Maria Vogt
deutsche Theater- und Filmschauspielerin
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Maria Vogt (* 22. April 1980 in Steinheim am Albuch) ist eine deutsche Theater- und Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Mixed-Reality-Künstlerin. Sie ist Mitglied des Kollektivs KGI – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten, das mehrfach von renommierten Institutionen gefördert wurde, darunter die Kulturstiftung des Bundes im Fonds Doppelpass und die NRW-Spitzenförderung Theater. 2023 erhielt sie das Wim Wenders Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW (20.000 Euro) für die Entwicklung ihres Science-Fiction-Drehbuchs Antropka, das 2025 als Mixed-Reality-Theaterstück am Theater an der Ruhr Premiere hatte. 2011 wurde sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis im Bereich Darstellende Kunst ausgezeichnet.[1][2][3][4][5]
Ausbildung und frühe Schauspielkarriere (2000–2012)
Vogt absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Schauspielschule der Keller im Theater der Keller in Köln. Anschließend war sie am Theater Bonn engagiert. Von 2005 bis 2010 gehörte sie als festes Ensemblemitglied zum Mainfranken Theater Würzburg, wo sie unter anderem die Amalia in Friedrich Schillers Die Räuber (Regie: Bernhard Stengele), Leonie in Bernard-Marie Koltès' Kampf des Negers und der Hunde (Regie: Axel Stöcker) und Maggie in Tennessee Williams' Die Katze auf dem heißen Blechdach (Regie: Christoph Diem) spielte. Als Gast war sie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und ab 2010 als freie Schauspielerin am Staatstheater Nürnberg tätig.[6]
2007 erhielt Vogt den Theaterförderpreis Würzburg, 2009 den Schauspielförderpreis bei den Bayerischen Theatertagen in Coburg. Parallel zu ihrer Theaterarbeit wirkte Vogt in Film- und Fernsehproduktionen mit. Ihr Fernsehdebüt gab sie 2002 in der ZDF-Krimireihe Wilsberg in der Folge Wilsberg und der Tote im Beichtstuhl (Rolle: Kathi Eckelt). 2006 spielte sie die Hauptrolle der Paula in der ARD-Jugendserie Paulas Sommer (13 Folgen). 2009 feierte sie ihr Kinodebüt in der Komödie 13 Semester von Frieder Wittich in der Rolle der Bibbi.[7][8][9]
Ab 2013 studierte Vogt Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie war Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. 2018 schloss sie ihr Bachelorstudium an der HFBK mit dem Film Vom Wahrscheinlichen und vom Unwahrscheinlichen (43 Min.) ab, 2021 folgte der Masterabschluss mit dem Film 4 ever (12 Min.).[10][11]
KGI – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten (ab 2012)
Vogt ist Mitglied des Kollektivs KGI – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten, gemeinsam mit Simon Kubisch und Dominik Meder. Das Kollektiv verfolgt einen gesellschaftspolitischen Ansatz, der Theater als Gedächtnis im gesellschaftlichen Diskurs verortet und untersucht. KGI arbeitet schwerpunktmäßig zu nationalsozialistischen Gefühlserbschaften und deren transgenerationaler Weitergabe. Im Zentrum der Arbeit steht die Aneignung und Transformation unterschiedlicher darstellender und performativer Kunstformate von Theater, Film, Tanz, Oper bis hin zum Computerspiel. Dies geschah über mehrere Jahre in Zusammenarbeit mit Menschen aus hochkulturfernen Schichten und Sozialisationen, dem von KGI gegründeten Ensemble "Transformers".[12][13]
Institutionelle Förderungen
KGI wurde von mehreren renommierten Institutionen gefördert:
NRW-Spitzenförderung Theater
„Die Gruppe KGI: Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten verfolgt mit ihrer Arbeit einen gesellschaftspolitischen Ansatz, der Theater als Gedächtnis im gesellschaftlichen Diskurs verortet und untersucht. Sie verfolgt eine spezifische, in die Tiefe gehende Annäherung an Fragen von Gemeinschaft und Zugänglichkeit der Künste. Mit der Entwicklung eines Forschungsinstituts zur Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Aktivismus wird die Gruppe KGI im Rahmen der Spitzenförderung bundesweit relevante Impulse setzen.“
Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes
Von 2018 bis 2020 wurde KGI im Fonds Doppelpass Plus gefördert (bis zu 240.000 Euro). Das Projekt „Das Symptom der Oper“ wurde in Kooperation mit dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und dem Ringlokschuppen Ruhr Mülheim realisiert.
