Nobandagan (Nawbandjan). Die heutigen Grenzen des Verwaltungsbezirks Mamasani sind das Ergebnis einer Kombination von geographischen und kulturellen Faktoren und werden im Folgenden auch für die Region verwendet.[2][3.1]
Der nördliche und östliche Teil umfasst die Bergregionen des Jāvid und Doshman Ziāri. Das zentrale Gebiet besteht aus einer Reihe von Ebenen - Dasht-e Nurabad, Dasht-e Jāvid, Dasht-e Rostam-e Yek (manchmal auch Dasht-e Fahlian genannt) und Dasht-e Rostam-e Do (früher auch Deh-e Nau genannt) -, die von Bergen umgeben sind. Die Ebenen Dasht-e Rostam-e Do und Dasht-e Rostam-e Yek sind über den Pass Yagheh Sangar verbunden. Der Pass, der von Chuzestan aus in die Ebene Dasht-e Rostam-e Do führt, ist als Pol-e Pirim bekannt. Im Westen und Süden befinden sich Mahour-e Milāti und Māhour-e Zirband, deren Charakteristik eine hügelige Landschaft ist. Der höchste Punkt ist der Berg Tāsk in der Region von Doshman Ziāri mit mehr als 3100 m über Meer. Der tiefste Punkt ist Māhour-e Zirband mit 200 m über Meer.[3.2]
Die Luftlinie von den zentralen Ebenen nach Schiraz beträgt ungefähr 120 km, nach Yasudsch 50 km, nach Kazerun 65 km und nach Behbahan 120 km. Mit den Begriffen der archäologischen Geographie sind die Ebenen 100 km von Tal-e Malyan, 150 km von Persepolis, 160 km von Tol-e Peytul in Buschehr und 370 km von Susa entfernt.[3.1]
Das Flachland der zentralen Ebenen erstreckt sich entlang seiner Hauptachsen über eine maximale Ausdehnung von etwa 45 km in nordwest-südöstlicher Richtung und 15 km in nordöstlich-südwestlicher Richtung. Während die Ebenen aus flachem Schwemmland bestehen, das durch langfristige Sedimentation und tektonische Aktivitäten geformt wurde, ist ein Großteil der restlichen Gegend gebirgig und für die Viehwirtschaft geeignet. In diesen höher gelegenen Regionen von Mamasani sind die Mineralböden nur schwach entwickelt. Im Gegensatz zum feinkörnigen Sediment der Ebenen weisen die Böden der Hänge einen hohen Anteil an nicht verwittertem Gestein auf und sind arm an Feinmaterial. Das nomadische Weidesystem ist daher in hohem Maß auf kleine „Bodeninseln“ angewiesen, die eine bessere Qualität aufweisen.[3.3]
Die moderne sesshafte Bevölkerung von Mamasani praktiziert ein gemischtes Agrarsystem in den Ebenen, das sich primär auf den Anbau von Weizen und Gerste im Winter und Frühjahr sowie den Anbau von Reisanbau im Sommer konzentriert. Die Erschließung der Wasserressourcen ermöglicht Erträge, die bei Weizen zwischen 2 und 8,5 Tonnen und bei Reis zwischen 5 und 15 Tonnen pro Hektar liegen. Ohne Bewässerung sinkt der Weizenertrag auf 0,3 bis 3 Tonnen pro Hektar. Als Ergänzung zu diesen Grundnahrungsmitteln dient der Obstbau mit Erzeugnissen wie Orangen, Äpfeln, Wassermelonen und Datteln. Höhere Lagen ermöglichen zudem den Weinanbau.[3.4]
Klima
Das Zagros-Gebirge wird konventionell in die drei Klimazonen kalt (persisch sardsīr und sarhadd), gemäßigt (persisch mo’tadel) und warm (persisch garmsīr) unterteilt. Von den beiden kalten Klimazonen ist die höher gelegene Zone sarhadd für die nomadische Viehzucht ungeeignet, während die tiefer gelegene Zone sardsīr im Sommer dank ausreichender Regenfälle eine rentable Feldwirtschaft ermöglicht. Die warme Klimazone garmsīr ist während des Sommers für einen ständigen Wohnsitz zu heiß; im Winter dagegen bietet sie den nomadischen Hirten Zuflucht und ist für die bewässerte Landwirtschaft geeignet.[3.5]
Der nördliche Teil von Mamasani mit den Regionen Doshman Ziāri und Jāvid liegt in der kalten Klimazone sardsīr. Die zentralen Ebenen - Dasht-e Rostam-e Yek, Dasht-e Rostam-e Do, Dasht-e Nurabad und Dasht-e Jāvid - befinden sich in der gemäßigten Zone. Der westliche und südliche Teil von Mamasani, Mahour-e Milāti und Māhour-e Zirband, liegt in der warmen Klimazone garmsīr.[3.5]
Im Vergleich zu einer Reihe von Städten im Südwesten, einschließlich Schiraz, weist Mamasani mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von etwa 600 mm in Langzeitstudien deutlich höhere Werte auf. Bei der Interpretation der Studien muss berücksichtigt werden, dass die modernen Städte typischerweise im Regenschatten liegen und deshalb weniger Niederschläge erhalten als Gebiete mit direkter West- oder Südausrichtung.[3.5]
