Mangubhai Patel
indischer Politiker und Gouverneur von Madhya Pradesh
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Mangubhai Chhaganbhai Patel (Gujarati મંગુભાઈ છગનભાઈ પટેલ; Marathi मंगुभाई छगनभाई पटेल; * 1. Juni 1944 in Navsari, Provinz Bombay, Britisch-Indien) ist ein indischer Politiker der Bharatiya Janata Party (BJP) und seit dem 8. Juli 2021 der 19. Gouverneur von Madhya Pradesh. Der Stammesangehörige der Kokna-Gemeinschaft war von 1990 bis 2017 sechsmal Abgeordneter in der Landesversammlung des Bundesstaates Gujarat und bekleidete zwischen 1998 und 2012 verschiedene Ministerposten für Stammesangelegenheiten, Forstwirtschaft und Umwelt. Seine politische Laufbahn war geprägt durch sein Engagement für die Entwicklung der Stammesgemeinschaften in Gujarat, insbesondere durch die Implementierung des Vanbandhu Kalyan Yojana (Wohlfahrtsprogramm für Waldvölker), das darauf abzielte, die Lebensbedingungen der Stammesgemeinschaften durch Programme in Bildung, Wirtschaftsentwicklung und Infrastruktur zu verbessern.

Frühe Jahre
Mangubhai Patel wurde am 1. Juni 1944 in Navsari in der damaligen britisch-indischen Provinz Bombay, im Gebiet des heutigen Gujarat, geboren.[1] Er entstammt der Kokna-Stammesgemeinschaft, einem anerkannten Scheduled Tribe, die hauptsächlich in den Regionen Gujarat, Maharashtra, Madhya Pradesh und an der Konkan-Küste beheimatet ist.[2] Bereits in seiner Kindheit entwickelte Patel eine tiefe Verbindung zur Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), einer hinduistischen nationalistischen Organisation, der er sich als Kind anschloss. Patel wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und hat die Schule abgebrochen, was seine spätere Karriere jedoch nicht beeinträchtigte.[3]
Politische Laufbahn
Patel begann seine politische Laufbahn im Jahr 1982 als Mitglied der Gemeindeverwaltung von Navsari, Gujarat, für die Bharatiya Janata Party (BJP) in der Kommunalpolitik. Schon früh zeigte sich sein besonderes Engagement für die Belange der Stammesgemeinschaften. Patels parlamentarische Laufbahn begann 1990, als er erstmals in die Gujarat Legislative Assembly, die Landesversammlung des Bundesstaates Gujarat, gewählt wurde. Er vertrat zunächst den Wahlkreis Navsari und wurde insgesamt sechsmal als Abgeordneter (MLA) gewählt – fünfmal für Navsari (1990, 1995, 1998, 2002, 2007) und einmal für Gandevi (2012). Diese hohe Wahlbilanz über mehr als zwei Jahrzehnte unterstreicht seine tiefe Verwurzelung in der Region und das Vertrauen der Wählerschaft.[4][5] Auch als Abgeordneter zeichnete sich Patel durch seine konsequente Arbeit für die Stammesgemeinschaften aus. Er galt als Politiker, der „underpromises and overdelivers“ – also wenig verspricht, aber mehr liefert. Seine Arbeit konzentrierte sich insbesondere auf die Bildungsförderung, wirtschaftliche Entwicklung und die kulturelle Stärkung der Stammesgemeinschaften in Gujarat.[3]
Zwischen 1998 und 2012 bekleidete Patel verschiedene Ministerposten in der Regierung von Gujarat. Während seiner gesamten Ministerzeit war er stets für Stammesangelegenheiten zuständig, zusätzlich übernahm er auch die Ressorts Forst und Umwelt. Diese Kombination war strategisch gewählt, da die Stammesgemeinschaften traditionell eng mit den Waldgebieten verbunden sind und dort ihre Lebensgrundlage haben.[6][4] Als Minister für Stammesangelegenheiten initiierte Patel zahlreiche Programme zur Förderung der Stammesgemeinschaften. Unter seiner Führung wurde das Vanbandhu Kalyan Yojana (Wohlfahrtsprogramm für Waldvölker) implementiert, ein umfassendes Entwicklungsprogramm, das auf die ganzheitliche Entwicklung der Stammesgemeinschaften abzielte. Das Programm umfasste zehn Schwerpunktbereiche: Beschäftigungsmöglichkeiten für 500.000 Familien, Bildungsqualität und Hochschulbildung, wirtschaftliche Entwicklung, Gesundheit, Wohnungsbau, sicheres Trinkwasser, Bewässerung, universelle Elektrifizierung und ganzjährige Straßenanbindung.[7]
