March 721X
Formel-1-Fahrzeug des ehemaligen britischen Rennwagenherstellers March Engineering, den das March-Werksteam in der Weltmeisterschaft 1972 einsetzte
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Der March 721X ist ein Formel-1-Fahrzeug des ehemaligen britischen Rennwagenherstellers March Engineering, den das March-Werksteam in der Weltmeisterschaft 1972 einsetzte. Er ist vom anders konstruierten March 721 zu unterscheiden, der vor allem bei Kundenteams zum Einsatz kam. Der 721X war eine Fehlkonstruktion; Ronnie Peterson und Niki Lauda erzielten mit ihm keine Weltmeisterschaftspunkte. March ersetzte ihn nach wenigen Rennen durch den neu entwickelten 721G, der von einem Formel-2-Auto abgeleitet war. Der March 721X war bis 1987 der letzte Rennwagen, den March als originäres Formel-1-Auto entwickelte.
Der March 721X von Ronnie Peterson | |||||||||
| Konstrukteur: | |||||||||
| Designer: | Robin Herd Frank Costin | ||||||||
| Vorgänger: | March 721 | ||||||||
| Nachfolger: | March 721G | ||||||||
| Technische Spezifikationen | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Chassis: | Aluminium | ||||||||
| Radstand: | 24382 mm | ||||||||
| Reifen: | Goodyear | ||||||||
| Statistik | |||||||||
| Fahrer: | |||||||||
| Erster Start: | Großer Preis von Spanien 1972 | ||||||||
| Letzter Start: | Großer Preis von Belgien 1972 | ||||||||
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| WM-Punkte: | — | ||||||||
| Podestplätze: | — | ||||||||
| Führungsrunden: | — | ||||||||
Entstehungsgeschichte
Das 1969 gegründete, in Bicester ansässige Unternehmen March Engineering konstruierte, baute und verkaufte ab 1970 Rennwagen unter anderem für die Formeln 1, 2 und 3. In erster Linie gingen die Autos an unabhängige Kundenteams, die die Renneinsätze selbst organisierten. Daneben unterhielt March in den Formeln 1 und 2 auch ein eigenes Werksteam.
Der 701, Marchs erstes Formel-1-Auto, war eine erfolgreiche Konstruktion; der Hersteller wurde 1970 mit ihm Dritter der Konstrukteurswertung. Im folgenden Jahr hatte Marchs Werksfahrer Ronnie Peterson zeitweise Aussichten, mit dem March 711 die Fahrerweltmeisterschaft zu gewinnen; letztlich wurde er Vizemeister hinter Jackie Stewart.
Für die Saison 1972 fuhr March in der Formel 1 mehrgleisig: Für die Kundenteams konstruierte das Unternehmen den March 721, der eine Weiterentwicklung des 711 aus dem Vorjahr war.[1] Für das Werksteam hingegen war der 721X vorgesehen, der sich wesentlich vom einfachen 721 unterschied. Die Zeit bis zu seinem Debüt beim dritten Saisonrennen in Spanien überbrückte das Werksteam mit zwei einfachen 721-Chassis. Parallel dazu entstanden 20 Formel-2-Autos vom Typ March 722,[2] die weitgehend eigenständige Konstruktionen waren.
Der 721X erwies sich als Fehlkonstruktion. Er ging nur bei drei Weltmeisterschaftsläufen an den Start. Als Ersatz brachte March zum Großen Preis von Frankreich den 721G heraus, der neu konstruiert war und sich an ein vom 722 abgeleitetes Auto anlehnte, das March zu Saisonbeginn für den Kunden Mike Beuttler aufgebaut hatte. Der 721G blieb – zuletzt unter der Bezeichnung 731 – bis ins Ende 1973 im Einsatz. March Engineering setzte in den folgenden Jahren die Verfahrensweise fort, Formel-1-Fahrzeuge von den zeitgenössischen Formel-2-Autos abzuleiten. Erst ab 1987 entstanden wieder originäre Formel-1-Rennwagen.[Anm. 1]
Modellbeschreibung
Konstrukteure des March 721X waren Robin Herd, einer der March-Gründer, sowie Frank Costin.
