Manfred Kossok

deutscher Historiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Manfred Kossok (* 18. Mai 1930 in Breslau; † 27. Februar 1993 in Leipzig) war ein deutscher Historiker. Er lehrte von 1969 bis 1992 als Professor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit und Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung an der Universität Leipzig. Seine Spezialgebiete waren die die vergleichende Revolutionsgeschichte mit Schwerpunkt Französische Revolution und die Geschichte Lateinamerikas.

Leben

Der Sohn einer Näherin und eines Hilfsmaschinisten wechselte 1943 von einer Mittelschule in Breslau auf die Oberschule im oberschlesischen Teschen, deren Besuch er aber im Folgejahr abbrechen musste. Er absolvierte 1944/1945[1] oder 1945/1946[2] eine Lehre als Schuhmacher. Im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien wurde er Anfang 1947 aus dem Internierungslager Lamsdorf nach Wittichenau in der Oberlausitz umgesiedelt. Nach drei Jahren an der Lessing-Oberschule in Hoyerswerda legte er 1950 das Abitur ab. Bereits als Schüler trat Kossok 1949 der SED bei.[2]

Von 1950 bis 1954 studierte Kossok Geschichte, Literatur und Philosophie an der Universität Leipzig, die ab 1953 den Namen Karl-Marx-Universität (KMU) trug. Wichtige akademische Lehrer waren der Historiker Walter Markov, der Philosoph Ernst Bloch und der Literaturwissenschaftler Hans Mayer.[3] Nach dem Abschluss als Diplom-Historiker und dem Lehramts-Staatsexamen im Hauptfach Geschichte arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Allgemeine Geschichte der KMU, zu einem Austauschstudium konnte er 1955/1956 zu Richard Konetzke an die Universität Köln in Westdeutschland gehen. Mit der Arbeit Die sozialökonomische Struktur des Vizekönigreiches Rio de la Plata wurde Kossok 1957 in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Sein Doktorvater war Walter Markov,[2] als dessen „Meisterschüler“ Kossok galt.[3] Am von Markov geleiteten Institut für Allgemeine Geschichte in Leipzig war Kossok 1958/1959 wissenschaftlicher Oberassistent mit Lehrauftrag und ab 1959 Hochschuldozent für Allgemeine Geschichte der Neuzeit.[2]

Mit der Schrift Deutschland und die südamerikanische Frage 1815–1830. Eine Studie zur Politik der deutschen Staaten gegenüber der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung habilitierte er sich 1962 in Leipzig, Erstgutachter war wiederum Markov. Im selben Jahr wurde Kossok Mitglied der SED-Kreisleitung der Karl-Marx-Universität. Er wurde 1963 zum Professor mit Lehrauftrag und 1966 zum Professor mit vollem Lehrauftrag für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig berufen. Zu einem Forschungsauftrag reiste er 1963/1964 nach Uruguay und übernahm in diesem Zeitraum auch eine Gastprofessur an einer Universität in Santiago de Chile; 1965 war er zu einem Studienaufenthalt erneut in Uruguay und Chile. Kossok war von 1964 bis 1968 Prorektor für Gesellschaftswissenschaften der KMU und von 1966 bis 1969 Direktor der Sektion Asien-, Afrika- und Lateinamerikawissenschaften.[2]

Ab 1969 war Kossok ordentlicher Professor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit und Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung 1500–1917 an der Sektion Geschichte der Leipziger Universität. Innerhalb der Sektion leitete er von 1969 bis 1989 die Fachgruppe Lateinamerika, zudem war er von 1970 bis 1989 Direktor des Institutes für Allgemeine Geschichte der Neuzeit. Nach der Hochschulreform in der DDR verlieh der Wissenschaftliche Rat der KMU Leipzig Kossok 1971 die Promotion B zum Dr. sc. phil. Er leitete von 1976 bis 1990 das Interdisziplinäre Zentrum für Vergleichende Revolutionsforschung (IZR). Nach der Wende in der DDR war Kossok von 1990 bis 1992 Direktor des in (Wieder-)Gründung befindlichen Institutes für Kultur- und Universalgeschichte der Universität Leipzig.[2]

Kossok übernahm Gastprofessuren in Kolumbien, Peru, Chile, Uruguay, Kuba und in den USA.

Aufgrund einer schweren Erkrankung war Manfred Kossok ab 1981 als schwerbeschädigt anerkannt und musste sich regelmäßig der Dialyse unterziehen.[2] Er trat 1992 in den Ruhestand und starb im Jahr darauf.

Ehrungen

Schriften

Monographien

  • Im Schatten der Heiligen Allianz. Deutschland und Lateinamerika 1815–1830. Akademie-Verlag, Berlin 1964.
  • Vergleichende Geschichte der neuzeitlichen Revolutionen. Akademie-Verlag, Berlin 1981.
  • In tyrannos. Revolutionen der Weltgeschichte von den Hussiten bis zur Pariser Commune. Edition Leipzig, Leipzig 1989, ISBN 3-361-00206-0.
  • Am Hofe Ludwigs XIV. Edition Leipzig, Leipzig 1989, ISBN 3-361-00267-2.
  • 1492. Die Welt an der Schwelle zur Neuzeit. Edition Leipzig, Leipzig 1992, ISBN 3-361-00370-9.
  • Jörn Schütrumpf (Hrsg.): Sozialismus an der Peripherie. Späte Schriften. Dietz, Berlin 2016, ISBN 978-3-320-02324-9.

Herausgeberschaften

  • Autorenkollektiv unter Leitung von Manfred Kossok: Allgemeine Geschichte der Neuzeit. 1500–1917. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1988, ISBN 3-326-00053-7.
  • mit Editha Kross: Proletariat und bürgerliche Revolution. Akademie-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-05-000684-6.

Aufsätze

  • Kolonialbürgertum und Revolution. Über den Charakter der hispanoamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung (1810–1826). In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. Jahrgang 7, Heft 3, 1957/1958, S. 219–256.
  • Preußen, Bremen und die „Texas-Frage“ 1835–1845. In: Bremisches Jahrbuch. Jahrgang 49, 1964, S. 73–104.
  • Karl Marx und die Grundlegung wissenschaftlicher Revolutionsauffassung. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Jahrgang 28, 1980, S. 99–118.
  • Mögen die Kolonien verderben! 1789 und die koloniale Frage. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Jahrgang 38, Heft 6, 1990, S. 483–497.
  • 1789 und das Problem der klassischen Revolution. In: Jahrbuch für Geschichte. Jahrgang 39, 1990, S. 9–29.

Literatur

Einzelnachweise

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