Im Oktober 2013 wurde Patel zum Deputy Speaker der Gujarat Legislative Assembly gewählt. Diese Wahl erfolgte mit Mehrheit, obwohl die Kongresspartei einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte. In dieser Position diente er bis 2017 und erhielt die Unterstützung aller Stammesabgeordneten, die seine Ernennung als wichtige Anerkennung für die Stammesgemeinschaften betrachteten. Als Deputy Speaker war Patel für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Landesversammlung verantwortlich und spielte eine wichtige Rolle bei der Führung der parlamentarischen Sitzungen.[8]
Stammesarbeit

Patels Engagement für die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) begann bereits in seiner Kindheit und prägte seine gesamte Weltanschauung. Er gilt als „geduldiger Mann, erfahrener Politiker und gehorsamer RSS-Mann, der nie seine Hand für einen bestimmten Posten oder eine Position erhoben hat“. Diese Beschreibung unterstreicht seine loyale Haltung gegenüber der Organisation und seine prinzipientreue Arbeitsweise. Die RSS-Ideologie leitete Patel bei seiner Arbeit mit den Stammesgemeinschaften an. Er vertrat die Auffassung, dass die Stammesgemeinschaften ein integraler Bestandteil der Hindu-Gesellschaft seien, und arbeitete aktiv daran, diese Überzeugung zu fördern. Seine Arbeit war darauf ausgerichtet, die Stammesgemeinschaften vor christlichen Bekehrungsversuchen zu schützen und sie stärker in die hinduistische Gesellschaft zu integrieren.[3]
Ein zentraler Aspekt Patels Arbeit war seine Zusammenarbeit mit der Vanvasi Kalyan Ashram, einer RSS-nahen Organisation, die sich der Entwicklung der Stammesgemeinschaften widmet. Diese Organisation spielt eine entscheidende Rolle bei der „Hinduisierung“ der Stammesgebiete und bei der Bekämpfung christlicher Missionsaktivitäten.[9][3] Unter Patels Führung und mit Unterstützung der Gujarat-Regierung wurde die Vanvasi Kalyan Ashram zu einer einflussreichen Organisationen in den Stammesgebieten Gujarats. Die Organisation betreibt Schulen, Gesundheitszentren und führt verschiedene Entwicklungsprogramme durch, um die Lebensbedingungen der Stammesgemeinschaften zu verbessern.[10][11]
Ein kontrovers diskutierter Aspekt von Patels Arbeit war sein aktiver Widerstand gegen christliche Missionstätigkeiten in den Stammesgebieten. Er war eine der Schlüsselfiguren bei der Bekehrung von Stammesangehörigen zurück zum Hinduismus, einem Prozess, der als „Ghar Wapsi“ (Rückkehr nach Hause) bezeichnet wird.[3] Patel behauptete öffentlich, dass christliche Missionare die Armut der Stammesgemeinschaften ausnutzten, um Bekehrungen zu fördern. In einer Erklärung aus den 1990er Jahren sagte er: „In Dangs verteilten sie (die Christen) Zucker und Weizen als Köder, um arme Stammesangehörige zum Christentum zu bekehren, aber wir führten eine Revolution an und heute kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Bekehrung gestoppt wurde.“[9][12]
Stammesförderung
Unter Patels Leitung wurden bedeutende Fortschritte in der Bildungsförderung für Stammesgemeinschaften erzielt. Ein besonders erfolgreiches Programm waren spezielle Coaching-Klassen für Wettbewerbsprüfungen, die es über 1000 Stammesangehörigen ermöglichten, den Gujarat Common Entrance Test (GUJCET) für den Zugang zu medizinischen und ingenieurswissenschaftlichen Hochschulen zu bestehen. Die Bildungsinitiativen umfassten auch die Verbesserung der Schulinfrastruktur in Stammesgebieten und die Bereitstellung von Stipendien für begabte Studenten.[9]
Ein herausragendes Merkmal Patels Arbeit war die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Stammesgebieten. Unter seiner Führung erhielten über 500 Stammesangehörige Kredite in Höhe von jeweils 1,5 Millionen Rupien (damals etwa 20.200 Euro) zu günstigen Konditionen. Diese Kredite ermöglichten es vielen jungen Menschen, ihre eigenen Unternehmen zu gründen oder sich beruflich weiterzubilden. Ein besonders bemerkenswertes Ergebnis war, dass über 35 junge Männer aus abgelegenen Stammesgebieten Piloten wurden und über 40 junge Frauen als Flugbegleiterinnen arbeiteten. Diese Erfolgsgeschichten zeigten das Potenzial der Stammesgemeinschaften auf, wenn ihnen entsprechende Möglichkeiten geboten werden.[9][3] Das Vanbandhu Kalyan Yojana führte zu einer Verdopplung des Einkommens von fast 700.000 Stammesfamilien und reduzierte die Bildungslücke zwischen Stammesgemeinschaften und der Allgemeinbevölkerung erheblich. Das Programm trug auch zur Verbesserung der Gesundheitsergebnisse, des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und der Wohnverhältnisse bei.[7]
