Manfred Butzmann

deutscher Grafiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Manfred Butzmann (* 14. September 1942 in Potsdam-Bornim; † 4. Januar 2026[1] ebenda[2]) war ein deutscher Grafiker.

Manfred Butzmann
während einer Ausstellungseröffnung im August 2009

Leben und Werk

Butzmann wurde als Sohn eines Gärtners im Potsdamer Stadtteil Bornim geboren. Nachdem der Vater im Volkssturm 1945 von Soldaten der Roten Armee erschossen worden war, wuchs Manfred in Eutzsch (Kreis Wittenberg) bei Verwandten auf einem Bauernhof auf. 1955 holte ihn seine Mutter zurück nach Potsdam, wo er 1961 das Abitur ablegte. Als Schüler nahm er bereits Zeichenunterricht. Von 1961 bis 1964 absolvierte er eine Ausbildung zum Offsetretuscheur in Berlin und Potsdam. Nebenher arbeitete er im Malzirkel von Magnus Zeller in Caputh; eine Arbeit von 1962 wurde 1969 aufgenommen in den 100 Tafeln umfassenden Querschnittsband zum bildnerischen Volksschaffen in der DDR, Graphikspiegel.[3]

Von 1964 bis 1969 studierte Butzmann Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Arno Mohr, Werner Klemke und Klaus Wittkugel. Von 1988 bis 1993 war er hier Gastdozent.

Ab 1970 arbeitete er freischaffend als Grafiker, zunächst als Buchillustrator. Von 1973 bis 1977 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste (Berlin) bei Werner Klemke. Das Meisterschülerstudium wurde 1976 unterbrochen, als Butzmann den Reservistendienst in der NVA leisten musste. Angeregt von der Tristesse des Kasernenlebens entstand die Radierfolge Eindrücke.

Danach arbeitete er weiter als Buchillustrator sowie Einbandgestalter, schuf seit 1977 aber auch Druckgrafiken und Aquarelle, Fotoplakate und Postkarten. Ab 1971 entwarf er die Plakate für seine Ausstellungen als Offset-Lithografie selbst, in der Regel wurden sie in der Berliner Druckerei Graetz gedruckt. Eine besondere Vorliebe Butzmanns gilt den Abreibungen. Zahlreiche Abnahmen tätigte er in alten Berliner Hausfluren, auf Straßen, aber auch von Grabsteinen und Türen.

Butzmann war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte eine große Anzahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der DDR u. a. von 1972 bis 1988 an der VIII. bis X. der Kunstausstellung der DDR in Dresden, und nahm seit 1976 an zahlreichen Pleinairs teil.

1989/1990 war er Mitglied des Untersuchungsausschusses zu den polizeilichen Übergriffen am 7. und 8. Oktober 1989 in Berlin.[4] Danach arbeitete er an mehreren Projekten.

Butzmann heiratete 1966, das Paar bekam drei Kinder. Von 2007 bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er in Potsdam-Bornim.

Ehrungen

Gedenktafel am Haus, Friedrich-Jacobs-Promenade, in Berlin-Rummelsburg (2017)

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Butzmanns (unvollständig)

Werkbeispiele

Plakate

Mit seinen unkonventionell gestalteten Plakaten wurde Butzmann zum kritischen Augenzeugen, ging gegen Engstirnigkeit, Gleichgültigkeit und bequeme Anpassung seiner Mitbürger vor. Auch die Themen Frieden und Umweltschutz stellte er plakativ dar. Wenn er keine Druckerei fand, druckte er die Plakate auch einfach selbst.[2]

  • 1973: X. Weltfestspiele
  • Luthereiche in Wittenberg
  • 1977: Bürger schützt eure Steige[2]
  • 1984, 1985, 1988, 1990: Heimatkunde
  • 1985: und ich will bei euch wohnen
  • 1985: Kein Platz für Bäume
  • 1990: Sechzehn Schaufenster in Pankow
  • 1990: zu den ersten freien Wahlen in der DDR, 18. März 1990
  • 1991: Brüder, es brennt
  • 1992: Hasenfahnenfest
  • 1992: Butzmanns Heimatkunde in 24 Abteilungen
  • 2001: Bilderchronik der Parkstraße. Das grüne Haus Parkstraße 36
  • 2009: Vorsicht, Gaunerzinken!

Radierungen/Aquatinta

  • 1972: Zyklus Auch ein Totentanz
  • 1975: Berliner Dom
  • 1977: Landschaft mit Zaunpfählen (farbig)[10]
  • (ohne Jahr) Arbeiter (Ätzradierung)[11]
  • 1981: Jüdischer Friedhof
  • 1981: Grenzmauer
  • 1982: Pflanzenstillleben (schwarz-weiß)[12]
  • 1988: Meine Kinderschätze
  • nach 1990: Steinernes Berlin, eine Aquatinta-Serie mit dem Grenzmauer-Motiv[2]
  • um 1995: Drei Schachteln, ein Stillleben mit Riesaer Streichholzschachteln aus der gerade abgewickelten Streichholzfabrik in Riesa[2]

Buchillustration und Einbandgestaltung

  • Silvano Ambrogi: Die Verfettung. Verlag Volk und Welt, Berlin, 1972.
  • Maxim Gorki: Abenteuer meiner Jugend. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1974.
  • Gisela Karau: Der gute Stern des Janusz K. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1974.
  • Friedel Hart: Abenteuer in der Teufelsschlucht. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1976.
  • Heinz Haufe: Entdeckungsreisen in Australien – Ludwig Leichhardt – Ein Deutsches Forscherschicksal. 28 Illustrationen von Manfred Butzmann. 1. Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1972 (6. Auflage, Berlin 1990, ISBN 3-373-00428-4)
  • Die Kranichfeder. Märchen aus dem hohen Norden der Sowjetunion. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1975.
  • Reihe der bei Volk und Welt erschienenen Werke von Nikos Kazantzakis: Die letzte Versuchung (1975), Alexis Sorbas (1976), Kapitän Michalis (1977), Rechenschaft vor El Creco (1983)
  • Iwan Turgenjew: Mumu und andere Erzählungen. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1981.
  • Reinhard Bernhof: Die Kuckuckspfeife. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1981.
  • Gustav Meyrink. Der heiße Soldat und andere Geschichten. 12 Originallithographien von Manfred Butzmann. Faber & Faber, 2007.

Sonstige Medien

Am 19. November 1989 malte Butzmann mit schwarzer Farbe Hasen an ein Mauerstück.[2] Des Weiteren gestaltete er Aquarelle, Lithografien, Frottagen von Grabsteinen des Jüdischen Friedhofs in Weißensee.[2]

Schriften

  • 1992 Butzmanns Heimatkunde in 24 Abteilungen (herausgegeben von Eugen Blume)
  • 2001 Bilderchronik der Parkstraße. Das grüne Haus Parkstraße 36

Einzelausstellungen (unvollständig)

Literatur (chronologisch)

Einzelnachweise

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