Marcel Dalton
Lucky-Luke-Album von Morris und de Groot
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Marcel Dalton ist ein Lucky-Luke-Album, das von Morris getextet und von Bob de Groot inszeniert wurde. Das Album, das 1998 erstmals erschien, nimmt in besonderer Weise die Daltons und ihre Unbelehrbarkeit auf die Schippe.
Handlung
Lucky Luke wird vom Gouverneur beauftragt, Marcel Dalton, einen Schweizer Bankier und Onkel der Gebrüder Dalton, zu begleiten. Dieser möchte die Dalton-Brüder unterrichten und zu guten Bürgern und Geschäftsleuten erziehen.
Als erstes holen Luke und Marcel die Daltons im Gefängnis ab. Das führt bereits zu einiger Verwirrung, da alle Marcel für Averell halten, der eingebuchtet gehört. Schließlich reisen sie aber zu sechst nach Mosquito-Gulch, wo Marcel eine Bank aufkaufen und zu einer Filiale seiner eigenen Bank machen möchte. Mr. Lipton, der Bankier der Last Local Village Bank hat seine Bank an Marcel verkauft, sehr zum Ärger von dessen Konkurrenten Mr. Swindler, der alle Banken im Ort kaufen möchte, um dank dem entstehenden Monopol Wucherzinsen fordern zu können.
Der Versuch von Marcel, die übrigen Daltons als Schalterbeamte in seiner Bank zu beschäftigen, fängt schon mal gut an, da Joe natürlich die Leute ausplündern möchte. Währenddessen heuert Mr. Swindler Smallpox, einen gesuchten Desperado, an, der die Daltons und Lucky Luke ausschalten soll. Bei der Neueröffnung der Bank versucht Swindler mit üblen Tricks, die Leute davon abzuhalten, in der Helvetischen Dauerkreditanstalt ein Konto zu eröffnen. Das geht schief, als Smallpox an seine alte Lehrerin gerät, die ihn furchtlos übers Knie legt. Auch der Versuch, eine Bombe in die neue Bank zu schmuggeln, geht für Swindler und seinen Komplizen nach hinten los. Trotzdem bleibt der Erfolg noch aus, denn die Daltons führen sich als Schalterbeamte weiterhin so auf, wie sie es „normalerweise“ in einer Bank tun: „Geld her, aber dalli!“, „Nein, Sie bekommen kein Geld, Sie haben ja nicht mal eine Waffe!“
Weil er laufend gedemütigt wird, fordert Smallpox schließlich Luke zum Duell. Doch da taucht wieder die Lehrerin auf, konfisziert seinen Revolver und versohlt ihm den Hintern. Nachdem auch Swindler die Stadt verlassen hat, muss Luke aber feststellen, dass die Daltons ebenfalls getürmt sind und Marcel gefesselt zurückgelassen haben.
Nun geht also alles seinen gewohnten Lauf: Lucky Luke jagt die Daltons, während diese einen Raub nach dem anderen begehen. In Coyote Gulch holt Luke sie schließlich ein und es kommt zum Duell zwischen ihm und Joe. Der wird aber so nervös, dass er wegen eines kleinen Geräusches zur Salzsäule erstarrt und gebunden werden kann. Marcel Dalton sieht ein, dass seine Verwandten nicht zu belehren sind und kehrt in die Schweiz zurück.
Aufbau
Das Album ist mit einigen Running Gags gespickt, die sich ungewöhnlich stark durch die Geschichte ziehen. So kreuzen andauernd irgendwelche Banditen den Weg der Helden, die sich als besonders gerissen vorstellen: „Geld her, Gold her, Dollars her! Man nennt mich ‚Kobra‘!“. Lucky Luke schießt ihnen dann jeweils die Hosenträger auf, worauf sie sich mit heruntergelassenen Hosen aus dem Staub machen.
Marcel Dalton spielt auf allerlei Schweizer Eigenarten an. So verwendet er übertrieben viele Ausdrücke mit -li und verteilt gerne Schokolade oder bereitet mitten in der Wüste ein Fondue zu. Dazu ist er natürlich ausgerechnet Bankier.
Kritik
In einem Beitrag der Zeitschrift caricatures&caricature wird die stereotype Darstellung von Mr. Swindler kritisiert. Markante Nase, Glatze, Schnurrbart, Zylinder, dicke Zigarre, Wucherzinsen, Betrug. Das ist die übliche Darstellung der Juden durch die Antisemiten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Marcel dagegen, sein Gegenspieler (und hier der „Gute“), weist alle Zeichen des arischen Ideals auf: Großgewachsen und weiß. Es erscheint unklar, weshalb Morris solche antisemitischen Stereotype verwendet, da er dieses Gedankengut eher nicht teilte. Sein langjähriger Freund Goscinny, mit dem er für die meisten Lucky-Luke-Alben zusammengearbeitet hatte, war nämlich jüdischer Abstammung.[1]
Literatur
- Morris, de Groot: Marcel Dalton. In: Lucky Luke. Nachdruck 2015 Auflage. Band, Nr. 72. Egmont Ehapa Verlag, Berlin 1998, ISBN 978-3-7704-3302-5 (französisch: Marcel Dalton. Übersetzt von Klaus Jöken).