Marie Dumesnil
französische Schauspielerin
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Marie Françoise Dumesnil, eigentlich Marie Françoise Marchand (* 2. Januar 1713 in Paris; † 20. Februar 1803 in Boulogne-sur-Mer) war eine französische Tragödienschauspielerin, die vor allem für ihre Rollen in den Stücken von Voltaire und Jean Racine bekannt war.

Leben
Marie-Françoise, die Tochter von François-Robert Marchand und seiner Ehefrau Marie-Catherine (geborene Pétré), wurde am Tag ihrer Geburt in der Pfarrkirche Saint-Sulpice getauft. Ihre Eltern wohnten in der Rue des Marais. Ihre Taufpaten waren der Pferdeverleiher François Chastelain und Marie Lepeintre, die Ehefrau des Pferdeverleiher Robert Marchand und zugleich ihre Großmutter. Sie zog zuerst mit wandernden Schauspielertruppen in der Provinz umher, bei denen sie Rollen im leichten Genre spielte. 1737 debütierte sie dann als Klytaimnestra am Théâtre français in Paris mit großem Erfolg und wirkte seitdem nur in hochtragischen Rollen, wie Medea, Merope, Kleopatra, Athalia, Semiramis, Agrippina etc. Die zehn Jahre jüngere Claire Clairon war ihre größte Rivalin auf der Bühne. Voltaire soll sie wie folgt gerühmt haben:
„‚[…] das große Pathos der Darstellung erlebten wir zum ersten Mal bei Mlle Dumesnil‘. Sie schien berufen und von der Natur dazu begabt, den tragischen Duktus spontan zu treffen, mit ‚einem Wort, einer Gebärde, dem schweigsamen Innehalten oder dem plötzlichen Schmerzensschrei‘ die Stufungen wechselnder Gefühle empfindsam nachzuerleben. Die Dumesnil konnte rührend sein und gleich darauf so zornentflammt, daß die Zuschauer der ersten Bänke vor ihr zurückwichen. Sie veränderte die Sprechtechnik, indem sie die ausdrucksstarken dramatischen Partien durch ein kunstloses, schnelles Sprechen der unbedeutenderen unterbrach. Doch auch sie sollte ihre Meisterin finden. ‚Etwas noch größeres war […] das darstellerische Vermögen Mlle Clairon‘.“[1]
Sie wurde bereits nach Jahresfrist Societärin des genannten Theaters. Nach ihrem Erfolg als Hauptdarstellerin in Voltaires Stück Mérope, das am 20. Februar 1743 in der Comédie-Française uraufgeführt wurde, schickte dieser ihr am 4. Juli 1743 von Den Haag aus das Manuskript seines neuesten Stücks Thérèse damit sie es lesen und den Schauspielern vorstellen sollte.[2] Mademoiselle Dumesnil, wie sie sich nannte, zog sich 1776 von der Bühne zurück. König Ludwig XVI. gewährte ihr als königliche Schauspielerin spätestens ab 1762 eine jährliche Gratifikation von eintausend Livre aus den außerordentlichen Mitteln des Hofpersonals. Diese Zahlung wurde 1773 um 1000 und 1775 um weitere 1500 Livre angehoben. Der König gewährte ihr anlässlich ihres Ruhestands eine Rente in dieser Summe für vierzig Jahre Arbeit unter dem Namen Dumesnil, den sie bis ans Lebensende trug. Zu dieser Zeit wohnte sie in der Rue Blanche im Pariser Stadtteil Montmartre. Edmond-Denis de Manne gab hingegen in seinem Werk La Troupe de Voltaire an, dass sie am 7. Oktober 1711 in einem Herrenhaus nahe Alençon geboren wurde und ihre Eltern Pierre-Marie-Philippe du Mesnil und Marguerite-Anne Lefrançois gewesen wären, was der Taufurkunde widerspricht.[3][4]
Rollen (Auswahl)
- Klytämnestea (Orestie von Aischylos)
- Medea (Medea von Euripides)
- Semiramis (Semiramis von Prosper Jolyot Crébillon)
Werke (Auswahl)
- Jean J. Dussault (Hrsg.): Mémoires. En résponse aux mémoires d’Claire Clairon. Paris 1823 (digitale-sammlungen.de; Nachdruck: Slatkine Reprint, Genf 1968).
Literatur
- Dumesnil (spr. dümänil), Marie Françoise Marchand. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 207.