Marcel Habert
französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung
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Marcel Habert (geboren am 20. September 1862 in Montfort-l’Amaury; gestorben am 8. Oktober 1937 in Paris) war ein nationalistischer französischer Politiker während der Dritten Republik.
Leben
Habert war der Sohn von François Henri Habert, Abteilungsleiter bei der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée, und Anne-Marie Marguerite Callet, Tochter eines Architekten. Als Doktor der Rechtswissenschaften schrieb er sich 1884 bei der Anwaltskammer von Paris ein und wurde Sekretär der Anwaltskonferenz. Anschließend trat er als Untersuchungsrichter in den Justizdienst ein.[1]
Habert, der ursprünglich monarchistisch gesinnt war, wurde 1888 von seinem Freund Paul Déroulède, dem Vorsitzenden der Ligue des Patriotes (LDP), zum nationalistischen Republikaner.[2][3] Der junge Richter wurde fortan zur rechten Hand von Déroulède innerhalb der LDP, deren Generaldelegierter er später wurde. Als boulangistischer Generalrat der Seine-et-Oise war er ein Befürworter einer plebiszitären Republik. Habert war Mitherausgeber der Zeitung Le Drapeau.
Er kandidierte bei den Parlamentswahlen 1893 im Wahlkreis Rambouillet erfolgreich unter dem Label „Révisionniste rallié“ (Revisionist) für die Abgeordnetenkammer.[1] Dort machte er durch seine zahlreichen Angriffe auf die Regierungen auf sich aufmerksam, insbesondere während des Panamaskandals. Habert behielt seinen Sitz als Abgeordneter bis 1901.[1] Während der Dreyfus-Affäre sprach er sich klar gegen die Revision des Prozesses gegen den Hauptmann aus und gehörte zu den Antidreyfusards und Antisemiten.[2]

Nach dem Tod des Staatspräsidenten Félix Faure 1899 kam es zu einer Demonstration der LDP, die in einen (allerdings dilettantischen) Putschversuch mündete.[4][5] Habert wurde angeklagt, aber freigesprochen.
Einige Wochen später nahm die neue Regierung Waldeck-Rousseau, die anlässlich des Prozesses von Rennes mit einem Wiederaufflammen nationalistischer Unruhen rechnete, eine Reihe von Verhaftungen vor, die insbesondere zu den Ereignissen im Fort Chabrol führten. Da Habert wegen Verschwörung gegen die Staatssicherheit angeklagt war, floh er nach Brüssel. Er erschien jedoch im Dezember 1899 vor dem Obersten Gerichtshof und wurde am 23. Februar 1900 zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Er ging zunächst ins Exil nach Belgien, bevor er sich Déroulède in San Sebastián anschloss. Am 4. März 1901 wurde er seines Abgeordnetenmandats enthoben und durfte erst im Dezember 1904 nach Frankreich zurückkehren.[1]
1910 wurde er bei den Parlamentswahlen geschlagen. Von 1911 bis 1919 gehörte er dem Stadtrat von Paris an. Als Reserveoffizier trat er 1914 in die Armee ein, nahm an den Kämpfen im 171. Infanterieregiment teil und wurde zum Hauptmann befördert. Er wurde mit dem Kriegskreuz ausgezeichnet und im März 1916 auf Vorschlag von General Joffre zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.[1][6]
Nach dem Krieg war er Mitglied der Veteranenvereinigung Union nationale des combattants[7], Gründer der Union Nationale Républicaine[8], Kandidat bei den Wahlen von 1919 auf der Liste des Bloc national und wurde wieder in die Abgeordnetenkammer gewählt. Im Gegensatz zu seinen früheren Mandaten, die er in der rechtsextremen Opposition ausgeübt hatte, gehörte er nun der Fraktion der Union républicaine et démocratique an, die Teil der neuen rechten Mehrheit war. Er kandidierte 1924 nicht erneut.[1]
Literatur
- Arlette Schweitz: Les Parlementaires de la Seine sous la Troisième République. Band 2. Sorbonne, 2001, S. 302 ff.
Weblinks
- Marcel Habert. In: Assemblée nationale. (französisch).
- Affaire de la place de la Nation, procès Paul Déroulède – Marcel Habert : cour d’assises de la Seine, 29 juin 1899 auf Gallica
- Angaben zu Marcel Habert in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.