Gujarat war unter Patels Führung führend bei der Umsetzung des Forest Rights Act von 2006. Bis zu seinem Bericht wurden 75.457 individuelle Anträge genehmigt und Nutzungsrechte für 45.000 Hektar Land gewährt. Zusätzlich wurden 4597 Gemeinschaftsanträge genehmigt und Rechte für 438.000 Hektar gewährt. Die pro Antrag regularisierte Fläche in Gujarat gehörte zu den größten in Indien. Die Umsetzung dieses Gesetzes war von besonderer Bedeutung, da Stammesbauern, die jahrzehntelang Waldland bewirtschaftet hatten, zuvor als illegale Kultivierende galten und daher nicht zur Inanspruchnahme landbezogener Hilfsprogramme der Regierung berechtigt waren. Nach der Regularisierung ihrer Ländereien erhielten diese Bauern vorrangig Zugang zu landwirtschaftsbezogenen Programmen.[13]
Gouverneur von Madhya Pradesh
Am 6. Juli 2021 wurde Mangubhai Patel im Alter von 77 Jahren zum 19. Gouverneur von Madhya Pradesh ernannt. Diese Ernennung wurde von politischen Beobachtern als strategisch bedeutsam eingeschätzt, da Madhya Pradesh über 21,1 % Stammesanteil in der Bevölkerung hat und 2023 Wahlen zur Landesversammlung anstanden.[6] Die Ernennung wurde als „Modi-Masterstroke“ bezeichnet, da Patel als Stammesangehöriger mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Stammesarbeit ideale Voraussetzungen mitbrachte, um die Stammesgemeinschaften in Madhya Pradesh zu beeinflussen. Seine Gemeinschaft, die Kokna, ist in Madhya Pradesh weit verbreitet, was seine Ernennung noch strategischer machte.[3]
Patel wurde am 8. Juli 2021 als Gouverneur von Madhya Pradesh vereidigt. Bei seinem Amtsantritt betonte er seine Bereitschaft, sein Bestes zu geben, um seiner neuen Verantwortung gerecht zu werden. Er dankte Präsident Ram Nath Kovind, Premierminister Narendra Modi, Innenminister Amit Shah und anderen Führungspersönlichkeiten für das ihm entgegengebrachte Vertrauen.[14][4] Als Gouverneur konzentrierte sich Patel weiterhin auf die Entwicklung der Stammesgemeinschaften. Er betonte die Bedeutung des PESA Act (The Provisions of the Panchayats (Extension to Scheduled Areas) Act, 1996) für die Stärkung der Stammesrechte. In einer Rede sagte er: „Der PESA Act wurde implementiert, um der Stammesgesellschaft die Rechte auf Wasser, Wald und Land zu geben.“[15]
In seiner Rolle als Gouverneur von Madhya Pradesh hat Patel verschiedene Initiativen zur Förderung der Stammesgemeinschaften und der allgemeinen Entwicklung des Staates vorangetrieben. Er unterstützte aktiv die Implementierung des PESA Act in 89 von Stammesgemeinschaften dominierten Entwicklungsblöcken des Staates.[16][15] Patel betonte wiederholt die Bedeutung der Stammeskultur und -traditionen. In einer Ansprache sagte er: „Die traditionellen Wissenssysteme der Stammesgemeinschaften – von der Küche über Volkskunst, Handwerk, Textilien bis hin zu Schmuck – sind unbezahlbare Schätze unseres Volkserbes.“ Er forderte die junge Generation auf, sich von der Liebe und Opferbereitschaft der Stammesgemeinschaften für ihr Mutterland inspirieren zu lassen.[17][18]
Privatleben
Patel ist verheiratet und hat drei Töchter. Trotz seines politischen Erfolgs ist er als bescheidener und bodenständiger Mann bekannt, der den Kontakt zu den einfachen Menschen seiner Gemeinschaft nie verloren hat. Er gilt als zugänglich und gesprächsbereit, jemand, der an Konsens und Zusammenarbeit glaubt.[14] Sein Lebensstil spiegelt seine RSS-Prägung wider – er ist bekannt für seine Disziplin und sein asketisches Auftreten. Obwohl er über Jahrzehnte hinweg einflussreiche politische Positionen bekleidete, behielt er seine Verbundenheit mit den Stammesgemeinschaften und deren Anliegen bei. Patel wird als Politiker beschrieben, der mehr der RSS als seiner Partei, der BJP, verpflichtet ist, aber geschickt die Anforderungen beider Organisationen ausbalanciert. Er arbeitet lieber im Hintergrund und meidet das Rampenlicht der Medien, wobei er sich darauf konzentriert, konkrete Ergebnisse für seine Gemeinschaft zu erzielen.[3]