Während neuere Daten für die Provinz Fars vorliegen, ist es schwierig, die Klimaentwicklung im Gebiet von Mamasani seit den Anfängen der Besiedlung im Neolithikum präzise zu rekonstruieren. Versuche, das globale Klima zwischen 18 000 und 4000 v. Chr. zu rekonstruieren, lassen vermuten, dass in Westasien mehrere Klimaänderungen stattfanden, die für die menschliche Entwicklung eine Rolle spielten. Man geht davon aus, dass sich seit 4000 v. Chr. die grundlegenden Klimabedingungen nicht mehr verändert haben. In der vorhergehenden Periode von 10 000 v. Chr. bis 4000 v. Chr. fand das Holozän-Klimaoptimum statt, das eine Steigerung der Niederschläge von 25–30 Prozent mit milderen Wintern aufwies. Während dieses Klimaoptimums fand ein globaler Kälteeinbruch (die sogenannte Misox-Schwankung) statt, der um 6200 v. Chr. begann und mehrere Jahrhunderte dauerte. Man weiß noch nicht, was dieser Kälteeinbruch für Folgen auf die neolithische Gesellschaft hatte, aber er fällt zeitlich mit dem Ende des vorkeramischen Neolithikums zusammen.[3.5]
Verwaltungsbezirk
Kreise
Der Verwaltungsbezirk Mamasani ist in die folgenden Kreise unterteilt:
- Bachsch-e Markazi (Zentralbezirk) (بخش مرکزی) mit dem Hauptort Nurabad
- Bachsch-e Javid
- Bachsch-e Mahur-e Milati (بخش ماهورمیلانی) mit dem Hauptort Baba Monir
- Bachsch-e Doschman Ziari (بخش دشمن زیاری) mit dem Hauptort Pahlan Beland
Demografie
Bei der Volkszählung 2016 betrug die Einwohnerzahl des Schahrestan 117.527. Die Alphabetisierung lag bei 82 Prozent der Bevölkerung. Knapp 57 Prozent der Bevölkerung lebten in urbanen Regionen.[4]
| Zensusjahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 2011 | 116.386 |
| 2016 | 117.527 |
Die Bevölkerung von Mamasani gehört zur ethnischen Gruppe der Luren und gliedert sich traditionell in vier Stammesverbände: die Bakesch, die Jāvid, die Rostam und die Doshman Ziāri. Inzwischen ist die Mehrheit der Einwohner sesshaft geworden und lebt in Städten und Dörfern. Nur noch ein kleiner Teil pflegt die nomadische Lebensweise. Ende der 1990er-Jahre wurde geschätzt, dass etwa 20 000 Personen – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 200.000 – als Nomaden leben.[3.6][2]
Die Nomaden der Jāvid verbringen den Winter in Tang-e Khās und Tang-e Laleh im Nordosten von Nurabad; im Sommer ziehen sie in das Gebiet zwischen den Ebenen von Mamasani und Sepidan. Die Rostam-Nomaden halten sich im Winter im Gebiet nördlich von Dasht-e Rostam-e Do und im Sommer zwischen Kohkiluyeh und Mamasani auf. Die Nomaden der Bakesch überwintern in den Tälern von Buvān und Harāyraz östlich und südlich von Nurabad. Die Doshman Ziāri haben unter allen nomadischen Gruppen in Mamasani den kleinsten Wanderungsradius und verbleiben weitgehend in ihrer eigenen Region.[3.6]
Zusätzlich zu den Gruppen der Mamasani verbringen einige andere Nomadenvölker wie die Darreshouri, Kashkuliy-e Bozorg, Boyerahmadi und andere Stämme den Winter in der Region von Mamasani.[3.6]
Geschichte
Besiedlung
Im Rahmen eines Surveys in den Ebenen Dasht-e Rostam-e Yek und Dasht-e Rostam-e Do wurden insgesamt 51 archäologische Stätten untersucht. Dabei handelte es sich um Siedlungsplätze, die über eine oder mehrere Zeitperioden hinweg genutzt wurden. Das Spektrum der Fundstellen reicht von Oberflächenbefunden und architektonischen Überresten bis hin zu Höhlensiedlungen an den umliegenden Hängen.[5.1]
Die ältesten Siedlungsnachweise in Mamasani[6] wurden am nördlichen Rand der Ebene Dasht-e Rostam-e Do gefunden. Vier der fünf Siedlungsspuren, die in Form von Steinwerkzeugen und Klingen vorliegen, befanden sich nahe der Quellen des Flusses Sarab Siah, der in einen kleinen See in der Ebene mündet. Die fünfte Siedlung lag südöstlich davon. Angesichts einer potentiellen Dauer des Neolithikums in der Region sowie der regionalen Ausdehnung und der günstigen Umweltbedingungen, erscheint die Anzahl der gefundenen Siedlungen jedoch sehr gering.[7.1]
Die Bakun-Periode wurde an elf Standorten nachgewiesen. Sie zeichnen sich durch spezifische - dieser Periode zugewiesene - Arten von Steinwerkzeugen sowie eine typische Keramik aus, die sich durch ihr Design und ihre Gefäßformen von vorherigen Zeiträumen unterscheidet. Die meisten Siedlungen befanden sich zu Beginn der Bakun-Periode - wie bereits in der neolithischen Periode - in der Ebene Dasht-e Rostam-e Do. In der späten Bakun-Zeit kamen neue Standorte hinzu, insbesondere in der Ebene Dasht-e Rostam-e Yek. Die neuen Siedlungen der Bakun-Zeit lagen in offeneren Gebieten der Ebene in der Nähe von Gewässern und waren weit verstreut. Da die Siedlungsflächen weiterhin klein blieben, lässt sich vermuten, dass auch die Bevölkerungszahl gering war. Mit einer Ausnahme waren die größten Standorte über mehrere Perioden besiedelt.[5.2]
