Marcus Lachmann

deutscher Schauspieler, Szenenbildner, Regisseur und Theaterpädagoge From Wikipedia, the free encyclopedia

Marcus Lachmann (* 23. Juli 1956 in Pforzheim; † 10. August 2025[1]) war ein deutscher Schauspieler, Szenenbildner, Regisseur und Theaterpädagoge.

Leben

Ausbildung und feste Engagements

Marcus Lachmann entstammte einer Schauspielerfamilie. Seine Großmutter mütterlicherseits, die Schauspielerin Erna Keldaan (1892–1988), war Mutter des Schauspielers Hans Nielsen (1911–1965). In zweiter Ehe war sie mit Lutz Heinle (1898–1973) verheiratet, der bis 1942 acht Jahre lang Schauspieldirektor am Deutschen Nationaltheater in Weimar war.[2]

Lachmann besuchte die Waldorfschule Goetheschule in Pforzheim. An der Westfälischen Schauspielschule Bochum studierte er Schauspiel. 1977 begann er seine Bühnenlaufbahn als Schauspieler mit einem Engagement an der Hamburgischen Staatsoper. In der Jugendoper Bruch – Ein Ding mit Musik trat er in einem provisorischen Zirkuszelt neben dem kurz vor der Premiere abgebrannten Kulturzentrum Fabrik in Hamburg neben Kollegen wie Jan Fedder und Burghart Klaußner auf.[3] Von 1977 bis 1979 war Lachmann am Theater Neumarkt Zürich engagiert, wo er unter anderem in den Stücken Ritter Blaubart von Ludwig Tieck[4], Zwischen Himmel und Erde von Staffan Westerberg nach Eugène Ionesco[5], Mensch Meier von Franz Xaver Kroetz[6] und Die Geisel von Brendan Behan spielte.[7]

Es folgte bis 1981 ein Engagement am Staatstheater Stuttgart, wo er neben Rollen in Schnitzlers Komödie der Verführung und Heiner Müllers Philoktet[8] auch als Marquis von Posa in der umstrittenen Inszenierung Hansgünther Heymes von Schillers Don Carlos auftrat.[9]

Ab 1983 hatte Lachmann ein dreijähriges Engagement als Schauspieler am Niedersächsischen Staatstheater Hannover.[10][11] Parallel dazu leitete er am Schlosstheater Moers das S.TM-Jugendforum, wo er mit interessierten Jugendlichen jährlich ein Theaterstück inszenierte.[12] In der Folge wollte Lachmann vom Schauspielerberuf Abschied nehmen und sich auf Theaterregie und Ausstattung konzentrieren. Am Schauspielhaus Düsseldorf inszenierte er ein Einpersonenstück von Dario Fo und die deutsche Erstaufführung des Kinderstücks Die Geschichte vom Onkelchen[13], in seiner Heimatstadt Pforzheim Süskinds Der Kontrabaß.[14]

1985 folgte er dem Ruf ans Schauspiel Frankfurt, wo er unter anderem die Titelrolle der Hilsdorf-Inszenierung von Goethes Egmont spielte, die von Publikum und Kritik anerkennend aufgenommen wurde.[15][16][17] Weitere Inszenierungen mit Lachmann in Frankfurt waren die Uraufführung des Stückes Die Schauspieler von Einar Schleef, Die Irre von Chaillot[18] von Giraudoux und Shakespeares Hamlet.[19]

Ab 1990 war Lachmann als Oberspielleiter am Mecklenburgischen Landestheater Parchim engagiert. Stücke wie Carl Ceiss’ Honecker-Monolog An den Dreizehnten oder die Bearbeitung von Shakespeares König Lear durch den damals 24-jährigen Autor Daniel Call (der selbst im Stück mitspielte) nahmen dabei Bezug auf den gesellschaftlichen Umbruch der Wendezeit.[20][21] Die Zusammenarbeit mit Call setzte sich fort: In den Jahren 1991 bis 2007 war Lachmann an verschiedenen Bühnen an über einem Dutzend Uraufführungen von Calls Stücken beteiligt.[22][23][24][25] Auch privat waren die beiden Partner.

Am 22. Februar 1992 inszenierte Lachmann in Parchim die Uraufführung von Barbara Bronnens einzigem dramatischen Text Bevor ich ins Gras beiße.[26][27]

Bis 2002 hatte er durchgängig feste Engagements, zuletzt als Oberspielleiter in Nordhausen und Schauspieldirektor in Rostock. In Nordhausen wurde über 40 Jahre nach seiner Entstehung das Stück Die jüngste Nacht von Arnolt Bronnen unter Lachmanns Regie in Deutschland erstaufgeführt.[28] Außerdem brachte er das Musical Stars von und mit Klaus Lage auf die Bühne.[29] In Rostock inszenierte er mit Hohn der Angst erneut ein Stück von Dario Fo. Gegenüber dem Deutschen Depeschendienst sagte er: „Für mich ist Dario Fo eine wichtige Figur des Jahrhunderts, er nimmt Staat und Gesellschaft auf die Schippe und ist zugleich Provokateur.“[30] Weitere Inszenierungen Lachmanns in Rostock waren Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame und Botho StraußDie Hypochonder. Bereits 1995 war Lachmann am Theater Brandenburg mit einer Botho-Strauß-Inszenierung von Das Gleichgewicht aufgefallen, als diese sowohl von der Theaterzeitschrift Die Deutsche Bühne als auch von Theater heute im Vergleich mit Inszenierungen von Thomas Langhoff, Luc Bondy und Peter Ibrik als besonders gelungen beurteilt wurde.[31][32]

Parallel inszenierte er auch an anderen Bühnen, wie das Kinderstück Momo von Michael Ende für die Badische Landesbühne[33], Stan Laurel und Oliver Hardy in Luxemburg von Urs Widmer im Kasemattentheater in Luxemburg[34], Goethes Clavigo am Stadttheater Bremerhaven[35], Wedekinds Frühlings Erwachen am Brandenburger Theater[36] und Büchners Leonce und Lena erneut in Pforzheim.[37]

Freiberuflichkeit

Seit 2002 setzte Marcus Lachmann seine Arbeit als Regisseur, Theaterpädagoge, Szenenbildner und Schauspieler in freiberuflicher Selbständigkeit fort. Hinzu kamen Filmprojekte mit Rosa von Praunheim, Benzina Kanchavelli und für die Produktionsfirmen WTS Film und Ente Kross Film.

Gemeinsam mit den Schülern der Rudolf-Steiner-Schule Hamburg-Bergedorf[38], der Freien Waldorfschule Oberberg[39], der Blote-Vogel-Schule in Witten und der Freien Waldorfschule Saarbrücken[40] entwickelte Lachmann Theaterstücke, in denen die Schüler von der Konzeption über die Einstudierung bis hin zu Bühnen- und Kostümbild alles selbst gestalten. Die Projekte wurden durch den für Waldorfschulen charakteristischen Schulalltag ermöglicht, in dem jährlich mehrere Wochen ausschließlich für die sogenannten Klassenspiele bestimmt werden konnten. Lachmann war es wichtig, „die Jugendlichen an große Texte der Weltliteratur heran[zu]führen“ und sie in diesem Prozess die Erfahrung machen zu lassen, mit der eigenen Emotionalität, dem eigenen Gruppenverhalten umgehen zu können, um daraus ein größtmögliches Selbstbewusstsein zu entwickeln.[41]

Theatrografie (Auswahl)

Regie und Ausstattung

Filmografie (Auswahl)

Hörspiele (Auswahl)

Einzelnachweise

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