Marius Borg Høiby
ältester Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit
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Marius Borg Høiby (* 13. Januar 1997 in Oslo) ist der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Er wuchs ab dem Schulalter mit seinen beiden Halbgeschwistern Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus bei seinem Stiefvater Kronprinz Haakon von Norwegen und seiner leiblichen Mutter auf Gut Skaugum auf. Seit Anfang Februar 2026 steht Høiby in einem Aufsehen erregenden Prozess wegen einer Vielzahl von Straftaten vor Gericht.
Leben

Marius Høiby wurde am 13. Januar 1997 im Aker Universitätskrankenhaus in Oslo[1] als Sohn von Mette-Marit Tjessem Høiby, die damals als Kellnerin arbeitete, und Morten Borg, einem verurteilten Straftäter, geboren. Die Eltern von Høiby waren nie in einer festen Beziehung und hatten nur eine kurze Begegnung,[2] nachdem sie einander von John Ognby, Mette-Marit Høibys ehemaligem Lebensgefährten und Verlobten, der ebenfalls verurteilter Straftäter war, vorgestellt worden waren.[3] Zwei Jahre lang war Mette-Marit mit Ognby liiert, einem Sozialhilfeempfänger, der 15 Jahre älter war als sie, bis kurz vor der Geburt von Marius. Sie lebten in einer Sozialwohnung in einem Arbeiterviertel von Lillestrøm. Die Beziehung endete, nachdem Ognby Mette-Marit mit einem Messer durch die Straße gejagt hatte, etwa zu der Zeit, als sie mit Marius schwanger wurde.[4]
Zum Zeitpunkt von Høibys Geburt saß sein Vater Morten Borg wegen drogenbezogener Gewalttaten im Gefängnis.[5][6] Nachdem ihr Sohn geboren war, zog Mette-Marit Tjessem Høiby zurück in ihre Heimatstadt Kristiansand, wo Marius Høiby von seiner Mutter und ihrem damaligen Partner, einem lokalen DJ, bis zu deren Trennung Anfang 1999 aufgezogen wurde. Später im selben Jahr lernte Mette-Marit Kronprinz Haakon kennen, und im Jahr 2000 zog sie nach Oslo, um mit ihm zusammenzuleben. Die Tatsache, dass Mette-Marit alleinerziehende Mutter war, und die Umstände, die damit einhergingen – einschließlich des Hintergrunds des Kindsvaters –, wurden als kontrovers betrachtet. Der Fernsehsender TV 2 schrieb später: „Allein durch seine Existenz wurde Marius Borg Høiby von vielen als Skandal für die königliche Familie angesehen.“[2] Er ist kein offizielles Mitglied des norwegischen Königshauses und wurde in Norwegen von zeitgenössischen Medien weithin als „Kleiner Marius“ bezeichnet, in Anspielung auf das uneheliche Kind aus dem Roman Gift von Alexander Kielland (1883).[7][8]
2002 besuchte Høiby für ein Jahr eine Vorschule in London. Im folgenden Jahr wurde er am 18. August 2003 in die Jansløkka-Grundschule in Asker eingeschult, wechselte im August 2010 in die Gesamtschule Solvang und 2013 auf das weiterführende Sportgymnasium „Wang Toppidrett“ in Oslo.[9] Er hat die weiterführende Schule jedoch nicht abgeschlossen.[10] 2017 schrieb er sich für einen Kurs im Bereich „Business“ am Santa Monica College ein, einem Community College für nicht-traditionelle Studierende, brach das Studium jedoch nach wenigen Monaten ab. Später trat er, zurück in Norwegen, beispielsweise 2016 als Statist in der norwegischen Fernseh- und Webserie für Jugendliche Skam auf. Später war er unter anderem Praktikant bei einem Modedesigner, arbeitete als Verkäufer in einem Unternehmen, das eine Party-App entwickelt hat, und als Motorradmechaniker.[11]
Im Herbst 2012 erkundigte sich Mette-Marit bei Jeffrey Epstein, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Sexualdelikten verurteilt war, ob es als unangemessen betrachtet würde, ihrem damals 15-jährigen Sohn ein Bild nackter Frauen vorzuschlagen.[12]
Im Jahr 2017 wurde sein Profil von der Website des norwegischen Königshauses entfernt, da er laut seiner Mutter kein Leben in der Öffentlichkeit führen will. In der Ausgabe 2018 von Tempus wurde Høiby fälschlicherweise als Prinz von Norwegen bezeichnet. Dies zog Kritik mehrerer norwegischer Medien nach sich, woraufhin die entsprechenden Passagen aus der Printausgabe sowie von der Website des Magazins entfernt wurden.[13] Sein Großvater Sven O. Høiby äußerte Jahre zuvor in Verdens Gang, Marius müsse Prinz werden, um Mobbing zu vermeiden.[14] Er sorgte für Aufsehen, indem er gegen Bezahlung auch Fotos und Informationen über seinen Enkel Marius an die Presse weitergegeben haben soll.[15]
Privatleben