Chassis und Aufbau
Der March 721X hat wie der einfache 721 ein Vollmonocoque aus Aluminiumblechen; seine Form ist aber geringfügig eckiger als die des 721-Monocoques.[3] Generell verfolgte March beim 721X eine andere Konstruktionsphilosophie. Ziel war es, ein niederes Trägheitsmoment zu schaffen und das meiste Gewicht des Wagens in der Fahrzeugmitte zu konzentrieren. Hierzu positionierte March das Getriebe nicht – wie seinerzeit üblich – hinter der Hinterachse, sondern zwischen Motor und Hinterachse.[Anm. 2] Neu war auch die Konstruktion des Fahrwerks. Die hinteren Federn sind hoch angelenkt und werden über Hebel und Federn betätigt.[3]
Motorisierung und Kraftübertragung
Der March 721X wurde von Cosworth-Achtzylindermotoren vom Typ DFV angetrieben. Die Kraftübertragung hatte March neu konstruiert. Im Gegensatz zum einfachen 721 und zu seinen Vorgängern kommen die Zahnräder beim 721X nicht von Hewland, sondern von Alfa Romeo. Ihre Verwendung ist eine Folge der Formel-1-Saison 1971, in der March zwei Werksautos anstelle der üblichen Cosworth-Hewland-Kombination mit einem Alfa-Romeo-Achtzylinder mit Alfa-Romeo-Getriebe ausgestattet hatte.[Anm. 3] Nach positiven Rückmeldungen von Peterson[3] übernahm March das Alfa-Romeo-Getriebe für den 721X. In der Praxis erwiesen sich die Gangwechsel als schwierig; das Differenzial, für dessen Einbau es wegen der Lage des Getriebes nur wenig Platz gab,[1] sei „furchtbar“ gewesen.[4] Alfa Romeo lieferte für jedes Rennen nur einen Satz Zahnräder. Peterson hatte das Recht des ersten Zugriffs. Laudas Getriebe musste aus den verbleibenden Zahnrädern improvisiert werden.[4] Robin Herds Entscheidung, auf Komponenten von Alfa Romeo zurückzugreifen, wird rückwirkend als „großer Fehler“ angesehen.[1]
Bereifung
Die Goodyear-Reifen, die March 1972 einsetzte, harmonierten nie richtig mit dem Chassis. Die Vorderreifen wurden überlastet. Am Kurveneingang trat Unter- und am Kurvenausgang Übersteuern ein.[1][5]
Lackierung und Sponsoren
Die March 721X sind rot lackiert. Hauptsponsor war das US-amerikanische Mineralölunternehmen STP, das das March-Werksteam bereits seit 1970 unterstützte.
Produktion
March baute zwei Chassis vom Typ 721X. Sie wurden ausschließlich vom Werksteam eingesetzt und anders als die meisten anderen Werkschassis nach ihrem letzten Rennen nicht an andere Teams verkauft.[6]
Renneinsätze

Fahrer der beiden 721X-Chassis waren Marchs Werkspiloten Ronnie Peterson und Niki Lauda, der sich mit Geld aus einem Bankkredit bei March eingekauft hatte und 1972 seine erste vollständige Formel-1-Saison bestritt.
Der March 721X debütierte nach ersten privaten Testfahrten in Silverstone[5] am 15. März 1972 bei der 1972er Auflage des Race of Champions in Brands Hatch, einem Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus. Peterson qualifizierte sich in einem schwachen Starterfeld[3] als bester March-Pilot für den achten Startplatz. Im Rennen verlor er ein Rad und hatte eine lange Standzeit in der Box. Am Ende kam er als Zwölfter und Vorletzter ins Ziel.[7]
Der erste Weltmeisterschaftslauf, an dem der 721X teilnahm, war der Große Preis von Spanien am 1. Mai 1972. Peterson qualifiziert sich für den neunten Startplatz, Lauda startete als Letzter. Keiner der beiden March-Werksfahrer beendete das Rennen mit einer Zielankunft. Lauda fiel nach einem Getriebeschaden in der achten Runde aus, Peterson musste wegen eines Lecks in der Benzinversorgung nach 16 Runden aufgeben.[8] Im Qualifying zum anschließenden Weltmeisterschaftslauf in Monaco erreichte der für Williams startende Henri Pescarolo im Kunden-721 eine Rundenzeit, die eine Sekunde unter der von Peterson und zweieinhalb Sekunden unter der von Lauda lag, die jeweils ihre 721X fuhren. Beide Werksfahrer kamen außerhalb der Punkteränge ins Ziel: Peterson wurde Elfter, Lauda 16. Sie hatten vier bzw. sechs Runden Rückstand auf den Sieger Jean-Pierre Beltoise (BRM P160B).