Weitere Förderungen
Fonds Darstellende Künste (aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien), Kunststiftung NRW, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW KULTURsekretariat (Programm „Neue Wege“).[14][15][16]
Kooperationen
KGI kollaboriert seit 2012 mit bedeutenden Institutionen, darunter Ringlokschuppen Ruhr Mülheim, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Theater Oberhausen, Maxim GorkiTheater Berlin, Mainfranken Theater Würzburg, Staatstheater Darmstadt, HAU Hebbel am Ufer Berlin, TAK Theater Aufbau Kreuzberg und dem Performing Arts Festival Berlin.
Mixed-Reality-Arbeiten
Parallel zu den Theaterproduktionen entwickelt Vogt mit KGI Mixed-Reality-Projekte. Escaping Heldenplatz ist eine VR-Installation nach Thomas Bernhards Heldenplatz, die sich mit dem Theaterskandal von 1988 und Antisemitismus auseinandersetzt. Das XR-Design entstand in Zusammenarbeit mit dem MIREVI Lab der Hochschule Düsseldorf.[17][18]
Antropka (2023–2025)
2023 erhielt Vogt das Wim Wenders Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW (20.000 Euro) für die Entwicklung ihres Science-Fiction-Drehbuchs Antropka. Die Jury unter Vorsitz von Wim Wenders wählte das Projekt aus 41 Einreichungen aus. Mit dem Projekt möchte Vogt „der Phalanx männlicher Weltraum-Erzählungen eine eigene, queerfeministische Sicht aufs Reisen in ferne Galaxien entgegensetzen“. Das Projekt erzählt von elf Frauen aus vier Generationen, die im Jahr 2182 auf einer interstellaren Arche Noah um das Überleben der Menschheit kämpfen, nachdem die Erde infolge der Klimakatastrophe unbewohnbar geworden ist. Die Mission wird streng von einer künstlichen Intelligenz namens „Momi“ überwacht.[19][20]
Am 29. August 2025 hatte Antropka als Mixed-Reality-Theaterstück am Theater an der Ruhr Premiere. Die Uraufführung wurde als „erstes abendfüllendes Mixed-Reality-Theaterstück mit echter Multiplayer-Kopräsenz“ konzipiert. Die Inszenierung vereint Theater und Virtual Reality: Alle Zuschauenden, Darstellenden und virtuellen Objekte existieren gemeinsam in einem geteilten Echtzeit-Raum – ein technischer Durchbruch gegenüber bisherigen VR-Theaterformen.
Das Publikum sitzt inmitten einer 360°-Greenscreen-Bühne und erlebt durch Quest 3-Headsets im Pass-Through-Modus die Verschmelzung von Realität und Virtualität. Die technische Entwicklung und Programmierung erfolgte durch das MIREVI Lab der Hochschule Düsseldorf. Für Bühnenkonzeption und - programmierung war Markus Wagner verantwortlich, Sounddesign und Musik stammen von Dominik Meder und Simon Kubisch (KGI).
Die Kritiken würdigten besonders die technische Innovation und das immersive Bühnenbild. Die Ruhr Nachrichten bezeichneten die Premiere als Präsentation des „Stand[s] der Dinge von Digitalität im Theater“. Die Deutsche Bühne lobte: „Besonders gelingt dabei das Bühnenbild, das mittels Greenscreen und 3D-Brillen virtuelle Welten auf die Bühne holt.“[21][22][23]
Auszeichnungen
- 2007: Theaterförderpreis Würzburg
- 2009: Schauspielförderpreis bei den Bayerischen Theatertagen in Coburg
- 2011: Bayerischer Kunstförderpreis im Bereich Darstellende Kunst
- 2023: Wim Wenders Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW (20.000 Euro)