Marianowo
Dorf in Polen
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Marianowo (deutsch Marienfließ) ist ein Dorf und Sitz einer gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Stargardzki (Kreis Stargard in Pommern) der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
| Marianowo | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Westpommern | |
| Powiat: | Stargard | |
| Geographische Lage: | 53° 23′ N, 15° 16′ O | |
| Einwohner: | 910 | |
| Postleitzahl: | 73-121 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 91 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ZST | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Stargard – Gdynia | |
| Eisenbahn: | Stargard–Gdańsk | |
| Nächster int. Flughafen: | Stettin-Goleniów | |
| Gmina | ||
| Gminatyp: | Landgemeinde | |
| Gminagliederung: | 12 Ortschaften | |
| 8 Schulzenämter | ||
| Fläche: | 101,75 km² | |
| Einwohner: | 2886 (1. Jan. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 28 Einw./km² | |
| Gemeindenummer (GUS): | 3214082 | |
| Verwaltung (Stand: 2007) | ||
| Gemeindevorsteher: | Elżbieta Irena Rink | |
| Adresse: | ul. Mieszka I 1 73-121 Marianowo | |
| Webpräsenz: | www.marianowo.pl | |
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa 16 Kilometer nordöstlich von Stargard (Stargard in Pommern) am Nonnenbach (Krępa), der im Nordwesten in den Krampehl (Krąpiel) mündet, unweit des Großen Sees (Jezioro Marianowskie).
Geschichte


Auf der Feldmark des Dorfs Marienfließ war bei Straßenbauarbeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein prähistorisches Gräberfeld der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur mit flach agelegten Steinkistengräbern mit mehreren Brandgräbern freigelegt worden, die Gesichtsurnen und als Beigaben unter anderem Schmuck wie Brustgehänge, Fibeln und Gewandnadeln enthielten.[2][3]
Im Jahre 1248 errichtete Herzog Barnim I. das Zisterzienserinnenkloster Marienfließ und übergab ihm Land zur Besiedlung. 1569 wurde das Kloster in ein Stift für adelige Fräulein umgewandelt. Der Ort war eine der Dorfgründungen der Nonnen.
Im 17. Jahrhundert wurde Marienfließ Amtssitz für die Dörfer Ball, Brüsewitz, Büche, Dahlow, Goldbeck, Marienfließ, Pegelow, Rehwinkel, Klein Schlatikow, Treptow und Zarnikow mit den zugehörigen Vorwerken Marienfließ, Mößin und Treptow an der Rega. In der Zeit von 1653 bis 1662 war Ewald von Kleist Amtmann von Marienfließ.
- Artefakte aus der Vorzeit
- Gesichtsurnen und Gewandnadeln (Museum Stettin)
- Grabhügel (2008)
- Krug mit Henkel
Um 1905 hatte die Landgemeinde 630 Bewohner, hinzu kam noch der Gutsbezirk mit 192 Menschen. 1910 gab es im Dorf ein Elektrizitätswerk, eine Färberei und eine Mühle.[4]
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Marienfließ einen Flächeninhalt von 15 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 154 bewohnte Wohnhäuser an drei verschiedenen Wohnplätzen:[5]
- Kloster
- Kolonie Marienfließ
- Marienfließ
Um 1935 hatte Marienfließ unter anderem einen Gasthof, drei Bäcker, eine Niederlassung der Ländlichen Spar-und Darlehnskasse, vier Baugeschäfte, eine Branntweinbrennerei, die von der Gutsverwaltung betrieben wurde, drei Metzgereien, sechs Gemischtwarenläden, mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Warenhandlungen, eine Mühle, zwei Zementwarenfabriken und eine Reihe von Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.[6]
- Dorf und Umgebung
- Kleinbahn-Haltestelle (2011)
- Sportplatz (2011)
- ‚Sidonia-Eiche‘ im Dorf
- Großer See (2013)
Im Jahr 1945 war Marienfließ eine Landgemeinde im Landkreis Saatzig im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Marienfließ war Sitz des Amtsbezirks Marienfließ. Das Standesamt befand sich in Marienfließ.
