MARK 51°7
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MARK 51°7 ist ein Stadtentwicklungsprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Werk I der Adam Opel GmbH in Bochum-Laer. Die rund 70 Hektar große Fläche wird seit 2015 zu einem Industrie-, Technologie- und Wissenscampus umgewandelt.[1]


Geschichtliche Entwicklung der Fläche
Zeit des Bergbaus
In dem Bereich der Gemeinde Laer, wo sich heute die Fläche MARK 51°7 befindet, wurde schon früh Bergbau betrieben. Bereits seit 1736 gab es hier Stollenbetrieb. Ab 1859 ging die Zeche Dannenbaum zum Tiefbau über. Die Zeche kam zusammen mit der Zeche Prinz-Regent in ein Verbundsbergwerk.[2][3] Auf der Anlage der Zeche Dannenbaum arbeiteten 1957 knapp über 1.500 Bergleute.[4]
Zeit der Kohlekrise
Nach der Stilllegung des Bergwerks verkaufte die Gelsenkirchener Bergwerks AG das Gelände der Zeche Dannenbaum an die Stadt Bochum. Die Stadt wiederum verkaufte 1960 das Gelände an die Adam Opel AG.[5]
Für den Bau des Opel-Werks wurden fast alle Bauten der Zeche Dannenbaum abgebrochen. Weiterhin wurde großflächig umliegendes Gelände in das Werk eingebunden. Der Stadtteil Laer veränderte komplett sein Gesicht. Das ehemalige Verwaltungsgebäude und Lohnbüro der Zeche an der Dannenbaumstraße ist heute noch erhalten.[6] Hier befinden sich heute ein Berufskolleg und die Altenbochumer Werkstätten des Johanneswerk.[7]
Firma Adam Opel GmbH
Im Jahr 1964 stammten rund 2.500 der 11.600 Arbeiter der Opel-Werke aus dem Bergbau. Mitte der 1970er Jahre wurden bis zu 20.000 Menschen beschäftigt. Dies bezog sich aber nicht nur auf das Werk I in Laer, wie es teilweise berichtet wird,[8] sondern auch auf die Beschäftigten in Werk II & III in Langendreer.[9] Mit der Krise in der Automobilbranche und Sparplänen bei Opel bzw. dem Eigentümer General Motors blieben 2004 noch 9.000 Opelaner übrig, ein Jahr vor der Schließung waren es 3.200 Mitarbeiter.[10] Am 5. Dezember 2014 lief der letzte Opel Zafira vom Band, womit die Automobilproduktion endete.[11]
Entwicklung seit 2014

Erschließung des Geländes
Im Juli 2015 übernahm die Bochum Perspektive 2022 GmbH die Flächen zu einem symbolischen Preis. Die Bochum Perspektive 2022 GmbH, eine Public-Private-Partnership mit Beteiligung von Stadt Bochum, Land NRW und Bezirksregierung, bereitet die Flächen für Gewerbe, Industrie und Technologie vor. Geplant sind ca. 45 Hektar Gewerbeflächen. Das Projekt umfasst die Erschließung baureifer Grundstücke, Brückenbau, Freiraumgestaltung und den Einbau von Betonfertigteilen wie Sitzstufen und Podesten. Ein Drittel des Geländes ist als Grünfläche geplant.[12]
Bis auf zwei Ausnahmen sind alle Produktionsgebäude zurückgebaut. Das erforderte umfassende Sanierungsmaßnahmen und die Entsorgung von Mineralwolle, Asbest und Beton.[12] Teile der Erde wurden in sogenannten Landschaftsbauwerken am westlichen Teil der Fläche zu Hügeln aufgetürmt.
Der lokale ÖPNV wurde von der BOGESTRA mit einer Verlängerung der Straßenbahnlinie 302 angeschlossen. Es wurden in 15 Monaten rund 1.000 Meter Ausbaustrecke und zwei neue barrierefreie Haltestellen am Anfang und Ende des Geländes eingerichtet.[13] Über die städtischen Schnellstraße (in dem Bereich Nordhausen-Ring) sowie über die Autobahn A 448 ist das Gelände an den motorisierten Verkehr angeschlossen, ein wichtiger Punkt für das DHL Verteilerzentrum. Auf der ehemaligen Trasse der Opel-Bahn wurde im Dezember 2025 ein Rad- und Fußweg eröffnet, welcher bis zur Springorum-Trasse bzw. bis nach Laer führt.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude von Opel steht seit 2017 unter Denkmalschutz (A 704). Der ebenfalls geschützte Schriftzug wurde demontiert und ist zurzeit im Werk Rüsselsheim für eine spätere Verwendung eingelagert. Zu dem Denkmal gehört ebenfalls ein Gebäude der Acetylen-Erzeugung.[14] Dies sind die letzten baulichen Objekte des ehemaligen Werkes.
Mit einem Quartierststag wurde Anfang Juli 2025 der Entwicklungsprozess abgeschlossen. Die zu einem großen Teil vermarktete Fläche wurde von der Bochumer Perspektive 2022 GmbH wieder offiziell an die Stadt Bochum übergeben.[15]
Die Stadtwerke gaben 2018 zudem bekannt, gemeinsam mit dem GeothermieZentrum Bochum ein Energiekonzept für den Gewerbestandort MARK 51°7 zu planen. Im Rahmen des Projektes sollte nach erfolgtem Umbau des Geländes zukünftig hauptsächlich Grubenwasser für die Wärme- und Kälteversorgung verwendet werden.[16] Laut dem Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastruktur und Geothermie handelt es sich bei dem Projekt um das modernste Wärme- und Kälteerzeugungs- und Verteilsystem in Deutschland. Stand 2024 befindet sich die Versorgungstechnik im Bau und soll etwa 2026/2027 in Betrieb gehen.[17]
Einschätzung des Wandels
Die Umgestaltung der ehemaligen Opel-Fläche wurde unter anderem 2019 mit dem polis-Award für urbanes Flächenrecycling[18] und 2022 mit dem Brownfield Award als bestes Industrie- und Gewerbeobjekt[12] ausgezeichnet. Bei Besuchen des Bundeskanzlers Olaf Scholz[19] und anderer Politiker wurde der Wandel gelobt und in der Presse positiv berichtet.
Nutzung des Geländes