Mit 13 auf die Lapui-Zeit datierten Standorten zeigt sich eine Zunahme von Siedlungen in den Ebenen. Diese entstanden an neuen Standorten, insbesondere in der Ebene von Dasht-e Rostma-e Yek. Es gibt Hinweise auf die Nutzung bestimmter Bewässerungsformen für das Kulturland, die auch von nachfolgenden Generationen übernommen wurden.[5.3]
An sechs Standorten wurde die Banesh-Periode anhand der Keramik mit abgeschrägten Rändern (bevelled-rim ware) identifiziert. Im Verlauf der Periode verringerte sich die Anzahl der Standorte markant – analog zur Entwicklung in der Kur-Ebene sowie an anderen Orten in Fars und Chuzestan. Demgegenüber steht eine nachweisbare Kontinuität in Tol-e Nurabad und Tol-e Spid, die bis zum ausgedehnten Siedlungsunterbruch zwischen der Banesh- und der Kaftari-Periode andauerte.[5.4]
Abgesehen von Tol-e Nurabad und Tol-e Spid wurde an sieben weiteren Standorten Keramik der Kaftari-Periode identifiziert. Während dieser Zeit stiegen die Bevölkerungszahlen, insbesondere in der Ebene Dasht-e Rostam-e Do. Das Siedlungsmuster unterscheidet sich von dem früherer Perioden dadurch, dass bevorzugt neue Standorte gewählt wurden. So entstand eine Gruppe von Siedlungen im Bereich des Passes Yagheh Sangar zwischen den Ebenen, während im Süden der Ebene Dasht-e Rostam-e Yek keine Standorte nachweisbar sind. Eine dieser Siedlungen befand sich nahe dem Felsrelief von Kurangun, dessen Hauptentstehungsphase in diese Zeit fällt. Es wird vermutet, dass die Region während dieser Periode eine große Bedeutung erlangte, die bis in das frühe 1. Jahrtausend v. Chr. anhielt.[5.5]
An 14 Standorten wurden elamische Gefäße entdeckt, wobei viele dieser Orte eine kontinuierliche Besiedlung aufweisen, die bis in die Kaftari-Periode zurückreicht. Die Siedlungsschwerpunkte lagen hauptsächlich in Dasht-e Rostam-e Do, während im nördlichen Teil von Dasht-e Rostam-e Yek nur wenige Belege gefunden wurden. Eine markante Veränderung zeigt sich in der Konsolidierung einer großen Stätte im Süden von Dasht-e Rostam-e Do, nahe dem Passübergang zur Ebene Dasht-e Rostam-e Yek. Im Gegensatz dazu ist ein Rückgang an einem anderen Standort nordwestlich des Felsreliefs von Kurangun festzustellen.[5.6]
Es wurden elf achämenidische Standorte gezählt, die über die Ebenen von Dasht-e Rostam-e Do und Dasht-e Rostam-e Yek verstreut lagen. Diese befanden sich üblicherweise nahe an Gewässern. Im Westen von Dasht-e Rostam-e Yek entstanden entweder neue Siedlungen oder sie wurden auf lange verlassenen prähistorischen Stätten errichtet. Die bedeutendste Siedlung war Tappeh Servan/Jinjan (MS46), umgeben von weiteren Ansiedlungen. Es gibt Hinweise darauf, dass Tappeh Servan ein achämenidischer Verwaltungssitz und möglicherweise eine Station der Königsstraße war. Eine weitere Siedlung, in der achämenidische Säulenbasen gefunden wurden, lag 17 km entfernt. Diese Distanz zu Tappeh Servan entspricht der berechneten Entfernung zwischen zwei Stationen der Königsstraße. Mithilfe der Verwaltungstexte von Persepolis wurde versucht, die Orte zwischen Susa und Persepolis zu rekonstruieren. Dabei wurde Mamasani als einer der Schlüsselabschnitte der Straße identifiziert; zudem wird vermutet, dass dort königliche Wegstationen und Lagerhäuser existierten.[5.7]
Sieben Standorte wurden als post-achämenidisch identifiziert. Sie weisen eine Kontinuität zur achämenidischen Periode auf.[5.8]
Während der sassanidischen und der islamischen Ära stieg die Anzahl der Standorte markant auf 19 an. Die Präsenz der Stadt Nobandagan, des Reliefs von Sarab-e Bahram und des Turms Dum-e Mil in der Ebene Dasht-e Nurabad sowie die Ergebnisse des Surveys verdeutlichen, dass Mamasani ein integraler Bestandteil des Sassanidenreichs war und während der gesamten islamischen Periode durchgehend besiedelt blieb. Im weiteren Verlauf der islamischen Phasen erhöhte sich die Zahl der über die Ebenen verteilten Fundstätten auf 42. In Dau-o Dokhtar konnte Keramik bis in die mittlere islamische Periode nachgewiesen werden. Ein Standort weist neben architektonischen Strukturen eine Inschrift aus dem 18. Jahrhundert n. Chr. auf, die aus der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt Fahlian nach der afghanischen Invasion von 1722 stammt. Etwa einen Kilometer östlich befindet sich zudem eine Brücke oder ein Aquädukt aus der Ära der Safawiden.[5.9]
Die Bildfolge gibt in graphischer Form die Entwicklung der Besiedlung der Ebenen Dasht-e Rostam-e Do und Dasht-e Rostam-e Yek wieder.
- Neolithikum
- Bakun-Periode
- Lapui-Zeit
- Banesh-Zeit
- Kaftari-Zeit
- Elamische Periode
- 1. Jahrtausend v. Chr.