Am 2. März 1945 flüchteten viele Bewohner des Dorfes vor der herannahenden Roten Armee. Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde Marienfließ zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Der Ortsname Marienfließ wurde zu ‚Marianowo‘ polonisiert. In der Folgezeit wurden die einheimischen Dorfbewohner von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Marienfließ vertrieben.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | Dorf, Sitz des Amts Marienfließ, mit einem Vorwerk, einem Freischulzen, elf Bauern mit dem Krüger, zehn Kossäten, zehn Büdnern, einem Organisten, einem Schulmeister, einem Schmied, 49 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer zur Jakobshagener Synode gehörigen Mutterkirche, deren Filiale die Dörfer Büche und Goldbeck sind[7] |
| 1818 | 421 | Dorf, Amtssitz und Fräuleinkloster, königliche Besitzung, mit einer Mutterkirche[8][9] |
| 1852 | 778 | Dorf[10] |
| 1864 | 842 | am 3. Dezember, davon 163 im Gutsbezirk (Domäne), 595 im Gemeindebezirk Marienfließ und 84 im Gemeindebezirk Marienfließ Kolonie[11] |
| 1867 | 942 | am 3. Dezember, davon 697 in der Landgemeine Marienfließ, 88 in der Landgemeinde Marienfließ Colonie und 157 im Gutsbezirk[12] |
| 1871 | 888 | am 1. Dezember, davon 684 in der Landgemeine Marienfließ (673 Evangelische, elf Juden), 77 in der Landgemeinde Marienfließ Colonie (sämtlich Evangelische) und 127 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)[12] |
| 1885 | 858 | am 1. Dezember, davon 650 in der Landgemeine (634 Evangelische, eine katholische Person und 15 Juden) und 208 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)[13] |
| 1890 | 858 | am 1. Dezember, davon 648 in der Landgemeinde und 210 im Gutsbezirk[14] |
| 1895 | 914 | am 2. Dezember, davon 683 in der Landgemeinde (671 Evangelische, zwei Katholiken und zehn Juden) und 231 im Gutsbezirk (230 Evangelische, eine katholische Person)[15] |
| 1910 | 844 | am 1. Dezember, davon 665 in der Landgemeinde und 179 im Gutsbezirk (Domäne)[4] |
| 1925 | 868 | darunter 847 Evangelische, zwei Katholiken und sechs Juden[5] |
| 1933 | 1025 | [16] |
| 1939 | 1026 | [16] |
Religionen
Dorfkirche
Die evangelische Dorfkirche war ursprünglich die Klosterkirche. Zwischen 1688 und 1690 erfolgte ein Umbau der Backsteinkirche, die 1892 noch durch den Anbau eines Kirchturms an der Westseite erweitert wurde.
- Ehemalige evangelische Dorfkirche Marienfließ
- Von Südwesten aus (2011)
- Von Nordosten aus (2011)
- Halle (2011)
- Kanzel (2011)
Das Gebäude der evangelischen Kirche wurde 1945 von der polnischen Administration zugunsten der polnischen katholischen Kirche zwangsenteignet und vom katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.
Kirchspiel
Die vor 1945 ansässigen Dorfbewohner waren größtenteils Evangelische (Angehörige der Landeskirche) und gehörten zum Kirchspiel Marienfließ. Die Kirchenbücher waren bis 1782 in der Filialkirche zu Büche aufbewahrt worden, wo der Prediger wohnte;[17] ihr Bestand reichte bis 1691 zurück.[18]
Das katholische Kirchspiel war in Stargard i. Pom.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch.
Trivia
Im Sommer findet hier regelmäßig unter der Bezeichnung Lato z Sydonią (Sommer der Sidonia) eine öffentliche Veranstaltung statt, durch die an die Geschichte der 1620 in Stettin als Hexe hingerichteten Sidonia von Borcke (1548–1620) erinnert werden soll, die im Fräuleinstift gelebt hatte.[19]
Eine uralte Eiche im Dorf wird im Volksmund als ‚Sidonia-Eiche‘ bezeichnet.
