Manfred Woidich
deutsch-niederländischer Orientalist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Manfred Woidich FBA[1] (* 26. Oktober 1943 in Karlsbad, Sudetenland) ist ein deutscher Linguist, Arabist, Dialektologe des Arabischen, Spezialist für Ägyptisch-Arabisch und Dialektgeographie.

Leben
Manfred Woidich studierte ab 1962 Semitistik, Assyriologie und Turkologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1969 promovierte er bei Anton Spitaler zum Thema Negation und negative Sätze im Ägyptisch-Arabischen.
1966/67 unterbrach er sein Studium für ein Jahr, um am Goethe-Institut Kairo Deutsch zu unterrichten. Von 1969 bis 1971 war er Leiter der Nebenstelle Assuan des Goethe-Instituts Kairo. 1971/72 war er wieder Dozent an der Hauptniederlassung in Kairo. Im Laufe seines Aufenthalts in Ägypten forschte er zu den arabischen Dialekten Oberägyptens.
Von 1972 bis 1974 lehrte er Arabisch (moderne arabische Schriftsprache) an dem damaligen Auslands- und Dolmetscherinstitut der Universität Mainz in Germersheim.
1974 kehrte er ans Goethe-Institut zurück und wurde 1976 nach Kairo entsandt, wo er bis 1983 blieb. Ab Mai 1976 arbeitete er mit Peter Behnstedt zusammen am ägyptisch-arabischen Dialektatlas im Rahmen des Tübinger Atlasses des Vorderen Orients (TAVO).
1983 übernahm er den Lehrstuhl für Arabisch[2] an der Universität Amsterdam und leitete ihn 25 Jahre lang. Dabei unternahm er jährliche Forschungsreisen nach Ägypten – insbesondere in die Oasen der westlichen Wüste – und vertiefte die Zusammenarbeit mit Peter Behnstedt. 2008 wurde er emeritiert und lebt seither in Nördlingen/Bayern.
Werk
Manfred Woidichs Forschungsschwerpunkte liegen in der Dialektologie, Dialektgeographie und historischen Sprachwissenschaft des Arabischen. Seine Veröffentlichungen befassen sich insbesondere mit phonologischen, morphologischen, lexikalischen und syntaktischen Fragestellungen ägyptischer Dialekte, einschließlich ihrer diachronen und synchronen Aspekte. Ein weiteres Interessens- und Tätigkeitsfeld war der Arabischunterricht für Nicht-Muttersprachler. Er ist Autor zahlreicher Bücher, viele davon zusammen mit Peter Behnstedt. Das Opus magnum dieser beiden Autoren ist der 2011 bis 2021 erschienene Wortatlas der arabischen Dialekte (vier Bände).
Schriften (Auswahl)
Bücher
- Ahlan wa sahlan. Praktische Einführung in die Kairoer Umgangssprache. 2. Aufl., Reichert, Wiesbaden 2002.
- Das Kairenisch-Arabische. Eine Grammatik. Porta Linguarum Orientalium, Neue Serie 22. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006.
- Wörterbuch Deutsch–Ägyptisch-Arabisch. Reichert, Wiesbaden 2020.
- Glossar zu den Dialekten der ägyptischen Oasen Baħariyya, Farafra, Dakhla und Kharga. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2023.
- Das Bʕēri-Arabische bei Luxor: Grammatische Skizze und Texte. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2025.
Mit Peter Behnstedt
- Arabische Dialektgeographie. Eine Einführung. Leiden/Boston: Brill 2005.
- Ägypten, Arabische Dialekte. TAVO-Karte A VIII. Wiesbaden: Reichert 1983.
- Die ägyptisch-arabischen Dialekte. Beihefte B/50 der TAVO-Karte A VIII.
- Vol 1: Einleitung und Anmerkungen zu den Karten. Wiesbaden: Reichert 1985.
- Vol 2: Dialektatlas von Ägypten. Wiesbaden: Reichert 1985.
- Vol 3: Texte. Teil I: Nildelta. Wiesbaden: Reichert 1987. Vol 3 Teil II: Niltal, Teil III: Oasendialekte. Wiesbaden: Reichert 1988.
- Vol 4: Glossar: Arabisch-Deutsch. Wiesbaden: Reichert 1994.
- Vol 5: Glossar Deutsch-Arabisch. Wiesbaden: Reichert 1999.
- Vol 1: Einleitung und Anmerkungen zu den Karten. Wiesbaden: Reichert 1985.
- Wortatlas der arabischen Dialekte.
- Band I: Mensch, Natur, Fauna und Flora. Leiden/Boston: Brill 2011.
- Band II: Materielle Kultur. Leiden/Boston: Brill 2012.
- Band III: Verben, Adjektive, Zeit und Zahlen. Leiden/Boston: Brill 2014.
- Band IV: Funktionswörter, Adverbien, Phraseologisches: Eine Auswahl. Leiden/Boston: Brill 2021.
- Band I: Mensch, Natur, Fauna und Flora. Leiden/Boston: Brill 2011.
Mit Hanke Drop
- ilBaħariyya – Grammatik und Texte. Harrassowitz, Wiesbaden 2007.
Mit Rabha Heinen-Nasr
- kullu tamām. An Introduction to Egyptian Colloquial Arabic. Cairo: AUC Press 2004.
- al-kitāb al-mufīd. Introduction to Modern Written Arabic. Cairo: AUC Press 2011.
Mit Jan Hoogland und Kees Verstegh
- Woordenboek Arabisch–Nederlands. Bulaaq, Amsterdam 2003.
- Woordenboek Nederlands–Arabisch. Bulaaq, Amsterdam 2003.
Associate Editor bei
- Kees Verstegh (Ed.): Encyclopedia of Arabic Language and Linguistics (EALL). 5 Vols. Leiden, Boston: Brill 2005–2009.
Artikel
- „The rural Dialects of Egyptian Arabic.“ In: Egypte, Monde Arabe. CEDEJ 27–28, 3e & 4e trim. 1996. Le Caire, pp.325–354.
- „Teaching Arabic at the University of Amsterdam: Colloquial first.“ In: Idioma 19 (décembre 2007) 75–93.
- „Peter Behnstedt (1944-2022).“ In: ZDMG 173/1 (2023).
- „Lexikalische Kreativität in arabischen Dialekten: Volksetymologie. Beispiele aus dem ‚Wortatlas der arabischen Dialekte (WAD)‘“. In: ZAL 79 (2025) 2.
Mit Peter Behnstedt
- „Die ägyptischen Oasen – ein dialektologischer Vorbericht.“ In ZAL 8 (1982) 39–79.
- „Dialectology.“ In: Jonathan Owens (ed.): The Oxford Handbook of Arabic Linguistics, 300–325. New York: OUP, 2013.
- „The formation of the Egyptian Dialect Area.“ In: C. Holes (ed.), Arabic Historical Dialectology. Linguistic and Sociolinguistic Approaches, 64–95. Oxford: OUP, 2018.