- Achämenidenreich
- Post-Achämenidische Zeit
- Sassanidenreich
- Islamische Zeit
Bildung des nomadischen Hirtenwesens
Die Entwicklung der Viehzucht als Strategie der Selbstversorgung im zentralen und südlichen Zagros wird von den Forschenden intensiv diskutiert. Die archäologischen Belege weisen diesen Wirtschaftszweig als das Ergebnis eines langwierigen Prozesses aus, der zudem räumlich und zeitlich versetzt stattfand. Die Entwicklungen hingen dabei maßgeblich von Klimafaktoren, Vegetation, Niederschlag und dem Zugang zu Wasser ab. In Gandsch Dareh im zentralen westlichen Zagros wurden frühe Bewegungen in den Hochweiden nachgewiesen, die bereits um 8000 v. Chr. auf eine menschliche Kontrolle des Viehbestands hindeuten. Die progressive Bewegung, die auch an anderen Fundstätten beobachtet werden konnte, nahm ihren Anfang bei der dörflichen Viehzucht. Sie entwickelte sich über die Wanderweidewirtschaft und eine nachfolgende halbnomadische Lebensweise, bis sich schließlich ein voll entfaltetes nomadisches Hirtenwesen herausbildete. Die Loslösung der Viehzucht vom Dorf wird in die frühe und mittlere Kupfersteinzeit (5. Jahrtausend v. Chr.) datiert. In dieser Zeitspanne nahm die sesshafte Besiedlung dramatisch zu, während gleichzeitig temporäre Behausungen dominierten und die Distanz zwischen den Dörfern wuchs. Diese Entwicklung mündete in der Entstehung eigenständiger nomadischer Hirtengruppen und einer sinkenden Bedeutung der Landwirtschaft.[7.2]
In Fars wurden für die Bakun-Periode (5. Jahrtausend v. Chr.) 175 Fundstätten in der Kur-Ebene nachgewiesen – die höchste Dichte innerhalb der prähistorischen Epochen. Die meisten dieser Stätten waren kleiner als zwei Hektaren groß und wurden mit Unterbrüchen bewohnt. Das wurde dahingehend interpretiert, dass die Population während der Bakun-Zeit stetig wuchs und sich die Siedlungsgruppen eher aufspalteten, anstatt größere Zentren zu bilden.[7]
Nach dem Ende dieses ersten großen Wachstumszyklus entwickelte sich der Hirtennomadismus als Reaktion auf den darauffolgenden Bevölkerungsrückgang. Dies führte in der Lapui-Zeit (erste Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.) zu einer Verlagerung vom Ackerbau hin zur Schaf- und Ziegenhaltung. In der mittleren Lapui-Zeit etablierte sich ein umfassendes Subsistenzsystem, das auf einer Kombination aus Viehwirtschaft sowie kleinräumiger Grundwasserbewässerung oder extensivem Trockenfeldbau basierte. Dies stellt die letzte Phase sesshaften Lebens dar, von der aus ein Großteil der Menschen allmählich zum Nomadismus überging. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese voll entwickelten nomadischen Gruppen in symbiotischer Wechselbeziehung mit verbliebenen landwirtschaftlichen Gemeinschaften standen. Obwohl für Mamasani als wichtige Verbindungsregion zwischen Hoch- und Tiefland keine Daten zur Entwicklung des nomadischen Hirtenleben vorliegen, könnten weitere Studien der Region wichtige Erkenntnisse für unser Verständnis der Geschichte der Weidewirtschaft in den Tälern von Fars liefern.[7]
Verbindung zwischen Hoch- und Tiefland
Bereits Ernst Herzfeld und Aurel Stein besuchten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Hochland abseits der monumentalen Bauwerke und machten sich Gedanken über die historischen Verbindungskorridore zwischen dem Hoch- und Tiefland. Mit der Publizierung der Verwaltungsarchive von Persepolis in den 60er-Jahren wurden Orte und Regionen der weiteren Umgebung von Persepolis bekannt, deren elamische Namen geografisch zu lokalisieren waren. Mamasani spielte dabei mit seinen Hochebenen und Pässen von Anfang an eine wichtige Rolle. Obwohl nur eine begrenzte Anzahl an Routen über die Hochebenen des Zagros-Gebirges infrage kommt, fehlen für eindeutige Identifizierungen der Routen bislang die archäologischen Belege aus den Gebieten zwischen Susa und Persepolis.[8.1]
Die traditionelle Interpretation der Route Alexanders des Großen basiert auf einem Vorschlag von Aurel Stein aus dem Jahr 1940. Seiner Ansicht nach teilte Alexander seine Streitkräfte in der Region Mamasani auf: Er schickte seinen General Parmenion über Kazerun nach Persepolis, während er selbst zu den Persischen Toren aufbrach, die Stein in Tang-i Khas (östlich von Mamasani) lokalisierte.[8.1]
Der Historiker Henry Speck hingegen veröffentlichte 2002 die Ergebnisse seiner mehrjährigen Arbeit,[9] in der er darlegt, dass die Route über Kazerun und die Ebene Dascht-e Aržan zur Zeit der Achämeniden nicht passierbar gewesen sei. Stattdessen vermutet er den Standort der Persischen Tore im Beshar-Tal, nahe der modernen Stadt Yasuj. Durch Mamasani habe demnach die Winterroute zwischen dem Hoch- und dem Tiefland geführt. Dies lässt zusammen mit den archäologischen Belegen darauf schließen, dass Qaleh Kali und Tappeh Pahnu mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Hauptroute der Königsstraße im südwestlichen Zagros-Gebirge lagen. Die Region Mamasani hat archäologische Belege für achämenidische Strukturen hervorgebracht, die an Fundplätzen wie Qaleh Kali, Tappeh Pahnu und Tappeh Sorna zutage traten; diese können als Stationen der achämenidischen Königsstraße, Lagerhäuser oder Residenzen der königlichen Elite gedeutet werden.[8.2]