Gmina Marianowo
Allgemeines
Die Landgemeinde Marianowo umfasst eine Fläche von 101,75 km² und steht damit flächenmäßig an 97. Stelle der 114 Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern. Mit 3127 Einwohnern belegt sie die 107. Stelle. Von 1975 bis 1998 gehörte die Gmina zur Woiwodschaft Stettin.
Die gesamte Gemeinde hat die einheitliche Postleitzahl 73-121.
Nachbargemeinden der Gmina Marianowo im Powiat Stargardzki sind:
- Chociwel (Freienwalde), Dobrzany (Jacobshagen), Stara Dąbrowa (Alt Damerow), Stargard (Miasto) (Stargard in Pommern (Stadt)), Gmina Stargard (Stargard in Pommern (Landgemeinde)) und Suchań (Zachan).
Gemeindegliederung
Zur Gemeinde gehören:
- Ortsteile („Schulzenämter“): Czarnkowo (Zarnikow), Dalewo (Dahlow), Dzwonowo (Schönebeck), Gogolewo (Pegelow), Marianowo (Marienfließ), Sulino (Goldbeck), Trąbki (Trampke) und Wiechowo (Büche).
- Übrige Ortschaften: Kępy (Uchtenhagen D, auch: Kempen), Krzywiec (Altstadt), Mariankowo (Kolonie Marienfließ) und Trąbki Mała (Klein Trampke).
Verkehr
Straßen
Eine der Hauptverkehrsachsen in Pommern, die Landesstraße (DK) 20 von Stargard nach Gdynia (Gdingen) – die frühere deutsche Reichsstraße 158 – verläuft durch den Nordwesten der Gemeinde. Im Norden verläuft außerdem die Woiwodschaftsstraße (DW) 142, die – ehemals als Teilstück der Reichsautobahn Berlin–Königsberg errichtet – von Stettin kommend, wenig später im Ortsteil Lisowo (Voßberg) der Gmina Chociwel (Freienwalde) endet.
Schienen
Seit 1859 ist die Bahnstrecke Stargard in Pommern bis Köslin (Koszalin) in Betrieb, die 1870 bis nach Danzig erweitert wurde. An diese – heute von der Polnischen Staatsbahn (PKP) betriebenen Bahnlinie ist die Gmina Marianowo mit den Stationen Goglewo (Pegelow) und Trąbki (Trampke) angeschlossen. Außerdem besteht für die Gmina eine Anbindung an die seit 1895 bestehende Bahnlinie von Stargard in Pommern nach Kallies (Kalisz Pomorski), an der die Station des Ortsteils Sulino (Goldbeck) liegt.
Vor 1945 betrieben die Saatziger Kleinbahnen die Strecken Alt Damerow (Stara Dąbrowa) – Trampke (Trąbki) und weiter von Trampke über Marienfließ und Büche (Wiechowo) bis Nörenberg und Dramburg und vernetzten somit die Ortschaften der heutigen Gmina Marianowo.
Töchter und Söhne des Ortes
- Eleonore Charlotte von Sachsen-Lauenburg (1646–1709), Prinzessin von Sachsen-Lauenburg und Herzogin von Schleswig-Holstein-Sonderburg
- Paul Giese (1875–1947), deutscher Politiker (DNVP), Mitglied des Reichstages
Literatur
- Marienfließ, Dorf und Domäne (mit Kolonie), Kreis Saatzig, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Marienfließ (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern, II. Teil, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 238–239, Ziffer (6) (Google Books).
- Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. II. Teil, 4. Band, Anklam 1868, S. 480–500 (Google Books).
- Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
- Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-181-3.
Weblinks
- Amtsbezirk Marienfließ (Territorial.de)
- Die Gemeinde Marienfließ im ehemaligen Kreis Saatzig in Pommern ( vom 12. August 2015 im Internet Archive) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