Neue Firmen und Gebäude
Als erster „Ankermieter“ errichtete der Logistiker DHL ein Verteilerzentrum mit 700 Arbeitsplätzen.[20][21]
Das Verwaltungsgebäude wurde von der Firma LandMARKen erworben.[22] Nach der Sanierung dient das O-Werk genannte Gebäude als zentraler Bau des neuen Quartiers. Seit dem Frühjahr 2018 hat die Ruhr-Universität die Hälfte der Fläche angemietet. Der Transfer von Hochschule zu Wirtschaft findet dort zusätzlichen Raum jenseits des Campus.[23]
Auf der Fläche sind weiterhin die Firma Volkswagen Infotainment,[21] eine Zentrale der VIACTIV Krankenkasse, der Computersicherheitsdienst PHYSEC GmbH,[24] das Unternehmen für Eisenbahntechnik Wabtec Germany GmBH sowie die ETAS GmbH, ein führender Anbieter von Lösungen für die Entwicklung von Automotive-Software,[25] ansässig. Die Firmen Harpen Immobilien GmbH, Goldbeck, Bremer AG sowie weitere Firmen haben hier Standorte.[26] Der Online-Händler BabyMARKt ist bereits von Dortmund nach Bochum gezogen.[27]
Im August 2021 war über 90 Prozent des Geländes verMARKtet. Zu dem Zeitpunkt war die Hälfte der Fläche bebaut.[28] 2024 waren auf dem Gelände mehr als 3.500 Arbeitsplätze entstanden, ein Potenzial von 10.000 Arbeitsplätzen wird genannt.[19]
Technologiecampus
Als ein wichtiges Gebäude entsteht auf dem Gelände das Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre, welches eng mit der Universität verbunden ist.[23] Der Bau des Gebäudes hat geplante Kosten von 62 Millionen Euro, wovon das Land Nordrhein-Westfalen rund 50 Millionen Euro beisteuert. Es soll bis 2027 fertiggestellt werden und 350 Beschäftigten Platz bieten.[29][30]
Weiterhin sind auf dem Gelände folgende Transfer- und Forschungseinrichtungen der Ruhr-Universität errichtet oder geplant:[23]
- Seit 2021: Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service-Systeme (ZESS), Analyse und Entwicklung neuer Engineering-Ansätze für industrielle Anwendungen
- Zentrum für Theoretische und Integrative Neuro- und Kognitionswissenschaft (THINK)
- Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Transformation (CEIT), Forschungs-, Lehr- und Praxisangebote der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
- Akademie der Ruhr-Universität, Fort- und Weiterbildungsangebote für Alumni und Externe
- Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP), Erforschung der zukunftsfähigen und innovativen Entwicklung der Kirche
- MakerSpace/FabricationLaboratory (Fab Lab), praxisnahe Lehre, Unterstützung bei der Ausgründung von Spin-offs und Hilfe für junge Start-ups