Herkunft
Die Region verdankt ihren Namen dem Stamm der Mamasani, die das Gebiet seit mindestens dem 16. Jahrhundert n. Chr. bewohnen. Der Name „Mamasani“ wird allgemein als Kontraktion von Mohammad Hassani interpretiert, dem mutmaßlichen Namensgeber des Stammes. Vor der Ankunft der Mamasani wurde das Gebiet vom lurischen Stamm der Sul (auch Shul oder Shoul) bewohnt, weshalb die Gegend zu jener Zeit als Sulistan (Shulistan) bekannt war.[2][3.7]
Die Ursprünge des Stammes der Mamasani liegen weitgehend im Dunkeln. In der Beschreibung des Feldzugs Alexander dem Großen in Sogdien verweist der römische Historiker Quintus Curtius Rufus auf die „starken Memaceni“.[10] Manche Wissenschaftler sehen in dieser Gruppierung die Vorfahren der heutigen Mamasani, während andere Wissenschaftler eine Verbindung der beiden ethnischen Begriffe ablehnten. Während die meisten Autoren die Wurzeln der Mamasani außerhalb von Fars vermuten, vertrat der englische Journalist und Illustrator Frederic Shoberl 1828 die Ansicht, dass die Stämme der südlichen Provinzen Abkömmlinge jener „wilden“ Horden seien, die sich bereits zur Zeit Alexanders in denselben Gebieten siedelten.[11][2]
Aufgrund des lurischen Dialekts der Mamasani wird angenommen, dass der Stamm ursprünglich in Luristan beheimatet war. Über die Gründe sowie den genauen Zeitpunkt der Einwanderung in die Provinz Fars existieren verschiedene Überlieferungen.[2]
Eine Erklärung stützt sich auf einen frühen Beleg aus der Herrschaftszeit des hazaraspidischen Atabeg von Luristan, Emād-al-Din Hazārasp, aus dem 13. Jahrhundert n. Chr. In diesem Dokument schwören die „Memaseni“ dem Atabeg als Verbündete die Treue. In der Folge eroberte der Atabeg Sulestan - ein Gebiet, von dem man annimmt, dass es den heutigen Bezirk umfasst. Er gründete in allen landwirtschaftlich günstigen Teilen der eroberten Gebiete Dörfer. Dies könnte die ursprüngliche Einwanderung der Mamasani in Fars erklären; die meisten Quellen deuten jedoch auf einen späteren Zeitraum hin.[2]
Eine andere Erklärung vermutet, dass die Mamasani von Nader Schah im 18. Jahrhundert n. Chr. nach Sulestan umgesiedelt wurden. Der persische Schriftsteller Hasan Fasa'i, der aus der Provinz Fars stammte und im 19. Jahrhundert lebte, berichtet dagegen, dass der lurische Stamm der Mamasani Sulestan in den letzten Herrschaftsjahren der Safawiden in Besitz nahm und den Distrikt nach seinem eigenen Namen umbenannte. Eindeutig überliefert ist die Tatsache, dass Sulestan zu Boluk-e Mamasani wurde und der neue Name 1891 eine Zeit lang parallel mit dem Namen Sulestan verwendet wurde.[2]
Während der Herrschaft der Safawiden
Im 17. Jahrhundert n. Chr. berichten safawidische Quellen, dass 1617 Mitglieder des Stammes als Musketiere Schah Abbas I. in seinem Feldzug gegen die Osmanen dienten und sich 1000 Mitglieder an den Feldzügen des Gouverneurs von Bandar Abbas beteiligten. Die letzte Überlieferung über Söldnerdienste der Mamasani stammt von 1828, während der Herrschaft der Kadscharen. Der Gouverneur von Fars sandte 1000 Mamasani zur Unterstützung an den Herrscher von Oman für die Rückeroberung von Bahrain.[2]
Während der Herrschaft der Kadscharen
Im späten 18. Jahrhundert, noch unter der Herrschaft der Zand-Dynastie, kam es immer wieder zu Zwischenfällen zwischen den Mamasani und der Regierung. In den Jahren 1786 und 1787 führte Moḥammad Khan Zand, ein Mitglied der Herrscherfamilie, eine Strafexpedition gegen sie durch. Auch die nachfolgenden Jahrzehnte unter der Herrschaft der Kadscharen brachten keinen Frieden. 1830 befestigte Wali Khan Bakasch, der Vorsteher des Dorfes Qaleh Sefid, den Zugang zu seiner Festung. Nach dem Tod von Fath-Ali Schah 1834 konnte Wali Khan Bakasch zeitweilig die Verbindung zwischen Buschehr und Schiraz unterbrechen. Im folgenden Jahr unternahm Mohammad Schah Kadschar, der Nachfolger von Fath-Ali Shah, einen Feldzug gegen die Mamasani, der sich vor allem gegen Baqer Khan, den Sohn von Wali Khan Bakasch, richtete. Dieser hatte sich der Rebellion zweier Söhne Fath-Ali Schahs angeschlossen. Britische Offiziere im Dienst von Mohammad Schah Kadschar wurden ausgesandt, um die Rebellion zu unterdrücken. Nachdem die Khans der Mamasani aus Qaleh Sefid vertrieben worden waren, flüchteten sie in die Festung Gol-o-Golāb, die in den Bergen südlich von Behbahan lag. 1836 stürmten die Truppen die Festung und nahmen Baqer Khan gefangen. Über den Verbleib der Khans wird verschieden berichtet. Hasan Fasa'i schreibt, dass Wali Khan Bakasch und seine Söhne zuerst nach Teheran gebracht wurden, dann nach Ardabil und schlussendlich nach Täbris verlegt wurden, wo sie mehrere Jahre später starben. Henry Creswicke Rawlinson schreibt 1857, dass Baqer Khan zu jener Zeit das Oberhaupt der Mamasani gewesen sei, nachdem er zuvor von der persischen Regierung gefangen genommen worden war.[2]
