Margrit Glaser
deutsche Schauspielerin und Professorin für Schauspiel
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Margrit Glaser, auch Margit Glaser (* 29. Juli 1906; † 16. Oktober 1977)[1] war eine deutsche Schauspielerin, Regisseurin, Professorin für Schauspiel an der Theaterhochschule Leipzig und künstlerische Leiterin der Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch).
Leben und Wirken
Margrit Glaser war Schülerin von Heinz Hilpert,[2] der 1926 von Max Reinhardt als Oberspielleiter ans Deutsche Theater Berlin geholt, 1934 von den Nationalsozialisten mit dem Einverständnis Reinhardts als dessen Direktor eingesetzt wurde und bis 1938 auch die Aufsicht über die dortige Schauspielschule hatte.[3.1] Um 1929 war Glaser am Stadttheater Elberfeld-Barmen engagiert,[4] Mitte der 1930er-Jahre spielte sie u. a. am Renaissance-Theater (Berlin)[5] und hatte ein Engagement am Stadttheater Saarbrücken[6]. Nach 1938 wurde sie von Hugo Werner-Kahle, dem neu eingesetzten Direktor der Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin, als Lehrkraft engagiert.[3.2] Um 1944 war sie in Göttingen als Schauspielerin gemeldet.[7]
1950 ging Margrit Glaser aus der Bundesrepublik Deutschland an das 1948 gegründete Deutsche Theater-Institut Schloss Belvedere (DTI) in Weimar (DDR), wo sie als Schauspielpädagogin[8] und enge Mitarbeiterin des Leiters Maxim Vallentin tätig war.[9] 1954 wurde Margrit zur Professorin für Schauspiel an der Theaterhochschule Leipzig berufen[10], mit der das DTI 1953 zusammengeschlossen worden war.
Zum 1. Januar 1956 wurde Margrit Glaser als künstlerische Leiterin der Staatlichen Schauspielschule Berlin eingesetzt und verantwortete dort die künstlerisch-pädagogische Schauspielerziehung. Sie holte u. a. Manfred Wekwerth und Lothar Bellag vom Berliner Ensemble als Lehrkräfte an die Schule. Da es aufgrund ungeklärter Zuständigkeiten zu Spannungen mit dem Direktor Helmut Zocher kam, wurde Margrit Glaser 1958 auf eigenen Wunsch von ihrer Leitungsfunktion entbunden, unterrichtete aber weiterhin als Dozentin.[3.3] An der Schauspielschule leitete Glaser das Grundlagenseminar. Vor dem Mauerbau lebte sie in West-Berlin.[11] Von Kollegen und Absolventinnen wird Margrit Glaser als die „prägendste Persönlichkeit an der Schule“[12] beschrieben.[13]
Sowohl an der Theaterhochschule Leipzig als auch an der Staatlichen Schauspielschule Berlin übernahm Margrit Glaser die Regie bei Studioinszenierungen der jeweiligen Abschlussjahrgänge. Sie verfasste Märchendramen als Bühnenbearbeitungen der Gebrüder Grimm, wirkte in mehreren Fernsehspielen des Deutschen Fernsehfunks und in Hörspielen mit.
Schauspiel
- 1935: Aufbruch in Kärnten von Eberhard Wolfgang Möller, Renaissance-Theater (Berlin), Regie: Alfred Bernau[5]
- 1957: Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertolt Brecht zus. mit Hella Wuolijoki, DFF-Fernsehspiel, Regie: Peter Palitzsch und Manfred Wekwerth[14]
- 1960/61: Steinzeitballade, DEFA-Spielfilm, Regie: Ralf Kirsten[15]
- 1964: Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen findt von Claus Hammel nach Motiven von Theodor Fontane, Maxim-Gorki-Theater, Regie: Horst Schönemann[16]
- 1964: Die Leute auf Hemsö von August Strindberg, Ostseestudio Rostock (Fernsehspiel), Regie: Percy Dreger[17]
- 1967: Charleys Tante von Brandon Thomas, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Regie: Gert Jurgons
- 1968: Fastnacht von Josef Topol, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Regie: Gert Jurgons
- 1968: Warschauer Konzert von Horst Enders, Ostseestudio Rostock (Fernsehspiel), Regie: Percy Dreger[18]
- 1970: Bernarda Albas Haus von Federico Garcia Lorca, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Regie: Anne Eicke
- 1970: Späte Liebe von Alexander Ostrowski, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin (DFF-Fernsehspiel), Regie: Gert Jurgons[19]
Regie
- 1954: [Das große Abenteuer des] Jeppe vom Berge von Horst Ulrich Wendler nach Ludvig Holberg, Studioinszenierung der Theaterhochschule Leipzig[3.4]
- 1956: Der fröhliche Sünder (Hodsha Nasreddin) von Leonid Solowjow und Viktor Witkowitsch, Studioinszenierung der Staatlichen Schauspielschule Berlin beim II. Fest junger Künstler in Karl-Marx-Stadt, Bühnenbild: Annemarie Rost, Musik: Hans-Dieter Hosalla, Schauspiel: u. a. Klaus Erforth, Peter Dommisch, Dieter Franke, Ottfried Knorr, Karl Sturm, Jürgen Hentsch, Hans-Georg Simmgen, Horst Manz, Klaus Bergatt, Reinhard Michalke, Klaus Münster[20]
- 1961: Die Wunderringe. Märchenkomödie nach Tamara Gabbe, Theater der Jungen Generation Dresden (Deutsche Erstaufführung), Bühnenbild: Eva von Achenbach[21]
Bühnenbearbeitungen
- König Drosselbart. Märchenspiel nach dem Märchen der Gebrüder Grimm, zus. mit Hans Caninenberg, Leipzig, 1947[22]
- Rotkäppchen und der Wolf nach Gebrüder Grimm, Regie: Annemarie Steinsieck[23]
- Aschenputtel, Theater der Jungen Generation Dresden, 1962 (Uraufführung)[24]
- Hänsel und Gretel, zus. mit Siegfried Setcher nach den Gebrüdern Grimm, Theater an der Spree / Kongresshalle, 1963 (Uraufführung), Regie: Malte Petzel[25]
- Reiche Bräute von Alexander Ostrowski, übersetzt und bearbeitet, Berlin 1978[26]
Hörspiel
Autorin
- 1948: Die Spielzeugmacher. Eine Hörfolge für Weihnachten, Radio Frankfurt, (Erstsendung), Regie: Alfred Schulz-Escher[27]
Sprecherin
- 1948: Leo Nikolajewitsch Tolstoi von Karl-Heinz Rühl, Radio Frankfurt, (Erstsendung), Regie: Alfred Schulz-Escher[28]
- 1972: Das war unser Jahr von Michail Romm und Daniil Chrabrowizki, Rundfunk der DDR, (Erstsendung), Bearbeitung: Hermann Herlinghaus, Regie: Theodor Popp und Barbara Plensat[29]
Weblinks
- Margrit Glaser bei IMDb