[9] Zur Ende Mai stattfindenden 1972er Auflage des Oulton Park International Gold Cup, der nicht zur Weltmeisterschaft zählte und zu dem sowohl Formel-1- als auch Formel-5000-Autos zugelassen waren, trat das March-Werksteam nur mit Peterson an. Im Qualifying erreichte er im 721X die langsamste Rundenzeit aller Formel-1-Fahrzeuge. Im Rennen fiel er bereits nach einer Runde nach einem Unfall aus.[10] Das letzte Rennen des 721X war der Große Preis von Belgien. Auch hier war mit Carlos Pace (Williams) ein Fahrer eines Kunden-March[Anm. 4] im Qualifying schneller als die beiden Werkspiloten mit dem 721X. Peterson belegte Startplatz 14 – drei Plätze schlechter als Pace –, während Lauda sich als Letzter qualifizierte. Während Pace als Fünfter ins Ziel kam, wurden Peterson und Lauda Neunter bzw. Zwölfter. Pace hatte Peterson dabei einmal und Lauda zweimal überrundet.[11]
Rezeption
Der March 721X wird in der Literatur allgemein als Fehlkonstruktion beschrieben. Eine March-Biografie nennt das Auto eine „Zitrone“,[12] ein anderer Autor spricht von „einer Katastrophe“.[13] Während sich Ronnie Peterson nicht pointiert zum 721X äußerte, nannte Niki Lauda den Wagen „einen kompletten Versager“, „eine Totgeburt“ und „ein Debakel“[14] und hielt ihn für das schlechteste Auto, das er jemals gefahren sei.[15]
Ergebnisse
| Fahrer | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | Punkte | Rang |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Automobil-Weltmeisterschaft 1972 | 0 (15)[Anm. 5] | 6. | ||||||||||||
| DNF | 11 | 9 | ||||||||||||
| DNF | 16 | 12 |
Literatur
- Andrew Frankel: Quick March. MotorSport, Heft 3/2013, S. 86 ff.
- David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001. 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2 (englisch)
- David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945. Motorbuch Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7.
- Niki Lauda: Money for Nothing. The Worst Car I Ever Rode. Motorsport Magazine, Januar 2000, S. 62 ff.
- Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7.
- Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1. 2. Auflage. St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7 (französisch)
- Doug Nye: Autocourse history of the Grand Prix car 1966-85. Hazleton publishing 1986, ISBN 0-905138-37-6 (englisch)
- Ken Stewart, Norman Reich: Sun on the Grid. Grand Prix and Endurance Racing in Southern Africa. London 1967, ISBN 1-870519-49-3.
- Simon Taylor: Porridge with Robin Herd. MotorSport, Heft 3/2010, S. 74 ff.
Weblinks
- Der March 721X auf oldracingcars.com (englisch)
Anmerkungen
- Die Formel-1-Typen March 741, 751, 761, 771 und 781 waren jeweils Abwandlungen der aktuellen Formel-2-Konstruktionen. Die als March 811 und 821 bezeichneten Rennwagen, die RAM Racing in den Weltmeisterschaften 1981 und 1982 an den Start brachte, waren nicht von March Engineering konstruiert und gebaut, sondern von dem unabhängigen Unternehmen March Grand Prix.
- Dieses Layout hatte March bereits 1971 bei den zwei Werks-711 verwendet, die mit Alfa-Romeo-Motoren an den Start gebracht wurden.
- Der Motor vom Typ T33 war von dem Triebwerk des Rennsportwagens Alfa Romeo Tipo 33 abgeleitet. Alfa Romeo finanzierte den Einsatz zweier Werks-March mit diesen Motoren. Fahrer waren Andrea de Adamich und Nanni Galli sowie in einem Rennen auch Ronnie Peterson.
- Pace fuhr in diesem Rennen einen Ende 1970 aufgebauten March 711 (Chassis 711/3); s. Geschichte des March 711/3 auf oldracingcars.com (abgerufen am 29. September 2025).
- Der March 721X fuhr keine Weltmeisterschaftspunkte ein. Im Laufe des Jahres kam das March-Werksteam mit dem 721 und dem 721G mehrfach in den Punkterängen ins Ziel; hinzu kamen mehrere Positionierungen von Kundenteams in den Punkterängen, die zugunsten von March als Konstrukteur gewertet wurden. In der Summe ergaben sich daraus 15 Punkte in der Konstrukteurswertung.
