Maria Waldrast

Kloster in Tirol From Wikipedia, the free encyclopedia

Maria Waldrast ist ein Wallfahrtskloster des Servitenordens in der Gemeinde Matrei am Brenner in Tirol. Es liegt auf 1638 m ü. A. am Fuß der Serles und ist eines der höchstgelegenen Klöster Europas.

Maria Waldrast von Nordosten (2006)
Maria Waldrast von Süden (vom Blaser aus gesehen)

Lage

Maria Waldrast liegt in einem von Mützens heraufziehenden Tal zwischen Serles und Waldraster Jöchl. Das Kloster kann auf Wanderwegen von Mützens, Mieders, Schönberg im Stubaital, Fulpmes und Trins erreicht werden. Am Pilgerweg von Mützens stehen mehrere offene Wegkapellen. Der Klostergasthof ist ein Stützpunkt für Bergwanderungen (besonders für die Besteigung der Serles) und für den Wintersport (Skitouren, Skilanglauf, Rodeln).

Geschichte

Chorfresko Auffindung des Waldraster Gnadenbildes, um 1666
Maria Waldrast als Ruine im 19. Jahrhundert

Zu den Ursprüngen des Klosters existieren zwei Legenden, die beide im Deckenfresko im Chor der Wallfahrtskirche zu sehen sind. Die untere Hälfte stellt zwei Hirtenknaben aus Mützens dar, die am Ostersonntag 1407 der Legende nach ein aus einem Baumstamm gewachsenes Muttergottesbild sahen, das dann aus dem Stamm herausgesägt nach Matrei gebracht wurde. Die obere Hälfte veranschaulicht den aus Matrei stammenden Christian Lusch, der im Traum die Vorstellung dieses am Fresko dargestellten Muttergottesbildnisses mit Kind hatte.

In einem Traum hörte Christian Lusch zwei Glocken und sah eine Madonna im weißen Gewand, die ihm in drei aufeinander folgenden Nächten des „Pfinztags“ (dialektale Bezeichnung für Donnerstag, ähnlichen Ursprungs auch Pfingsttag) im Jahre 1407 erschienen sei und ihm hieß, eine Kapelle an einem Platz nahe der heutigen Wallfahrtskirche zu errichten. Nachdem Lusch fünfmal beim Bischof von Brixen vorgesprochen hatte, gab ihm dieser 1409 die Erlaubnis, eine Kapelle zu erbauen. Im November 1414 erhielt er vom Brixener Generalvikar Nikolaus Swarat die Zustimmung, für die Kapelle Almosen zu sammeln. Dies ist insofern auch historisch belegt, zumal der Generalvikar auch Pfarrer von Matrei war. Die Kapelle soll 1429 letztendlich fertiggestellt worden sein. Die Weihe der Kapelle erfolgte wesentlich später, erst im Jahre 1465. Die Altarweihen sind für 1469 belegt. Dies hatte wohl auch mit Bischof Nikolaus Cusanus zu tun, der 1450 Bischof von Brixen wurde – ein entschiedener Gegner von Nahwallfahrten war und nur vier Wallfahrtsorte außer Rom (Brixener Dom, Aquileja, Aachen und Santiago de Compostela) für Großwallfahrten zuließ.

Nach dem Tode von Nikolaus Cusanus im Jahre 1464 wurden dann die Weichen für die Weihen der Kapelle und der Altäre gestellt. Ein weiterer Schritt war die Einrichtung einer Kaplanei und die Bestellung eines Mesners. In der Folge wurde Maria Waldrast zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. Schon im 15. Jahrhundert wurden in Maria Waldrast Mirakelberichte aufgezeichnet, die Wunder dem Gnadenort als auch dem Gnadenbild zuschrieben. Die Handschrift der ältesten Mirakelberichte befindet sich gegenwärtig im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. Der Wallfahrtsort wurde vor allem durch die Landesfürsten gefördert und mit reichen Stiftungen bedacht.

1621 legte der Tiroler Landesfürst Erzherzog Leopold V. den Grundstein zu einem Servitenkloster, die zu klein gewordene Kapelle wurde vergrößert. Das Kloster wurde 1624 bezogen, die Arbeiten konnten aber erst 1644 unter Erzherzogin Claudia von Medici fertiggestellt werden. Im 18. Jahrhundert erlebte der Wallfahrtsort seine größte Blüte, jedes Jahr kamen rund 40.000 Pilger auf die Waldrast. Kaiser Joseph II. hob das Kloster 1785 auf. Die Mönche mussten das Kloster verlassen, das Inventar wurde versteigert und das Gnadenbild nach Mieders gebracht. Die Gebäude wurden abgedeckt und damit dem Verfall preisgegeben.

1844 konnte der Servitenorden Kloster und Kirche zurückkaufen und wieder aufbauen. 1848 wurde das Gnadenbild in einer feierlichen Prozession aus Mieders zurück in die Wallfahrtskirche gebracht, der Wiederaufbau war aber erst 1912 abgeschlossen. Von den Nationalsozialisten wurde das Kloster am 8. April 1941 erneut aufgehoben, das Gnadenbild kam zunächst nach Matrei, dann ins Rheinland. Im November 1945 konnte es wieder in Maria Waldrast aufgestellt werden.

Beschreibung

Innenansicht der Wallfahrtskirche

Vom ursprünglichen Kirchenbau ist der polygonale gotische Chor aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Das Kirchenschiff wurde nach dem Verfall 1845/46 im klassizistischen Stil neu aufgebaut. Die zweigeschoßige Westfassade wird durch vier Kolossalpilaster gegliedert und von einem Dreiecksgiebel bekrönt. Im Norden des Langhauses ist der Turm mit verkürztem Helm angebaut. Langhaus, Seitenkapellen, Chor und Sakristei sind mit einem Satteldach gedeckt.

Die Inneneinrichtung ist größtenteils frühbarock. Die drei schwarz-gold gefassten Altäre und Bilder stammen von Michael Waldmann dem Jüngeren. Auf dem Tabernakel befindet sich das Gnadenbild, eine geschnitzte sitzende Madonna, die dem Jesuskind einen Apfel reicht. Es stammt aus der Zeit um 1420 und wurde im Barock überschnitzt. Die Passionstafeln an der Langhauswand stammen ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert.

Literatur

  • Inge Dollinger: Tiroler Wallfahrtsbuch. Die Wallfahrtsorte Nord-, Ost- und Südtirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1982, ISBN 3-7022-1442-9, S. 32–35.
  • Franz Caramelle, Richard Frischauf: Die Stifte und Klöster Tirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1985, ISBN 3-7022-1549-2, S. 173–174.
  • Oskar Dünser: Wallfahrtsort Maria Waldrast – Ursprung und Schicksal des Marianischen Gnadenortes und Servitenklosters; 600 Jahre Maria Waldrast; erste urkundliche Erwähnung 1392 (= Christliche Kunststätten Österreichs. Nr. 214). 3. Auflage. Verlag St. Peter, Salzburg 2003.
  • Mark Mersiowsky: Spätmittelalterliche Laienfrömmigkeit in Tirol: Die Evidenz des Mirakelbuchs von Maria Waldrast, in: notae. Historische Notizen zur Diözese Innsbruck 6 (2023), S. 17-38.
  • Aurelia Benedikt u. Peter Emberger (Hrsg.), 400 Jahre Maria Waldrast. Servitenkloster – Wallfahrt – Kraftort. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2024.
Commons: Maria Waldrast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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