Høiby war in mehreren öffentlich wahrgenommenen Beziehungen. Er war unter anderem mit der Erbin Linn Helena Nilsen, dem Model und der Schauspielerin Juliane Snekkestad sowie mit der Influencerin Nora Haukland liiert.[16][17][18]
Über Høiby war in Norwegen nur wenig bekannt. Die Medien berichteten nur vereinzelt über ihn, auch auf Wunsch von Mette-Marit, die um seine Privatsphäre bat. Einzelne Boulevardblätter thematisierten sein Partyleben, berichteten jedoch nicht über Vorfälle wie seine Festnahme bei einem Festival wegen Drogenbesitzes.[19] Bekannt wurden Vorfälle auf dem Anwesen seiner Mutter in Skaugum; Berichten zufolge sollen während privater Zusammenkünfte mit Bekannten einer Motorradgang Wertgegenstände entwendet worden sein. Zudem wurde Høiby wiederholt für riskantes Fahrverhalten auf dem Grundstück angezeigt.[20] Im Juni 2017 wurde Marius Høiby auf dem „Palmesus“-Festival in Kristiansand von Polizisten beim Konsum von Kokain beobachtet und musste 4000 Norwegische Kronen (etwa 400 Euro) Strafe zahlen.[21][22][23] Im Dezember 2024 nahm Høiby an einer therapeutischen Maßnahme zur Rehabilitation von Drogenabhängigkeit teil.[24]
2024 wurde berichtet, dass Høiby seinen Diplomatenpass und die verbundenen Privilegien missbräuchlich genutzt haben soll; Stand 2025 verfügte er nicht mehr über diesen.[25]
Ermittlungen und Strafverfahren
Ermittlungen
Am 4. August 2024 wurde die Polizei in Oslo nachts zu einer Wohnung im Stadtteil Frogner gerufen, in welcher sie die damalige Freundin von Marius Høiby antraf. Die Frau wies sichtbare Kopfverletzungen sowie eine Gehirnerschütterung auf. Die Wohnung war verwüstet, unter anderem steckte ein Messer in der Wand.[26] Ihr Freund Høiby wurde daraufhin wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen. Später wurden die Ermittlungen gegen ihn auf Bedrohung und Diebstahl ausgeweitet. Am 15. August 2024 gab Høiby über seinen Verteidiger zu, gegen seine damalige Freundin im Alkohol- und Kokainrausch Gewalt angewendet zu haben.[27][28][29]
Am 18. November 2024 nahm die Polizei Marius Høiby wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung sowie des Verstoßes gegen ein Kontaktverbot zu seiner Ex-Freundin erneut fest. Sein Haus auf Skaugum, dem Landsitz des Kronprinzenpaares, wurde durchsucht und Høiby in Untersuchungshaft genommen.[26][30] Wenige Tage später, am 27. November 2024, wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, da keine Gefahr der Zeugenbeeinflussung mehr bestehe.[31] Seine Mutter Mette-Marit wurde von Boulevardmedien beschuldigt, ihren Sohn vor der Festnahme über diese informiert zu haben.[32][33] Die Ermittlungen gegen Høiby wurden fortgesetzt und die Vorwürfe mit der Zeit immer umfangreicher. Ihm werden unter anderem drei Fälle von Vergewaltigung ohne und ein Fall von Vergewaltigung mit Geschlechtsverkehr vorgeworfen. Høiby soll Frauen Finger vaginal eingeführt haben, als diese durch Schlaf oder Alkohol nicht zustimmungsfähig waren, und hiervon Filmaufnahmen gemacht haben. Zudem werden ihm der Transport von 3,5 Kilogramm Cannabis sowie diverse Verkehrsdelikte wie Fahren ohne Führerschein vorgeworfen.[26][34][35] Ein Mann wirft Høiby zudem Morddrohungen in sozialen Medien vor.[22] Die Ermittlungen wegen Vergewaltigung gehen auf den Fund von Videos auf dem Handy von Høiby zurück.[36]
Am 27. Juni 2025 wurden die Ermittlungen abgeschlossen.[37] Am 18. August erhob der Staatsanwalt in Oslo Anklage in 32 Punkten. Eine Haftstrafe von bis zu 16 Jahren ist möglich.[38]
Festnahme und Strafprozess
Am 1. Februar 2026, kurz vor dem geplanten Prozessbeginn, wurde Høiby wegen Körperverletzung, Bedrohung mit einem Messer und Verstoß gegen ein Kontaktverbot erneut festgenommen.[39][40] Ein Richter ordnete daraufhin Untersuchungshaft an.[41] Zu Prozessbeginn räumte der 29-Jährige mehrere Delikte ein, bestritt jedoch den Vorwurf der Vergewaltigung.[42] Der Prozess ist bis zum 19. März 2026 angesetzt.[43] Die Ermittlungsbehörden beantragten eine Untersuchungshaft von vier Wochen. Grundlage der Maßnahme bildeten der Verdacht auf Körperverletzung, die Androhung von Gewalt mit einem Messer sowie die Verletzung eines bestehenden Besuchsverbots.[44]