1897 gelangte das Krongut Mamasani in den privaten Besitz von Mo'in-al-Tojjar Buschehri, dem persönlichen Bankier des Schahs. Der Übernahme des Landes ging ein Streit zwischen der persischen Regierung und privaten Geschäftsleuten voraus. Eine große Ladung belgischer Waffen und Munition, die Mo'in-al-Tojjar Buschehri, Geschäftsfreunden und mehreren britischen Konzernen gehörte, war auf einem anglo-arabischen Dampfschiff nach Iran transportiert und von der persischen Regierung beschlagnahmt worden. Während die Konzerne vergeblich bei der britischen Regierung protestierten, appellierten die persischen Geschäftsleute an die eigene Regierung und erhielten als Entschädigung die Region Mamasani. Mo'in-al-Tojjar Buschehri zahlte seine Partner aus und wurde Alleineigentümer des Landes. Infolgedessen verlor der Gouverneur von Fars die rechtliche und finanzielle Kontrolle über die Region. Hintergrund des Interesses von Mo'in-al-Tojjar Buschehri an Mamasani war die Intensivierung des Schlafmohnanbaus, für den die Region bekannt war. Die Rostam, eine Stammessektion der Mamasani, verweigerten jedoch die Steuerzahlungen an den neuen Besitzer. 1922 entsandte Buschehri das Militär gegen sie. Seine Aktion scheiterte jedoch im ersten Anlauf. Erst 1923 kapitulierte der Stammesführer der Rostam; er willigte ein, seine Befestigungstürme zu zerstören, stellte dem Militär ein kleines Truppenkontingent zur Verfügung und bekundete seine Loyalität gegenüber der Regierung.[2]
Während dieser Zeit befanden sich die Mamasani in einer ständigen Fehde mit dem Stammesverband der Qaschqai. 1912 errichtete der Gouverneur von Fars gemeinsam mit dem Führer der Qaschqai ein Kommandozentrum in Kazerun, mit der Absicht, die rebellischen Kaschkuli und Mamasani zu umzingeln und die Ordnung in der Provinz wiederherzustellen.[2]
Während der Herrschaft der Pahlavi
1928, drei Jahre nach der Machtergreifung der Pahlavi, rebellierten die Mamasani erneut gegen die Regierung, als deren General Abu’l-Ḥasan Zand versuchte, die Ebene von Fahlian – eine der strategischen Hochburgen der Mamasani – zu besetzen. 1929 schlossen sich die Mamasani einer umfassenderen Stammesrebellion an. Dabei übernahmen Mitglieder der Bakesch-Sektion die Kontrolle über die staatlichen Garnisonen in Gardana Nalband und Nurabad. Im gleichen Jahr wurde Imam Qoli Khan, das Oberhaupt der Rostam-Sektioni, vom General des Schah, Habib-Allah Schaibani, besiegt. Der Stammesführer suchte daraufhin Zuflucht beim Kriegsminister des Schah, der ihn jedoch verriet. Er wurde gefangen genommen und schließlich 1936 hingerichtet.[2]
Derselbe General des Schah eröffnete 1930 erneut einen Feldzug gegen die Mamasani. Am schmalen Pass Tang-e Tamurad verlor er 500 Soldaten. Daraufhin wies der Schah seinen General an, die kleine Stadt Ardakan-e Fars, die östlich von Mamasani liegt, zu erobern, um sie als Basislager für Angriffe gegen die Mamasani benutzen zu können. Der General wurde jedoch umzingelt und sah sich gezwungen, mit den Rebellen verhandeln. In der Folge wurde er vom Schah zurückbeordert und wegen seines Scheiterns für zwei Jahre inhaftiert. 1934 wurde die Region schlussendlich befriedet. Es wurden militärische Kontrollposten eingerichtet und die Stämme der Boir Ahmadi und Mamasani wurden zunehmend in kleinere Sektionen zersplittert. Viele Stammesführer wurden auf Anweisung des Schah hingerichtet; andere wanderten ins Gefängnis oder standen in Schiraz oder Teheran unter Hausarrest. Erst 1941 gelang den überlebenden Stammesführern die Flucht, woraufhin sie nach Mamasani zurückkehrten.[2]
Mehrere Stammesführer schrieben 1942 dem britischen Residenten in Buschehr und äußersten den Wunsch, dass sie sicher und frei von jeglichen Einmischungen leben können. Sie würden bei einer Unterstützung der britischen Autoritäten ihrer Anliegen jeglichen Dienst ausführen. Einer dieser Stammesführer, Hosaynqoli Khan Rostam, war der Sohn und Nachfolger des 1936 hingerichteten Stammesführers der Rostam. Er gehörte zu den Verbannten, die 1941 nach Mamasani zurückkehrten und war zu dieser Zeit die herausragende Persönlichkeit unter den Mamasani. Nach seiner Rückkehr bildete Hosaynqoli Khan Rostam Allianzen mit den Stämmen der Jāvidi und Bakesch, indem er seine Schwestern mit deren Anführern verheiratete. Zur gleichen Zeit wollte die Regierung das Potential der Mamasani als Gegengewicht zu den mächtigen Stämmen der Qaschqai und Boir Ahmadi ausnutzen, ohne dass die Mamasani so mächtig würden, dass sie wieder rebellieren könnten. Die Briten befürchteten dagegen, dass die Deutschen Erfolg in ihren Bestrebungen haben könnten, die Stämme der Qaschqai, Boir Ahmadi und Mamasani zu vereinigen. 1943 sandte Hosaynqoli Khan Rostam einen Repräsentanten nach Schiraz, um den britischen Konsul zu versichern, dass sie sich den britischen Interessen verpflichtet fühlen. Ein Empfang des britischen Generals Rupert Lochner für verschiedene Stammesführer, darunter diejenigen der Mamasani, weckte 1945 die Besorgnis der Sowjetunion und veranlasste die Entsendung von drei sowjetische Diplomaten in die Region.[2]
1945 wurde der Stamm immer noch von Hosaynqoli Khan Rostam geführt, der zu diesem Zeitpunkt keine nahen politischen Verbündete mehr hatte. Dennoch gelang es ihm, die Qaschqai aus dem Stammesgebiet zu vertreiben, die versucht hatten, in das Land der Mamasani einzudringen. Während die Sicherheit in anderen Stammesregionen in der Verantwortung der Khans lag, wurden in Mamasani Polizeiposten eingerichtet.[2]
In den Jahren 1962 und 1963 rebellierten die Stämme, unter ihnen auch die Mamasani, vor dem Hintergrund der Weißen Revolution des Schah erneut gegen die Regierung. Die Rebellion wurde niedergeschlagen und zahlreiche Stammesführer zum Tode verurteilt, darunter auch Hosaynqoli Khan Rostam. Der Schah verhängte das Kriegsrecht und der Militärgouverneur der Region verlegte sein Hauptquartier von Fahlian nach Nurabad. Seither ist Mamasani ein Schahrestan und Nurabad wurde zum administrativen Zentrum ausgebaut. Das vormalige Zentrum Fahlian verlor seinen Status und wurde in der Folge zum Zentrum eines Dehestan herabgestuft.[2][3.8]
Archäologie
Die gemeinschaftliche archäologische Untersuchung des Iranian Center for Archaeological Research (ICAR) (Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus) und der Universität Sydney in den Jahren 2002–2003 belegt, dass sich neben Tol-e Nurabad, Tol-e Spid und Tappeh Sorna zahlreiche weitere antike Siedlungshügel in den Ebenen von Mamasani befinden. Diese bildeten bereits in frühen Epochen einen gut dokumentierten Korridor zwischen Chuzestan und dem Hochland von Fars.[12.1]
Beitrag zur absoluten Chronologie in Fars
Durch die Ausgrabungen in Tol-e Nurabad und Tol-e Spid konnte eine lückenlose absolute Chronologie erstellt werden, die vom Neolithikum bis in die post-achämenidische Zeit reicht.[12.1]
Tappeh Sorna
Die archäologische Stätte Tappeh Sorna mit einer Größe von einer Hektar liegt etwa 200 m nördlich des Dorfes Kūpūn im Nordwesten der Ebene Dasht-e Rostam-e Do. Von dort aus bietet sich ein Ausblick auf sämtliche Pässe, die aus dem Tal führen. Die Stätte war über einen Zeitraum von etwa 6000 Jahren besiedelt – von der Bakun-Zeit über die Lapui-, Kaftari-, mittelelamische, achämenidische, post-achämenidische und sassanidische bis hin zur islamischen Zeit. Tappeh Sorna wurde bereits 1883 von Henry Lake Wells[14] und 1940 von Aurel Stein[15] beschrieben.[12.2]
Tappeh Pahnu
Tappeh Pahnu liegt im Norden der Ebene Dasht-e Rostam-e Do mitten im Kulturland, das zu niederen Terrassen ausgebaut wurde. In Tappeh Pahnu wurden Belege für die Banesh- und Qaleh-Periode (mittelelamisch) sowie für die achämenidischen, post-achämenidischen, sassanidischen und islamischen Zeiträume gefunden. Neben Jinjan/Tappeh Servan ist sie der Fundort von achämenidischen Säulenbasen, wovon sich eine Säulenbase in situ befand.[12.3]
Jinjan
Jinjan (oder Jinjun) ist ein Dorf im Westen der Ebene Dasht-e Rostam-e Yek. Westlich des Dorfes liegt die archäologische Fundstätte Qaleh Kali, die in der Fachliteratur auch als Tappeh Servan (oder Suruvan) bezeichnet wird. Ernst Herzfeld beschrieb das Areal als eine ganze achämenidische Stadt, die sich an einen steilen, hohen Felsberg lehnt. Es fänden sich Säulenbasen und andere Architekturfragmente auf dem Boden. Das ganze Stadtgebiet erstreckt sich laut seinen Angaben über einen Kilometer in der Länge und mehr als 500 Meter in der Breite.[16.1]
1935 berichtete Aurel Stein, dass in einer kleinen Festungsruine vor kurzem zwei Sockel aus schwarzem, marmorähnlichem Kalkstein freigelegt worden seien. Diese weisen die für die Achämeniden typischen Reliefdekorationen auf.[16.2]
1959 führte die Tokyo University Iraq-Iran Archaeological Expedition[17] eine fünftägige Ausgrabung durch. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Spuren des Ruinendorfes, das Ernst Herzfeld noch fotografisch dokumentieren konnte, bereits verschwunden. Die Archäologen fanden jedoch drei Säulenbasen in situ, eine kleine gepflasterte Fläche und Überreste von mehreren steinernen Staffelzinnen. Diese Funde stützten die Vermutung, dass es sich um einen königlichen Pavillon der achämenidischen Dynastie gehandelt habe, der entlang der Königsstraße zwischen Susa und Persepolis errichtet worden war.[16.3]
Als ein archäologisches Team des Mamasani Archaeological Project 2007 die Stätte erneut besuchte, fanden sich keine Hinweise mehr auf die von Herzfeld beschriebenen parallelen Reihen von Säulenbasen. Bei den Grabungen wurden jedoch glockenförmige Säulenbasen entdeckt, die eindeutig dem achämenidischen Stil zuzuordnen sind (verziert mit sechzehn siebenblättrigen Palmetten). Da sie den Funden aus Persepolis und Susa nicht direkt ähneln, lassen sie sich bisher keiner spezifischen Herrschaftsphase zuweisen. Ihre gewaltigen Abmessungen lassen jedoch auf ein monumentales Gebäude schließen: Eine der Basen war 93 cm hoch bei einem Grunddurchmesser von 1,24 m. Dies entspricht annähernd den Dimensionen der 100-Säulen-Halle in Persepolis, deren Basen Höhe von 98,5 cm auf und einen Durchmesser von 1,51 m aufweisen.[16.4]
Verschiedene Mauerreste aus Lehmziegeln sowie Füllmaterialien in den Bodenschichten weisen auf Strukturen aus achämenidischer und post-achämenidischer Zeit hin. Zudem wurde eine große Menge an Keramik entdeckt. Einige Stücke weisen Merkmale dessen auf, was in den Funden von Persepolis als „königliches Geschirr“ klassifiziert wird. Dies deutet auf die Anwesenheit einer Elite hin, die möglicherweise in direkter Verbindung zum Königshaus stand. Da viele der Keramiken großformatige Lagerbehälter sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Stätte um ein königliches Depot oder ein Verteilzentrum handelte.[16.5]