Zum Auftakt seines Prozesses wurde sein Gesundheitszustand eng überwacht, und die Verteidigung prüfte, ob eine Verlegung in eine Klinik erforderlich sei, um seine Verhandlungsfähigkeit sicherzustellen. Die Staatsanwaltschaft strebte an, Høiby während des gesamten Verfahrens in Gewahrsam zu behalten.[45] Høiby erklärte, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht für zutreffend halte. Er wies sowohl die Anklage wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch als auch den Vorwurf zurück, die mutmaßlich Betroffenen während der angeklagten Handlungen gefilmt zu haben.[46] Høibys Verteidigerin Ellen Holager Andenæs kritisierte die vorangegangene Medienberichterstattung und verwies auf die geltende Unschuldsvermutung. Sie erklärte zudem, in allen vier Fällen habe nach Darstellung der Verteidigung vor den in der Anklage genannten Ereignissen einvernehmlicher Geschlechtsverkehr stattgefunden.[47]
Nach Angaben der norwegischen Nachrichtenagentur NTB hatte im Prozess eine mutmaßlich betroffene Person ausgesagt. Die Zeugin berichtete, sie habe sich durch die Einbindung in das Verfahren psychisch belastet gefühlt. Ihren Angaben zufolge soll Høiby sie im Dezember 2018 nach einer privaten Feier nach Skaugum eingeladen haben. Dort sei es zu einem kurzen sexuellen Kontakt gekommen, den sie eigeninitiativ beendet habe. Im Anschluss habe sie lediglich fragmentarische Erinnerungen an den weiteren Verlauf der Nacht besessen. Die Staatsanwaltschaft verwies auf ein Video, das Høiby zugeschrieben wurde und ihn nach Darstellung der Zeugin beim Berühren der Frau zeigen soll. Nach Einschätzung der Anklage habe die Frau auf dem Video geschlafen. Die Aussage erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Høiby bestritt sämtliche Vorwürfe.[48] Am zweiten Verhandlungstag erklärte sie laut Verdens Gang, einen derartigen Blackout in ihrem Leben bislang nicht erlebt zu haben. Sie brachte die Hypothese ein, ihr könnte eine Substanz von außen zugeführt worden sein, ohne dass sie diese bewusst selbst konsumiert habe. Die Verteidigung unterzog diese Aussage einer vertieften Befragung und richtete ihr Augenmerk dabei insbesondere auf mögliche pharmakologische oder toxikologische Einflussfaktoren.[49]
Høiby erklärte, er sei hauptsächlich als Sohn seiner Mutter bekannt und habe daher ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung entwickelt, das sich nach eigener Aussage in umfangreichem Konsum von Alkohol, Drogen und häufigen sexuellen Aktivitäten manifestiert habe. Er fügte hinzu, dass er ein Leben geführt habe, das sich nur schwer von außen nachvollziehen lasse.[50] Er gab an, Nacktfotos auf einem verschlüsselten Speicherdienst separat gespeichert zu haben. Auf Nachfrage, warum er Aufnahmen der mutmaßlich Betroffenen von der After-Party aufbewahrt hatte, erklärte er, dies sei zu späterem persönlichen Vergnügen erfolgt.[51] Er räumte zudem ein, sich in Teilen der schweren Körperverletzung sowie eines rücksichtslosen Verhaltens schuldig gemacht zu haben; ein solches Teilgeständnis ist nach norwegischem Recht zulässig.[52]
Eine weitere Frau beschrieb vor dem Gericht in Oslo eine mutmaßliche Vergewaltigung durch Marius Borg Høiby am 8. Oktober 2023 auf den Lofoten als „schlimmsten Albtraum“. Høiby hatte dort mit seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon, Urlaub gemacht. Das mutmaßliche Opfer, das Høiby über die Dating-App Tinder kennengelernt hatte, berichtete, sie sei während des Vorfalls eingeschlafen gewesen und habe sexuelle Handlungen ohne ihre Zustimmung erlebt. Zuvor soll es einvernehmliche sexuelle Handlungen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft legte ein kurzes Video vor, das Høiby mit seinem Mobiltelefon aufgenommen hatte, sowie Herzfrequenzdaten der Frau, die zum Tatzeitpunkt einen schlafähnlichen Zustand belegten.[53] Ellen Holager Andenæs stellte bei der Befragung des mutmaßlichen Opfers mögliche Widersprüche in deren Darstellung heraus. Die Frau habe zunächst gegenüber der Polizei angegeben, den Vorfall nicht als sexuellen Übergriff eingeordnet zu haben; erst später sei ihr bewusst geworden, dass es sich um eine Straftat handeln könnte.[54]
Im Februar 2026 war Høiby im Gefängnis von Oslo untergebracht, wo er vom Kronprinzen und seiner Mutter aufgesucht wurde.[55] König Harald V. äußerte die Hoffnung, dass das Verfahren für alle Beteiligten zu einem gewissen Abschluss führen werde. Er und Königin Sonja ließen zudem mitteilen, dass sie mit den Betroffenen mitfühlen.[56]