Die Archive von Persepolis belegen regelmäßig die zahlreichen Reisen der königlichen Familie, wobei die Reisenden mit vom König gewährten Gütern ausgestattet wurden. Bisher ist es zwar kaum gelungen, die in den Texten genannten Ortsnamen exakt zu lokalisieren, doch es besteht die starke Vermutung, dass bestimmte Toponyme des Archivs in der Region Mamasani, insbesondere im Gebiet von Fahlian, zu verorten sind.[16.6]
Keramik
Die neolithische Keramik von Mamasani weist Ähnlichkeiten zu den Funden in Chuzestan und Fars auf. Es handelt sich um pflanzlich gemagerte Gefäße (vegetal-tempered ware) mit überzogener (slipped) und polierter (burnished) Oberfläche. Bei den Gefäßformen dominieren schmale, tiefe Schüsseln mit runden Rändern, wie sie für das Neolithikum der Kur-Flussebene charakteristisch sind. Die bemalte Keramik von Tol-e Nurabad sowie Oberflächenuntersuchungen aus Mamasani belegen zudem lokale Besonderheiten in Form von mono- und bichrom dekorierten Mustern.[12.4]
Die Farbtöne der Buff-Keramik von Mamasani variieren von Gelblich und Hellbraun (tan) bis hin zu Grünlich oder Gräulich. Diese Nuancen resultieren aus unterschiedlichen Brennmethoden, welche auch die Färbung der Dekorationen beeinflussen. Letztere reicht von Gräulich und Grünlich-Braun bis zu Dunkel- oder Rötlich-Braun.[12.5]
Die Lapui-Zeit ist durch ihre charakteristische, polierte und mineralisch gemagerte Keramik (grit ware) definiert. Besonders hervorzuheben sind zwei Fragmente einer feinen, orangen Ware mit bichromer und rot bemalter Dekoration; diese unterscheidet sich deutlich von allen anderen bemalten Traditionen in Fars.[7.3]
Die Gefäße der Banesh-Periode ist durch eine Massenproduktion mineralisch und pflanzlich gemagerter Keramik (grit- and vegetal-tempered ware) gekennzeichnet. Zu den charakteristischen Formen zählen insbesondere die Schüsseln mit abgeschrägtem Rand (bevelled-rim). Die Herstellung erfolgte handgemacht, mithilfe von Schablonen (Formen) oder auf der Töpferscheibe.[12.6]
Die Keramik der Kaftari-Periode im Mamasani zeichnet sich durch charakteristische gelblich-beige (buff) oder hellbraune Keramik mit dunkler Bemalung aus. Ergänzt wird dieses Spektrum durch rot-engobierte (red-slipped) sowie graue Keramik, mit mineralischer oder pflanzlicher Magerung. Letztere ist insbesondere aus Tal-e Malyan bekannt. Typische Leitformen der Kaftari-Zeit sind Halsgefäße mit abgeflachtem Rand, die geometrische Motive in horizontalen und vertikalen Bändern aufweisen. Funde dieser Periode stammen sowohl aus Tol-e Nurabad als auch aus Tol-e Spid.[12.7]
Die Keramik des späten 2. Jahrtausend und 1. Jahrtausend v. Chr. ist durch unbemalte (plain) und bemalte (painted) Keramik charakterisiert. Die unbemalte Keramik der mittelelamischen Periode ist von Susa und Tschogha Zanbil (Chuzistan) sowie von Tal-i Malyan (Kur-Ebene, Fars) bekannt. In Mamasani tritt sie braun oder orangebraun sowie mineralisch oder pflanzlich gemagert auf; das Formenspektrum umfasst Schüsseln, Kelche und Töpfe mit den jeweils typischen Hals-, Rand- und Bodenformen. Neben weiteren Fundplätzen ist sie auch in Tol-e Nurabad vertreten. Die bemalte Keramik der zeitgenössischen Qaleh-Phase (mittelelamisch) ist typischerweise mit einfachen horizontalen und vertikalen Bändern, Schraffuren oder Strichen dekoriert und wurde an mehreren Standorten nachgewiesen.[12.8]
Die Keramik der achämenidischen Periode ist durch sogenannte Knickwandschalen (carinated bowls) mit runden Böden und markanten Kanten charakterisiert. Diese Formen blieben bis weit in die post-achämenidische Zeit hinein in Gebrauch. Die Dekoration beschränkt sich auf eingeschnittene horizontale Rillen in Kombination mit flachen Erhebungen.[12.9]
Die Keramik der sassanidischen und islamischen Epochen umfasst sowohl bemalte als auch glasierte Waren. Für die sassanidische Keramik sind Schalen mit nach unten gebogenen, oft abgeflachten Rändern typisch. Kennzeichnend sind zudem horizontale Wellenlinien oder gestrichelte Wellenmuster um den Hals oder den Gefäßkörper.[12.10]
Literatur
- Daniel T. Potts, K. Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford 2009.
- Daniel T. Potts: JENJĀN. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 13. April 2012 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 27. März 2026] mit Literaturangaben).
- Jamshid Sadaqat-Kish: FAHLĪĀN. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 6. Mai 2013 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 22. Januar 2026] mit Literaturangaben).
- Hubertus von Gall: DĀ O DOḴTAR. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 18. Juli 2016 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 4. Februar 2026] mit Literaturangaben).
- Reinhold Loeffler, Gernot Ludwig Windfuhr: Boir-Ahmadi. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 2. Dezember 2016 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 18. Februar 2026] mit Literaturangaben).
- Daniel T. Potts: Mamassani. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 18. März 2021 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 22. Januar 2026] mit Literaturangaben).